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Die Wahrheit · 1925-01-07 · Heft 1 (7.1.1925) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 1 (7.1.1925)
Date
1925-01-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Nr. 1 DI£ WAHRHEIT Seif & „Internationale Spitalshilfe", die englische, die amerikanische und die argentinische Mission mit herzlichem Danke genannt seien. Ueberaus wertvolle Unterstützung wurde dem Spitale in den schwersten Zeiten durch das „American Joint Distribution Committee", durch das „Sanierungskomitee für die notleidenden jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen Wiens" und durch Frau Ciarisse Rothschild zuteil, welch letztere dem Spitale ansehnliche Quanitäten an Verbandzeug, Heilbehelfen und Wäschestücken zuführte. Im Februar 1921 faßten die Primarärzte des Spitales den dankenswerten Beschluß, daß die Hälfte der ihnen als Dotation für die Abteilungen zukommenden Operationstaxen fortab zur Verringerung des Betrlebsdefizites des Spitales heranzuziehen sei. Im März 1921 wurde der Leiter des Röntgeninstitutes, Dr. Isaak Robinsohn, unter Ernennung zum Primarärzte, definitiviert. Ein Trauertag für das Spital der Kultusgemeinde war der 1. Juli 1921. an welchem Prof. Dr. Otto Zuckerkandl. der Primarius der chirurgischen Abteilung und weltbeühmte Urologe, plötzlich dahingeschieden ist. Unvergänglich sind seine Verdienste als Arzt und Lehrer. Aus den entferntesten Gegenden des alten Oesterreich und darüber hinaus waren arme Kranke nach Wien gekommen, um unter seiner bewährten Hand Heilung zu finden. Ein ansehnlicher Stab von Schülern, die durchwegs sich des besten ärztlichen Rufes erfreuen, sind aus seiner Schule hervorgegangen und bewahren ihrem Meister dankbarste Erinnerung. Mit der Supplierung des also verwaisten Primariates der chirurgischen Abteilung wurde der langjährige Assistent Prof. Zuckerkandis, Dr. Theodor Schwarzwald, betraut. Im Februar 1923 hat der Kultusvorstand den Beschluß gefaßt, eine Teilung in der Weise vorzunehmen, daß neben der chirurgischen eine gesonderte urologische Abteilung im Spitale der Kultusgemeinde errichtet wurde, an welcher die Tradition Zuckerkandis dauernd gepflegt werden soll. Zum Primararzt der chirurgischen Abteilung wurde der Assistent Prof. Eiseisbergs, Dr. Waldemar Goldschmied, und zum Primararzt der urologischen Abteilung Dr. Raimund Theodor Schwarzwald bestellt. Durch die Errichtung der urologischen Abteilung und durch, die Notwendigkeit, für die Ambulatorien jener Fächer, für welche derzeit Abteilungen am Spitale noch nicht bestehen, wenigstens einige Betten zur Verfügung zu stellen, fand sich den Kultusvorstand im Juni 1923 bestimmt, die Zahl der Spitalbetten III. Klasse um 38 zu erhöhen. Mit Rücksicht auf die schwierigen Verhältnisse in den öffentlichen Spitälern besteht die Absicht, eine größere Ausbildungsmöglichkeit zu verschaffn. Dieses Erfordernis kann jedoch nur bei Vorhandensein eines größeren Krankenmaterials verwirklicht werden. Dafür Raum zu schaffen und die erforderlichen Mittel aufzubringen, bildet das unausgesetzte Bestreben des Kultusvorstandes. (Fortsetzung folgt) Glossen. In1 den jüdischen Häusern sind die Chanuka-Lichtlein erloschen. . . . Ich muß meiner Feder Halt gehietea Es stimmt nicht ganz, denn wahrheitsgemäß sollte ich beginnen: in vielen jüdischen Hänsern sind die Chanuka-Lichtlein erlosohen, aber in sehr vielen jüdischen Häusern waren es die Lichtlein am Weihnachtsbaum, die den jüdischen Kindern die Botschaft brachten. ... Da stockt meine Feder schon wieder. Welche