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Die Wahrheit · 1925-01-16 · Heft 2 (16.1.1925) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 2 (16.1.1925)
Date
1925-01-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT DcolsdiOslerreldiiscDc wodiasdurm tor IUüäsöic Interessen HU dem Dclblätt: VeröUcnüiöiunilcii der „Union deoiscMsterreidiisdier Jnftar Redaktion und Administration Wtem. II., pelmesfralle 13» - Fmrat 42-2-18 XLI. Jahrgang Wien, 14. Jänner 1925 Nummer 2 Sienasse ben Israels Bemühungen um die Rückkehr der Juden nach England. Von Dr. Willv Cohn. Die Nachricht von der beabsichtigten Rückkehr einer ganzen Marannen-Gemeinde in Portugal zum Judentum läßt das Interesse wieder mehr dem sephardischen Volksteil unseres Stammes gegenüber erwachen. Unter den Persönlichkeiten, die dieser Teil der Gesamtheit geschenkt hast, steht an erster Stelle Menasse ben Israel. Er war im Jahre 1604. — um nur kurz den Umriß seines Lebens zu schildern — in Lissabon geboren. Seine Jugend verliebte er in Amsterdam, wo er schon in ganz jungen Jahren zum Rabbiner der Gemeinde gewählt! wurde. Er war ein hervorragendes Sprachgenie und soll mehr als 10 Sprachen beherrscht haben. Sein Ruhm ging über die ganze Welt, und er stand mit den führenden geistlichen Persönlichkeiten aller Länder in regem Schriftwechsel. Besonders interessierte sich für ihn die Königin Christine, für die* er die Zusammenstellung einer hebräischen Bibliothek übernahm. Um das jüdische Schriftwerk selbst erwarb er sich, abgesehen von der Fülle eigener Produktion, dadurch ein großes Verdienst, daß er eine hebräische Buchdruckerei in Amsterdam eröffnete. Von all diesen Dingen) soll heute nicht die Rede sein. Uns interessiert an dieser Stelle, was er dafür tat, um den Juden die Rückkehr nach England, von wo sie ausgewiesen waren, zu ermöglichen. Die Revolution hatte in diesem Lande das Königtum der Stuarts hinweggeweht und an ihrer Stelle war Oliver Cromwell als Lordprotektor die Spitze des britischen Königreichs. Menasse ben Israel wußte, wie nahe dieser Mann durch seine ganze religiöse Einstellung der Thora stand, und so glaubte er, daß er leichtes Spiel haben würde, wenn er von religiösen Momenten aus ihm klar machte, wie sehr er im Sinne der göttlichen Vorsehung arbeite, wenn er den Juden die Rückkehr in das Land ermögliche. Im Jahrei 1650 wagte er, nachdem er schon auf dem Wege der privaten Korrespondenz mancherlei vorbereitet hatte, die erste Maßnahme nach außen zu ergreifen. Er richtlete einen Antrag an das Parlament, das damals kn Besitze der eigentlichen Macht war — noch war ja Cromwell nicht in seine entscheidende Position eingerückt. Man nahm seine Bitte um Wiederzulassung der Juden mit Wohlwollen an und stellte ihm einen Paß zu, der es ihm ermöglichte, persönlich auf der Insel zu erscheinen, um die Verhandlungen selbst zu leiten. Man kann sich vorstellen, wie diese Nachricht inj der Judenheit aufgenommen wurde. Man glaubte mit der gewissen UeberschwängHchkeit, die uns eigen ist. daß die Schlacht schon gewonnen war, aber so schnell ging es nicht, und. erst im Jahre 1655 waren die Dinge so weit gekommen, daß er die Reise nach der Insel antreten konnte. Man stelle sich vor, daß dies immerhin kein kleines Unterfangen war, das sich Menasse ben Israel vornahm. So hielt er es auch für richtig, vorher sein Haus zu bestellen. Konnte er ja nicht wissen, ob ihm noch einmal die Rückkehr vergönnt war. Als Theologe und1 Doktor der Physik bezeichnete er sich der Behörde gegenüber und in derselben Eigenschaft richtete er im Namen der jüdischen Nation Adressen an den Lordprotektor und an die Republik England. Hier sucht er nachzuweisen, daß die Wiederaufnahme der Juden durchaus im Interesse des Inselreiches läge: solange es ihnen nun einmal nicht vergönnt sei, im eigenen Lande zu leben, sei ihre Beschäftigung in der Hauptsache der Handel, und dadurch brächten sie dem Lande, in dem sie wohnten, nur Vorteile. Dies haben auch die meisten Fürsten der Welt erkannt, und so finden wir sie fast überall. Interessant dürfte an dieser Stelle sein, was er über die Juden in Prag, Wien und Frankfurt zu sagen weiß: „In Deutschland ieben ebenfalls sehr viele Juden, besonders in Prag, Wien und1 Frankfurt. Wiewohl1 sie von sehr milden und gnädigen Kaisern begünstigt werden, sind sie dennoch der Verachtung des Volkes ausgesetzt, weiche sie sich durch ihre niedrige Kleidung hauptsächlich zuziehen, nichtsdestoweniger fehlt es auch unter ihnen nicht an hervorragenden Männern. Kaiser Matthias adelte Mardochai1 Meisel, wie Kaiser Ferdinand Jakob Bar- Seba." Er betonte dann im folgenden, wie treu die Juden überall den Landesherren wären, die sie beschützten, aber er fühlte sich auch verpflichtet, die Beschuldigung zurückzuweisen, die man immer und immer wieder anführe, um ihnen zu schaden. Er weist den Vorwurf des Wuchers, des Ritualmordes weit von seinen Stammesgenossen ab, ebenso sei es eine falsche Behauptung, wenn man sagte, die Juden verführen die Adeligen zum Uebertritt zum Judentum. Man kann sich immerhin vorstellen, daß der Aufenthalt einer so außerordentlichen Persönlichkeit, wie Menasse ben Israels, dessen Ruhm auch an die Universitäten Oxford und Cambridge drang, außerordentliches Aufsehen erregte. Ueberall schätzte man sich glücklich, ihn sprechen zu dürfen und nicht

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