Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 4 (30.1.1925)
- Date
- 1925-01-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Europa und Amerika haben, aber nicht für die Juden in Palästina. Ich denke, daß jetzt die Zeit gekommen ist, wo es eher eme > Verständigung über diese Sache gibt unter denjenigen, die großen Einfluß haben, mit deren Wort man rechnet und deren Beispiel man befolgt. Bis in die letzte Zeit hat mein großer Freund Nathan Straus allein gestanden. Aber ich bin froh, sagen zu können, daß, seinem Beispiel folgend, jetzt auch schon andere etwas über Palästina wissen. Im Laufe der letzten zwei Jahre haben Menschen, die wir alle achten, wie Felix Ii. Warburg und Harry Bernheim, Interesse für Palästina gewonnen. Ein Teil von ihnen war früher daran desinteressiert Viele hegten zahlreiche Zweifel über Palästina. Jetzt sind sie alle enthusiasmiert und bereit, der Sache zu helfen. Das kann man an den Spenden erkennen, die sie bereits gegeben haben und die andere zu geben bereit sind. Was Palästina jetzt benötigt, ist genügend Kapital für Handel, Landwirtschaft und Industrie. Im letzten Februar haben wir am selben Orte eine unparteiische Konferenz gehabt, um jene Personen zu erreichen, die Interesse an Palästina haben und etwas dafür tun wollen. Ich fühle mich berechtigt zu sagen, daß die Palestine Economic Corporation binnen kurzem ihre Tätigkeit mit einem Kapital von etwa 3 Millionen Dollars aufnehmen wird. Es ist uns gelungen, diejenigen an unserer Arbeit zu interessieren, deren Interesse erwecken zu können wir anfänglich nicht geglaubt hatten. Wir haben Pläne gemacht, die sich eignen, nicht nur für die, die große Summen in Palästina investieren wollen, sondern auch für Leute, die nur geringe Mittel zur Verfügung stellen wollen und können, so daß die- Corporation einem jeden die Möglichkeit geben wird, ohne Rücksicht auf die Höhe der Summe etwas für den Aufbau Palästinas zu tun. Ich muß wiederholen, daß ich von diesem Zeichen des Willens, dort etwas zu leisten, sehr ermutigt büE Wir erwarten, einen Board of Directorsi zu haben, der. jedem Einzelnen, der aktives Interesse an unserer Arbeit nehmen will, Wege weisen und darauf achten wird, daß alle Unternehmungen auf streng geschäftlicher Basis zur Ausführung gelangen. Es ist dies keine Wohltätigkeit, keine Philanthropie in gewöhnlichem Sinne, sondern ein wirklich konstruktives Geschäftsunternehmen, und dies ist der einzige W«g. auf dem man Erfolg haben kann. Es gibt noch eine Arbeit mit der wir uns jetzt befassen, das Problem der Emigration. Die Tore Amerikas sind verschlossen, und es wird noch lange dauern, bis sie wieder offen sind. Deshalb wurde ein Emergency-Komitee gegründet, das nicht nur jenen Emigranten, die schon unterwegs sind, sondern auch denjenigen, die noch in Osteuropa weilen und in die Notwendigkeit versetzt sind, auszuwandern, beistehen will. Ich bin sicher, daß die einzige Rettung für diese Emigranten1 Palästina sein wird, und ich glaube, daß dies eine der wichtigsten Arbeiten dieses Komitees sein wird. Es gibt sodann noch eine Sache, die im Stadium der Entwicklung ist: das ist die Jewish Agency. In den Vorkriegsjahren und vor der Balfour-Deklaration war Arbeit nur auf dem Wege der Propaganda möglich. Man mußte erst eine öffentliche Meinung schaffen. Die Träumer mußten erst in ihrem Traum weben. Sie selbst wußten noch nicht genau, wie ihr Traum verwirklicht werden würde, und deshalb gab es Mißverständnisse selbst zwischen denen, die jeder großen jüdischen Sache Sympathien entgegenbrachten. Aber nach der Balfour-Deklaration wurde es klar, daß die Arbeit-das Gebiet der Propaganda verlassen habe und nun in ein Stadium des konstruktiven Aufbaues getreten sei. Und seit jener Zeit hat jeder Jude das Recht die Möglichkeit zur Mitarbeit zu fordern, gleichviel welcher Richtung er angehört. Es ist eine jüdische Pflicht es war es stets, alles, was nur möglich, für den Aufbau Palästinas zu tun. Niemand hat ein Monopol auf Palästina, und deshalb ist jetzt die Zeit gekommen, daß alles, was in Palästina geschieht, mit jedem Juden geteilt wird, der an dieser Arbeit teilnehmen will. Es ist dies keine Frage von Ehre oder Aemtern, sondern eine Frage der Arbeit, eine Frage der Verantwortlichkeit. Ich fühle, daß, falls Dr. Weizmann Erfolg haben wird — und ich bin sicher, daß er Erfolg haben wird, weil er in allem, was er will, Erfolg hat — es eine einfache Verständigung geben wird zwischen denen, die mit der Zionistischen Organisation verbunden sind, und denen, die ihr ieTifcs^eihen. um die gleiche Verantwortung zu tragen, sei es von denen, die dies, alles geschaffen haben, sei es von denen, die ander Arbeit teilzunehmen wünschen. Dann wird die- Palästinafrage gelöst sein. Es wird nicht mehr die Schwierig* keiten wie bei der Keren Hajessod-Arbeit gebent Es wird dann, wenn ich keinen Denkfehler begehe, Interesse und Pflichtgefühl für die Entwicklung Palästinas vorhanden sein* genau so, wie die Juden Amerikas in der Zeit des Weltkrieges sich der Notwendigkeit der Hilfe für die Kriegsleidenden bewußt waren. Die Arbeit für Palästina wird nicht in einem Jahre zu Ende sein. Sie wird noch mehrere Jahre dauern, aber sie gleicht nicht der Hilfstätigkeit für. die Kriegsopfer Osteuropas. Es handelt sich hierbei überhaupt nicht um eine Frage der Hilfe, sondern es ist eine Frage des Aufbaues eines Lajndes. Es handelt sich darum, ein Land auf geradem Wege zu bauen, Institutionen zu gründen, die nicht nur für den Körper, sondern auch für den Geist zu sorgen haben und; was von meinem Standpunkt noch wichtiger ist für die religiösen Bedürfnisse. Wir müssen daran denken, daß zuguter letzt der Jude denn doch eine Sache höher als alles andere einschätzt —das ist seine Religiom Das Land, woher wir stammen, wo unsere großen Vorfahren gelebt und gearbeitet haben und wo sie gestorben sind, wo unsere Propheten geweissagt haben und wo König David seine Psalmen gesungen hat, muß auch weiterhin das geistige Helm für die Juden der ganzen Welt sein. (Fortsetzung folgt.) Glossen. Der Abgeordnete Leuthner hat in seiner Parlamentsrede ein Bild der Verhältnisse an den österreichischen Universitäten entrollt, das in jedem, dem die Ehre des Staates, die Würde der Wissenschaft heilig ist, schmerzliche Beschämung erwecken mußte. Die hakenkreuzlerischen Studenten, für die nur Fragen der Politik, der Konfession umd! der Rasse existieren, durch deren Frwktifizierung sie sich eine lästige Konkurrenz beseitigen möchten, üben einen Terror aus, vor dem sieh alles beugt, mißachten Recht und Gesetz in der brutalsten Weise. Wer die Entwicklung der Verhältnisse an der Universität verfolgte, gewinnt den Eindruck, daß die hakenkreuzlerischen Studenten es sind, die die Erziehung der Professoren übernommen haben und nicht umgekehrt. Abgeordneter Leuthner hat an einer Reihe erschreckender Fakten nachgewiesen, daß Professoren und Studenten in harrnonischemi Zusammenwirken die gesetzlich begründeten Maßnahmen des Unterrichtsministeriums ignorierten, wie wenn diese nicht von der ihnen vorgesetzten Behörde, sondern von Gevatter Schuster oder Schneider herrührten. Die Rede Leuthners hat im Parlament sensationelle Wirkung geübt. Werden der Rede Taten folgen? Mit Reden allein kann man weder hakenkreuzlerischen Studenten noch ihnen gesinnungsverwandten Professoren imiponieren. Bei der auf die Antwortrede des Ministers Sehn ei d e r folgieniden Debaitte wurde aluch von dem großdeutschen Abgeordneten Dr. Hiampel der „Wahrheit" Erwähnung getan. Wir sprechen noch von dieser hohen „Ehrunig", Herr Dr. Hampel! * * * Her J e r z a b e k, der, wie schon sein Name bezeugt, der berufenste Vertreter des echt teutonischen Geistes ist, hat mit dem ihm eigenen Scharfblick es erkannt, dlaß Einstein seinen Ruhm ausschließlich der Reklame der „verjudleten" Presse zu verdanken hia'be. Herr Jerzajbek hätte