Botschaft kann der Weihnachtsbauni jüdischen Kindern bringen? Weihevolle und sicher auch religiöse Stimmungen erweckend, steht der Weihnachtsbaum in christlichen Häusern, freudig von den Kleinen wie von den Großen begrüßt. Einem echten Juden wird nichts ferner liegen, als religiöse Feste der Nichtjuden auch nur mit einem Qedianken zu trüben. Was jedoch soll der Weihnachtsbaum in jüdischen Häusern bedeuten? Wenn es sc&on jüdische Eltern gibt, denen das Verständnis dafür fehlt, daß sie würdelos handeln, indem sie zu ihren festlichen Veranstaltungen den christlichen Weihnachts- •v baium heranziehen, so sollten sie doch bedenken, daß diese Anlehnung auch Christen zu seltsamen Betrachtungen anregen könnten. Ich selbst hörte, wie eine biedere Hausbesorgerin ihrer Nachbarin gegenüber äußerte: „Das muß ich schon sagen, die schönsten Weihnachtsbäume in unserem Haus haben doch die jüdischen Parteien gehabt." Es folgten zwei Namen, die auch an irgend einen Baum, aber nicht an Weihnachten erinnerten. Besagte Hausbesorgerin hatte mit unzweifelhaftem Wohlwollen gesprochen, aber mir klang es doch wie blutige Ironie. * * * Von befreundeter Seite erhalte ich folgende Zuschrift: Sie haben in Ihren jüngsten „Glossen" durch den Hinweis auf die Taten Schönerers und K. H. Wolfs den Beruf der Antisemiten, als Apostel der Sittlichkeit aufzutreten, in die richtige Beleuchtung gerückt. Es wäre aber sehr zu bedauern, wenn durch die Nennung bloß der zwei Namen der Irrtum entstünde, daß die beiden Antisemitenführer eben vereinzelte Ausnahmen gebildet, hätten, während die anderen großen Häuptlinge der Partei in makelloser Reinheit und strahlender Unschuld ihren Anhängern voranleuchteten. Nun, ich habe es mir seinerzeit angelegen sein lassen, eine Sammlung von Gerichtsfällen anzulegen, die der staunenden Mitwelt die großen Kämpen gegen semitische Korruption ohne Rüstung und Visier im schliohten Neglige zeigten. Erlauben Sie, daß ich Ihren Lesern heute zwei dieser Herren vorstelle. Der erste ist Herr Pur seht. Er war einer der Intimen Luegers, der im Gemeinderat und im Landtag zu den größten Schreiern gehörte. Er galt als einer der letzten seiner Partei und wäre als solcher bis an sein seliges Ende und auch noch weiter, vielleicht bis zur Enthüllung seines Denkmals, gefeiert worden, wenn nicht eines Tages im Gerichtssaale eine glänzendere merkwürdige Enthüllung stattgefunden hätte. Es wurde nämlich festgestellt, daß der strenge Sittenrichter P u r s c h t, um die Existenz seiner altgewordenen Freundin zu sichern, dieser ein kleines — Freudenhaus in der Spittelberggasse zum Geschenk gemacht hatte. Kleine Geschenke erhallten die Freundschaft, oft wohl auch die Liebe, aber nach dieser Feststellung im Gerichtssaal ergab es sich, daß diese Haiusschenkung auf die Dauer dem Antisemitenführer Purscht weder zum Segen noch zur Freude gereichte. Das Haus blieb seinem Berufe erhalten; aber Herr Purscht zog sich alsbald vom Schauplatze seiner politischen Tätigkeit zurück. Angeblich aus Gesundheitsrücksichten. * * * Der zweite Herr, dessen ruhmvoller Namen als Antisemiftehführer weit über die Grenzen seiner deutschen Heimat gedrungen, war Herr Doktor Bockel. Er war einer der pathetischesten, von sittlicher Empfindung überströmenden Redner seiner Partei und hatte es wohl diesem Umstände zu verdanken, daß seine Gesinnungsgenossen in Oesterreich sich ihn nach Wien kommen und sich sogar für ihn zahlen ließen. Dr. Bockel hatte mit seiner Rede, düe namentlich die arischen Frauen vor

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