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Die Wahrheit · 1924-12-26 · Heft 52 (26.12.1924) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 52 (26.12.1924)
Date
1924-12-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 DIE WAtflgKEIT Nr. 52 jüdischen Hochzeit zu finden. Sie werden alle Kinder des alten Bundes durch Ihre Gegenwart erfreut haben, aber ich fürchte, daß die hebräische Musik Ihre Ohren zermartert haben wird. Die Berliner Juden sind reich und gewöhnen sich seit einigen Jahren daran, ihren Kindern eine gute Erziehung zu geben in der Hoffnung, eines Tages werde Gott ein Auge auf sein Volk werfen und es zum Herrscher des Weltalls machen. Ich gestehe, daß ich nichts davon erwarte, aber nichts -erhöht die Seele höher als die Vorstellung bedeutsamer Geschicke, die uns verkündigt sind, und die Juden sind von einer solchen Vorstellung erfüllt." Tags vorher hatte Ulrike an ihren Bruder geschrieben: „Am meisten überraschte mich die Erziehung, die das auserwählte Volk Gottes seinen Kindern gibt; ich glaubte wirklich, mich in Gesellschaft von Personen von Rang und Stand zu befinden." _i^m_s_b Ein völkischer Reinfall. Grundfalsch und frei erfunden, so charakterisiert das amtliche Organ der Vereinigung ,.Allschlaraffia" die von der Zeitung „Das Hakenkreuz" bzw. „Der Nationalsozialist" in die Welt gesetzte Groteske, nach welcher die Schlaraffia nur eine Art V o r h o f im jüdisch-freimaurerischen Weltorden ist, ein Geheimverbänd, der ein blindes Werkzeug in den Händen raffinierter Juden sei. Dabei hat es kaum je eine Vereinigung gegeben, in deren Reihen grundsätzlich jede Erörterung konfessioneller oder politischer Fragen so unmöglich gewesen ist wie in der Schlaraffia, die vor 65 Jahren in Prag von Künstlern und Kunstfreunden gegründet wurde, lediglich zu dem harmlosen Zweck. Freundschaft. Kunst und Humor zu pfleeen. Die Zahl der jüdischen Mitglieder dieser Vereinigung dürfte kaum den der Bevölkerungsziffer entsprechenden Prozentsatz überschreiten. Von den bei jeder Gradnierung abzulegenden Verschwiegenheitseiden hat außer den Völkischen kein Sterblicher je etwas erfahren. Und weshalb die verläumderische Erfindung des ganzen Märchens? Weil beim 10. Konzil der Allschlaraffia in Heidelberg im vergangenen Sommer die von einem teutschen, natürlich bayerischen .„Reiche" versuchte Anregung, den Arier Paragraphen einzuführen, auf allgemeine Entrüstung stieß und einstimmig zurückgewiesen wurde. Auch eine Gedächtnisrede. Die „Liegnitzer Volkszeitung", Nr. 278. enthält einen beachtenswerten ..Offenen Brief" des C.-V.-Mitgliedes Max Krieg an den Liegnitzer Superintendenten Kteinod. dem wir folgende Stellen entnehmen: ,.Da Sie in einer fast 1000>öpfigen Versammlung gesprochen haben, gestatte ich mir, diese Zeilen an Sie zu richten. Regelmäßige Gewohnheit ließ mich, wie in früheren Jahren, so auch in diesem, am Totensonntag an der für die Kriegsgefallenen abgehaltenen Gedächtnisfeier im Zentraltheater teilnehmen, sind ja auch 12.000 Juden an der Seite ihrer Kameraden gefallen und liegen in Massengräbern ohne Ansehen ihres Bekenntnisses. ... Im Laufe Ihrer Ansprache fiel nun eine Bemerkung, die mich im besonderen und wohl, wie ich annehmen darf, jeden rechtlich empfindenden Menschen tief gekränkt hat. — Sie sprachen davon, daß die Welt jetzt nur Interesse habe „für einen #Judenbengel aus Amerika", womit Sie wohl den jungen Filmschauspieler „Jackie Coogan" gemeint haben dürften . . . Meine Religion hat mich gelehrt — und auch die Ihrige ist voll von diesem Gedanken —, daß im Munde des Priesters die Lehre der Wahrheit ruhen sollte und auf seinen Lippen kein Unrecht sich fände, daß reine Lehre von ihm gefordert werde, denn der Bote Gottes ist er. (Maleachi, Kap. 2, Vers 6—7.) So dürfte wohl die Kanzel nicht dazu bestimmt sein, daß Haß und Unwahrheit mit tönender Sthnme in die Welt hinausgerufen wird. Denn Jackie Coogan — dieses zur Richtigstellung — ist n'cht einmal ein „Judenbengel", seine Vorfahren waren wohl Juden, die in Bessarabien lebten, aber schon seine Großeltern traten in Irland zum Katholizismus über." Herr Superintendent Kleinod hat zwar auf d'esen „Offenen Brief" geantwortet (..Liegnitzer Volkszeitung" Nummer 282). Die Antwort beweist aber, wie wenig ein Diener der Kirche die Empfindungen versteht, die in einem jüdischen Deutschen der bösen Entgleisung des Geistlichen wegen aufsteigen mußten. Wer bei einer Gedächtnisfeier für die Gefallenen jedweder Glaubensrichtun^g derart kränkende Worte gebraucht und