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Die Wahrheit · 1924-12-19 · Heft 51 (19.12.1924) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 51 (19.12.1924)
Date
1924-12-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 51 Von Woche zu Woche ■ Ein Jode — Ftnanzminlster. Senator Joseph Pascha Aslan Cattani, Vizepräsident der jüdischen Gemeinde in Kairo, wurde zum Finanzminister der vom Ziwar Pascha neugekildeten ägyptischen Regierung berufen. Senator Cattani ist der Sohn des Moses Cattani Pascha, der seit 41 Jahren Präsident der jüdischen Gemeinde in Kairo war und im vergangenen März starb. Er gilt als ein hervorragender Finanzfachmann. Er ist Direktor einiger großer Bankkonzerne und auch der Aegyptischen Nationalbank. Allgemeiner Kranken- und Unterstützungsverein „Montefiore". Im Sitzungssaale des im Titel genannten, seit zweiundvierzig Jahren, also mehr als einem Menschenalter, auf humanitärem Gebiet in segensreicher Weise tätigen Vereines fand Sonntag, den 14. d. M., eine intime Feier statt. An diesem Tage jährte sich zum fünfundzwanzigsten Male der Eintritt der verdienstvoll wirkenden Mitglieder, der Herren Samuel Blum, Leop. Friedenthal, Karl Grünberger, Mor. Hoffmann, Heinrich Infeld, Heinrich Markus, Ph. Sommer und Sigm. Spitzer, in den Verein, der den Jubilaren in Würdigung ihrer ersprießlichen Tätigkeit einen silbernen Ring widmete. Der Obmann des Verenes Herr Bezirksrat Kultusvorsteher Edmund Hoffmann, sowie der Obmann des Witwen- und Waisenfonds des Vereines Herr H. Groner und Obmannstellvertreter Ignaz Freund richteten an die Gefeierten herzliche Ansprachen, die von den Erschienenen, darunter dem Gesamtvorstand mit Ehrenpräsident Paul Schwarzstein an der Spitze, beifällig aufgenommen wurden. Tempelverein „Aeschel Awrohom". Alljährlich findet im schönen Gotteshause dieses Vereines (II., Pazmanitengasse 6) am ersten Selichottage anläßlich der an diesem Tage stattgehabten Tempel weihe ein feierlicher Gottesdienst verbunden mit einer Festpredigt statt. Gelegentlich der heurigen zehnten Jahreswende wurde von dem Vorstande beschlossen, zur gelegenen Zeit eine separate Feier verbunden mit einem Festbankett zu veranstalten. Nun bietet das herannahende Chanukafest diese günstige Gelegenheit, insbesondere durch die Einweihung einer bedeutend erweiterten Tempelbeleuchtung, die das schöne Gotteshaus im hellen Lichte erstrahlen läßt. Deshalb veranstaltet der Vorstand Donnerstag, am 28. Kisiew 5685, 25. Dezember abends, präzise 4 Uhr, eine große Chanuka-Feier, bei welcher Gelegenheit die Schuljugend der Bibelschule mit schönen und warmen Winterkleidern und Schuhen beschenkt wird. Anschließend an die Tempelfeier findet um 8 Uhr abends im Restaurant J. Nagel, IL. Kleine Sperlgasse 5 (Hotel New York), ein Festbankett statt, zu dem alle Freunde und Mitglieder des Vereines . freundschaftlichst geladen werden. Vorherige Anmeldungen sind an Herrn Obmann Oskar Schramek, II., Novaragasse 21, zu richten. Promotion. Herr Egon W a 11 u c h, Sohn des Bezirksrates Josef H. W a 11 u c h, wurde am 12. d. im Senatssaale der Wiener Universität zum Doktor der gesamten Heilkunde .promoviert. Danksagung. Allen, die uns und das Brautpaar durch freundliche GlückwSnsche und Aufmerksamkeiten erfreut und geehrt haben, herzlichsten Dank! Herr und Frau Rabb. Dr. David Feuchtwang. Oberrabb. Davids und Frau Erika. Trauung. Dienstag, den 16. d. M. fand um 3 Uhr nachmittags in der Schiffschul die Trauung des Fräulein Berta Mayersohn. Tochter des allgemein bekannten Restaurateurs Samuel May er söhn, mit Herrn Gerson Quitt aus Bratislawa statt. Die Beliebtheit der Familien Mayersohn- Ouitt bekundeten die zahlreich versammelten Hochzeitsgäste, die gekommen waren, um ihrer Teilnahme Ausdruck zu verleihen, denen sich auch die Redaktion anschließt. Isidor Schwarz zum ehrenden Gedenken. Vor mehr als SO Jahren kam eine Gesellschaft im Gasthause des Herrn Witz in der Zirkusgasse öfters zusammen, die bei einem Glase Wein Tagesfragen besprach. Dorthin kamen auch Hausierer und Arme, zumeist alte Leute, und da verfielen diese wackeren Männer auf die glückliche Idee, diese armen, alten Leute mit Kleidungsstücken zu beteilen und ihnen auch sonst behilflich zu sein. Der am 7. Dezember verstorbene Kultusvorsteher, Herr Isidor Schwarz, war einer der Rührigsten bei diesem edlen