Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 3 (23.1.1925)
- Date
- 1925-01-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 8 DIE WAHRHEIT Nr. 3 Fuß fassen werde. Nur keine Indolenz, sondern aufrichtige, werktätige Anteilnahme an allem, was im Interesse des Judentums liegt und wir werden auch den heftigsten Angriffen unserer Gegner standhalten können, werden über die schwersten Situationen Herr zu werden vermögen. Das mögen sich unsere Herren Glaubensgenossen ins Gedächtnis schreiben und danach handeln. Also nur keine Indolenz, gemeinsames Fühlen, gemeinsames Handeln. Philipp Leon. Jugendgruppe der „Union". Demnächst wird die Jugendgruppe der „Union deutschösterr. Juden", die bisher zwar tatkräftig geleitet wurde, doch nur unter einem Provisorium stand, eine definitive Leitung erhalten. In einer der letzten Sitzungen des Zentralausschusses der Gruppe wurde der Wahlvorschlag für sämtliche Funktionäre ausgearbeitet, der nunmehr der Generalversammlung, resp. konstituierenden Versammlung zur Sanktionierung vorgelegt werden wird. Nachstehend die Kandidaten: Vorgeschlagen wurden folgende Herren: zum Obmann Jakob Herz Kuszer, Obmann-Stellvertreter Robert Klinger; Kassier Rudolf Jellinek; Schriftführer Benno Low; Revisor Richard Donath; zu Beiräten: Präsident der „Union" und Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Jakob O r n s t e i n, die Rechtsanwälte Dr. Josef Tic ho und Dr. Eduard Korn, Industrieller Karl Fröhlich und Kaufmann Moritz Neumann. Leiter der Sportsektion Dr. Robert K a r p a t h. Veranstaltungen der Jugendgruppe der „Union". Diese erst in jüngster Zeit ins Leben gerufene Hilfstruppe der „Union" legt bereits eine werktätige Rührigkeit an den Tag. Sie trachtet einerseits dem Geist des Muttervereines unter der Jugend eine größere Verbreitung zu verschaffen, andererseits sorgt sie aus Dankbarkeit fü die immer größer werdende Anzahl ihrer Mitglieder diesen auch gediegene Unterhaltung zu verschaffen. So sind für den Fasching zwei großangelegte Amüsements bestellt worden. Samstag, den 24. Jänner findet im Ring-Caf6 eine Tanz-Soiree statt, zu welcher seitens des Geselligkeitskoniitees an die Freundinnen und Freunde der Jugendgruppe hiermit die höflichste Einladung ergeht. Die Besucher der Soiree werden unter allen Umständen auf ihre Rechnung kommen. Dieser qualifizierte Geselligkeitsabend bildet sozusagen den Vorboten einer größeren Veranstaltung. Am 21. Februar findet nämlich der erste große Ball der Jugendgruppe der „Union der d.-ö. Juden" im Saale des Hotel Continental, Taborstraße, statt. -Zu diesem Ballfeste, das alle Attribute moderner Tanzveranstaltungen tragen wird, werden alle verehrlichen Anhängerinnen und Anhänger der „Union" und der Jugendgruppe höflichst eingeladen. Die Gruppenleitung gibt sich der Hoffnung hin, daß der Zuspruch zu dem Ball ein überaus reger sein werde. Bekanntmachung. SB Nachdem ich vernommen habe, daß unter unseren Glaubenagenossen mit Lug und Trug Verdächtigungen und Verleumdungen gegen das Kaschress des Franck-Kaffees verbreitet werden, erkläre ich, daß das alles nicht wahr ist, mag sein wer immer, ist es nur aus Interesse gesprochen. Ich erkläre nochmals, daß Franck-Kaffee ganz verläßlich koscher Ist. Wahrheit besteht und Lüge hat keinen Bestand. Simon Schreiber Oberrabbiner in Erlau. (Entgeltlich.) Nach dem Ausschluß der Sektion Donauland. Die Leitung der Berliner Sektion des Alpenvereines, deren Mitglieder unter Brüskierung des Beschlusses der Generalversammlung auf der Münchner Alpenvereins-Tagung für den Ausschluß der Donauland gestimmt haben, veröffentlicht jetzt eine Erklärung, In der es heißt: „Die Erörterung und Verfolgung politischer Angelegenheiten liegt außerhalb der Zuständigkeit des Vereines. Hakenkreuz- und Judenplakate verschwinden