Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 50 (12.12.1924)
- Date
- 1924-12-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50 DIE WAHRHEIT Seite Ii Theater, Kunst u. Literatur |i Von Woche zu Woche || Oesierreichischer Kantoren-Verein. Dozent Dr. Hugo Stern, Vorstand der phoniatrischen Abteilung a. d. laryngologischen Universitätsklinik, eröffnete am Samstag, den 29. November abends im großen Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde den Zyklus der vom österreichischen Kantorenvereine für den heurigen Winter projektierten fachwissenschaftlichen Vorträge, mit dem Thema „Einführung in das Verständnis stimmphysiologischer und stimmpädagogischer Problem e". — Nach Begrüßung durch den Vereinspräsidenten, Oberkantor Isidor Löwit nahm Herr Dr. Hugo Stern das Wort zu nachfolgenden Ausführungen: Der Vortragende gab zunächst in großen Zügen eine Uebersicht über die wichtigsten Probleme stimmphysiologischer und stimmpädagogischer Natur und besprach dann die Bedeutung einer richtigen Atmung für den Sänger. Die beste und zweckmäßigste Atmung besteht in einer kombinierten Flanken-Zwerchfellatmung, da diese beiden Atmungsarten einander unterstützen und es so gelingt, bei geringster Atemfrequenz die für die Stimmproduktion vorteilhafteste Atemmenge zu gewinnen. Dann wurde ein zweiter wichtiger Punkt besprochen, und zwar die Frage, ob beim Singen durch den Mund oder die Nase eingeatmet werden soll. Dozent Stern besprach das Pro und Kontra der beiden Wege an der Hand der Ansichten der verschiedenen Autoren und zeigte, wie die Beantwortung dieser Frage, von diversen Gesichtspunkten aus zu werten sei. Feste Normen lassen sich da nicht aufstellen, man wird stets strenge individualisieren und neben anderen Kriterien speziell die Architektur des Nasenrachenraumes sowie die der benachbarten Organe ins Kalkül ziehen müssen. Die weiteren Ausführungen des Vortragenden galten der wichtigen Frage des Stimm-Ein satzes sowie des Stimm-Ans atz es. Hierüber herrscht sowohl in der Literatur wie auch in den Kreisen von Stimmpädagogen Verwirrung und unrichtige Auffassung, die nur durch die Fixierung feststehender Definitionen dieser Begriffe geklärt werden kann. Von den drei Stimm-Einsätzen (gehauchter, fester, weicher) erweist sich der weiche, in stimmpädagogischer, künstlerischer und hygienischer Beziehung, als der zweckentsprechendste, von den zwei anderen Stimm-Einsätzen darf nur gelegentlich und auch da nur mit einer gewissen Vorsicht Gebrauch gemacht werden. An die Vorlesung schloß sich eine lebhafte Diskussion, die ungemein anregend und interessant verlief und an der sich die Herren Oberkantoren Matyas, Kaufmann, Müller, Löwit, Hirsch, sowie Chorleiter Reiß m"a n n beteiligten. Rauschender Beifall erhob sich nach Schluß des Vortrages von Seite der zahlreich erschienenen Kantoren und Gäste, worauf der Präsident Löwit dem Vortragenden im Namen des Vereines den innigsten Dank für die gehaltreichen, wissenschaftlich hochstehenden und für die Kollegen außerordentlich belehrenden Ausführungen abstattete, wobei er besonders hervorhob, daß Herr Dr. Stern sich mit seinem großen Wissen in uneigennützigster Weise dem Vereine zur Verfügung gestellt hat, wozu er sich auch für weiterhin bereit erklärte. Z. F. Finkelstein: „Stürmer des Ghetto1', Essays. Safrut-Verlag Rath & Praeger, Wien 1924. m diesen Essays offenbaren sich vor allem die Vorzüge einer tebendiigen Sprachkuüist. Der Verfasser, aus ostjüdischer Umgebung kommend, erfüllt von einer tiefen Kenntnis der polnischjüdischen Volksseele, hat es verstanden, die Lebensbilder von Israel Z a n g w i 11, dem berühmten englisch-jüdischen Dichter Salomon Maimon, der die Kühnheit hatte, die Grundlagen der Kaatschen „Kritik der reinen Vernunft" zu zerstören, Max Nordau, dem Verstandesmenschen, Perez Smo 1 ensky, des nationalen Verkünders, S. Anski, Verfasser des Dramas „Dybuk", Adolf Stand, dem selbstlosen Zionisten, Naftali Herz Imber, dem Verfasser der „Hatikwah", Scholem- Aleichem, dem „Mark Twain des Ostens" und schließlich von Ach ad-Ha am und Ch. R Bialik. von denen ein jeder .lern geistigen Leben der Juden ün letzten Jahrhundeit ein besonderes Gepräge gab, darzustellen. Mit glänzendem Tiefbiick erfaßte Finkelstein ihre Seele und man liest Abschnitt um Abschnitt mit hinreißendem Gefühl. Das Buch ist mit vielen Bildern ausgestattet (Es ist nur zu bedauern, daß mcht auch die Bilder von Maimon und Smolenski hrneingekommen sind.) Druck und Papier sind gamz geschmackvoll und d!em jungen Verlag gebührt Anerkennung. Verein der Kinderireunde zur Bekleidung armer Schulkinder für den XVI. und XVII. Bezirk in Wien. Dieser seit 43 Jahren in den armen Arbelterbezirken Ottakrmg und Hernais wirkende Verein hat am 30. v. M. in den Fabriksräumen seines Vorstandsmitgliedes, des Herrn Jakob Holzer, XVII., Kalvarienberggasse 9, die diesjährige Bekleidung durchgeführt. Befürsorgt wurden 120 Parteien mit vorzüglichen Schuhen, Mänteln und zum Teil mit Wäsche. Hierbei waren nebst den Vorstandsmitgliedern und deren Frauen anwesend der Bezirksvorsteher von Hernais, der Obmann des Fürsorgerates Ottakrlng und der Ehrenpräsident unseres Vereines, Herr Kultusvorsteher Med.