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Die Wahrheit · 1925-01-30 · Heft 4 (30.1.1925) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 4 (30.1.1925)
Date
1925-01-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Siite 1»_ DIE WAHRHEIT __. Nr, 4- Theater, Kunst u. Literatur H Von Woche zu Woche Zu „Goethes jüdischen Anekdoten". Dem Wunsche des Heim E. Luman („Wahrheit" XLI Nr. 1, Seite 3) entsprechend, erlaube ich mir, einige Ergänzungen zum genannten Thema zu geben. Daß Goethe ein großer Bibelfreund war, wohl der größte Kenner der Heiligen Schrift unter den deutschen Dichtern, ist bekannt. Das ganze Material über dieses Thema ist erst kürzlich in einem Buch zusammengestellt woi den (,.Goethe und das Alte Testament" von Leo Deutschländer). Dort finden sich auch Hinweise auf Goethes Bemühungen, das sogenannte Juden-Deutsch zu erlernen. Wir erfahren, daß Goethe auch einmal eine jüdische Anekdote in vermeintlich jüdischer Sprache aufgezeichnet hat Der Inhalt ist nicht so bedeutungsvoll, daß er nochmals hier im Wortlaut veröffentlicht werden soll. Das Ganze ist ein etwas boshafter Scherz, nach welchem einst in dreihunderttausend Jahren der Messias „wird geritte komme of äh grosse schneeweiße Schimmel und was äh Woner, wenn 399.000 Jüdlich war of den Schimmel size, do wäre se alle Platz habe." Nur ein einziger „Goye", der sich auch hinaufgesetzt hat, fällt inmitten des Weges herunter. J. Rakoner. Vortrag. Samstag, den 31. d. M., %8 Uhr, hält Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Armin A b e 1 e s im Vereine für jüdische Geschichte und Literatur im Sitzungssaale der Israelitischen Kultusgemeinde einen Vortrag unter dem Titel: Eliah, der Gaon von Wilna. Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien. Samstag, den 31. Jänner 1925. 6 Uhr abends, findet im Hörsaale 35 der Philosophischen Fakultät der Universität ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Armand Kaminka: „Hat es einen Deuterojesaia gegeben?" — eine Streitfrage der Religionsgeschichte — statt. Vortragszyklus ties österreichischen Kantorenverbandes. Herr Dozent Dr. Hugo Stern hält im Rahmen seiner an der Universität gehaltenen Vorlesungen in Fortsetzung seines im obigen Verein gehaltenen ersten Vortrages einen zweiten* Vortrag mit dem Thema: Stimmphysiologische und stimmpädagogische Fragen (mit Experimenten und Lichtbildern). Dieser Vortrag findet am Montag (Feiertag), den 2. Februar präzise 6 Uhr, IX., Lazarettgasse 14, Klinik H a j e k, (I. Stock-Hörsaal), statt. Gäste willkommen. B. Segel: „Die Protokolle der Weisen von Z i o n." Philo-Verlag, G. m. b. H., Berlin SW. 68. Preis 5 Mark. Die Kritik des sogenannten „Weisenschwinde 1", wie der Amerikaner La Folette dieses antisemitische Pamphlet treffend nennt, kommt eigentlich in dieser bisher erschöpfendsten Materialsammlung etwas zu spät, aber doch früh genug, um, wenn ich so sagen darf, das trojanische Pferd des Antisemitismus mit Erfolg abklopfen zu können. Je mehr man sich in dieses Buch hineinliest, desto mehr Achtung gewinnt man vor der strengen Sachlichkeit des Verfassers, der hier mit Bienenfleiß die Fäule der Antisemiten — „Psycholose" — nachweist. Der Politiker, der Wert darauf legt, von anderen und sich selbst ernstgenommen zu werden, wird das funkelnde Florett Segels im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben* benutzen und dadurch den notwendigen Emanzipationsprozeß der ft^nschheit beschleunigen. Walther F u n d e r. Kinderzeitschrift „Meine erste Zeitung". Unter unseren Jugendblättern verdient diese dem Volksschulalter gewidmete Halbmonatsschrift (Verlag: Wien, XIX., Billrothstraße 13, vierteljährig 20.000 K) anerkennendste Beachtung. Das Blatt, das von einem bewährten Wiener Schulmann geleitet wird, hat sich im Gegensatz zu anderen derartigen Schöpfungen durch seine besonders sorgfältige, verständnisvolle Führung auch die schwere Kriegs- und Nachkriegszeit behaupten können und das ist von jedem Kinderfreund mit Genugtuung zu Degrüßen, denn hier wird wirklich Gutes geschaffen. Jedes einzelne Heft bietet seinen kleinen Lesern in ernstem und heiterem, frisch kindlichem Ton und hübschen Bildern so vielerlei Anregung, Unterhaltung und Belehrung für Geist und Herz, daß jedermann nach dieser prächtigen Jugendzeitschrift greifen soltle, die seinem Kinde das ganze Jahr hindurch so viel Freude und Anregung bringt — Ein Probeheft wird vom Verlag auf Wunsch kostenlos zugeschickt. