Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 2 (16.1.1925)
- Date
- 1925-01-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Ut. 2'-- um WAtuerttü Seile H Von Woche zu Woche B Israel T««bs*amm©oh»tit«t Am 1. November 1844 nahm der Kaufmann Hirsch Kollfsch in Ntkolsburg, Mähren, die ersten jüdischen taubstummen Kinder zur Pflege, zur Erziehung und zum Unterricht auf und hatte für diese große erziehliche Arbeit den Hingen Lehrer Joel Deutsch gewonnen. Hirsch Kollisch war zu dieser großen Fürsorgetat von dem katholischen Religionslehrer am Wiener kaiserlichen Taubstummeninstitut, Prof. Dr. Hermann Czech angeregt worden und dieser bezeichnete Joel Deutsch „als einen von' Qott zu diesem Lehrfache berufenen Mann". In der Tat nahm diese von Christ und Jude geschaffne Humanitätsanstalt, die 1845 in ihr jetziges Heim, III« Juchgasse 221 übersiedetta einent bewundernswerten Aufschwung. Joel Deutsch stand in der vordersten Reihe der Taubstummenbildner. Das allgemeine österreichische, israelitische Taubstummeninstitut, wie es 1852 offiziell genannt wurde, blühte, wuchs und ward berühmt, -hin feiert dieses Kulturgut der Wiener Juden, an dessen Spitze heute Direktor Dr. S. Krenberger steht, seiner. SjJ. Geburtstag in Sorge und Bedrängnis, denn es wurde durch die Geldentwertung sehr arm. Samstag, den 17. d. M., 9 Uhr vormittags, findet aus diesem feierlichen Anlaß ein großer Festgottesdienst im großen Leopoldstädter Tempel statt, bei dem Herr Rabbiner Dr. Max Orunwald die Festrede halten wird. Jugendgruppe der „Union". Der wohl erwogene Gedanke, der „Union deutschösterreichischer Juden" eine Jugendgruppe anzuschließen, mit der Aufgabe, im Dienste der Propaganda für den Verein Ersprießliches zu leisten, ist rasch zur Tat geworden. Eine Reihe von rührigen Herren und Damen hat nach dieser Richtung eine geradezu musterhafte Werbetätigkeit an den Tag gelegt. Und der am Vorabend des Chamikafestes, am Samstag, den 20. v. M., stattgehabte Vergnügungsabend hat dies zu lebhaftem und dankenswertem Ausdruck gebracht. Im Souterrain des Ring-Caf6 fand sich eine erlesene Gesellschaft von anmutigen Damen und tatkräftigen Herren ein, um die zweckdienliche Unterhaltung zu begehen. Allen voran die Herren Rechtsanwalt Dr. Korn, Neumann, Brückner, Klinger und Herz, ebenso die Damen Neumann und Brückner, die eine schier unermüdliche Arbeit entwickelten und dabei — besonders Herr Neumann — ein erprobtes Arrangementtalent entwickelten, dem Vereinszwecke zu dienen und diesem in tätigster Weise zu fördern. Als Einleitung gab es da zunächst geistigen Genuß. Präsident der „Union", Herr Rechtsanwalt Dr. Jakob O rnst ein, hielt einen Vortrag über die „Sittliche Welt des Judentums" nach dem bereits vielseitig gesuchten trefflichen Werke des Karlsbader Rabbiners Dr. Ziegler. Der Vortragende leitete seine Ausführungen mit den Hinweis auf das im zerstörten Tempel Jerusalems gefundene Lämpchen ein, dessen wunderbar erhaltenes Licht den nie versagenden Geist des Judentums darstellt. Bei nachdrücklicher Betonung des großen ethischen Wertes der jüdischen Religionslehre, die als Musterbüd für alle Zeiten dastehen und zu einer Zeit schon in Erscheinung trat, wo ringsum tiefste Unkultur herrschte, richtete Dr. Ornstein zum Schlüsse eine Mahnung an die Anwesenden, diesem erhabenen Geiste treuzubleiben und für den Verein zu wirken, der sich die schwere Aufgabe gestellt hat, in der Abwehr der Angriffe auf das Judentum niemals zu erlahmen. Die formvollendeten mit geistreichen Apercus gewürzten Darlegungen Dr. Ornsteins ernteten wohlverdienten rauschenden Applaus des Auditoriums. Nach humoristischen Vorträgen des Herrn S z e n d e, die allgemeinen Beifall fanden, trat die Jugend in ihr Recht Sie tanzte unverdrossen bis in die Morgenstunden hinein, So hatte dieser von der Jugendgruppe veranstaltete Abend einen durchschlagenden Erfolg, zu welchen die Herren Initiatoren und Arrangeure nur beglückwünscht werden können. Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbe treibender. Sonntag, den 28. Dezember 1924, fand im Bethause des Vereines zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender, n., Malzgasse 1, die Feier des 40 j ä h r i g e n Gründungsjubiläums im Rahmen eines Festgottesdienstes statt. Es fanden sich zu dieser Feier ein: Der Gesamt vorstand, bestehend aus den Herren Obmann Saul Klausner, die Obmannstellvertreter Rudolf Goldstein und Alexander Sieder er, Schriftführer Josef Buch heim, Schriftführerstelivertretar Benjamin Ho r o w j t z. Kassier Aron Barschak, Kasslerstellvertreter Leon Horn, die Vorständsmitglieder Alfred Billig, Moritz Derschowitz, Ferdinand Kornmehl, Wilhelm Kreindler, Markus Mond, Jakob Münz, Ferdinand Schmetterling, Joachim Stapler, Salomon Wasser, Paul Weininger, Abraham Hornik, WoM Kokesch, Ignaz Rindler, Gedalje Temrael, Karl Ziegenlaub, Isak Fränkel und Littmann Rappaport, ferner zahlreiche Mitglieder des Vereines sowie nachfolgende Vertreter von Korporationen und Vereinen: Herr Kultusrat Dohan in Vertretung des Kultusvorstandes; die Herren Obmann Dr. Rybaczewsky, Grünberg, Löw, Reinhold namens des Vereines der „Brodyer"; Herr Direktor Adolf Hecht als Obmann des Vereines „Nord-Ost"; die Herren Knispei und Fichtmann namens des Vereinet „Ohe) Rachel"; die Herren Obmann Stapler und Hoyda als Delegierte des Bethausvereines „Bene Berith"; die Herren Obmann S. Kohn und Fischhof namens des Bethausvereines „Ohe! Awrohom"; die Herren Grünberg, Sü0 und Hammersfeld namens des Vereines „Liwlas Chen"; die Herren Frey und Kupferberg namens des Vereines „Machsike Hadath"; Herr Wolf namens des Vereines „Chesed Schel Emes" u. a. m. Die kantorale Funktion hat Herr Oberkantor Emanuei Fränkel mit Unterstützung seines ausgezeichneten Chores in würdevollster und überaus wirkungsvoller. Weise versehen, Die Feier wurde nach Verrichtung des Mincha-Gebetes mit einer Begrüßungsansprache, welche Obmann Saul Klausner hielt, eröffnet Merklichen Eindruck machte die tiefe Rührung, mit welcher Herr Obmann Saul Klausner der verstorbenen Gründer des Vereines gedachte. Seine Ehrwürden Herr Gemeinderabbiner Dr. Max Grunewald hielt die Festrede. Nach einer kurzen, aber erschöpfenden Darstellung des Entwicklungsganges, den der Verein während seiner glänzend bestandenen 40jährigen Probe auf seine Existenzberechtigung genommen hat, schilderte der Redner in meisterhafter Weise die zwischen der Tätigkeit des Vereines, die steh auf fast sämtliche Zweige des Wohlfahrtswesens erstrecke, und dem im jüdischen Schrifttum kanonisierten Pflichtenkreis eines jüdischen Gemeinwesens bestehende Harmonie. In überaus herzlichen Worten beglückwünschte Herr Rabbiner Dr. G r u n w a 1 d den Verein, an dessen Spitze der allbeliebte Herr Saul Klausner als Obmann steht, der seit 38 Jahren dem Vorstand angehört und während dreier Dezennien als Obmann des Vereines es verstanden hat, sich mit einem Stabe von trefflichen Männern zu umgeben, um gemeinsam mit diesen den Verein auf jene Höhe zu bringen, die das bewährte Vorstandskollegium, dessen Namen auf der heute zm enthüllenden Gedenktafel prangen, mit Recht als ihr Verdienst jahrelanger aufopfernder und hingebungsvoller Tätigkeit betrachten darf. Herr Kultusrat Dohan brachte die besten Grüße und Glückwünsche namens des Kultusvorstandes zum Ausdrucke. Herr S. Kohn sprach als Obmann des Vereines „Ohe! Awrohom" einige herzliche Worte und brachte einige Reminiszenzen aus weit zurückliegender Zeit gemeinsam mit dem Obmann Herrn Saul Klausner geleisteter Arbeit im Interesse der Erhaltung des alten traditionellen Gottesdienstes in den Wiener Vereinsbethäusern. In Vertretung des Vereines „Ohel Rachel" sprach der durch sein tiefgehendes jüdisches Wissen bekannte Schriftführer Herr Josef B u c h h e i m, der dem Vereine die verdiente lobende Anerkennung zum Atisdrucke brachte und ganz besonders in seiner Rede die noble Vornehmheit hervorhob, mit welcher der Verein dem leuchtenden Vorbilde seines Oberhauptes nacheifernd, seine Gaben an seine Schutzbefohlenen verteilt. Den Schluß dieser erhebenden Feier bildete* das Anzünden der Chanuka-Lichter und das Abendgebet. — Hierauf fand im Restaurant„Barschak". II., Große Schiffgasse 3, ein Festbankett statt, das den größten Teil der Festgäste in froher, gemütlicher Stimmung vereinigte. Es fehlte auch nicht an launigen, sehr sinnreichen Toasten, durch welche sich insbesondere die Herren Direktor Fritz G o 1 d f a r b. Obmannstellvertreter Rudolf G o 1 d s t e I n. Dr. Rybaczewsky, Direktor Hecht, Barschak, Adolf Weininger und Josef Buchheim auszeichneten. Stürmischen Beifall erntete Herr Ferdinand K o r n m e h 1 mit seinen Ausführungen, die in einem Lob an die Gattinen der Vorstandsmitglieder gipfelten, die ihre Männer in der Ausübung ihrer Mandate nicht nur nicht hindern, sondern diese sogar durch freiwillige Uebernahme größerer Pflichten im Haus und in ihren geschäftlichen Betrieben darin unterstützen, aber auch selbst im erforderlichen Falle werktätigen Anteil an der nach so vielen Richtungen hin segensreich wirkenden Vereinstätigkeit nehmen. Herr Oberkantor Fränkel, welcher mit seine«