von den Hütten. Wir wollen, soviel an uns liegt, nach wie vor mit unseren jüdischen Mitgliedern in Frieden leben." Die aus dem deutschösterreichischen Alpenverein ausgeschlossene Sektion Donauland hat als selbständiger Verein mit dem Arbeitertouristenverein „Die Naturfreunde" ein Uebereinkommen getroffen, wonach die beiden Vereine ihren Mitgliedern bei Benutzung der Schutzhütten gleiche Begünstigungen erteilen, wie den eigenen Mitgliedern. „Magyaren der Tat." Nach einer Meldung des „Esti Kurier" wurde in Budapest eine neue rassenschützlerische Vereinigung mit dem Namen „Magyaren der Tat" gegründet. Die Versammlung, an der unter anderen Iwan Hejjas teilnahm, der das Programm der neuen Vereinigung entwickelte, gab das Programm der Vereinigung dahin bekannt, daß die Vereinigung die Diktatur Hejas anstrebt und unter der Leitung des früheren Oberleutnants Koloman Tibor steht. Die Vereinigung will durch Straßenaufzüge die Regierung Bethlen zum Rücktritt zwingen und die sofortige Ausweisung der seit dem Jahre 1900 bisher eingewanderten Juden verfügen. Die Hälfte ihres Vermögens soll konfisziert werden. Den nach dem Jahre 1900 eingewanderten Juden sollen alle bürgerlichen Rechte abgesprochen und ihre Zeitungen unter strengste Kontrolle gestellt werden. Gegen die jüdischen Kapitalisten und Grundbesitzer wird ein Legitimationsverfahren geplant. Diese Organisation, die sogar mit der bisherigen Tätigkeit der „Erwachenden Ungarn" unzufrieden ist, ist für das rassenschützlerische Ungarn eine Lebensnotwendigkeit gewesen. Ludendorff, der kühne Springer. Die Nationalsozialisten veranstalten eine Massenkundgebung aus Anlaß der Sommersonnenwende in der Nähe von Stettin. Ludendorff hat seine Teilnahme angekündigt und wird mit seinen Freunden den Sprung über das Feuer ausführen. Hoffenlich wird er dabei gefilmt. Wer den Film nicht zu sehen kriegt, muß es sich so vorstellen. Der weltbürgerHch-semitlscb-rlttmelsterliche Schäferhund. „Unser Schäferhund ist ein eigenartiger Gesell und ein echter Deutscher. (Darum war auf deutschen Kasernenhöfen der Ehrentitel „krummer Hund" so beliebt.) Ueberkultur, schon zu lebhafte Berührung mit der neuzeitlichen, nicht mehr rein arisch-völkischen, sondern von weltbürgerlich-semitischen Einflüssen beherrschten Kultur schadet auch ihm." Dies schrieb ein Rittmeister Stephanitz in „Der deutsche Schäferhund in Wort und Bild", Verlag des Vereines für deutsche Schäferhunde. Schäferhunde Europas, wahret eure heiligsten Güter. Sonst kommt ihr auf den Hund. Oesterreich zur Nachahmung! Die letzte Ausgabe der Zeitschrift „Jungdeutsches Volk", Organ der deutschvölkischen Jugend der Sudetenländer, wurde wegen eines Artikels „Praktische Rassenpflege" beschlagnahmt. In der Begründung wurde auf § 14, Z. 3, des Gesetzes zum Schutze der Republik hingewiesen und gesagt, in diesem Artikel werde gegen die Juden als Gruppe der Bevölkerung wegen ihrer Rasse zum Haß aufgereizt. Niedriger hängen! Ersichtlich handelte es sich bei dem angeblichen Liebesroman der holländischen Prinzessin Juliana, von dem in der letzten Nummer unseres Blattes die Rede war und mit welcher ebenso geschmacklosen wie rührseligen Geschichte die Oeffentlichkeit natürlich zuerst vom „Neuen Wiener Journal" beglückt wurde, um eine der Zeitungsenten, die ja zu allen Zeiten in der Presse aller Länder sich niederlassen. Soweit also hätte uns die Angelegenheit nicht zu bekümmern, wenn sich nicht die völkischen Zeitungen ihrer bemächtigt hätten. Obwohl nichts davon bekannt ist, ist nach dem ^Bayrischen Vaterland" und dem „Miesbacher Anzeiger" (Nr. 295) * der „Erfinder des Romanes" ein „Dreckjude" und die blöde Geschichte deshalb erfunden — man höre und staune! —um „den monarchischen Gedanken damit im Kern zu treffen". Und nun merke man sich die Schlußbemerkung