Werke der Wohltätigkeit. Ohne Frage nach Nation oder Konfession wurden, soweit die vorhandenen MitteJ reichten, alte Männer beteilt Die damaligen politischen Verhältnisse hatten aber bald in diese gut bürgerliche Gesellschaft den Zankapfel des Antisemitismus geworfen, wodurch sich Herr Schwarz und seine Getreuen veranlaßt sahen, zu übersiedeln und ihre Zusammenkünfte in das jüdische Restaurant des Herrn Sohr zu verlegen. Dort wurde aus der Tischgesellschaft der Verein zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer israelitischer Konfession errichtet, der so segensreich wirkt; und an die Spitze desselben Herr Isidor Schwarz gewählt, da er allgemein geachtet und ebenso beliebt war. Jedes Mitglied des Vereines gab sich die größte Mühe, die erforderlichen Geldmittel aufzubringen; Sammelbögen, Sammelbüchsen, Spielerlöse, alles mußte herhalten, die Wirksamkeit des Vereines zu erhöhen. Alljährlich zu Beginn der kalten Jahreszeit gab es in einem Leopoldstädter Festsaale eine herzerhebende Feierlichkeit, an welcher nicht nur die Spitzen der jüdischen und städtischen* Behörden und. die Gönner des Vereines, sondern insbesondere die alten Männer teilnahmen, die bekleidet worden waren und welchen — ohne sie zu beschämen — in allen Ehren die Hilfe des Vereines zuteil wurde. Durch viele Jahre hat bei diesen Festen der unvergeßliche Rabbiner Dr. Abraham Adolf Schmiedl die Festrede gehalten und die von ihm verfaßten Gedichte für diese Feier wurden immer mit großer Freude begrüßt. Es kann behauptet werden, daß der für diesen Verein mit jeder Faser seines Seins lebende Präsident Isidor Schwarz sich allgemeiner Beliebtheit erfreute, so daß nicht nur die Vorstände, sondern jedes Mitglied eine Ehre darein setzte, ihn bei diesem Liebeswerke zu unterstützen. Der Krieg hat auch diesem Vereine Schaden gebracht, die Anschaffungswerte stiegen ins Enorme und eine Zeitlang war es kaum möglich neue Bekleidungsstücke anfertigen zu lassen. In dieser schweren Zeit war es die unentwegte Fürsorge des edlen Präsidenten, die über alle Hindernisse hinweghalf, so daß durch seinen klugen geschäftlichen Verstand wenigstens den Allerbedürftigsten Hilfe zuteil wurde. Mit seinen edlen und gleichgesinnten Mitarbeitern, unter diesen besonders Herr Gustav Planer, wirkte und schaffte der Verstorbene und nützte seine große Bekanntschaft hier und auswärts für Zwecke des Vereines aus. Kaum war die Einkaufsmöglichkeit wieder gegeben, so bekamen wie früher die alten Männer und erhalten jetzt so viele, die früher nie daran denken wollten, jemals von einer Fürsorgestelle bedacht zu werden, Kleider, Wäsche, Heizmaterial und Zinsgeld. Ein unvergängliches Verdienst hat sich der edle Verstorbene, wie dies allgemein dankenswert anerkannt wird, um diesen Verein erworben, sein Name wird dauernd mit seiner Tätigkeit in diesem Vereine in Verbindung stehen, war er ja zu allen Zeiten darauf bedacht, in fromm jüdischer Weise für seine armen alten Glaubensbrüder zu wirken. Sein Andenken ehrend, wird daher viele gutherzige Menschen veranlassen, den Verein durch Beitritt zu demselben oder sonstige Zuwendung nach bestem Können zu fördern. Secher zadik liwrocho! Amtsleiter Rudolf Kraus. Grabsteinsetzung. Sonntag, den 14. d M., wurde dem leider viel zu früh verstorbenen Präsidenten und Gründer des- ,.Vereines der Freunde des großen Leopoldstädtef» Tempels" Herrn Rechtsanwalt Dr. Eduard T h a 1 e r auf dem neuen Friedhof von seiner Familie ein Grabstein gesetzt. Es hatten sich beim Grabe außer der Familie die Vorstandsmitglieder des „Vereines der Tempelfreunde" vollzählig sowie eine große Anzahl Freunde des Verblichenen eingefunden. Nach-, dem I. Kantor Leo. Funke ein El mole rachamim rezitiert hatte, hielt Rabbiner Dr. Max Grunwald eine Gedenkrede, in welcher er auf die hingebungsvolle Tätigkeit des Verblichenen im Interesse der jüdischen Oeffentiichkeit hinwies und bewegten Herzens die hervorragenden Eigenschaften und Tugenden dieses allgemein geschätzten Mannes schilderte. In wehmütiger und dankbarer Erinnerung an das lesbstlose hingebende Schaffen des Entschlafenen schied die Schar der Teilnehmer von dem Grabe des unvergeßlichen Mannes. JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkaut: Wien IL, Glockengasse 24 Wien II., Taborstraße 4#

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