Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1924-12-26 · Heft 52 (26.12.1924) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 52 (26.12.1924)
Date
1924-12-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064071-3064120--13343-3080843
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Nr. 52 :—rr~ —r--*—— DIE WAitRHElT Theater, Kunst u. Literatur | Ü „Menorah", Ulustrierte Monatsschrift für die Jüdische .Familie, mit der Beigabe „Schlemiel", jüdische Blätter für Humor und Kunst Bezugspreis halbjährlich 16 Schillinge, Bezugspreis vierteljährlich: 9 Schillinge. Verwaltung: Wien I., Zelinkgasse 13. — Das Dezemberheft der „Menorah" bringt als willkommene Beigabe die erste Nummer des neuerwachten Sehl emi eis, der einem vergnügten Publikum seina Schnurren zu erzählen wieder sich anschickt. Die Redaktion des „neuen" Schlemiels ist die alte geblieben: der humoristische Schriftsteller Max Jungmann und der bekannte Karikaturist Menachem Birnbaum haben die Leitung dieses einzigen jüdischen unpolitischen Witzblattes übernommen. Die „Menorah" selbst bringt folgendes: Beiträge: Robert Weiß: Umschau; Erich Toeplitz: Die Menorah des Tempels. (Mit reichhaltigem archäologischen Bildermaterial.) Nachum <}latzer: Gleichnisse und Legenden (aus Talmud und Mldrasch). Ein Aufsatz über Abel Pann mit den Abbildungen der vollendetsten Werke dieses großen palästinensischen Malers. Ing. W. Majerczik bespricht die Elektrifizierung von Palästina. (Mit mehreren interessanten Abbildungen des RHthenbergschen Elektrizitätswerkes.) Von Leo Feld, dem kürzlich verstorbenen Wiener Schriftsteller, ein nachgelassener Aufsatz über Rudolf Schildkraut. Eine Abhandlung von Wilh. L ö w i n g e r über den Anteil der Juden an den Naturwissenschaften. Wolfgang Weisl setzt seine kritische Skizzenserie •Alltag in Zion" fort. Ferner die 6. Fortsetzung des BlumenthaIschen Romans „Gilgul". Skizzen und Gedichte und die ständigen Rubriken dieser gediegenen jüdischen Wochenschrift Das Zelt, eine jüdische, illustrierte Monatsschrift, Redaktion Eugen H o e f 1 i c h und Architekt Jos. Hahn. Das soeben zur Ausgabe gelangte 9. Heft bringt, neben einer sehr großen Anzahl von erstklassigen Illustrationen, Arbeiten von Ziegler über Max Liebermann, Kalmer über Georg Merkel, Berl über Ignaz Moscheies, Garfield über den amerikanischen Maler Lotzowick und Singer über den Chefkonstrukteur Arnstein. Ueberdies enthält das Heft Aufsätze von. S. Kalff über die Juden in Surinam, sowie von Dr. Balaban über den russischen Zöllner Becallel. An erzählenden Beiträgen bringt dieses Heft von Doroschewitsch: „Das Bildnis Mosis", von Gina Kaus: rtSalomons Ring", von Fr. Gottlieb: „Die Kokosnuß", von Chaim Bloch: „Chassidische Geschichte" und aus dem Nachlaß Gin Gorions: „Gadiel". Die „Encyclopedla Britannlca". Das bekannte englische Konversationslexikon hat soeben drei Nachtragsbände im Ge- .samtumfang von. etwa 3600 Seiten herausgegeben, die die; jähre 1910—1921 umfassen. An Ausführlichkeit stellen sie natürlich alles in den Schatten, was bei uns letztlün in Form von Kriegsnachrichten u. dgl. herausgekommen ist, wobei wir auch den vierbändigen neuesten Brockhaus nicht ausnehmen. Die „Encyclopedia Britannica" galt Immer als ein Muster von Gründlichkeit und Zuverlässigkeit, wird besonders wegen ihrer reichhaltigen bibliographischen Angaben geschätzt, und wer sich über die Vorgänge des unseligen letzten Jahrzehnts schnell und eingehend unterrichten will, wird künftig zu den drei neuen Bänden greifen müssen. Die oben angedeuteten m Deutschland erschienenen Werke stehen größtenteils im Banne des alldeutsch-antisemitischen Gedankenkreises, alle aber noch unter dem Einflüsse der Kriegspsychose und geben über die meisten Dinge, die kulturradikal in einer bestimmten Linie liegen, schiefe oder geradezu falsche Aufschlüsse. Da muß es nun Wunder nehmen, daß die sonst so vorsichtige „Encyclopedia Britannica", die sich für die deutschen