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Die Wahrheit · 1925-01-23 · Heft 3 (23.1.1925) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 3 (23.1.1925)
Date
1925-01-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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•Nr. 3 DTE WAHRHEIT Seite 3 Zionistische Probleme. (Fortsetzung.) In der Deklaration, die an Lord Rothschild gerichtet war, heißt es: „Sr. Majestät Regierung betrachtet die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk mit größtem Wohlwollen und wird die größten Anstrengungen machen, um die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern." Daß die Erklärung nicht an Professor Weizmann als Haupt der zionistischen Organisation, sondern an Lord Rothschild als eine der prominentesten jüdischen Persönlichkeiten gerichtet war, ist ein Zeichen dafür, daß die Deklaration sich nicht an eine Partei, sondern an die gesamte Judenheit wendete. Der Balfqur-Deklaration folgten Sympathieerklärungen der französischen, italienischen und japanischen Regierung. Indessen versprachen auch die Mittelmächte Förderung einer jüdischen Palästinabesiedlung. Im Sommer 1918 fand in Konstantinopel eine Besprechung der an Palästina interessierten deutschen und österreichisch-ungarischen jüdischen Organisationen mit der türkischen Regierung statt, die durch den drei Monate später erfolgten Zusammenbruch der Mittelmächte hinfällig wurde. Inzwischen begannen die Friedensverhandlungen, der Völkerbund wurde gegründet. Die Pariser Konferenz bestätigte die Deklaration, die Konferenz von San Remo beschloß, die Bestimmungen des Palästinarnandates über die jüdische Heimstätte in den Friedensvertrag mit der Türkei aufzunehmen, und nachdem die im Völkerbund nicht vertretenen Vereinigten Staaten durch eine Resolution des Senats und des Repräsentantenhauses vom 30. Juni 1922 ihre Zustimmung erklärten, wurde das Mandat in der Sitzung des Völkerbundrates in Taufe zu entschuldigen. Wahr bleibt das Eine: daß er seit diesem verhängnisvollen Tage sich mit umso größerer Kraft dem Kampfe für die Juden und der Vertiefung in die jüdische Gedankenwelt zuwandte. Auf diesem Weg liegt sowohl der publizistische Feldzug großen Stils, zu dem ihn die Vorgänge in Damaskus veranlaßten, wie die merkwürdige Synthese, die er in späterer Zeit zwischen den beiden Ideen, an welchen sein Herz trotz allem Aufbegehren am innigsten hing, zwischen Deutschtum und Judentum entdecken wollte. Noch Hermann Cohen, der Wiedererwecker Kants und der Propheten, ist von dieser Heineschen Theorie lebhaft angeregt worden. Vielleicht hätte der kenntnisreiche Herausgeber dieser äußerlich wie innerlich geschmackvollen Auswahl die Anmerkungen, die gerade bei dieser gestaltenreichen Welt Heines höchst notwendig sind, etwas weniger knapp, das Inhaltsverzeichnis durch genauere Angaben der Herkunft der angeführten Stellen ausführlich gestalten sollen. Denn n dem Weiterverfolgen der in diesem schönen Buche enthaltenen Anregungen bis in Heine und bis ins jüdische Schrifttum hinein liegt der eigentliche Wert. Heines Beziehung mit dem jüdischen Schrifttum liegt viel tiefer als alle diese Stellen es vermuten lassen; sie spricht, wie Perles einmal nachgewiesen hat, von einer geheimnisvollen Kon- London am 24. Juli 1922 ratifiziert und ist somit positives Recht geworden.