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Die Wahrheit · 1925-01-30 · Heft 4 (30.1.1925) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 4 (30.1.1925)
Date
1925-01-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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IM ....... I 111 S55H5?£S3~F^T^'^^ Seite 6 t>tt WAHSMOT Hr. 4 i - i i i 4 t v brechen nicht zurück, sondern animierte ihn vielmehr dazu, in weiterer Fortsetzung ihrer Animiertätigkeit in der Mädchenzeit. Wie sich die Dinge in diesem Frauenkopfe spiegelten, für die Wohlleben, Putz und Geschmeide alles waren, wer kann das ergründen? Aber eine Aeußerung dieser Mordgesellin, die in einem der angesehensten Budapester Blätter, dem „Pesti Hirlap", verzeichnet war, scheint darauf zu deuten, daß die Vorgänge, die dem polirischen Leben in Ungarn der letzten Jahre den Stempel aufdrückten, einen verwirrenden Eindruck auf ihren Geist geübt haben. Die in den ersten Tagen nach ihrer Verhaftung* völlig gebrochene Frau änderte plötzlich ihre fteitung und rief dem die Untersuchung führenden Gendarmeriehaiuiptmann drohend zu: „Sie forcieren die Sache, gewiß hoffen Sie dadurch Karriere zu machen. Aber Sie werden sehen, mein Mann und ich werden bald aus dem Polizeigefängnis herauskommen. " Seien Sie versichert, wir werden dann schon Mittel und Wege finden, um Genugtuung für die Quälereien zu erhalten, die wir hier erlitten.*' Die anwesenden Beamten waren, so berichtet das erwähnte Blatt, starr angesichts dieser Frechheit. Wer erinnert sich aber nicht bei diesem rhetorischen Ausbruche der weiblichen Bestie,', daß sie eigentlich nur die Sprache führte, die das Privilegium aller Hejjas-Leute zu sein scheint, die von geheimnisvollen Drohungen erfüllte Sprache der Bombenwerfer von Czongrad und Budapest. Man weiß jetzt viel von den Lederers. Wollten sie vielleicht andeuten, daß auch sie viel von anderen wissen? * * * Ein Freund dieses Blattes schickte mir einen Ausschnitt aus dem „Prager Tagblatt" zu, in welchem folgende sensationelle Mitteilung des Budapester „Magyarorszäg" reprocteiert war: „Vor einigen Wochen explodierte in einem Csongrader Bauernhof eine vergrabene Ekrasitpatrone, durch die vier Kinder verletzt wurden. Die Spuren führten zu denselben Leuten, zu Oberleutnant Piroska und Genossen, die in dem Csongrader Bombenprozesse als Angeklagte erschienen waren unfd freigesprochen wurden." Wenn sich diese in keinem Wiener Blatte wiedergegebene Nachricht bewahrheitet, so würde sich das Wunderbare ereignet haben, daß bei einer Mordtat, die zum Himmel schreit, aus der Erde die unwiderleglichen Zeugen gegen die Mörder erstehen. Oberleutnant Piroska hat bei der ersten Verhandlung, obwohl kein Vernünftiger an seiner Schuld zweifelte, alles, auch sein früheres Geständnis, ableugnen dürfen. Kommt es zu einer zweiten Verhandlung, dann gibt es für ihn nur eine Rettung, die Anerkennung, daß er „in patriotischem Ueberschwang" tanzende Jüdinnen mordete. Glücklicher Oberleutnant Piroska! Wie sehr muß ihn der arme Oberleutnant Lederer beneiden! Ja, dem droht der Galgen. Warum war er auch nicht vorsichtiger? Wer auf Anerkennjung seines „patriotischen Ueberschwanges" angewiesen ist, muß sich die Leute, die er mordet, erst gut anschauen. Ego. Werbet Abonnenten für „Die Wahrheit"! Bei ußseren Brüdern in New York. Von Chajim Bloch. (Fortsetzung.) Ich habe in New York Mr. Moses O 11 i g e r, einen hochibetagten Mann, zu sprechen Gelegenheit gehabt. Derselbe ist vor mehr als achtzig Jahren, als dreijähriges Kind mit seinen Eltern in das Land gekommen und ist in der glücklichen Lage, über die Entwicklung des amerikanischen Judentums aus eigener Anschauung berichten zu können. Er erinnert sich noch an die Anfänge des New Yorker Judentums, als es kaum noch einige tausend und ganz Amerika kaum 60.000 Juden zählte. Ottinger, der in vielen jüdischen Organisationen und Vereinen eine geachtete Stellung einnimmt, steht dem dortigen Judentum, als es in seiner jüngsten Blüte war, nahe und nahm an dessen Aufbau in hervorragender Weise teil. Er ist auch einer der Gründer des „JewishTheological Seminary of A m e r i c a". Sein am Schuschan-Purim 1860 verstorbener Vater Reb Nathan ben Jizchak-Dob Ottinger, ein Nachkomme der berühmten rabbinischen Familie gleichen Namens, nach der deutschen Stadt Oettingen benannt, und Sprößling des berühmten M'Haram von Rothenberg, war der erste Thoraschreiber Amerikas. Mr. Ottinger, ein Mann von tiefer Religiosität, gab mir ein Wort wieder, welches er vor fünfzig Jahren aus dem Munde einer berühmten amerikanischen Persönlichkeit gehört hatte. Diese Persönlichkeit stand1 mit Ottinger in Geschäftsverbindung und wollte mit ihm eines Tages ein sehr bedeutendes Tabakgeschäft abschließen. Es war Freitag nachmittags und Ottinger müßte, mit Berufung auf den bevorstehenden Sabbat, das Geschäft für Montag verschieben oder, da die betreffende Persönlichkeit dringend nach Havanna verreisen mußte, auf das Geschäft verzichten. Der Großhändler lobte die Treue Ottingers zu seinem Glauben, versicherte ihm, er werde nun um so größeres Vertrauen in ihn setzen und sagte wörtlich: „Man haßt den Judennicht, weil er Jude ist, sondern weil er kein Jude ist!" Die große Welt sieht das Judentum eben lediglich in seiner Religion. Ein Sohn Mr. Ottingers ist Albert Ottinger, gewesener Staatssenator und während ich diese Zeilen schreibe, Kandidat für den Posten eines Generalstaatsanwaltes des Staates New York. Er ist ein angesehenes Mitglied der republikanischen Partei. Es klingt seltsam, daß vor fast hundert Jahren ein jüdischer Einwanderer aus Memelsdorf bei Erlangen, Dr. Isaak Nordheime r*), der in Amerika als großer theologischer Gelehrter berühmt wurde, später die Stelle eines Oberlehrers am evangelischen Theologenseminar bekleidete. Er blieb dem Judentum treu und sein Name wird bis zum heutigen Tage von den christlichen Theologen, die ihn für einen Meister halten, mit Ehrfurcht erwähnt. Nordiheimer, ein Schüler des gefeierten „Chatam Sopher", starb am 3. November 1843. Er fand am spanisch-jüdischen Friedhofe seine Ruhestätte. (Fortsetzung folgt) **) Ich werde über diesen seltsamen Mann bei anderer Gelegenheit einen selbständigen Aufsatz veröffentlichen.

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