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Die Wahrheit · 1925-01-30 · Heft 4 (30.1.1925) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 4 (30.1.1925)
Date
1925-01-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Wahrheiten vom Tage Deutschvölkischer Farbenzauber. Die Deutschvölkischen Oesterreichs, genau so wie ihre deutschen Genossen mit der Führerschaft Ludendorffs geistig belastet, haben zu Nutz und Frommen ihrer Nachläufer einen „Zeitweiser" (lies: Kalender) herausgegeben. Gleich der erste Aufsatz darin gilt dem großen Erich. Aber er schließt, unvorsichtig genug, mit dem Satze: „Ludendorff soll uns das Panier sein, um das wir uns scharen. Ihm nachzueifern in Treue und Pflichterfüllung . . ." Und beschwört so die Erinnerung herauf an einen gewissen Paß auf den Namen Lindström und an eine blaue Brille, durch die gesehen „Treue" und „Pflichterfüllung" sich eigenartig genug ausnehmen. Harmloser ist der in diesem Zeitweiser eröffnete Kampf gegen die evangelischen und katholischen Taufnamen. Fortan soll der Deutschvölkische nur noch statt Agnes Hadmar und Dietlind „taufen", Albhilde statt Agatha, Folkram und Ermenhilt statt Katharina, Altmund und Frideburg statt Joseph, Widekind und Richtrut statt Maria (!), Hai wart und Siga statt Bonifatius, Kuno und Humberge statt Peter und Paul, Siglind statt Christine (!), Emmo und Isolde statt Laurentius, Ingwalt und Engelberta statt Klara, Tilfrid und Maghild statt Elisabeth usw. Das Gelungenste in dem Büchlein ist aber ein Gedicht auf das „Deutschvölkische Panier", in dem es heißt: „Nun drauf ohn' Wanken, ohn' Besinnen, Das stolze Banner ist entrollt. Wie leuchten hell im Sonnenglanze Die heil'gen Farben — schwarz-rot-gold!" Die Deutschen in Oesterreich halten bekanntlich seit jeher an den alten freiheitlichen Farben fest So kommt es, daß das Panier Ludendorffs, das in reichsdeutschen Landen schwarz-weiß-rot aussieht, sobald es die deutsch-österreichische Grenze passiert, sich mit einem Male schwarz-rot-gold färbt. . . . Pech, Herr Lindström! Ludendorff, der Fromme. Kürzlich sagte in einer Protestversammlung der große Lindström-Ludendorff: „Die Völkischen wollen die Rassenunterschiede, die Gott im Himmel geschaffen hat, nicht ausgleichen lassen, in dem festen Glauben, daß wir damit Gottes tiefes Gebot erfüllen." Auf diese anmaßende Gesinnung trifft zu, was der dänische Philosoph Höffding geschrieben hat: „Sich vertraute Kenntnis der göttlichen Weltordnung zuzulegen, ist ein Erbstück, das von den deutschen Philosophen einer früheren Zeit jetzt auf die deutschen Generäle übergegangen zu sein scheint." Gegen die jüdischen Musikdirigenten. In der Berliner „Deutschen Zeitung" macht ein gewisser Reinhold Zimmermann darauf aufmerksam, daß die meisten hervorragenden Musikdirigenten Deutschlands Juden seien. Er weist insbesondere auf die Dirigenten Furtwängler, Bruno Walter, Erich Kleiber, Otto Klemperer, Leo Blech hin. Er beruft sich auf den Münchener Musikkritiker Paul Marsop, der in der Zeitschrift „Die Musik" nachzuweisen sucht, daß den jüdischen Dirigenten der „deutsche Rhythmus" fehlt. Diesen kann nur ein Deutscher, niemals aber ein Jude haben. Der Artikelschreiber fordert zu einem Kampf auf, „damit nicht die Juden Bekanntmachung. Nachdem ich vernommen habe, daß unter unseren Glaubensgenossen mit Lug und Trug Verdächtigungen und Verleumdungen gegen das Kaschress des Franck-Kaffees verbreitet werden, erkläre ich, daß das alles nicht wahr ist, mag sein wer immer, ist es nur aus Interesse gesprochen. Ich erkläre nochmals, daß Franck-Kaffee ganz verläßlich koscher ist. Wahrheit besteht und Lüge hat keinen Bestand. Simon Schreiber Oberrabbiner in Erlau. (Entgeltlich.) den-geistigen Besitz der Bfetf&dhfea^eföaltön und ihn nach ihrer Weise umdeuten". Die sittliche Pflicht unseres Kampfes. Zu diesem Thema hielt in der Ortsgruppe Königsberg des „C e n i r a 1 v e r e i ri s deutscher Staatsbürger i-üdis£hen Glaubens" Dr. Vogel stein, Breslau, der sich als ehemaliger Rabbiner der Königsberger jüdischen Gemeinde allseitiger Beliebtheit erfreut, ein Referat, das auszugsweise auch