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Die Wahrheit · 1925-01-16 · Heft 2 (16.1.1925) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 2 (16.1.1925)
Date
1925-01-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 DIE WAHJ i*r. 2 ror7oaa«>e^^a3T-Ori»ii;^a5«Siiti^ n i»a wenig hob es sein Ansehen, als nian hörte, daß" auch das Staatsoberhaupt ihn m Audienz empfanden hatte. Selbstverständlich mußte auch die Judenfeindschalt am Werke sein ugd törichte Gerüchte über den Zweck der Reist des großen? Gelehrten ausstreuen. Am 12. Dezember 1655 versammelte man sich, um in einer öffentlichen Versammlung die Judenfrage: zu erörtern. Die Rede des jüdischen Gesandten machte einen außerordentlichen Eindruck. Sieben Punkte hatte er formuliert, die er als Antrag einbrachte. Die Rechtsgelehrten steiften sich auf den Standpunkt, daß die Wiederzulassung der Juden durchaus möglich wäre, aber die Geistlichkeit setzte sich mit fürchterlichem Fanatismus ein. Es ist bedauerlich, daß wir die Rede Cromwells nicht im Wortlaut besitzen, nur soviel ist sicher, daß er sich durchaus in juidenfreundlichem. Sinne aussprach. Zu einer Entscheidung ist es damals noch nicht gekommen, aber den Zweck seiner Reise erreichte der große jüdische Gelehrte nicht. Es kam nicht zur Wiederaufnahme der Juden in England schon zu diesem Zeitpunkte. Aber die Saat, die er ausgestreut hat. ist später umso glänzender aufgegangen, heute ist ja wohl in keinem Lande der Erde die Lage der Juden eine so gesicherte, als auf der britischen Insel. Menasse ben Israel mag sich bei der Reise körperlich und seelisch aufgerieben haben. Noch in seinem Zimmer in England vollendete er ssrne berühmt gewordene Schrift „Rettung der Juden". Auf der Rückreise erreichte ihn in Middelburg im Jahre 1657 der Tod. Die Kunde davon hat in der gesamten Judenheit großes Entsetzen hervorgerufen. Einer der besten war vorzeitig von dieser Erde abberufen worden. Aber s^in Werk und seine Persönlichkeit sollte für alle Zeiten unter uns lebendig bleiben. &elfe£ I-&OTGA55E 1 Zionistische Probleme. Anmerkung der Redaktion: ■ In den letzten Wochen sind zionistische fragen nicht nur in der Parteipresse, sonders auch In der Tagespresse, wohl beeinflußt durch die Anwesenheit Prof. Weizmanns in Wien, ausführlich behandelt worden. Auch wir wollea heute objektiv zu ihnen Stellung nehmen, besser gesagt, eine Stellungnahme vorbereiten, denn der Autor der folgenden Artikelserie, ein den deutschen Keren-Hajessod-Kreisen nahestehendes C.- V.-Mitglied, will hier die Grundlage für eine sachliche Diskussion geben. Letzten Endes sind diese zionistischen Probleme auch uns Nlchtzionisten bewegende Probleme. Und nur wenn wir ehrlich bestrebt sind, diese Fragen auch für uns zu lösen, werden wir die Punkte finden, in denen wir mit dien Zionisten zusammengehen könnten und in denen wir weiter Qegner bleiben werden, Qegner in einem sachlichen, geistigen Kampf. Diese Auseinandersetzung soll uns den Weg zeigen, unsere Ideologie auszubauen und tn uns zu festigen. Und wenn heute im zionistischen Lager von Bündnis Politik gesprochen wird, so kann dies nur der Fall sein, wenn innerlich starke Partner sich zö gemeinsamem Werk verbinden können. Schwache Qegner können höchstens Kompromisse eingehen. Und wie darüber gedacht wird, konnte man nach den Kultuswahlen in beiden Kreisen hören. Und so soll eine Beschäftigung mit zionistischen Problemen vor allem einer Selbstbesinnung dienen. 1. Welzmann und die Jewisb Agency. Der Artikel 4 des Palästina-Mandates lautet: „Eine angemessene jüdische Vertretung (Jewisb Agency) soll als eine öffentliche Körperschaft angesehen werden zu dem Zweck, die Verwaltung Palästinas m solchen wirtschaftlichen, sozialen und anderen Angelegenheiten zu beraten und mit ihr zusammenzuarbeiten, die die Errichtung der jüdischen Heimstätte und die Interessen der jüdischen Bevölkerung in Palästina betreffen, und immer vorbehaltlich der Kontrolle durch die Verwaltung an der Entwicklung des Landes zu helfen und teilzunehmen. il Feuilleton Der Triumph der Sinne. Von Bernhard Horowits (Schluß.) VIII. Iwan unterhielt sich mit Fräulein Jovanovic prachtvoll Er trank Glas tun Glas, Wein, Kognak, Liköre, verschiedene Mischungen stärksten Grades, er wurde fidel, ausgelassen, sprach in unzweideutiger Weise mit Fräuslein Jovanovic. Alle Gäste wurden auf sie aufmerksam. Plötzlich stand Iwan auf und ging mit Fräulein Jovanovic aus dem Saal. Er bestieg mit ihr einen Wagen, der mit ihnen fortfuhr .... Als Recha ein wenig ihre Gedanken gesammelt jaatte, stand sie auf, machte Licht im Zimmer, zerriß die UmhiHle des'Briefes und las folgendes: „An Fräulein Recha K. Ich bin eine Ihnen vollständig fremde Fraat. Ich wohne in derselben Stadt wie Sie und kenne Ihre Familie dem Namen nach. Ich weiß, welches unermeßliche Unglück Sie Ihrer Familie bereitet haben, und da ich durch Zufall Ihren Aufenthaltsort und Ihre Adresse erfahren habe, will ich Ihnen miitteilen, daß Ihr Vater seit ungefähr sechs Wochen im Kerker schmachtet Ihre Mutter auf bisnun unaufgeklärte Weise tot aufgefunden wurde. Und das alles wegen dieses Lumpen? Haben Sie kein Herz im Leibe? Sind Sie aus Stein? Ich weiß, wie Ihre Eltern Sie erzogen haben, ich weiß, daß Sie Ihre Eltern auch grenzenlos geliebt haben. Was ist in Sie gefahren? Können Sie das vor Ihrem Gewissen verantworten? Pocht Ihnen nicht das Herz vor Reue? Bedenken Sie, was Sie taten und kommen Sie so rasöh als möglich nach Hause, um zoi retten, was noch zu retten ist. Klara F." . Recha tanzten die Buchstaben vor den Augen. In ungeheuren feurigen Lettern standen die Worte „Mutter tot, Vater im7Kerker' vor ihren Augen und

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