Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 4 (30.1.1925)
- Date
- 1925-01-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Wf^4 DIE WAHRHEIT Seite 9 zu lernen-haben; Wir hätten sie übrigens leicht überwinden können, wenn eben nicht durch das lichtscheue Treiben der erwähnten Spaltpilze Zerfahrenheit und Uneinigkeit in unsere Reihen eingedrungen wäre." Selbsterkenntnis ist bekanntlich de* efsteWeg zur Besserung. Zwischen den vielen Richtungskämpfes kennen sich; bald nur noch „Fachleute" aus. Es wird abes voraussichtlich noch etwas dauern, bis die Völkischen-selbst zugeben, daß überhaupt der ganze Antisemitismus 'cinevSp-ailtp ilz.bewegung»an sich ist. Der Orel muß gehen. Wie seinerzeit gemeldet, haben der christlichsoziale Verein und die Bezirksorganisationen der Partei in Währing den Anton Orel, den der 18. Bezirk in de.n Gemeinderat entsendet hat, ausgeschlossen. Wie nun diet christlichsoziale Parteikorrespondenz mitteilt, habe die Parteileitung'und derParteirat den Ausschluß Orels aus der Partei bestätigt-. Weiters berichtet die Korrespondenz, der K4ub' der christlichsozialen Wiener Gemeinderäte habe in Konsequenz dieser Beschlüsse der Parteiinstanz Orel ebenfalls seine- Mitgliedschaft aberkannt Da Orel vor den Wahlen, wie alle christlichen Kandidaten, der Parteileitung eine Erklärung ausgestellt hat, daß er im Falle seines Austrittesaus der christlichsozialen Partei oder seines Ausschlusses aus dem Klubder christlichsozialen Gemeinderäte sein Mandat niederlegt, hat Nationalrat Leopold Kunschak in seiner Eigenschaft als Obmann des Klubs der christlichsozialen Wiener Gemeinderäte Orel aufgefordert sein Gemeinderatsmandat zurückzulegen, welcher Aufforderung Orel bereits nachgekommen ist. An diesem jet?t gespritzten; Radauantisemiten werden selbst die Christlichsozialen nichts verlieren. Hakenkreuzlerfrechheit In St. Pölten gibt es drei Vereine, welche' den Arierparagraphen eingeführt haben: Den Männer gesangver ein, den Gesang- und Musik verein und den Touristenklub. Diese Verein© ließen nun durch ihre gesinnungsverwandten Vertreter im St Pöltener Gemeinderat den Antrag auf Subventionierung durch die Gemeinde St. Pölten stellen. Die Frechheit der Hakenkreuz-lerbube» läßt sich daraus am besten ermessen, daß-die Vereine eine Kategorie von Bürgern der Stadt ausschließen und gleichzeitig aus Geldern der Gemeinde, zu denen die „unwürdigen" Gemeindebürger einen starken Prozentsatz beisteuern, eine Subvention verlangen. Das ist dasselbe dumm-freche Spiel, welches Hakenkreuzlergesindel im Alpenverein und überall dort treibt, wo es häufig unter falschen Vorspiegelungen jüdisches Geld einsteckt, um dann die Juden zu bekämpfen. In der Gemeinde St. Pölten ist den Burschen ihr Streich nicht gelungen; der Gemeinderat lehnte die Subventiönierung von Vereinen, die den Arierparagraphen eingeführt haben, ab. Zur wahren „Judenlahne". Aus Kopenhagen wird uns geschrieben: Irt Wahrheit war die schwarz-weiß-rote Fahne die Flagge des Judenstammes Levi. Den Nachweis hierfür findet man in dem tausendjährigen Werke Midrash Rabbotth (Edition Wilna 1885, Verlag Witwe Rom), welches in C 2, § 7, zu Numeri C 2; Vers 2, die Farben der einzelnen Stämme aufzählt und berichtet: Die Fahne des Stammes Levi ist ein Drittel schwarz, ein Drittel weiß, ein Drittel rot. Die. wissenschaftsfeindlichen Völkischen. In seiner in Hamburg-Altona erscheinenden „War tez immer-Zeitung" ist Dr. Max Friedland in der Lage, untenstehenden ßrief zu veröffentlichen, der auf die wissenschaftsfeindliche Mentalität der Völkischen ein bezeichnendes Licht wirft und der die Völkischen um den letzten Kredit bringt, weil hier der Kurierfreiheit, das heißt, dem Kurpfuschertum, für das die Völkischen eintreten, Tor und Tür geöffnet wird. Dr. Max Friedland schreibt: „Unter Kurierfreiheit versteht man den Zustand in Deutschland, daß jeder, vom Verbrecher bis zum Geisteskranken, ohne Vorbildung mit der Gesundheit und Dummheit seiner lieben Mitmenschen Schindluder treiben darf. Von den einzelnen Parteien hat als einzige die Deutschvölkische Feiheitspartei folgende Erklärung abgegehen: „Deutschvölkische Freiheitspartei, Sitz Berlin, SW.. den 17. April 1924, Dessauer-Straße 6. Herrn Robert Kühn, Berlin 0. 