*) Mit diesem Moment beginnt innerhalb der zionistischen Organisation die Auseinandersetzung über die Mitarbeit der Nichtzionisten und die Jewish Agency. Man dachte an einen alljüdischert Weltkongreß, dann an einen Kongreß aller Juden, die an Palästina interessiert sind. Aber alle diese Wege haben sich vorderhand als ungangbar gezeigt und so blieb nur der Weg übrig, den Weizmann eingeschlagen hat, die Jewish Agency durch Gewinnung der jüdischen Persönlichkeiten zu bilden. Diese Methode hat bei einem Teil der Zionisten großen Widerstand hervorgerufen; das Aktionskomitee mußte jedoch, da es keinen besseren Weg sah, Weizmann die Vollmacht erteilen, nach seinem Gutdünken vorzugehen. Und dann ist auch Ingenieur R. Stricker von seiner Stelle als Vizepräsident des Aktionskomitees zurückgetreten. Mit seinem Rücktritt wollen wir uns ein andermal beschäftigen. Wir haben hier die politischen Grundlagen dargestellt, die zur Bildung der Agency führen und wollten dabei die Verdienste Weizmanns zeigen, die er vom *) Hier sei noch der völkerrechtliche Begriff des Mandates erklärt. Palästina gehört der Gruppe der „A"-Mandate an, von denen der Artikel 22 der Völkerbundsatzung sagt: „Gewisse Gemeinwesen, die ehemals zum türkischen Reiche gehörten, haben eine solche Entwicklungsstufe erreicht, daß sie in ihrem Dasein als unabhängige Nationen vorläufig anerkannt werden können unter der Bedingung, daß die Ratschläge und die Unterstützung eines Mandatars ihre Verwaltung bis zu dem Zeitpunkte leiten, wo sie imstande sein werden, sich selbst zu leiten." Das Mandat kann also als ein Protektorat angesehen werden, das England im Auftrage des Völkerbundes ausübt. (Daß dem Wortlaut des Statutes entsprochen wurde, sehen wir daran, daß England selbst die Aufhebung des Mandates für Irak und für dessen Aufnahme in den Völkerbund eingetreten ist.) Die Souveränität übt also der Völkerbund, nicht die Mandatarmacht aus. vergenz dieses späten Enkels mit dem Gedankenleben der Neuzeit. Bibel. Von Heinrich Heine. Ich habe wieder im^Alten Testamente gelesen. Welch ein großes Buch! Merkwürdiger noch als der Inhalt ist für mich diese Darstellung, wo das Wort gleichsam ein Naturprodukt ist, wie ein Baum, wie eine Blume, wie das Meer, wie die Sterne, wie der Mensch selbst. Das sproßt, das fließt, das funkelt, das lächelt, man weiß nicht wie, man weiß nicht warum, man findet alles ganz natürlich. Das ist wirklich das Wort Gottes, statt daß andere Bücher nur von Menschenwitz zeugen. In Homer, dem anderen großen Buch, ist die Darstellung ein Produkt der Kunst, und wenn auch der Stoff immer, ebenso wie in der Bibel, aus der Realität aufgegriffen ist, so gestaltet er sich doch zu einem poetischen Gebilde, gleichsam umgeschmolzen im Tiegel des menschlichen Geistes; er wird geläutert durch einen geistigen Prozeß, welchen wir die Kunst nennen. In der Bibel erscheint auch keine Spur von Kunst; das ist der Stil eines Notizenbuches, worin der absolute Geist, gleichsam ohne alle individuelle menschliche Beihilfe, die Tagesvorfälle eingezeichnet, ungefähr mit derselben tatsächlichen Treue, womit wir unsere Waschzettel schreiben. Ueber diesen Stil läßt sich gar kein Urteil aussprechen, man kann nur seine Wirkung auf unser Gemüt konstatieren, und nicht wenig mußten die griechischen Grammatiker in Verlegenheit geraten, als sie manche frappante Schönheiten in der Bibel nach hergebrachten Kunstbegriffeu definieren sollten. Longinus spricht von Erhabenheit. Neuere Aesthetiker sprechen von Naivität. Ach. wie gesagt, hier fehlen alle Maßstäbe der Beurteilung. Die Bibel ist das Wort Gottes.

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