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Die Wahrheit · 1925-01-16 · Heft 2 (16.1.1925) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 2 (16.1.1925)
Date
1925-01-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHR«? Nr. % Alpenrosen und Edelweiß ans dem Alpengebiete Judas und Ephraim. (Gewidmet dem Touristen-Vereine „Donauland".) Von Albert Low. Ehsuh enei elhorim meaiin juwo esri.* »Ich erhebe empor mein Auge zu den Bergen, » von wannen meine Hilfe kommt". Wanderlied Davids, Kapitel 121. Unser erster Tourist und weiser Führer Moses, der uns befreiend aus der Knechtschaft Aegyptens durch Meer und Wüstenland führte, machte vor ungefähr 3000 Jahren eine Gebirgstour zu unserer hohen R a x, dem Berge Sinai. Ein starrer, dürrer, vereinsamter Granitfelsen, ein Berg ohne Alpenwiesen, ohne Gebirgsflora, nur hartes Gestein; er wird deshalb auch Choreb (dürr, einsam) genannt. Von dem Gipfel dieses vereinsamten Bergriesen brachte der wackere Tourist einen prachtvollen Bund schönster Alpenrosen, herrlichen Edelweiß, zehn einzelne Blümchen zu einem großen Strauß gebunden; es sind die „Zehn Gebote Gottes!" Unter diesen zehn Edelweißblümchen ist das fünfte Gebot besonders entzückend: „Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebest auf dem Erdreiche, welches der Ewige dein Gott dir gibt, damit lange werden deine Tage/' Mit diesem Gebote beginnen die aus Ehrfurcht gegen Gott zu beobachtenden Gebote in bezug auf die Nebenmenschen, mit diesem fünften Gebote ist besonders die Verheißung verbunden, daß bei dessen Beobachtung Israel nicht aus dem gelobten Lande werde vertrieben werden, denn mit der Achtung und Pietät gegen die Eltern, und also gegen die von Gott geordnete höhere Autorität überhaupt, steht und fällt der sittliche Halt und damit das Wohl imd der Bestand des Familien- und Volksverbandes. Dieses uns von Moses gereichte Edelweiß bewahret treu, es ist die allerschönste Zierpflanze sowohl in der Hütte als auch im Palaste, es darf nie verdorren; damit länger werden deine Tage, pflege mit Wärme und Liebe dieses Edelweiß, ein Geschenk Gottes ist's für die Menschen! Eine Allegorie, bezughabend auf den Psalm 68 K., 17 V., lautet im Talmud Megilla 29, Bereschit Rabba 99 und Mechilta im Jalkut: „Die dem Sinai benachbarten Berge Karmel, Tabor und Chermon, die von dem schönen Pflanzengrün, von schattigen Eichenwäldern und einer herrlichen Gebirgsfiora mit zahlreichen Triften umgeben sind, wurden wegen der Gesetzgebung von Neid erfüllt und riefen: ,Wir sind berufen und bestimmt, daß von unseren Höhen das Gotteswort verkündet werde.* Da ertönte die Stünme Gottes: »Warum wollt Ihr streiten? Ihr alle seid ja höckrig, auf euch allen war Abgötterei und Götzendienst, nur der Sinai blieb frei und rein, diesen begehrt Gott zu seinem Besitz4." Die Erde, und zu dieser zählen auch die Berge, sind Eigentum Gottes, kiliko ehuurez sagte Gott und machte dieselbe zum Gemeingut aller Menschen ohne Unterschied der Rasse und des Glaubens. Nun möchte die Unduldsamkeit nicht nur in der Ebene, sondern auch auf den Bergen und Hügeln Raum gewinnen. Neid und Unduldsamkeit zwischen Menschen zählen zu den größten Lastern auf Erden. Alle Menschen sind doch die Kinder eines Gottes und der Mensch, der es wagt, an dieser Wahrheit zu rütteln, des ewigen unfaßbaren Schöpfers geheimnisvollen Schöpfungsplan zu korrigieren, unserem lieben Herrgott womöglich Vorstellungen und Schmähungen an den Köpf zu werfen, daß er diese Rasse weiß, jene braun, eine gelb, diese mit platten und geraden, jene mit stumpfen und krummen Nasen schuf, ein solcher Mensch ist weder ein Christ noch Deist. Er negiert durch eine solch gotteslästerliche Opposition gegen des Allvaters Schöpfertätigkeit jedes Christentum wie jeden Deismus. Wir Juden wollen in Friedensliebe allen Menschen vorangehen, stets bemüht sein um den Frieden in unserer Mitte, und wenn uns die Menschen auch ungerecht hassen, verfolgen und anfeinden, wollen wir nur unserer friedlichen Gesinnung treu bleiben, denn Gott der -Herr hat uns eine unzerstörbare Lebenskraft in unserer Friedenslehre, der Thora, gegeben und damit den reichsten Segen des Frieden uns verliehen und in diesem beharren wir. „Der Ewige gibt Macht seinem Volke — er segnet es mit Frieden. Psalm 29 K., 11 V. Hauptmomente ans der Geschichte der Jnden in Wien. Von Rabbiner Dr. M. Rosen mann. (Fortsetzung.) Michael Lazar Biedermann, der als „Takif" d. h, Autokrat galt und nur schwer zur Anerkennung der Verdienste anderer sich herbeiließ, schrieb in einem Memorandum, das er beim freiwilligen Ausscheiden aus dem Vertreterkollegium im Jahre 1842 im Archiv der Gemeinde hinterlegte, die bedeutsamen Worte: „Wiederholt und ernstlich dachte ich an die in unserer Gemeinde einzuführenden Verbesserungen und es konnte mir nicht entgehen, daß Mannheimer der Mann wäre, welcher die seltenen Eigenschaften besitzt, die zur Ausführung eines solchen Werkes erfordert werden. Es gelang mir, ihn für unsere Gemeinde zu gewinnen. Er traf im Jahre 1824 hier ein und wir sollten also einen Lehrer und Seelsorger an unserer Anstalt begrüßen, der zu den begabtesten und erleuchtetsten der Zeit gehört." Dieses Urteil des wohl einflußreichsten Gemeindemitgliedes, welches Mannheimers Schaffen aus nächster Nähe beobachtete, wird ergänzt durch den Ausspruch des größten Historikers des Judentums, der bereits aus einer gewissen Zeitdistanz zu Mannheimer Stellung nehmen konnte. Graetz äußert sich im XI. Bande seiner Geschichte über Mannheimers Wesen und Wirken in nachfolgender Weise: „Isak Noa Mannheimer könnte man die verkörperte Veredlung der Juden nennen. Er war ein ganzer Mann. In 2hm war der Gehalt des Urjüdischen mit der ansprechenden Form europäischer Kultur harmonisch geeint, wie er denn überhaupt eine harmonische Natur war. Inneres und Aeußeres, Gemüt und Witz, Begeisterung und Klugheit, ideales Leben und praktische Sicherheit, poetische Anlage und nüchterner Sinn, kindliche Milde und treffender Spott, sprudelnde Beredsamkeit und ernstliche Tätigkeit, Liebe für das Judentum und Vorliebe für Neugestaltung waren in seinem Wesen im schönsten Einklänge. Diese scharfkantigen Eigenschälten, verbunden mit Seelenadel und einer Uneigen-

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