Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 2 (16.1.1925)
- Date
- 1925-01-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT nützigkeit, die an Selbstlosigkeit streifte, mit Hingebung an die gewonnene Ueberzeugung, mit Gewissenhaftigkeit innerhalb und außerhalb seiner Amtspflicht, mit Zartgefühl, feinem Takt, Wider-, willen gegen das Gemeine und Nachsicht gegen die Gemeinen, diese Eigenschaften nahmen auf den ersten Blick für ihn ein, fesselten die Edlen, flößten selbst den Unedlen eine Ehrerbietung für ihn ein und erleichterten dadurch seine Wirksamkeit." Die Wiener Gemeinde hat mit vollem Rechte ihrem geistigen Vater eine Ehrentafel im Stadttempel und einen Ehrenplatz im Herzen vieler Generationen errichtet. Die Verdienste Mannheimers bestehen hauptsächlich: 1. in der Aufrechterhaltung der Einheit, der Gemeinde durch weitestgehende Mäßigung der Reformbestrebungen. 2. in der Erweckung der uralten jüdischen Tugenden, des Zusammengehörigkeitsgefühls, der Wohltätigkeit und Nächstenliebe und nicht zuletzt 3. im unerschrockenen Eintreten nach außen für das unterdrückte Recht des Judentums. Ueber die Abstammung und den Werdegang dieses hervorragenden Mannes ist bei Gerson Wolf, Isak Noa Mannheimer, eine biographische Skizze, Wien 1863, und in meinem Buche: Isak Noa Mannheimer, sein Leben und Wirken, Wien 1822, nachzulesen. Hier ist sein Eingreifen in das Schicksal der Wiener Juden allein in Betrachtzuziehen. Der Dempfingerhof war im Umbau begriffen. Durch eine innere Anleihe von 100.000 Gulden Konventionsmünze wurde der notwendige Betrag aufgebracht und im Oktober 1823 der Architekt Josef Kornhäusel betraut, die Pläne für den Bau zu entwerfen. Mannheimer konnte bereits im August 1821 als Gastredner am dritten Sabbat in der Betstube mit großem Erfolge predigen. Biedermann, der ihn inzwischen auch in Leipzig in der Messezeit mehrmals reden hörte, arbeitete nunmehr mit voller Kraft darauf hin, daß dieser für Wien gewonnen werde. Es waren unendlich viele Schwierigkeiten zu überwinden. Vorurteile von Seiten vieler Tolerierter, die in Mannheimer einen zu starken Stürmer erblickten, Uebelwollen der Regierung gegen den dänischen Ausländer, obschon seine österreichische Abstammung nachzuweisen war, standen dieser Idee hinderlich im Wege. Biedermann ging, wie er einem Berliner Freunde schrieb, „recht behutsam zu Werke", dabei aber sehr energisch vor. Mann- . heimer hielt sich in Hamburg auf, wo er seine Gattin, Lisette, heimführte. Dort erreichte ihn das Ernennungsdekret, unterfertigt am 26. Dezember 1824, mittels welchen er „als Religionslehrer mit dem Titel eines Direktors der israelitischen Religionsschule" bestellt wurde., Die Stelle eines Predigers und Seelsorgers der Wiener Juden sollte er sich selber spätei schaffen. (Fortsetzung folgt) Bei unseren Brüdern in New York. Wahrnehmungen und Betrachtungen. Von Chajim Bloch. (Fortsetzung.) Während das Hinüberströmen von Juden nach Amerika bis zum Anfange des neunzehnten Jahrhunderts langsam vor sich ging, setzte in den Jahren 1820 ein bedeutender Zuzug, größtenteils aus Mitteleuropa, ein. Die damals in den Ländern deutscher Zunge — zu welchen auch Oesterreich gehört — herrschenden rückschrittlichen Ausnahmsgesetze gegen Juden und schwere wirtschaftliche Verhältnisse zwangen deutsche Juden, die ihnen teure Heimat massenhaft zu verlassen und sich nach der neuen Welt zu begeben. Man möge dabei an die Schwierigkeiten einer damaligen Seereise denken? Sie verbreiteten sich über ganz Amerika und drangen selbst bis zum Ufer des Pacific. Das deutschjüdische Element gibt noch heute den größeren Städten, besonders aber New YorkseinGepräge. Auf den Geschäftstafeln, in den Adreßbüchern findet man ganze Reihen wohlklingender deutscher Namen, deren Träger, man muß nicht gerade ihr Angesicht sehen, Juden sind. Sie — es mag sein, schon ihre Väter, Großväter oder Urgroßväter — kamen aus deutschen Gegenden hinüber. Es soll gleich hier ausdrücklich hervorgehoben werden, daß die eingewanderten deutschen Juden, oft auch deren Kinder, dem Deutschtum Treue bewahren, laut und stolz ihre deutsche Herkunft betonen und dem deutsch-kulturellen Leben ein liebevolles Interesse entgegenbringen, trotzdem sie sich selbstverständlich in das Wesen Amerikas einlebten. In New York bestehen zwei Verbindungen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, abseitsvon jeder Politik das geistige Deutschtum auf amerikanischem Boden zu fördern, in welchen die Juden in erhöhtem Maße - - da gibt es nämlich keinen Rassenparagraph! — vertreten sind. Vor mir liegt ein Prospekt, eine Einladung zu einem Konzert, veranstaltet vom „Deutschen gesellig - wissenschaftlichen Verein" in New York vom Jahre 1920, der vom damaligen Präsidenten Dr. Otto Glogau gezeichnet ist und dessen gegenwärtiges Oberhaupt ebenfalls ein amerikanisch-deutscher Jude, Doktor W. F r e u d e n t h a 1, ist Aus diesem Prospekte ist der Zweck des Vereines, in welchem sich Juden und Christen, soweit sie sich zum Deutschtum bekennen, gut vertragen, genau zu entnehmen. Er lautet: Als amerikanische Verbindung betrachtet es der Gesellig-Wissenschaftliche Verein als seine Hauptaufgabe, eine neue amerikanische Geisteskultur mitaufbauen zu helfen, die das Beste der Kulturen aller Länder in sich vereinigen soll. Deutschland und Oesterreich sind gegenwärtig aus dar Weltpolitik geschieden, in der Ruhmeshalle der Wettkultur aber stehen die Namen Goethe, Schiller, Heine, Grillparzer, Beethoven, Wagner, Mozart, Schubert und viele andere Leitsterne der deutschen Kunst, Wissenschaft und Literatur unauslöschlich auf Ehrentafeln eingegraben. JAC. MAYER Kleiöer-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detail verkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien II., Taborsfrafie 44