-Rat Dr. Jakob Deutsch. Unsere Aktion ist nicht abgeschlossen, denn fortgesetzt laufen dringende Bittschriften von den Aermsten der Armen ein. Aber unsere Mittel sind erschöpft Dennoch müssen wir unser Liebeswerk fortführen, damit es kein jüdisches Kind gibt, das frierend zur Schule geht. Helfet den Bedrängten eures Stammes! Geldsendungen edler Spender, welche in diesen Blättern ausgewiesen werden, werden dringend erbeten an unseren Vereinskassier Herrn Max Werter, Chef der Firma Werter & Co., XVI., Ottakringerstraße 17. Mädchen-Unterstützungsverein. Dieser Wohlfahrtsverein eröffnet anfangs Jänner zum dritten Male den Kurs zur Heranbildung von Kinderschwestern. Der Kurs wird hauptsächlich mit Rücksicht auf abgebaute Beamtinnen gehalten, die in kurzer Zeit in die Lage versetzt werden sollen, sich wieder ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Er ist auf eine Zeitdauer von 4—5 Monate bei 10—12 Wochenstunden beschränkt und macht die Teilnehmerinnen mit den Grundzügen der Gesundheitspflege, der Erziehungs- und Kindergartenlehre, mit den neuzeitlichen Beschäftigungen und Spielen der Kinder bekannt. Praktische Uebungen in Kindergärten, eventuell Kinderspitälern schließen sich an. Auch das Ausbessern von Wäsche und Kleidern wird gelehrt. Für den Besuch des Kurses wird nur ein kleiner Regiebeitrag eingehoben. Unbemittelte Mädchen, die das sechzehnte Lebensjahr vollendet und mindestens die Bürgerschule absolviert haben, wollen sich unter Mitnahme ihrer Dokumente melden. Die Vereinskanzlei befindet sizh Wien IX., Grüne Torgasse 12, Parterre, Tür 2. Sprechstunden nur Mittwoch vormittags von 11 bis 1 Uhr. Amtsjubiläum. Am Montag., den 8. d, fand in dem herrlich erleuchteten, stilvoll geschmückten Gotteshause Untere Viaduktgasse im Rahmen einer erhebenden gottesdienstlichen Feier das Vierteljahrhundertjubiläum des an Verdiensten überreichen ehrw. Rabbiners Herrn Dr. Armin A b e I e s statt. Lange vor Beginn der Feier war das Gotteshaus von Deputationen, Abordnungen der Vorstände fast aller Bezirke, Amtskollegen, darunter den Herren Rabbinern Dr. G r u n w a 1 d, Dr. Feuchtwang, Dr. Bauer, Vertretern des Kantoren- Vereines und von einem zahlreichen Auditorium nahezu überfüllt. Unter den Klängen der von Kantor Löwy mit Harmonium und Chor reziierten „Matauwu" ward der -Jubilar von dem Vorstande des Bethausvereines zu seinem dekorierten Sitz geleitet, dann richtete der Obmann des Vorstandes Herr Rechtsanwalt Dr. Auerbach an den Jubilar eine seine glänzenden Leistungen feiernde Rede voll Schwung und Wärme. Nach Absingung des Psalms 150 betrat der Freund und Lehrgenosse des Gefeierten Herr Schulrat Prof. Dr. Heinrich P o 11 a k die Kanzel, um in wahrhaft begeisternden Worten die überragenden Eigenschaften des Jubilars auf dem Gebiete seiner rabbinischen Sendung auf der Lehrkanzel, der Schule und auf dem Felde drjs großen Wissens zu beleuchten. Hierauf sprachen die Vertreter deF Deputationen und Vorstände der Bethäuser weiterer Bezirke. Namens des Kultusvorstandes richtete Vorstandsmitglied David Dohan den ersten Festgruß an den Jubilar, für den Rabbinerverband hielt Rabbiner Dr. Feuchtwang eine geistvolle herzliche Rede mit feiner Anspielung auf die bekannte Emohimenten-Kontroverse, ferner namens des Bethausvereines anderer Bezirke die Vorstände Frost und Kohn. Namens der dankbaren Schüler richtete Ingenieur Richard Low rührend schöne Worte des Dankes an den Jubilar. In formvollendeter Schlußrede, überaus sinnig und treffend, apostrophierte Rabbiner Dr. Grunwald seinen Freund und langjährigen Berufsgenossen Doktor Abeles, der abschließend seine geradezu sensationell aufgenommene Rede in hinreißend schönen Worten des Dankes und der Hingebung an seine Gemeinde und seinen Beruf hielt, die der vortreffliche Kanzelredner mit Segnungen für alle, die dieses Fest verschönten, schloß. Mit einem Choral „Gesegnet sei die Stunde" und mit dem Maariwgebet fand die denkwürdige pri?'; -.jsjs