Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 2 (16.1.1925)
- Date
- 1925-01-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ht. 2 Vm WAHRHEIT Seite 3 Die zionistische Organisation soll ... als solche Vertretung anerkannt werden. Sie soll ... Schritte unternehmen, um die Mitarbeit aller Juden zu sichern, die gewillt sind, bei der Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte zu helfen." Die Verhandlungen Professor Dr. Weizmanns mit den prominentesten Persönlichkiten des nichtzionistischen amerikanischen Judentums (Louis Marshall) haben zu dem Ergebnis geführt, daß diese sich an der Jewish Agency beteiligen werden. Die 150 Sitze der Jewish Agency werden zu gleichen Teilen an die beiden Parteien vergeben. Weizmann versuchte in gleichem Sinne auch in Wien zu wirken. Sein Appell an die Wiener Judenschaft in seinem Vortrag im Konzerthaus hat dadurch an Bedeutung gewonnen, daß er in Anwesenheit des Präsidiums unserer Gemeinde die Nichtzionisten autforderte, teilzunehmen an der „Verantwortung". Dies ist wohl nur als Aufforderung aufzufassen, der Jewish Agency beizutreten. Und diese Frage zwingt uns zur Stellungnahme. Eine solche ist aber erst möglich, wenn uns die Grundtatsachen über das Mandat bekannt sind. Vor allem aber wollen wir hier der Persönlichkeit gerecht werden, die die Wiener Juden in den letzten Tagen persönlich kennengelernt haben. Chaim Weizmann, geboren in Pinsk, Student in Berlin und Genf, Dozent und Professor in Manchester, Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften, im Kriege indas Munitionsministerium berufen; das wären so die Daten für ein Handbuch der Hochschulen. Daß dieser Weg des Chemikers Weizmann vonder Voraussehung bestimmt war, wird uns glaubhaft, wenn wir seine politische Laufbahn kennenlernen. Führer der zionistischen Studentenkfeise in Berlin und Genf, tritt aber erst als Vertreter der englischen Zionisten in das Aktionskomitee ein. Hier wirkt er vor allem für die praktische Palästina-Arbeit; sein Lieblingsgedanke ist die hebräische Universität in Jerusalem. 1907 lehnen die Zionisten das englische Angebot auf Uganda ab. Der englische Politiker Lord Balfour fragt den jungen Privatdozenten nach den Gründen der Ablehnung. die Lettern wuchsen zu gigantischer Höhe empor, Flammen zuckten aus ihnen, auf einmal befand sie sich in denselben, sie züngelten an ihrem Leib empor, sie spürte nichts, denn sie war aus Stein. Ein rauschender Musikklang drang aus dem Saale herauf. Recha stand vom Sofa auf und ging auf den Balkon hinaus. Vor ihr die weite, unergründliche See. Es rauschte, schäumte, Gischt schlug empor. Tausende von Wellen überschlugen sich, hetzten gegeneinander, verschlangen einander, stritten sich, küßten sich, umschlangen sich und lösten sich auf — ins Formlose, ins Grenzenlose. Was ist Form? Was ist Grenze? dachte Recha. Sie wünschte, eine Welle zu sein, eine lustige, hüpfende, plötzlich gefühl- und schmerzlos ins Formlose übergehend. Sie sah in die Tiefe, die lockte sie. So durch die Luft ins Bodenlose sausen, der Erlösung, dem Formlosen entgegen. Dieses Gefühl war ihr köstlich wonnevoll. Sie schwang sich über die Brüstung, noch hörte sie einen feurigen Walzer spielen und den Takt Weizmann erzählt selbst darüber: „Ich versuchte ihm die Gründe darzulegen. Ich versuchte es in dem etwas armseligen Englisch zu erklären, das ich damals sprach, und sagte schließlich: „Angenommen, man gebe Ihnen Paris statt London, würden Sie es nehmen?" Er richtete seine großen, klugen Augen gedankenvoll auf mich und entgegnete: „Wozu denn, wir haben doch London." Meine Antwort war: „Mr. Balfour, wir hatten Jerusalem, lange bevor Sie London hatten." Darauf erwiderte er: „Gibt es viele, die so denken wie Sie?" Ich sagte, ich wisse nicht, ob es viele gibt, die so denken wie ich, aber man könne die Straßen pflastern mit Menschen, die so fühlen wie ich." Da schloß er: „Dann seid ihr eine große Macht." 1916, nach neun Jahren, beim ersten Wiedersehen, ist Balfours erstes Wort: „Wenn die Geschütze draußen aufhören zu donnern, werdet ihr euer Jerusalem haben." Und nun beginnt Weizmann mit Hochdruck zu arbeiten, sucht Wege zu allen führenden Staatsmännern. Er findet Zutritt zu Lloyd George und Herbert Samuel. Keiner vermag sich dem überwältigenden Eindruck seiner Ueberzeugung von der Gerechtigkeit der Sache, die er vertritt, zu entziehen. Selbst auf die Gegner übt seine magnetische Persönlichkeit größte Anziehungskraft aus. Als Weizmann zium ersten Male vor dem britischen Kabinett spricht, bemerkt der Premier Lloyd George: „Der Mann hat Recht, seine Worte werden wahr werden, wenn wir allesamt schon vergessen sein werden." Weizmanns Bemühungen hatten Erfolg. Am 2. November 1917 erfolgte die Balf our-Deklaration. (Fortsetzung folgt.) Glossen Graf Adalbert Sternberg hat in seinen Büchern, Artikeln und Vorträgen ein anerkennenswertes Streben nach Objektivität in Beurteilung der Judenfrage bekundet und auch manchen scharfen Hieb gegen den Antisemitismus geführt. In einem viel beachteten Artikel, den er vor einigen Tagen veröffentlichte, hat er aber doch wieder nur die untanzender Paare und sie glitt ins Weiche, Bodenlose hinunter . . . Ein Schrei, die Gäste stürzten auf die Straße. Recha lag mit zerschmettertem Schädel in einen Blutlache auf dem Pflaster. Nur Kamillo erkannte sie. IX. Zwei Tage nach diesem Vorfall kam vor dem Hotel eine elegante Karosse angefahren und ihr entstieg ein junges, mageres, abgehärmt aussehendes Mädchen. Es war Magda. Hastig stieg sie aus, lief zum Portier und fragte nach Iwan. „Der Herr Graf ist nicht auf seinem Zimmer," antwortete er. Sie wartete ungeduldig in der Halle. Einige Minuten später fuhr der Leichenkondukt aus dem Seitentor des Hotels. Er war über und über voll mit den herrlichsten Blumenkränzen, welche die Gäste spendeten. —- Iwan war nicht zu sehen. Als Magda den Sachverhalt erfuhr, verzog sie ihren Mund in ihrer gewohnten bissigen Art und sagte: „Ja, das ist die Gerechtigkeit . . ,*'