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Montag, den 26. d. M., 8 Uhr abends, fand unter Vorsitz des Präsidenten Prof. Dr. Alois Pick die erste öffentliche Plenarsitzung statt. Der Vorstand war bis auf die entschuldigten Herren Richard B e 11 e 1 h e Im, Sigmund Kauders und Oberbaurat Robert Stricker vollzählig erschienen. Dem von Prof Dr. Pick zur Verlesung gebrachten Präsidialbericht entnehmen wir folgendes: Das Präsidium hat Veranlassung genommen, sich dem Bundespräsidenten, dem Bundeskanzler und dem Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien, ferner dem Bundeskanzler a. D. Polizeipräsidenten Schober vorzustellen; bei diesen Empfängen kam das wohlwollende Interesse dieser höchsten Funktionäre für die Kultusgemeinde zum Ausdruck. Das Präsidium und das Vertreterkollegium haben es als eine ihrer ersten Aufgaben betrachtet, für den geregelten Dienstgang im Betriebe der Kultusgemeinde Vorsorge zu treffen und deshalb Veranlassung genommen, alle Gruppen dar bei der Kultusgemeinde dauernd und hauptamtlich Angestellten einzuladen, sie der wohlwollenden Behandlung gerechtfertigter Wünsche und Begehren zu versichern, dabei auf die Pflicht jedes einzelnen hinzuweisen, der Gemeinde im Rahmen seines Wirkungskreises und im vollen Umfange seiner Dienstobliegenheiten das Beste zu leisten. Es wurden Vorkehrungen getroffen, um die pünktliche Einhaltung der Arbeitszeit und Arbeitspflicht zu gewährleisten und es wurde, dem Wunsche der Gemeindemitglieder Rechnung tragend, die Zeit für den Parteienverkehr in den Aemtern bis 1 Uhr mittags ausgedehnt. Das Präsidium und das Vertreterkollegium haben ferner den Umfang der Kompetenzen auf Grund des geltenden Statutes und der geltenden Geschäftsordnung klargestellt. Zur Beschleunigung der Erledigung laufender Angelegenheiten wurde vom Vertreterkollegium, entsprechend dem Plenarbeschlüsse vom 5. Juli 1922, eine Geschäftseinteilung getroffen und für die Vorbereitung des Budgets pro 1925 ein Dreierkomitee, bestehend aus den Herren Dr. Desider Friedmann, Kommerzialrat Max Markus und Regierungsrat Dr. Hermann Oppenheim bestellt; endlich für die Behandlung laufender Personalangelegenheiten, welche keine dauernde Belastung bringen oder von grundsätzlicher Bedeutung sind, ein Dreierkomitee aus der Mitte des Vertreterkollegiums, bestehend aus den Herren Dr. Josef T i c h o, Dr. Leopold Plaschkes und Dr. Edwin Bader gewählt. Präsident Prof. Dr. A. Pick sprach sodann von der feierlichen Wiedereröffnung des Rothschild-Spitals, über die wir in der letzten Nummer ausführlich berichteten. Aus dem Berichte des ersten Sekretärs Guido Fuchsgelb seien die folgenden zwei Angelegenheiten wegen ihrer besonderen prinzipiellen Bedeutung hervorgehoben: Ein vor kurzem verstorbenes Gemeindemitglied hatte letztwillig verfügt, daß sein Leichnam eingeäschert, die Urne in seine auswärtige Heimatsgemeinde, überführt und dort, wie er es sich bereits zu Lebzeiten gesichert habe, unter Intervention des Rabbiners und Kantors beerdigt werdo. Die Hinterbliebenen hatten mit der Gemeinde Wien-Städtische Leichenbestattung das Abkommen getroffen, daß die Leiche am Sabbat vom Trauerhause abgeholt, ins Krematorium überführt und an diesem Tage die Verbrennung vorgenommen werde. Alle Bemühungen des Präsidiums- und der Aemter, die Hinterbliebenen von dieser das religiöse Gewissen eines großen Teiles der Gemeindcangehörigen beleidigenden Abmachung abzubringen, waren erfolglos, so daß sich das Präsidium gezwungen sah, seinen schärfsten Protest gegen diesen Vorgang bei den zuständigen Stellen des Magistrates einzubringen. Es wird vom Kultusvorstande beim Bürgermeister' in dem Sinne eingeschritten werden, daß die Städtische Leichenbestattung den Auftrag erhält, Bestellungen von Einäscherung jüdischer Leichen für einen Samstag grundsätzlich abzulehnen, beziehungsweise nicht entgegenzunehmen. Vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft ist an die Gemeindebhörden, die Tierärzte und die Gendarmeriekommandanten in letzter Zeit ein Erlaß gerichtet worden, mit welchem diese Dienststellen beauftragt werden, dafür zü sorgen, daß Schlachtungen von Vieh nur nach vorangegangenem Stirnschlag vorgenommen werden. Diese Verfügungen kämen einem Schächtverbote gleich und stellen eine.-.neuerliche

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