Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 51 (19.12.1924)
- Date
- 1924-12-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 2 DIE WAHRHEIT Nr. 51 festes als Mahner und Warner ansehen, zu sein, wie Juda und seine Brüder waren, Helden für Gott und nicht wie die, die sich Menelaus und Jason nannten und Schwärmer waren für die Nichtigkeiten der Entfremdung von Gott und Israel. Damit sich an uns erfülle das Prophetenwort: „Bedeckt auch Finsternis die Erde und Wolkenschleier die Nationen, über dir erstrahlt der Ewige und die Herrlichkeit Gottes umschließt dich." Ein Heiiie-Juhilänm Am 13. Dezember jährte sich zum 125. Male der Tag, an dem der Jude Heinrich Heine geboren wurde. Wir glauben dieses Jubiläum nicht besser begehen zu können, als daß wir unseren Lesern die folgende Zerzausung eines deutschvölkischen Wahns bringen, der Heinrich Heine zum Arier machen will. Dieser launige Artikel ist dem Organ des deutschen „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten", dem „Schild", entnommen. Arme Juden! Zuerst hat euch die glorreiche Entdeckung des Herrn v. Wendrin das Paradies weggenommen und es nach Mecklenburg verlegt. Nun sollt ihr gar den jüdischesten der Dichter Heinrich Heine den Ariern abtreten. D2nn Herr Dr. Paul Körner weist in einem überzeugenden Artikel nach, daß, wenn man nur genugsam die Ahnenreihe hinableuchte, wie es der bekannte Heineforscher Hirth getan, man entdecken wird, daß eine Spur vorhanden sei, nach, der Heinrich Heine der natürliche Sohn eines preußischen Aristokraten wäre. Nur könnte er im Moment diese Angelegenheit noch nicht beweisen. „Aber, wenn man daran glauben wollte," folgert der scharfsinnige Verfasser, „dann hätte man. ja auf einmal nicht mehr weit zu der Lösung jener Fragen über das, widerspruchsvolle Wesen des Dichters, über seine Zerrissenr beit, die in jeder besseren Literaturgeschichte oder in jeder Gberlehrerabhandlung zu finden ist. Hat der Dichter doch, selbst einmal erklärt, daß das Judentum ein Unglück ist." Liebenswürdigerweise schrecken die arischen Herrschaften gar nicht davor zurück, Heines Mutter einfach des Ehebruches und der Untreue gegen ihren Gatten zu bezichtigen, denn wie wollte das Kind Harry wohl sonst der natürliche Sproß eines preußischen. Aristokraten sein? , Der scharfe spöttische Witz des Dichters, verbunden mit dem oft s o u rdeutschen tiefen Gemüt, seine pikante weitstädtische Einstellung im Gegensatz zu seiner echten Sehnsucht nach der großen Natur, seine ganze „Zerrissenheit" überhaupt, sie wäre lllpjl Feuilleton!!Pll Der Triumph d«ir Si-nno. Nach einer wahren Begebenheit Von Bernhard Horowitz. (Fortsetzung.) VI. Als Ewa bis in die späten Abendstunden vergeblich und mit klopfendem Herzen auf d!e Heimkehr Josefs wartete, entschloß sie sich* ins gräfliche Schloß zu gehen, um zu erfahren, was mit Josef geschehen sei. Sie ging den einsamen, von der Stadt etwa eine Stunde entfernten Gehweg zum Schloß. Vor Angst und Schrecken wäre sie oft beinahe hingefallen, sie nahm ihre ganzen Kräfte zusammen, um zum Ziele zu gelangen. Als sie endlich vor dem gräflichen Schloß stand, zeigte die große Schloßuhr bereits zwei Uhr nachts. Sie schaute Hinauf, es lag alles bereits in tiefer Nachtruhe, nur ans einem Fenster blinzelte noch ein Licht heraus. Es war das Zimmer der Komtesse, die noch wach war; fast mit einem Male aus solcher Bhrtrawihung erklärt" Wie Iticht sind solche Hätte- und Wäre-Behauptungen. Aber immerhin, der Verfasser hat doch ein wenig Mut noch nebenbei. Er wHI ganz ehrlich sein: „Jeder, auch der schärfste