das Verletzende in •ihnen noch zu verteidigen sucht, mit dem wird man von vornherein auf eine Auseinandersetzung verzichten müssen, da sie nur ein „Aneinandervorbeireden" ergibt. „Verbrecher gegen das Vaterland". Der sattsam bekannte Antisemit Artur W o 11 n z i h n ist kürzlich wegen seiner Behauptung, die jüdischen Aerzte gingen planmäßig damit um, das deutsche Volk zu verseuchen und zu vergiften, und es seien Tausende von Fällen bekannt, in denen jüdische Aerzte deutsche Frauen und Mädchen mißbraucht hätten, zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Wir bringen aus der schriftlichen Urteilsbegründung folgende bemerkenswerten Sätze: „Der Angeklagte hat überhaupt nicht den Versuch gemacht, den Beweis für die Wahrheit seiner Behauptung zu erbringen, sich vielmehr lediglich in der Redewendung bewegt, daß dies ja allgemein bekannt sei. Er mußte daher nach § .186 StGB, bestraft werden. Er ist einschlägig wegen Beleidigung der jüdischen Richter mit einer geringen Geldstrafe vorbestraft, die, als sie ihm vorgehalten wurde, er zu belächeln nicht unterlassen konnte. Eine Geldstrafe, die er überdies schwerlich aus eigener Vorfahren waren wohl Juden, die in Bessarabien lebten, aber Tasche bezahlen würde (wer denn gibt das Geld? D. Red.) war daher nicht am Platze, es . mußte vielmehr auf eine Freiheitsstrafe erkannt werden,, die der Schwere der Beleidigung anzupassen war. In der heutigen Zeit, die gebieterisch ein einig.es deutsches Volk verlangt, und in der Einigkeit des Volkes uns bitter not tut, stellt sich eine derartige Verhetzung, von der bis zum Pogrom gerade noch ein Schritt ist, direkt als ein Verbrechen gegen das Vaterland dar. Das war dem Angeklagten nachdrücklich zu Gemüte zu führen." Der „Völkische Kurier" vor der Pleite. Das einzige Organ des Völkischen Blocks in Bayern, der „Völkische Kurier", befindet sich bekanntlich schon seit längerer Zeit in finanziellen Schwierigkeiten, die jetzt zu einer Hilfsaktion durch den Landesverband Bayern der Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung Anlaß gegeben haben. In dem Werbeschreiben heißt es, daß das Eingehen des „Völkischen Kuriers" gleichbedeutend sein würde mit dem Verlust ein.es Hauptstützpunktesder völkischen Bewegung und daß" der moralische Eindruck nach außen sehr bedenklich. sein würde. Der „Völkische Kurier" könne von seinen Abonnements und Anzeigen nicht leben, sondern brauche Zuschüsse anderer Art (?!), für die sich die Gesamtheit der Anhänger des völkischen Gedankens einsetzen müsse: — Nach dem „Bayerischen Vaterland" hat bereits der Gerichtsvollzieher auf dem Büro des „Völkischen Kurier" g epfändet. ' ' Der Dichter des „Oesterr. Reiterliedes"! Zum zehntem Male jährt sich am 23. Dezember der Tag, an dem die irdischen Ueberreste eines genialen Dichters den Heimatschollen übergeben wurden. Dr. Hugo Zuckermann ist sein Name. Er war der erste Offizier, der nach Ausbruch des Weltkrieges in Eger zu Grabe getragen wurde! . . . Man setzte den Sarg mit hohen militärischen Ehren bei. Ein Hain von Blumengewinden.. Ehrensalven . . . Hornklänge. ---Die Lieder Hugo Zuckermanns, vorzüglich aber sein „Reiterlied", wurden zu einem vaterländischen Vermächtnis. Man lehrte sie in den Schulen, von ersten Tonkünstlern Deutschlands wurden sie in Musik gesetzt. Die Freunde Dr. Hugo Zuckermanns hatten den Nachlaß des Dichters gesichtet und im Verlage R. L ö w i t in Wien im Jahre 1917 erscheinen lassen. Die Gedichte wurden überall bewundert Die Tagesblätter aller Richtungen widmeten ihm spaltenlange Nekrologe. In Wien und in den meisten Großstädten wurden „Dr. Hugo Zuckermann- Abende" veranstaltet. Am Jordan entstanden Oelbaumhaine, die nach dem Dichter benannt wurden." Man nannte Dt. Hugo Zuckermann rühmend einen zweiten Theodor Körner.--Es .ist ein wunderliches Schicksal, das dem verklärten Dichter im Grabe widerfährt: Noch war seyi Grabhügel fast frisch, krachte ein Schuß und störte die Ruhe des friedlich Schlummernden —: sein geliebtes Weib, Ida, die ihn zu manchem Liebesliede inspirierte, hatte sich auf seinem Grabe entleibt! ... Und gecade vor Jahresfrist schaufelte man an seinem Grabe —bläst die Posaune bereits die Toten zu erwecken? — Die Urne mit der Asche der Mutter wurde zu Hugos Gebeinen gebettet. — Ein weißes Bahrtuch liegt auf den Grabhügel Hugo Zuckermanns. Nur wenige wissen, wo des genialen Dichters Gebeine ruhen. Denn kein Wahrzeichen verrät das Geheimnis. " ' Armin Wilkowltseh, Eger.

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