Verfassungsfragen den republikanischen Reichsverfassungsminister Hugo Preuß, für statistische und soziale Fragen, erfahrene Fachleute gesichert hat, die Arbeiten über die deut- [ sehe Politik und Geschichte ausgerechnet drei Redakteuren der ' „Deutschen Allgemeinen Zeitung" anvertraut hat, so daß der nicht besser wissende Benutzer die gesamten Ereignisse in der deutschen Republik durch die blaue Brille der Rechtsradikalen zu sehen bekommt Da die zünftigen deutschen Wissenschaftler in ihren Besprechungen diese Entgleisung der; „Encyclopedia Britannica" nicht tadeln, ja sie wahrscheinlich; gar nicht bemerken würden, sei hier zu Nutz und Frommen derjenigen, die besseren Willens sind, ausdrücklich darauf hingewiesen. J. Libis. Zu Hofrat Ehrmanns 70. Geburtstag. Als in den ersten Jahren des Erscheinens der „Wahrheit'4 unter ihrer neuen Leitung einer unserer Redakteure den aus Anlaß seines am 19. Dezember erfolgten 70. Geburtstag so vielfach gefeierten Herrn Hofrat Prof. Dr. S. E h r m a n n aufsuchte, um ihn um Ratschläge wegen der geistigen Führung unseres Blattes zu ersuchen, da gab der vortreffliche Mann iü seiner schlichten Art dem Besucher vor allem den einen Rat: „In Bereitschaft sein ist alles!" Und das Leben und Wirken des Jubilars zeigt, daß auch er sich stets nur von diesem Leitsatz beherrschen ließ. Sein Leben vor allem als Jude, das in diesem Rahmen uns am meisten interessiert. Eins treuer Sohn seines Volkes, hat er nie und nimmer seine Zugehörigkeit zum Judentum verleugnet, trotzdem ihm dies wegen seiner in Oesterreich sicher beinahe einzigartig dastehenden Karriere schwer fallen mußte, stets war er Inder ersten Reithe derer zu Sindien, die es sich zur ruhmvollen Aufgabe machten, für die Interessen des Judentums, vor allem des österreichischen, zu wirken. Die Wiener Judenschaft blickt stolz auf ihren illustren Glaubensgenossen, den zu Ehren schon lange vor seinem vorwöchigen Jubeltag ihr zur besonderen Freude gereichte. So ist er nun schon seit einer Reihe von Jahren durch das Vertrauen dieser seiner Wiener Glaubensgenossen in den Kultusvorstand berufen worden und der Kultusvorstand wieder ehrte ihn durch ein Majidat im V e rtreterköllegium. Alle bedeutenden Wiener jüdisch-politischen Vereine, so die „Union deutschösterreichischer Juden", die .»österreichisch-israelitische Allianz", die ,3'ne, Brith Vereinigungen!", denen er als Großpräsident vorsteht, zählen ihn zu ihren bewährtesten Führern, dessen Rat sie gerne befolgen. Insbesondere auf dem letztgenannten Gebiete gehört Hofrat Prof. Dr. S. Ehrmann zu den eifrigsten Mitarbeitern, was die eben wieder erschienenen Mitteilungen dieser Verbände besonders eklatant beweisen. Fast auf jeder Seite dieses interessanten Heftes steht der Name des Jubilars, als Vortragender, Mitarbeiter, Organisator und in vielen anderen hervorragenden Eigenschaften und so nimmt es uns auch nicht wunder, wenn eine vor zwei Jahren in Linz gegründete Loge seinen Namen führt. Der Mensch Ehrmann ist durch sein treues Bekennen zum Judentum auch schon charakterisiert. Trotz seiner hohen wissenschaftlichen Stellung ist er der einfache, biedlere, jedem zuigängMch'e Volksmann geblieben, der liebreiche Berater seiner zahlreichen! Schlüter, der hilfsbereite Arzt all seiner Patienten, der Helfer der Armen und aufopferndste, uneigennützigste Freund. In glücklichster, mustergültiger Ehe mit seiner treuen Lebensgefährtin lebend, ist er der zärtlichste Gatte, seiner einzigen Tochter, seinem Schwiegersohne und seinem Enkelkinde der liebevollste Vater. Seine Bedeutung als Wissenschaftler ist anläßlich seines 70. Geburtstages in beinahe sämtlichen Wiener Tageszeitungen so hinreichend betont worden, daß eine weitere Unter« Streichung nur eine Abschwächung wäre, zumal diese seine Fähigkeiten in der ganzen wissenschaftlichen Welt anerkannt sind, die ihn achtet und verehrt. Hier genügt wohl die besondere Betonung des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.