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Die Wahrheit · 1924-12-26 · Heft 52 (26.12.1924) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 52 (26.12.1924)
Date
1924-12-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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a»*<ua*««MJuauuMMB**n.«*«uaaujUM»««uuuaaa der „Union deutschösterreichischer Juden" Wien IX. I Berggasse 4| : Postsparkassen - Konto« S Nr. 94 4 | | Telephon Nr. 19-2-77 Der Berggeist mit dem Hakenkreuz, Sie haben es doch erreicht, diese Umstürzler auf dem Gebiete der 'Kultur, diese bolschewistischen Gegner aller Freizügigkeit, was sie mit allen ihren perversen Mitteln mit dem Aufgebote dunkler Intriguen seit langem angestrebt: Die Sektion „Donauland" ist mit der erdrückender Majorität der Stimmenberechtigten aus dem Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereine ausgeschlossen worde. Die Bedeutung des Münchener Beschlusses bezieht sich nicht nur a-uf die schneebedeckten Höhen der österreichischen und deutschen Berge, sie reicht weit hinaus über Land und Meer, sie greift hinein in unser ganzes kulturelles Leben. Ein Beschluß, der gerade auf das Kulturleben unserer Zeit ein Licht von ganz absonderlicher Farbe breitet. Die Motive, die dieser weittragenden Entscheidung zugrunde liegen, gerade diese sind es, die jeden objektiven Freund aller Gleichheit in sozialer Hinsicht ein Gefühl der Beschämung, zumindest aber ein Gefühl des Mitleides für die vor und hinter den Kulissen des Alpenvereines tätigen Elemente, erwecken muß. Der Außenwelt gegenüber habensich diese Leute eines Vorwandes bedient, der im Grunde genommen so kleinlich und minderwertig erscheint, daß er selbst statutenmäßig kaum in Betracht kommen kann. Die Sektion „Donauland" soll sich nämlich einiger Verfehlungen" im Sinne der Vereinsstatuten schuldig gemacht haben. Mit dieser mehr als kindlichen Begründung vermögen die Gegner des „Donauland" nicht einmal die Entfernststehenden über die wahren Gründe des Ausschlusses der Sektion hinwegzutäuschen. Das eigentliche Wesen ihrer Ziele jedoch liegt klar vor Augen. Nicht die angeblichen Verfehlungen sind es, sondern das in seiner Großartigkeit einzig dastehende menschenfreundliche Bestreben, den Alpenverein von einer Sektion zu befreien, in dem es auch Nichtarier, also auch Juden gibt. Der Rassenhaß unter dem Zeichen des Hakenkreuzes sind die wahren Leitmotive für einen Beschluß, der in der ganzen Welt nur als Kulturschande erster Ordnung aufgefaßt werden kann. Oesterreichische und deutsche Juden dürfen demnach nicht mehr als Mitglieder des Alpenvereines die Bergrücken besteigen, sie sollen als Ausgestoßene, als Parias des Alpenvereines künftighin ihrer Touristenwege gehen. Nun werden die Hütten, diese unentbehrlichen! Zufluchtsstätten der Hochtouristen, für Nichtarier gesperrt, die Luft im Gebirge wird natürlich reiner wehen, die Berggipfel für alle Nichtarier unzugänglich werden. So denken die Herren in ihrer Einfalt. Gezahlt habt ihr, nun könnt ihr gehen. Und lachen fröhlich über ihre welterschütternde Heldentat. Allein kein Antisemitismus, kein Hakenkreuzlertum ohne Sonderinteressen. Die Herren vom Alpenverein scheinen merkwürdigerweise bei Fassung unHUHl»uiuiii»Himu»i»uiiiuHU des Beschlusses auf eine Kleinigkeit vergessen zu haben. Mit wessen Mitteln wurden die vielen deutschen Hütten in Oesterreich, Bayern usw. errichtet? Weiß man doch, daß die Sektion „Austria" des Alpenvereines seinerzeit in ansehnlicher Weise dazu beigetragen hat, diese Hütten aufzubauen. Nun stehen sie schon seit geraumer Zeit da, aber die, die mitgeholfen, sie aufzurichten, dürfen nicht mehr hinein. Der Eintritt in dieselben wurde ihnen durch den famosen Münchener Beschluß für die Zukunft verwehrt ... Wieder also ein mit aller Wucht des Rassenhasses geführter Schlag, den aber nicht die Sektion „Donauland" allein, wohl aber diejenigen zu fühlen bekommen sollen, die sich nicht m den Ariern bekennen. Darüber herrscht nur eine Ueberzeugung; es bedarf da keines speziellen Hinweises. Und gerade darin liegt die Schwere der ganzen Angelegenheit. Sie liefert zu gleicher Zeit den neuerlichen Beweis für eine Gesinnung, die einer allseitigen Verurteilung unter keinen Umständen, entbehren kann. Ist der „Deutsche und Oesterreichische Alpenverein" oder diesmal die Sektion „Donauland", eine Vereinigung, die etwa nationalistische Ziele verfolgt? In diesem Falle ließe sich der Schritt dieses Vereines allerdings teilweise erklären, aber niemals rechtfertigen. Der Alpenyerein ist ja ein Kulturverein, der weder mit Politik, noch mit Nationalität irgend etwas zutun hat. Dies kann man auch der Sektion „Donauland" nicht zum Vorwurf machen. Diese Tatsache war aber nur für die Judophogen nicht maßgebend. Iii ihrer Beschränktheit sehen sie nur in der Sektion die Juden, die Rasse, gegen die alle Mittel in Anwendung zu bringen erlaubt zu sein scheint. Und diese Leute haben sich nun mit dem Ausschlüsse der Sektion „Donauland" eine unsterbliche Blamage in der ganzen gebildeten Welt zugezogen. Das ist auch vorderhand die einzige Errungenschaft, deren sie sich mit ihren Triumph- und Hurrageschrei rühmen können. Die Sache hat aber noch ein anderes Gesicht Das Hakenkreuz soll nun die privilegierte Herrschaft in den Alpen führen. Dem Berggeist, den der große deutsche Dichter die Worte sagen läßt: „Raum für alle hat die Erde," dem wird nun von den deutschen Herren das Hakenkreuz umgehängt. Zum Zeichen, daß kein Nichtarier mehr berechtigt sei, die Höhen unserer Alpenwelt so ohne weiteres emporzuklettern. Merkwürdig; gerade der „Donauland" in Oesterreich, das doch nahezu die schönsten Berge des Kontinentes als sein ursprüngliches Terrain nennen durfte! Das Beschämende des ganzen Vorganges fällt trotz alledem nicht auf die Nichtarier, es trifft einzig und allein die Veranstalter der Komödie des Ausschlusses; das „Donauland" und seine Mitglieder werden nach wie vor ihrem Kulturziele treu bleiben. Und der Berggeist mit dem ominösen Kreuze wird sich das Haupt verhüllen, ob des unqualifizierbarea

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