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Die Wahrheit · 1924-12-12 · Heft 50 (12.12.1924) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 50 (12.12.1924)
Date
1924-12-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Ssfte 12 DIE WAHRHEIT Nr. 50 synagogate Feier ihren Abschluß. Von lautem Jubel alter Anwesenden begleitet, verließ der gefeierte Jubilar mit seiner Gattin das Gotteshaus. — In den wetten Räumen der Wienea versammelte sich ein großer Kreis von Damen und Herren zu einem gemütlichen Abend, arrangiert vom Jugendkonritee mit den Herren Dr. Schall, Ing. Löw und Hilfreich an der Spitze. Dr. Schall begrüßte die so überaus zahlreich erschienenen Anwesenden, darunter Herrn und Frau Rabb. Dr. Qrunwald, die Vertreter des Kultusvorstandes, die jüngsten Vorstandsmitglieder Meister und Moriz, die prominenten Beamten der Kultusgemeinde mit Herrn Sekretär Guido Fuchsgelb an der Spitze, viele Kantoren mit Oberkantor Heinrich Fischer. Hierauf trat .Frl. Schweiger an den Flügel und erwies sich als feinfühlige Pianistin. Wie immer bei festlichen Anlässen löste Prof. Naschfi mit seiner geistreichen Rede, der er alle Lichter seines Humors aufsetzte, allgemein Heiterkeit aus, und indem er in fesselnd witziger Form alle Reden zusammenfaßte und den erschienenen Bankdirektor Bernhard Meyer, „seinen" Präsidenten von ehemals der „Pratergemeinde" treffend apostrophierte, wurde er von allen Anwesenden stürmisch akklamiert. Die humoristische Begabung des Herrn G1 o g a ü und der klingende Tenor des Oberkantors Alter vom Brigittenauer Tempel fanden stürmischen Beifall. Mit dem überaus aktuellen und stimmungsvollen Toast des Vorstandmitgliedes Moriz schloß der gelungene Abend. Personalnachricht. Herr Dr. Leo W e r d i s h e i m, Kur- .arzt in Gleichenberg, nimmt seine Winterpraxis am 15. d. M. auf und ordiniert täglich von 2 bis 4 Uhr, . VIII.. Laudongasse 12/12; Barmizwahfeier. Samstag, den 29. v. M. fand im Badener Gemeindetempel die Barmizwahfeier des Knaben Julius Kurz, Sohn des beliebten Badener Kantors Kurz, statt. Der Konfirmand trug die Haftora nach streng jüdischem Ritus mit großem Verständnis vor, was auf die zahlreichen Zuhörer — beinahe die ganze Gemeinde war im Tempel stark vertreten — einen tiefen Eindruck machte. Oberrabbiner Reich hielt «ine form- und inhaltvollendete Ansprache. Der Nachmittag ▼ereinigte bei festlich geschmückter Tafel fast sämtliche Gemendemitglieder im Sitzungssaal der Kultusgemeinde, wo die drei Herren des ehrw. Rabbinates und der ganze Vorstand erschienen waren mit dem Präsidenten A. Braun und dem Vizepräsidenten Daniel an der Spitze, ferner die Herren Lackenbacher und Oeden burger. für die Chewra Kadischa. Der Konfirmand hielt Charifes- und Megidesansprachen, welche vorbildliehe Leistungen mustergültig für die Art und Weise waren, wie in der Badener Gemeinde die Jugend in echt jüdischem Sinn erzogen wird. J. H. Edwin S. Montagu gestorben. Am 16. v. M. starb in London der frühere Minister für Indien, Herr Edwin Samuel Montagu, im Alter von 43 Jahren. Er war ein Bruder des gegenwärtigen Lord Swanthling und der zweite Sohn des ersten Lord Swanthling, der unter der Judenheit der ganzen Welt als Sir. Samuel Montagu bekannt ist und der der Gründer und Präsident der Synagogen-Vereinigung in. London war. Edwin S. Montagu betätigte sich in der liberalen Politik seit 1906, da er bei seinem Eintritt ins Parlament Parlamentssekretär Asquiths wurde. 1910 wurde er zum Unterstaatssekretär für Indien ernannt. 1911 wird er Staatssekretär der Finanzen und 1916 Mitglied des Kabinetts als Kanzler von Lancaster. Später würde er der Nachfolger Lloyd Georges als Munitionsministen-. Er inaugurierte in Indien eine stark reformierte Politik, die darauf zielte, das indische Volk in engeren Kontakt mit der englischen Regierung zu bringen. S^in damaliger Bericht über eine indische Verfassungsreform erregte starkes Aufsehen, die. in dem Bericht vorgeschlagene Politik erhielt den historischen Namen „Montagu-Chelmsford-Reformpolitik". Sein Rücktritt im Jahre 1922 erfolgte, als er auf eigene Verantwortung eine Telegramm des Lord Reading (Sir. Ruffus Issac), Vizekönig von Indien, veröffentlichte, in welchem eine die Türkei begünstigende Revision des Vertrages von Sevres befürwortet wurde, um die indischen Mohammedaner für Großbritannien günstig zu stimmen. Todesfälle. Montag, den 1. d. M. ist, wie wir in deY letzten Nummer berichteten, Frau Helly Engel, Gattin des im III. Bezirk allgemein hochgeachteten Herrn Eduard Engel, und Tochter des über die Grenzen des Bezirkes angesehenen Vorstehers Herrn Adolf Unger, infolge eines tragische« Unglücksfalles im Alter von 33 Jahren aus dem Leben geschieden. Mit ihr ist eine gebildete, edle und aufopferungsvolle Frau dahingegangen. Den großen Verlust ihres Scheidens, das infolge seiner besonderen Tragik niederschmetternd wirkte, beklagen, außer den drei unmündigen Kindern dem Gatten. Eltern, Schwiegereltern und Geschwistern auch alle jene, die jemals Gelegenheit hatten, die seltenen Herzenseigenschaften, die Gemütstiefe und Hilfsbereitschaft dieser seelensguten, wirklich jüdischen Frau kennenzulernen. Eine große, kaum übersehbare Trauergemeinde gab Donnerstag, den 4. d. M. der Verblichenen das letzte Geleite. Der Nachruf, den Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald hielt, war den Leidtragenden ganz aus dem Herzen gesprochen, und rührte alle Anwesenden zu Tränen. Nach ihm sprach Dr. Templer herzliche Worte des Dankes und Abschiedes. Die Trauerzeremonie wurde von Oberkantor Margulies unter großer Assistenz vollzogen. Wir sprechen der trauernden Familie auch an dieser Stelle unser aufrichtiges Beileid aus. — Am 23. November 1924 wurde nach kurzer, schwerer Krankheit Direktor Friedrich W e i ß k o p f zu Grabe getragen. Der Verblichene war langjähriges Mitglied der Chewra- Kadischa und einer der Besten des Delegiertenverbandes, der sich trotz seines hohen Alters unverdrossen der schweren Pflicht in nimmerermüdender Weise annahm. Die! Chewra- Kadiseha war durch ihren Vizepräsidenten Herrn Leopold Otto und das Vorstandsmitglied Herrn Josef Dohan, auch der Delegiertenverband fast vollzählig vertreten. In wenigen, aber zu Herzen gehenden Worten hielt Herr Vorsteher Josef Dohan und Obmann des Delegiertenverbandes dem Dahingegangenen einen Nachruf, der die großen Verdienste desselben um den Verein und den Verband vollauf würdigte und auch seines immer mitfühlenden Herzens gedachte. Das Baron Hirsch - Schulwesen in Galizien. Im poüiäsohen Unterrichtsmfoisteriium fand dieser Tage eine Sitzung des Kuratoriums <ies Baron Hirsch-Schiulfonds staifet. Bekanntlich hat Baron Hirsch diesen Fonds für Erhaltung jüdischer Schulen m Galizien und der Bukowina gestiftet. Das Kuratorjum harte bis jetzt seinen Site in Wien. Nach einer Debatte, an der sich der Direktor dies Kultusdepartemcnts Dr. Pfckansky , und der gewesene Unterriehtsrmnister Dr. ZwikKfnsky beteiligten, wurde beschlossen, die Tätigkeit -des Fonds wieder aufnehmen, das Vermögen von Wien nach Warschau zu überführen, den früheren Beschluß über den Verkauf der Sohulgebäude zu annullieren und diie verwüsteten Gebäude wieder aufzubauen; ferner mit dier rumärüscheji' Regierung wegen ihres Anteils am Fonds (da 'die .Bukowina jetzt zu Rumänien gehört) in Unterhandlungen zu treten. Es wurde eine Sonderkorrmiissfon eingesetzt, welcher diie Herren Stanislaw Natansohn (Warschau), Dr. Raphael Larodau (Krakau), Dr. Emil Parnes (Lemberg) und Dr. Ascher (Wien), angehören. Siebenhundert-Jahrfeier der Stadt Zülz (Mokim Zadik). Die alte deutsche Stadt Zülz (Mokim ZadSk) kann im kommenden Jahre auf ein siebenhundert} ähriges Bestehen zurückblicken. Viele emsige Hände rühren sieh schon heute, um däese Jubiläumsfeier zu einer imposanten zu gestalten. Lni Anbetracht des Umstandes, daß die Judenschaft auf Gmndder ihr seitens der damaligen Besitzer der Herrschaft Zülz verliehenen Vorrechte im 17., IS. und Anfang des 19. Jahrhunderts sich frei entfalten konnte, daraufhin den ausschlaggebenden Faktor in der Bevölkerung der Stadt' Zülz bildete, und so weit über Schlesiens Gaue als Judenstadt mit idem noch erhaltenen historischen Judentfriedhof bekannt wurde, soll der jüdischen Kultur bei: Nieder legung der Gescbichte -der Stadt Zülz und bei der Jubiläumsfeier selbst eine besondere Stätte ehygeräumt werden. Um alle ehemaligen jüdischen Mitbürger und sonst interessierten Persönlichkeiten von den geplanten Festlichkeiten unterrichten zu körinen, ist »es er wünsch^ daß diese alsbald ihre Adresse an den Propaganda-Ausschuß der Siebenhundert-lahrfeier zu Händen des Buchdruckereibesitzers Paul Jendretzke in Zülz einsenden. Her bct Abonnenten für „Die HebriiEit"! TAG. MAYER Kleider;-» Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik - Zentrale: Detailverkauf: Wien II , Glockengrasse 24 Wien II., Taborstraße 44

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