uns interessieren dürfte. Einleitend hob Dr. Vogelstein hervor, daß es sich beim Kampf gegen den Antisemitismus nicht nur um eine physische Notwendigkeit handle, sondern daß es sittliche Pflicht sei, diesen Kampf zu führen. Es gehe dabei um Werte und Güter, die allgemein menschliche Fragen bedeuten. Redner wies darauf hin, daß dieselben Argumente, mit denen man in Deutschland die Juden bekämpft, von dessen Feinden benutzt werden, um gegen Deutschland vorzugehen, und daß noch bis auf den heutigen Tag diese Anschuldigungen erhoben werden. Wolle man aber den Haß bekämpfen, der in der ganzen Welt gegen das Deutschtum bestehe, so müsse man sich zunächst gegen den Haß wenden, 4er in Deutschland die Klassen, Stände und Religionsgemeinschaften scheidet. Zwar der Kampf der Meinungen werde und soll niemals aufhören. Aber der Antisemitismus richte sich nicht etwa gegen die Juden, weil sie andere Anschauungen vertreten, sondern weil sie als Menschen in dieser oder jener Hinsicht anders erscheinen. Das sei nicht Kampf gegen Anschauungen, sondern lediglich Angriff gegen Menschen, und es sei der Haß, der diesen Kampf führe. Der Haß aber sei etwas, was man vom sittlichen Standpunkt unbedingt bekämpfen müßte. Mit der Aufforderung, 'die Waffen rein zu halten und den Kampf in vornehmer Weise zu führen, schloß der Redner seine gediegenen Ausführungen. Beleidigungsprozeß Alfred Jacobsen gegen Walther Funder. Der Hamburger Antisemitenführer, Rechtsanwalt Alfred Jacobsen, hatte vor einiger Zeit gegen den Hamburger' republikanischen Journalisten Walfher F ü ii d e r einen Beleidigungsprozeß angestrengt, weil Funder Herrn Jacobsen in einer Wahlversammlung zur Hamburger Bürgerschaft vorgeworfen hatte, daß Jacobsens Antisemitismus siefr nicht »auf Jüdinnen erstrecke, da Jacobsen vor vielen Jahren ein tete-ä-tete mit einer reichen Jüdin gehabt hat. In dem ersten Termin, der am 22. Jänner d. J. in Hamburg stattfand," erklärte Funder, esf sei fraglich, ob der § 193 (Wahrung berechtigter Interessen) für Jacobsen in Frage komme, *da Jacobsen an einem Antisemitismus leide, der bekanntlich eine besonders bösartige Form der Geisteskrankheit sei, gleichzeitig sei Jacobsens intellektuelle Verbindung nit dem Hitler-Putsch nachgewiesen, Jacöbsen untergrabe mit seinen politischen Methoden nachgewiesenermaßen den deutschen Kredit im Auslande und Jacobsens „hu nnisch-chinesischer Typus" sei geeignet, die ganze völkische „Bewegung" in Hamburg und darüber hinaus lächerlich zu machen. — Hierauf würde dieser interessante Prozeß vertagt Juden und Neger. In einer Polemik; gegen^ die- „Frankfurter Zeitung" schreibt die in Weimar, der Stadt der Dichterfürsten, erscheinende Zeitung „Der Völkische" unter anderem: „Mit Negern haben die Juden in den letzten Jahren sehf gerne gearbeitet, den Neger sogar als ,Helden' auf die-Bühne «gebracht. Die jüdischen illustrierten Blätter veröffentlichen mit Vorliebe afrikanische Boxkämpfer und hier nun machen sie aus, »ganz offensichtlichen Gründen für den Negertyp als Typ des heldischen Sportsmannes Propaganda. Dabei spekuliert man auf die niedrigsten Instinkte im niedrigsten Weibtypus Tffid~auf die Gier eines gewissen animalischen Wöberschlages, fder "tiach allem Erotischen gierig ist." Und1 der „Völkische" spekuliert wohl mit Recht auf die Blödsinnigkeit seiner Leser. Der Veruelungsprozeßi der VölJdsChea DJe Mecklenburger Warte", das Zentralorgan der völk. Partei Deutschlands, unterzieht neuerdings die völkische Bewegung und ihre innere Gärung seit dem H i 11 e r - L ude h d o f f f - P u t s c h einer Kritik und sagt: „In'dem Blutbad, das der osllsch^ledefrassige Herr von Kähr an diesem Tag uftter^en^atiönalsOÄlafisten in der Münchener Residenz anrichten ließ« sollte -unsere rFreiheitsbewegung erstickt werden, -was allerdings nicht-gelang, aber daß wir dabei eine schwere Niederlage erlitten, tleren Folgen sich erst bei den ReichstägsWättfen *airi 7> Dezember auswirken sollten, ist eine Tatsache^ def -wir* «fflso ehrlicher ins-Gesicht schauen müssen, als'wir ausihr 'für:tiie< Zukunft

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