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Die Wahrheit · 1924-12-19 · Heft 51 (19.12.1924) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 51 (19.12.1924)
Date
1924-12-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 51 DIE WAHRHEIT Seite 7 gewaltig gewachsen, daß Kaiser Josef IL, hierdurch veranlaßt, ihn zu sich beschied und von ihm die Umwandlung des Unternehmens in einen Staatsbetrieb verlangte. Israel Hönigsberg wurde der erste staatliche Tabakgefällsdirektor, erhielt später den Titel eines Regierungsrates und wurde schließlich auch indenAdelsstand erhoben. Bezeichnend für den religiösen Sinn dieses — für die damaligen Verhältnisse — besonders hochstehenden Mannes darf die Tatsache dienen, daß — wie Wachstein aus Responsen feststellen konnte — Hönigsberg einen rabbinischen Bescheid sich erbat, ob er am Sabbat ein Faksimile seiner Unterschrift in seinen Büros verwenden lassen dürfe. Der zweite, Isak Low Hofmann, Edler von Hofmannstal, gleichfalls in Böhmen geboren, früher ein schöngeistiger „Bochur", dann ein „Belfer" (Behelfer) gewesen, über dessen Wirken in meinem bereits angeführten Werke, „Isak N o a h Mannheime r," manches enthalten ist, war Großhändler in Seide. Er hatte sämtliche ärarischen Seidenspinnereien in Ungarn und der Militärgrenze nach und nach in Pacht genommen und zur Verarbeitung (Zwirnen) der Seiden im Knappenhof in Perchtoldsdorf eine Fabrik errichtet. Hofmannsthal, nach dem eine Straße Wiens benannt wurde, war zum bodenständigen jüdischen Wiener Patrizier geworden. Der dritte, Michael Lazar Biedermann, aus Preßburg stammend, war ebenso großzügig wie vielseitig. Er war namentlich der Mann der Leipziger Messe, auf der er große Quantitäten Wolle ankaufte, um sie dann nach England verfrachten zu lassen. Er verstand es aber später, in Ungarn selber, am Ursprungsorte, durch seine Einkäufer gewaltige Mengen Wolle zu erstehen, die er den Fabrikanten in Böhmen und Mähren direkt offerierte oder selber in einer mährischen Fabrik verarbeitete. Er betätigte sich aber auch als H o f j u w e 1 i e r und begründete ein bis zur Stunde seinen Namen tragendes Bankhaus in Wien. Eine Fülle finanzieller Stützpunkte kam immer mehr auf dem Wiener Boden zum Vorschein, jüdische Männer standen diesen vor und gestalteten den Wiener Platz zum Zentrum industrieller und kommerzieller Unternehmungen. (Fortsetzung folgt.) Bei unseren T?rudern in New York. Wahrnehmungen und Betrachtungen. Von Chajim Bloch. (Fortsetzung.) Am Tage meiner Ankunft in New York wurde der Kongreß der. amerikanischen Juden (American Jewish Congress, Sitz der Organisation: New York, 1. Madison Avenue) eröffnet. Freund Kirschenbaum vom „Morgen-Journal" riet mir, dem Kongreß beizuwohnen und die Gelegenheit zu benützen, eine Reihe bekannter jüdischer Persönlichkeiten kennenzulernen. Obwohl ich von der langen Reise ermüdet war, konnte ich es mir nicht versagen, der großartigen Tagung beizuwohnen. Der Kongreß hielt seine Sitzungen im „Commodore", dem neuesten und schönsten Hotel New Yorks. Ich sah dort viele der besten Köpfe des amerikanischen Judentums, soweit sie zionistisch gesinnt sind. Da traf ich auch Dr. Jakob Tarlau, Rabbiner der Poeples Synagoge an der Educational Alliance (Schwiegersohn des verewigten J. S. B1 o c h). Der Verlauf des Kongresses war überaus imposant. Vom Präsidenten der Vereinigten Staaten Nordamerikas, Coolidge, gelangte zuhanden des Rabbiners Stephan S. Wise ein überaus herzliches Telegramm, in welchem er seine Symöathie und besten Wünsche zum Ausdruck brachte. Ich hörte die Referate Rabbi Wise, Nathan S t r a u s, Samuel Untermayer und noch viele andere. Bekanntlich nahm auch Israel Z a n gw i 11. der vielfach gefeierte und ebenso scharf bekämpfte englisch - jüdische Dichter und Romanschriftsteller, an dem Kongreß teil. Er hat die Gelegenheit benützt, den Zionisten recht bittere Wahrheiten zu sagen. Seine Ausführungen haben einen schaffen Protest hervorgerufen. Zangwills Rede beschäftigte Wochen hindurch die öffentliche jüdische Meinung in Amerika und war auch Gegenstand von weitläufigen Erörterungen, pro und contra, in der Tagesnresse. Die leitenden Männer des Kongresses. Stenhan S. Wise und Nathan Straus — deren Gast Zangwill war —, konnten den Geist, den sie einmal riefen, nicht mehr los werden. Zangwill blieb fast ein halbes Jahr in Amerika und hat zu wiederholten Malen in bei verschiedenen Gelegenheiten gehaltenen Reden das amerikanische Judentum einer geradezu vernichtenden! — meines Erachtens ungerechten — Kritik unterzogen. Auch für den christlichen Amerikaner hatte er eine Meinung übrig, die gar nicht schmeichelhaft ausfiel. Merkwürdig sind Zangwills Ausführungen, die er vor den Journalisten, die bei seiner Rückkehr nach Eumna am Pier erschienen sind, gehalten hat. Er knünfte bei seiner Ansprache an den Kampf innerhalb der protestantischen Kirche über die Götthalb den protestantischen Kirchen über die Göttlichkeit Christi — bekanntlich haben in Amerika in der letzten Zeit mehrere christliche Prediger die fundamentalen Glaubensartikel des Evangeliums einfach geleugnet — an und führte folgendes aus: „Dieser Zwist bedeutet die allmähliche Rückkehr denkender Menseben zu jüdischen Religionsauffassungen und der in allen Religionen zutagetretende Modernismus ist aui den Grund zurückzuführen, daß der Mensch, wie seit altersher, ergründen möchte, von wannen er kommt und wohin er geht. Wenn die Juden mehr Energie hätten, würden sie heute einen Vatikan in Jerusalem haben und es wäre möglich gewesen, daß der Judaismus die Welt erobert hätte, was übrigens auch jetzt no^h nicht ausgeschlossen ist." Zanigwill betonte bei dieser Gelegenheit den Unterschied zwischen Jude und Hebräer und sagte hierzu folgendes: „Judaismus ist eine Religion, der irgend ein Mensch beizutreten vermag, der Hebräer Ist lediglich Angehöriger einer Rasse, zu der niemand gehören kann, er sei denn aus ihr hervorgegangen. Und in diesem Unterschied liegt der Grund verborgen, weshalb der Judaismus den Sieg über das alte römische Reich nicht errungen hat und nicht dessen Nachfolger geworden, ist." Dem Vertreter des jiddischen „Morning- Journals", Mr. Kirschenbaum, gegenüber machte Zangwill eine interessante Bemerkung. Er sagte: „Jene Juden, die bestrebt sind, gute Amerikaner zu sein, müssen vor allem gute Juden sein. Der Jude muß

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