Judengegner, findet so manches bei Heine, was sein arisches Herz seltsam freudig erregt und tiefdeutsche Gefühle in ihm auslöst Anderes treibt ihn fast wieder zur Verzweiflung und läßt ihn die falsche Anordnung im Roten Meer seiner Zeil heftig bedauern. (Man sollte doch einmal eine Weltrundfrage veranstalten, wie viele Leute eigentlich jene falsche Anordnung im Roten Meer bedauern, daß die Aegypter ertranken und nxht die viel „geliebten Juden".) „Aber," so fährt der Herr Körner fort, „dem Zauber Heines kann sich keiner entziehen. Das würden vermutlich die schärfsten Judenfresser fresser etwas freudiger eingestehen, wenn Hirths Annahme, nämlich die Geschichte mit dem natürlichen Sohne, nachzuweisen wäre;*4 Und nun folgt ein Lobeshymnus über „den Zauber des einzigartigen Werkes", nachdem man vorher genug Rückversicherungen wegen des Arischseins des Dichters eingegangen ist. „Denn wie könnte ein Jude wohl die Schönheit einer deutschen Landschaft empfinden?" Der Wandergeselle Jener Harzreise, der Geschäftsreisende Karl Dörne aus Clausthal, illustriert Hirths Vermuteng auffallend, als er Heines damaliges Aussehen beschreibt: „Er war etwa 5 Fuß 6 Zoll groß, konnte 25 bis 27 Jahre alt seyn, hatte blonde Haare,, blaue Augen usw.M Ganz so verlangen es die reinblütigen Arier, wenn sie Weggenossen in den Inseraten der Schönheit suchen, der Zeitschrift der Vereinigung für Nacktkultur, in die sich ja bekanntlich kein schwarzbehaarter Kopf wagen darf. Und weiter geht es in der Kritik über die Härzreise. „Die Flastik der Darstellung, über welche der ganze Schimmer Hsinescher Poesie ausgegossen ist bleibt unvergänglich. Eine ..kreuzehrliche, pudeldeutsche Natur" Ist der Steiger, welcher ihn führt und Heine rührt seine Begeisterung für den angestammten Landesherrn: Innig rührt es mich jedesmal, wenn Ich sehe, wie sich dieses Gefühl der Untertanentreue in seinen einfachen Naturlauten ausspricht Es ist ein so schönes Gefühl. Andere Völker mögen gewandter sein und witziger und ergötzlicher, aber keines ist so treu, wie das deutsche Volk. Wüßte ich nicht daß die Treue so alt ist wie die Welt so würde ich glauben, ein deutsches Herz habe sie erfunden." Das ist den Herren Ariern natürlich1 peinlich, daß sich solchermaßen sollte ein Jude geäußert haben, deshalb geht es gleich, weiter: .,Schade, daß die Kommunisten und Sozialisten, die Heine überschwänglich als einen der Ihren feiern, solche Stellen; immer anzuführen vergessen, wie so viele andere, welche Heines deutsches Empfinden oder den Aristokratismus seiner Ohne zu bedenken, daß sie ihr Leben in höchste Gefahr brachte, pochte sie zuerst leise, dann, als niemand erwiderte, schlug sie immer heftiger und heftiger mit einem großen Stein auf das Tor hin. Endlich kam eine schlanke, kleine Oestalt mit einem Lämpchen in der Hand näher. Als sie beim Tor angelangt war, fragte sie barsch und äußerst erregt: „Wer da?" „Wo ist mein Mann?" rief Ewa in verzweifeltem Tone. „Wo; ist er?" „Warten Sie," antwortete die Gestalt Sie entfernte sich in der Richtung, wo die Wohnungen der Bediensteten sich bef andern Sie weckte einen Stallbursehen und befäM ihm, die drauEen wartende Frau hereinzulassen und ins große Empfangszimmer zu führen, das abseits lag und mit den anderen Zimmern in keiner Verbindung stand. Der Bursche forderte Ewa - auf; mit ihm zu gehen. Sie wurde in den Empfangssalon gelassen, während der Bursche im Korridor Wache hielt; Nach etwa zehn Minuten erschien Magda in Schlaftoilette mit übernächtigem Gesichtsausdruck und auf Ewa zugehend, sagte sie in scharfem, bissigen Tone: