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Die Wahrheit · 1925-01-23 · Heft 3 (23.1.1925) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 3 (23.1.1925)
Date
1925-01-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 3 DIE WAHRHEIT Seite 11 Von Woche zu Woche ■ Das wiedereröffnete Rothschildspital. Wie wir bereits berichtet haben, machten sich im Winter 1923 24 die Mängel der veralteten Heizungsanlage im Rothschildspitale besonders arg fühlbar. Es konnte weder eine entsprechende Temperierung der Krankensäle, noch hinreichend Warmwasser für Bäder erzielt werden. Der Kultusvorstand sah sich daher zu dem Beschlüsse gedrängt, zwecks Erneuerung der Heizungsanlage in moderner und zweckdienlicher Weise mit 1. Juni 1924 die vorübergehende Sperrung des Spitales zu verfügen. Seither sind nicht nur die mit der Erneuerung der Heizungsanlage verbundenen Arbeiten in Angriff genommen worden, sondern es wurde auch diese Gelegenheit benützt, um durch bauliche Veränderungen eine bessere und rationellere Ausnützung der Krankenräume, eine zweckmäßigere Unterbringung der Ambulatorien und eine Vermehrung der Zahlstockbetten durchzuführen. Es wurden aber auch gleichzeitig alle jene Herrichtungen und Reparaturen vollzogen, die nach den Grundsätzen der Hygiene unaufschiebbar geworden sind, nachdem sie in den letzten Jahren mangels der erforderlichen Mittel zurückgestellt werden mußten. Sonntag, den 18. d. M., erfolgte nun die feierliche Wiedereröffnung des am 9. März 1873, also vor mehr als 50 Jahren, gegründeten Spitales, einer Stiftung des Herrn Anselm Freiherrn v. Rothschild. Zu der schönen Feier hatten sich der Gesamtvorstand der Kultusgemeinde mit dem Präsidenten Generaloberstabsarzt Professor Dr. A. Pick und den beiden Vizepräsidenten Dr. I. O r n s t e i n und Doktor J. Löwenherz an der Spitze, die früheren Mitglieder des Kultusvorstandes, Mitglieder der Bezirksvertretungen, Spitzen der Behörden, darunter Sektionschef Dr. H e 11 y als Vertreter des Bundesministeriums für soziale Fürsorge, Stadtrat Professor Dr. T a n d 1 e r und Oberstadtphysikus Dr. Böhm als Vertreter der Gemeinde Wien, der Enkel des Stifters, Dr. Alfons Rothschild mit seiner Gemahlin Ciarisse, in Vertretung des Rabbinats der Kultusgemeinde Oberrabiner Doktor H. P. C h a j e s sowie Vertreter der gesamten Wiener und ausländischen Presse unter Führung des Redakteurs Dr. Salkind eingefunden. Präsident Prof. Dr. A. Pick begrüßte die zahlreich erschienenen Festgäste und gab der Erwartung Ausdruck, daß dieses Spital, das stets der Stolz, aber auch in der Kriegs- und Nachkriegszeit das Schmerzenskind der Gemeinde gewesen, in Wien und auswärts auch weiterhin Anerkennung und die erforderliche Förderung finden werde, zumal dieses jüdische Spital, in welchem die Verpflegung nach den religiösen Vorschriften erfolgt, den Leidenden ohne Rücksicht auf ihre Nationalität Hilfe zu bringen bestimmt ist. Der Obmann der Spitalskommission, Baurat Kempler, skizzierte in seiner Rede, die er mit einem auf eine Votivtafel des Spitals eingegrabenen Satz „Wirklich arm ist nur der Kranke" einleitete, die Geschichte des Spitals, die zum größten Teile mit der Geschichte des Wiener Judentums zusammenfällt. Dann schilderte er den Umfang der jetzt vorgenommenen Renovierungsarbeiten, die mit einem Kostenaufwand von Milliarden durchgeführt worden sind. Während bisher 165 Betten verfügbar waren, stehen nunmehr für den Krankenbelag des Spitales 236 Better zur Verfügung, von denen ein kleiner Teil für Patienten der I. und II. Klasse bestimmt ist. Dadurch soll der bedeutende Zuschuß, den die Kultusgemeinde für die Erhaltung der unentgeltlich Verpflegten zu leisten hat, verringert werden. Die reich ausgestatteten Ambulatorien und das bedeutend erweiterte Röntgeninstitut mit einer neu angeschafften, besonders leistungsfähigen Apparatur für diagnostische und therapeutische Zwecke werden mit dazu dienen, das Spital zu einer überaus segensreichen und unserer Stadt zur Zierde gereichenden Heilstätte zu gestalten. Er gedachte der hervorragenden Tätigkeit des Leiters des technischen Amtes der israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Ingenieur Lindner, und gah der Versicherung Ausdruck, daß d&s neu instandgesetzte Spital getreu der bisherigen Tradition geführt werden wird. Sektionschef Dr. Helly bezeichnete die Anstalt als ein nicht zu entbehrendes Instrument nicht nur für die Pflege der Kranken, sondern auch für die Wissenschaft und dankte namens des Ministeriums dem Präsidium der Kultusgemeinde für seine bei dieser Gelegenheit wieder einmal bekundete Opferwilligkeit. Er gedachte der in diesem Spitale tätig gewesenen Gelehrten, wie Professor Dr. O s e r, Professor Dr. Zuckerkandl und anderen die dem Institut einen hohen wissenschaftlichen Ruf über die Grenze unseres Vaterlandes hinaus erworben haben und Leuchten der Wiener Aerzteschaft gewesen sind. Unter Führung des Primarius Dr. Karl Fleisch mann, der im Jahre 1923 von dem verantwortungsvollen Posten eines Spitalsdirektors zurückgetreten ist, um sich ganz dem Primariate seiner Abteilung widmen zu können, des neu ernannten Direktors Generalstabsarzt i. P. Dr. Arnold Raschkes, der Aerzteschaft, der ersten Sekretäre der Gemeinde Doktor E. Adler und Guido Fuchsgelb und des Verwalters Hugo Weiß wurde ein Rundgang durch die Spitalsräume angetreten und dem Präsidium der Kultusgemeinde sowie dem Obmann der Spitalskommission, Oberbaurat Ing. W. Kempler, von sämtlichen Besuchern die größte Anerkennung gezollt. Mit großer Befriedigung wurde die im Vestibül angebrachte Gedenktafel beachtet, die folgende Inschrift hat: „Trotz der schweren Nachwirkungen des Weltkrieges konnte der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien in der Funktionsperiode 1920/24 dieses Spital, dank der Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder, zum Segen unserer armen Kranken im Betriebe erhalten und unter dem Präsidenten Generaloberstabsarzt Universitätsprofessor Dr. Alois Pick, den Vizepräsidenten Sigmund K a u d e r s und Dr. Desider Friedmann, sowie dem Obmanne der Spitalskommission, Baurat Ingenieur Wilhelm K e m p 1 e r, im Jahre 1924 dasselbe einer allen Anforderungen der modernen Hygiene entsprechenden, umfassenden Restaurierung unterziehen. Wien im Jänner 1925." Mögen die Hoffnungen, die bei diesem schönen Anlasse von allen ausgesprochen wurden, in Erfüllung gehen und diese segensreiche Anstalt ihrer Bestimmung, der Heilung

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