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Die Wahrheit · 1925-01-07 · Heft 1 (7.1.1925) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 1 (7.1.1925)
Date
1925-01-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Seite 12 Dffi WAHRHEIT Nr. 1 totgesagt trotzdem an 235.000 treue Deutsche sie tragen und ihren Gedanken in Ehren halten. Wie wir erfahren, ist aus organisatorischen Gründen die Verlegung .der Geschäftsstelle (des Arbeitsamtes) nach Mirow in Mecklenburg erfolgt. Der Ordensrat selbst, der die Verantwortung dafür trägt, daß nur im Sinne der Stiftung dieser Kriegerdenkmünze gearbeitet wird, hat seinen Sitz in Berlin. Wer nähere Nachrichten über die deutsche Ehrenlegion, diese fast einzige, völlig unparteiliche Zusammenfassung solcher Deutscher wünscht, die sich in schwerster Zeit für ihr Vaterland einsetzten, wende sich unter Einsendung einer Fernbriefmarke an das Arbeitsamt für die D. E. d. W. Mirow in Mecklenburg (nicht mehr Buxheim)." Wer zuverlässige Nachrichten über das Treiben der famosen „Ehrenraf'-Leitung wünscht, der müßte sich schon an jenen württembergischen Gerichtshof wenden, vor dem der Prozeß gegen den Geschäftsleiter dieser auf den Verkauf von Blechmedaillen gegründeten Organisation sich kürzlich abspielte. Seither scheint den Leutchen dort der Boden zu heiß geworden zu sein. Kein Wunder, daß sie unter den Fittichen der mecklenburgischen Rechtsregierung weniger „Betriebsstörungen" befürchten. Der Palästinabeschluß des Völkerbundrates hat in zionistischen Kreisen große Beunruhigung hervorgerufen. Wohl ist der englische Minister Chamberlain der Auffassung des Rates entgegengetreten. Nichtsdestoweniger sieht man aus dem Bericht, daß der Völkerbundsrat sich bewußt zu sein scheint, daß er kaum in der Lage ist, der tatsächlichen Schwierigkeiten, die die Verpflichtungen des Mandates beinhalten, Herr zu werden. Lord Balfour äußerte sich verwundert über die Stellungnahme des Rates und der Staatssekretär für Kolonien, Amery, meint, daß der Bericht in keiner Weise Anlaß zur Besorgnis gebe. Wir kommen auf diesen und die allgemeine zionistische Lage noch ausführlich zurück. Einige Fragen an den Deutsch-Oesterreichischen Alpenverein. Bekanntlich ist die Sektion „Donauland" mit der erdrückenden Majorität der Stimmberechtigten aus dem Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereine ausgeschlossen worden. Die Bedeutung des Münchener Beschlusses liegt vor allem darin, den Ausschluß der jüdischen Alpinisten aus dem Verein und aus den herrlichen Hochregionen der Alpen des deutschen Sprachgebietes herbeizuführen. Hierzu einige bescheidene Anfragen: Haben diese „Arier" des Deutsch-österreichischen Alpenvereins, als in den Jahren des Weltkrieges der höchste, aber auch schwerste alpine Dienst zu erfüllen war, nämlich die Verteidigung unserer Alpen gegen den äußeren Feind, auch damals für rein „arische" alpine Betätigung agitiert? Ist dem Deutsch-österreichischen Alpenverein bekannt, daß unter den Truppen, die in diesen Jahren für die Freiheit unseres Alpengebietes kämpften, wie an allen Fronten, auch die jüdischen Soldaten ihre Pflicht taten und jüdisches Blrft die Berge der Alpen netzte? Empfinden die anständigen Alpenvereins-Mitglieder in Anbetracht dieser Zusammenhänge nicht tiefe Scham über den famosen Münchener Beschlüsse. # „Boruch babo. der Generol ist da." Der „Grauße General" Ludendorff-Lindström hat durch die nationalsozialistische Partei dementieren lassen, daß er, Ludendorif, nicht beim Oberrabbiner von Warschau im Jahre 1917 koscher gegessen habe, der in diesem Blatte in Nr. 42 veröffentlichte Artikel beruhe nicht auf Wahrheit. Der „Grauße Generol" hat aber nicht bei der Redaktion der betreffenden Zeitung, wo der Artikel das erstemal erschienen ist und von wo Nachdruck in den verschiedensten deutschen Zeitungen vorgenommen wurde, dementieren lassen, sondern er überläßt das den Herren seiner völkischen Zeitungen, die lakaienhaft genug sind, seine Lügen zu decken. Der einst so jiddenfreundliche „Grauße Generol" läßt also erklären, daß es sich um einen kleinen Aprilscherz m einer Armeezeitung handle. Etwas Gescheiteres ist dem Ludendorff-Lindström nicht eingefallen. Man denke: eine Armeezeitung, die sich über einem deutschen General (und noch dazu dem Generalquartiermeister Ludendorff) im Jahre 1917 einen Aprilscherz leistet Undenkbar, wenn nicht Ludendorff- Lindström hinter dem Scherz stand, um sich an die Jidden in Polen anzuschmusen. Aber zu einem solchen „Witz" reicht die Grütze des „Graußen Generols" nicht aus. Er hätte daher seine witzlose Ausrede, daß es sich um einen Witz gehandelt habe, besser unterlassen. Man merkt zu deutlich, wie es den „Graußen Generol" wie eine Nemesis verfolgt. Zudem ist dieser angebliche Armeezeitungswitz in der gesamten jiddischen Presse von Warschau, Krakau