Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 4 (30.1.1925)
- Date
- 1925-01-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT sich niemals für Einstein eingesetzt und die „Deutschösterreichische Tageszeitung", die dem ersten Artikel des jugendlichen Herrn Ernst M e i c h e freudig ihre Spalten einräumte, hätte sicherlich nie eine Zeile aus der Feder des reklamesüchtigen Juden Einstein veröffentlicht. Die Erbitterung, mit der Herr Jerzabek. über die verjudete Presse herfällt, wird offen gestanden begreiflich, wenn man erfährt, mit welcher tückischen Schlauheit diese daran arbeitet, Juden und Judenstämmllinge zu schwindelerregender Höhe emporzuschwindeln. Einstein machte sie groß, bevor er noch etwas geleistet hatte. Es gelang, obwohl es etwas plump angestellt wurde. Dagegen war es raffiniert klug, daß die „verjudete" Presse Jahrzehnte hindurch die Genialität und den Ruhm, z. B. Sven H e d i n s in die Welt hinausposaunte, ohne auch nur durch eine leise Andeutung zu verraten, daß er ein Judenstämmling sei. Sie trat mit dieser Enthüllung erst hervor, nachdem die ganze gesittete Welt bereits rettungslos betört und gefoppt Sven Hedins Größe anerkannt hatte. Vor einigen Tagen erst hat das „Berliner Tageblatt" das bisher sorgsam gehütete Geheimnis verraten. Ein Ahnherr Sven Hedins — mütterlicherseits — war ein Frankfurter Jude. Er hieß eigentlich B r o d, ließ sich 1771 in Schweden taufen- und' nahm den Namen Berlin an. Haben die Jerzabeks nicht allen Grund, vor Wut zu bersten, wenn sie sich so übertölpelt sehen? * * * De r testamentarische Wunsch eines alten Mannes betreffs seines Begräbnisses ist in der Regel nicht dazu angetan, bei Leimten von gutem Geschmack Heiterkeit zu erwecken. Aber es läßt sich doch nicht leugnen, daß der letztwillige Wunsch des getauften Baron Kuffner, in der Familiengruft am jüdischen Friedhof in Lundenhurg die ewige Ruhe zu finden, die Erinnerung an einen berühmten, oft zitierten Witz aus dien einst so lustigen „Fliegenden Blättern" wachrief. Die Lundenburger Chewra Kadischa hat diesen Wunsch (auch als er durch eine namhafte Summe unterstützt wurde) nicht respektiert, denn sie vertritt die Anschauung, daß ein getaufter Jude auf einem jüdischen Friedhof nicht bestattet werden dürfe. Es wäre unrecht, in dieser Auffassung konfessionelle Engherzigkeit erblicken zu wollen. Der Jude, der sich im Leben demonstrativ von seinen Glaubensbrüdern trennte, hat, wenn man die Sache von dem hier einzig richtigen religiösen Standpunkt aus betrachtet, das Recht verwirkt, im Tode wieder eine Gemeinschaft mit ihnen herzustellen. Die wahre Pietät für das Andenken der Ahnen, die vielleicht lieber ihr Leben als ihren Glauben aufgegeben hätten, zeigt sich nicht darin, daß man im Grabe mit ihnen vereint sein will. Wer weiß übrigens, ob dSe Toten, wenn sie reden könnten, es nicht als eine Verletzung der ihnen schuldigen Pietät erklären würden, daß man ihre Ruhe durch die Beisetzung; eines— Getauften stört. * « * P a p s t B e n e d i k t XIII. soll, wie in den Blättern zu lesen war, in der Audienz, die er dem Präsidenten der zionistischen Weltexekutive Sokolow gewährte, mit großer Befriedigung die Erklärung entgegengenommen haben, daß die Juden in Palästina gegebenenfalls dafür Sorge tragen würden, daß die heiligen Orte der Christenheit genau so respektiert werden wie die eigenen. Sokolow hätte wohl hinzufügen dürfen, daß die Versicherung eigentlich überflüssig sei, denn kein Jude würde auch nur den Gedanken an die Möglichkeit fassen, daß die heiligen Stätten, welcher Konfession immer eine Mißachtung erleiden dürften. Freilich in einer Zeit, in der man immer wieder davon hört, daß zahlreiche ruchlose Hände sich bemühen, jüdische Synagogen zu entweihen und Thorarollen, die auch jedem wahren Christen heilig sind, zu zerfetzen, in einer Zeit, in der ganze Rotten von Schandbuben sich gammeln, um jüdische Friedhöfe zu verwüsten, v Konnte Sokolow auf den Gedanken kommen, das den Juden Selbstverständliche auszusprechen. Vielleicht geben seine Worte den Anlaß, daß die christlichen Priester, die bisher die schmachvollen Ausschreitungen gegen jüdische Synagogen und Friedhöfe nur im Stillen verurteilten, sie nun auch laut von den Kanzeln aus brandmarken werden. * * * Das allgemeine Erstaunen und Entsetzen über die Mordtat des Herrn Oberleutnants Gustav Lederer erregt mein Erstaunen. Ja, was ist denn so überraschendes an dieser Tat, was unterscheidet sie so wesentlich von den zahllosen blutigen Aktionen in Ungarn, deren Helden nicht schlechter und besser waren als dieser Herr, der, wie jetzt schon festgestellt ist, auch schon in Westungarn eigenhändig Unschuldige aufhängte, durch Raub sich bereicherte, gewissenlos und blutdurstig vor keiner Schandtat zurückschreckte? Der Herr Oberleutnant Gustav Lederer gehörte, wie man längst wußte, zu den antisemitischen Terroristen, die im Britannia-Hotel ungestört und ungeahndet Atrozitäten an Juden ausübten und Jahre hindurch diesem verbrecherischen Treiben unter dem Vorwand des Patriotismus frönen durften. Wer d5e Wahrheit nicht scheut, müßte auch in Ungarn bekennen, daß die Mordatmosphäre, in der sich dieser Herr allein so wohl fühlte, aus der Nachsicht und Duldung entstehen mußte, die man dort seit Jahr und Tag für alle an Juden begangenen Verbrechen bekundete. Vor einigen Tagen erst war die Liste einer Mörderschar zu lesen, die in Kecskemet und Umgebung sowohl an 64 Mordtaten wie an der — Amnestie beteiligt war, weil sie angeblich die Verbrechen „im patrotischen Uebersehwang" begingen. Nun, auch der Herr Oberleutnant Gustav Lederer hat vermutlich erst in Westungarn im „Uebersehwang des Patriotismus" so lange gemordet, bis er später, unempfindlich gegen so zarte Distinktionen geworden, unter dem Drucke seiner mißlichen Finanzlage es auch mit einem christlichen Selchermeister nicht so genau nahm. In einem Lande, in welchem man Bombenwerfer, die Tod und Verderben in einen von jüdischen Frauen veranstalteten Wohltätigkeitsball schleudern, nicht nur freispricht, sondern auch als Patrioten feiert, braucht man wirklich über den Herrn Oberleutnant Gustav Lederer nicht zu staunen. * * * Dieser mörderische Herr Gustav Lederer hatte die seiner würdige Gattin gefunden. Sie hielt ihn von Ver-