Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 1 (7.1.1925)
- Date
- 1925-01-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Süt« 6 die wAHRüerr Nr. 1 der entsittlichenden Einwirkung der Semiten warnte, großen Erfolg. Dieser wurde allerdings wenig getrübt, als am Tage nach seinem Vortrag eine Wiener Zeitung einen älteren Gerichtssaalberieht veröffentlichte, aus welchem auch die arische Frauenwelt folgendes erfuhr: Herr Dr. Bockel hatte in seinem kleinen Heimatsort vor Beginn seiner antisemitischen Führerrolle, nicht lange Zeit nach seiner Heirat eine kleine Unannehmlichkeit erfahren. Eine verlassene Freundin, die ihn ni>2ht vergessen konnte, ließ ihn auf gerichtlichem Wege auch daran erinnern, daß er für ein ihr zurückgelassenes Andenken noch Alimente zu zahlen habe. Dr. Bockel bestritt diese Verpflichtung nicht, er sagte auch nicht, er wolle nicht zahlen, sondern behauptete bloß, er sei jetzt nicht m der Lage zu zahlen.- Als Mann von seltenem Zartgefühl wollte er vielleicht däes der Klägerin nicht direkt ins Gesicht sagen. In seiner Vertretung erschien daher vor Gericht seine — junge Gattin! Nach dieser Reminiszenz hatte Herr Dr. Bockel die Lust verloren, einen zweiten Vortrag in Wien über die Unsittlichkeit der Juden zu halten. Vielleicht hätten aber nach der Enthüllung sogar Juden Entree gezahlt, um »ich diesen Korruptionskämpfer anzusehen. * * * Für Nikolaus vonHorthy, den Landesverweser von Ungarn, den Schätzer und Schützer .des H e j j a s und Konsorten, sind bedenkliche Tage gekommen. Nicht etwa, daß die stolzen politischen Männer Ungarns sich aufgerafft hätten, um Stellung gegen die Retter der Bombenwerfer zu nehmen, nein, ein Toter erhebt seine Knochenhand aus dem Sarge und schleudert die furchtbarste Beschuldigung gegen ihn. Sein gewesener König wirft ihm den blutigsten Schimpf ins Antlitz: er sei ein treuloser meineidiger Verräter, ein nieJriger, böswilliger Erpresser gewesen! Der Sekretär des Königs hat diese Beschuldigungen, wie er behauptet, nach dem Diktat Karls zu Papier gebracht und nun in einem Buche veröffentlicht, das eine der größten Sensationen bildet. Was in der Unterredung zwischen König Karl und Herrn v. Horthy sich abgespielt, dafür gibt es keine Zeugen: Aber wenn etwas geeignet war, dem Werke des Sekretärs Unterstützung zu verleihen, so könnte man dies vielleicht in dem Dementi erkennen, das der ungarische Ministerpräsident Graf B e t h 1 e n im Namen Horthys veröffentlichen ließ, denn so grauenhafte Beschuldigungen könnten unmöglich — lendenlahmer dementiert werden. * * * Wie eine Antwort von überwältigender Nachdrücklichkeit — allerdings unter Lebenden — ausfallen kann, das hat man dieser Tage aus dem Beispiele eines .schlichten Mannes in Mikolsc erfahren. Zu später, nachtschlafender Zeit hatten dort zwei Erwachende die sittliche Nötigung empfunden, einen harmlosen, nach seinem Heim sich begebenden Mann aufzufordern, er möge sich ausweisen, ob er kein Jude sei Wenn zwei über einen mit einer -solchen Frage herfallen, so kann ein offenes Wort der Antwort bedenklich sein. Das bedachte der Mann, der zwar Viehhändler ist, aber doch weiß, wie man. am besten mit Menschen verkehrt. Er antwortete dem einen mit zwei Ohneigen, von einer Wucht* daß er bis zu einem ziemlich ferngelegenen Graben flog. Der zweite Erwachende fragte nicht weiter. Seine Neugierde war eingeschlafen.' Ego. Nationalsozialistische Versammlung. Von Nicodemus Ninkepinke. Am 23. Nebelung 1924, wenn die achte Stunde bammelt, Ist die Nationalsozialistische Arbeiterpartei zum Wahlspeech versammelt. Auf das Podium hat sich ein Kandidat gesetzt. Der ist zu 100 Prozent geistig verletzt. Nachdem der Versammlungsleiter Wotans Segen erfleht, Prophezeit er in längerem Stoßgebet, Und dabei schwingt er die Präsesglocke Teutonisch flattert die blonde Locke, Daß die Partei fest wie Sülze steht. Und daß es so mit Deutschland nicht weiter geht. Darauf beginnt ein Referat ä la italienischer Salat, Von Dawesplan und Dolchstoßlügen, Und daß nur der Nationalsozialismus aus dem Schlamassel führt, Bis ein Zwischenruf er konstatiert. Daß sich bereits die Balken biegen. Und dann hört man von Pflichtbewußtsein und Treue reden — Dabei erinnert einer an Lindström, den Schweden. Hierauf erfolgt ein großes Gelächter, Und ietzt beginnt er als Judenschlächter. Allein die Juden hätten die Macht, Von den Juden würde das schlechte Wetter gemacht, Und im Sommer die vielen Fliegen, Das müßte auch an den Juden liegen, Und daß man ihm den Verstand genommen, Das sei auch von den Juden gekommen. Die machten lauter solche Sachen. Endlich biegt sich der Saal vor Lachen. Darauf hebt er zum Hitlerschwur die Hände, Und dann —! — ist der Sermon zu Ende. Nachdem man fünf Minuten gepaust Wird in der Diskussion der ganze Schwindel zerzaust. Lügen und Verleumdungen werden ihnen amtlich bescheinigt, Wovon sie kein Wotan, kein Hitler reinigt. Kurz, seit des alten Methusalems Zeiten War das die größte aller Pleiten. Und alles schied mit dem Bewußtsein von diesen Knaben Für 20 Pfennig noch in keinem Zirkus so gelacht zu haben. („Die Menschheit", Hagen i. W.) (geltes h ROTGASSE -1