und Lodz erschienen. Deutsche Armeezeitung, Ludendorff-Lindström und ein Witz passen nie und nimmer zusammen. Es bleibt dabei: Lude- Lindström hat im Kriege koscher gegessen und jiddisch „gemauschelt". Wenn er es nicht wahrhaben will, werde ich die Artikel der jiddischen Presse im Original bringen, um den wahren Ludendorff vom Kriege die Ehre zu geben. Siegfried«.Jacoby, Berlin. „Bibellos ist das Land der Bibel!". In der „Neuen jüdischen Zeitung" in Brooklyn, die von Links-Zionisten herausgegeben wird, schreibt Dr. Isaak Miller: Durch Korrespondenzen und heimgekehrte Touristen erfahren wir, daß die jüdische Heimstätte wirklich aufgebaut wird. Die Einwanderung ist im Wachsen begriffen, große Bodenkomplexe werden angekauft, neue Kolonien werden gegründet. Wir wissen, daß ein großer Teil dieser Aufbauarbeit von unseren braven Pionieren geleistet wird, mit denen wir sozusagen Geschäftspartner sind. Wir hier geben die Geldmittel, während unsere Pioniere dort die Arbeit leisten. Was für einen Charakter wird unsere Heimstätte annehmen? Wird sie für das ganze Judentum aufgebaut, das zu seiner Urquelle zurückkehren will? Ist dort wirklich das Bestreben vorhanden, unsere Zukunft mit unserer Vergangenheit zu verknüpfen? Wird dort ein traditionelles, jüdisches Leben geführt? Oder wird das bloß eine Heimstätte für einen Teil des Judentums sein, die aber leider für keinen Fall traditionell-jüdisches Leben führt? Gleichzeitig mit den erfreulichen Nachrichten von den Fortschritten im Aufbau unserer Heimstätte hören wir aber leider auch, daß in keiner von«-den auf Nationalfondsboden gegründeten und von Keren-Hajessodgeldern erhaltenen Dörfern sich eine * Synagoge oder ein Sepher-Thora oder sonst ein Anzeichen traditionellen Judentums befindet; daß man sie anflehen muß, zuzulassen, daß bei ihnen ein Schochet angestellt werde; daß da in vielen Fällen, die Ehe nicht in der althergebrachten Form geschlossen wird, sondern das Ehepaar sich damit begnügt, ihr Ehebündnis im Kreise der Mitglieder ohne Kidduschim zu verkünden; Im „Haarez" in Tel-Awiw lesen wir, daß die frommen Arbeiter in Pethach Tikwa sich genötigt sahen, aus rituellen Gründen ein eigenes Spital für kranke religiöse Arbeiter zu bauen. Bibellos ist das Land der Bibel; man spricht ihre Sprache; aber ihr Inhalt fehlt!! Antisemitismus Ist gut — Bier Ist besser. Ein Leser schreibt dem „Vorwärts" folgenden Vorfall aus der Kriegszeit, der zeigt, daß man den guten Völkischen mit dem Vorwurf der Blutrünstigkeit bitter Unrecht tut. Schauplatz der Begeben^ heiten ist der ehemalige deutsche Luftschiffhafen bei der bulgarischen Stadt Jambol (Ostrumänien), unweit der Provinzhauptstadt Sliwen. Zeit: September 1916. Am1 Monatsersten traf der neue Hafenkommandant ein. Schauderhaft schärf im Dienst. Die Flieger in der Sanitätsbaracke erlebten böse Tage, und unsere leichten bulgarischen Sommermützen, weiß mit grünem Schild, die sich das Sitzen auf dem Ohr zu sehr angewöhnt hatten, mußten wieder andauernd strammstehen. Ein Unteroffizier, der während der Arbeitsaufsicht sich arglos ein Gänschen für den Sonntag rupfte, flog 6 Tage ins Loch. Der gute Orient begann so langsam eine Ahnung davon zu kriegen, was preußischer Drill heißt Natürlich war der Herr Hauptmann auch wütender Antisemit. „Was, von den 10 bulgarischen Dolmetschern sind sechse Juden? Schweinerei! Das muß aufhören." Die sechs Schwerverbrecher kriegen (obwohl sie das deutsche Kommando gar nichts angeht) sofort den Laufpaß, und es wird Ersatz vom bulgarischen Ortskommando angefordert Die paar übrigen Dolmetsche sind natürlich den vielseitigen dienstlichen Anforderungen (2 Stäbe, 2 Schreibstuben, Wache, Füllgas-Anstalt, Hallendienst, Provianteinkauf, Lazarett usw.) nicht entfernt gewachsen. Erneute dringliche Forderung an das Ortskommando. Das Ortskommando hat nicht oder will nicht und bietet mehrfach die alten Leute wieder an. Jedesmal bestimmte Ablehnung. Was nun? Gar nichts nun! Festbleiben! Die dämlichen Balkanbrüder werden schon nachgeben. Die Woche geht herum. Der Sonnabend bringt die Klärung. Jeden Sonnabend holt unser dienstlicher Lastkraftwagen von der Nachbarstadt (drei Meilen entfernt) den Bierbedarf des Lagers für die ganze Woche. Diesmal ist die Kraftkarre schon mittags zurück, und zwar — leer. Der Brauer weigert sich, zu liefern. Man denke: Deutsche Helden ohne Bier. Stürmisches Spiel von Telephon und Telegraph. Der reine Großkampftag. Aufklärung wie folgt: Der Brauer — weit und breit .4er einzig leistungsfähige — ist Jude und dazu der Onkel des einen von den ausgesperrten Dolmetschen. Er erklärt aufs bestimmteste: „Ich liefere solange kein Bier, bis die sechs entlassenen jüdischen Dolmetsche allesamt wieder eingestellt sind." BleJches Entsetzen im Kasino; Zusammenbrechen aller

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