27, Andreasstraße 75* Sehr geehrter Herr Kühn! Hierdurch teile ich Ihnen im Auftrage der Führerschaft der Deutschvölkischen Freiheitspartei mit daß wir uns im Reichstage wie bisher für die Erhaltung der Kur i er fr ei hei t einsetzen werden. Ich bitte Sie* von dieser Erklärung den Ihnen notwendig erscheinenden Gebrauch zu machen- Mit deutschem Gruß, gez. W, Kuba» Reichsgeschäftsführef der Deutschvölkischen FreiheiteparW Katholiken und Juden gegen Ku-Klux-Kan. Einen gewaltigen Eindruck hat in Amerikt der Aufruf gemacht, den der bekannte katholische Geistliche Dr. M i 1 i s an die katholische und jüdische Bevölkerung Amerikas erlassen hat, daß sje sich im Kampf gegen den Ku-Klux-Klan vereinigen sollen. In dem Aufruf wird auf die schädliche Tätigkeit des Ku-Klux-Klan hingewiesen, der nach Amerika den religiösen und Rassenhaß trägt, von denen das Land bis jetzt frei gewesen ist. Die katholischen Gemeinden werden aufgefordert, sich mit den jüdischen im Kampf gegen diese schädliche Organisation zu vereinigen. Dieser Aufforderung des Pater Milis folgte ein Aufruf in der großen New Yorker katholischen Kirche, der St. Maria-Kirche, in welchem gesagt wird, daß die 19 Millionen Katholiken der Vereinigten Staaten die amerikanischen Juden auffordern, mit ihnen Hand in Hand im Kampf gegen die antikatholische und antisemitische Tätigkeit des Ku-Klux-Klan vorzugehen. Patriotischer Ueberschwang? Im Berliner „Tagebuch" fand sich folgendes Stimmungsbild aus Ungarn: Ort der Handilui^g: Kleine Provirtzstadt Militärgerichtssaal.i Personen: Vorsitzender und übrige Staffage. Angeklagt: Zwei starke, kräftige Soldaten. Zeuge: Ein achtzehnjähriger, schmächtiger Juden junge. Beschuldigung: Verschiedene Diebstähle, einige eingeschlagene Judenköpfe und gerechter Ausgleich; einige eingehauene christliche Fensterscheiben. Tatbestand: Zwei wehrlose, bloß mit Gewehr und Bajonett bewaffnete Soldaten gehen friedlich spazieren. Der oberwähnte Zeuge kommt ihnen stark bewaffnet entgegen, er trägt nämlich einen ganzen Boxer in der Tasche. Nur natürlich, daß die beiden Soldaten, eingedenk ihrer Schwäche, wenigstens durch Schimpfworte ihr Herz zu erleichtern suchen. Doch da geschieht das Unglaubliche. Das Judenjüngelchen, wohl ausgerüstet mit dem Boxer, greift die beiden an und verprügelt die Soldaten derart, daß es ihnen nur mit Mühe gelingt, sich mit blutendem Kopf zu einem Freund zu retten. Wenigstens ist dieses das Bild, das der Vorsitzende gibt. Vorsitzender zum Zeugen: „Also, wenn zwei Soldaten Ihnen begegnen und „stinkiger Jud" rufen, genügt das Ihnen, um gleich beleidigt zu sein?" Eine famose Erklärung. „Anläßlich der jüngsten Wahlen und noch mehr aus Anlaß meines Prozesses mit dem Bankhaus Warburg hat sich in der jüdischen und judendienerischen Presse eine Flut von Beschimpfungen und Verleumdungen über meinen Namen ergossen. Wohlmeinende Freunde raten mir. die Verleumder zu verklagen. Das verbiete sich schon deshalb, weil ich dann genötigt wäre. Hunderte von Prozessen anzustrengen, wozu mir Zeit und Mittel fehlen. Außerdem habe ich in einigen Fällen die Erfahrung gemacht, daß die Gerichte geneigt sind, jüdische Verleumder zu schonen, bzw. die Strenge des Gesetzes gegen Juden nicht in gleicher Weise anzuwenden wie gegen Deutsche. Ich ertrage daher jene Schmähungen mit dem Bewußtsein, daß diejenigen, die der Wahrheit dienen wollen, von jeher vom Auswurf der Menschheit begeifert worden sind. Je mehr sie Gift und Galle gegen mich spritzen, desto mehr werden sie mich in der Ueberzeugung bestärken, daß ich auf dem rechten Wege bin. Ehrliche deutsche Zeitungen mögen ihre Unabhängigkeit dadurch bekunden, daß sie diese Erklärung abdrucken. Theodor Fritsch." — In den Augen des letzteren werden wir wohl nicht zu den „ehrlichen deutschen Zeitungen" zählen, wir haben aber doch seine famose Erklärung zum Abdruck gebracht weil wir mit zu der jüdischen Presse gehören, die „eine Flut von Beschimpfungen und Verleumdungen" anläßlieh des Warburg-Prozesses über den ehrenwerten Namen des Hammer-Fritsch „ergossen"! Wii werden uns wohl mit unseren Preßkollegen darüber tröste* müssen, daß der sonst so gerichtseifrige Fritsch nicht klagen will. Dagegen sollten die deutschen Gerichte, insbesondere das wohl in erster Linie gemeinte Hamburger Gericht die neuerliche Schmähung nicht ruhig auf sich sitzen lassen. Gegen den Numerus clausus. Der ungarische Schriftsteller Nandor Korcsmaros, einer der wenigen christlichen Schriftsteller Ungarns, die während des christlichnationalen Kurses gegen die Unterdrückung der Juden Stellung genommen haben, veranstaltet jetzt eine Enquete unter den bedeutendsten Persönlichkeiten der Welt (Politikern, Gelehrten, Künstlern, geistlichen Würdenträgern usw.). um aus den einlangenden Meinungsäußerungen das Welturteil über den Numerus clausus festzustellen. Herr Korcsmaros, der sich vorwiegend an nichtjüdische Persönlichkeiten wendet, wird das Ergebnis der Enquete in einer Sammlung der Oeffentlichkeit bekanntgeben.