Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 50 (12.12.1924)
- Date
- 1924-12-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 10 Dir WAHRHEIT Nr. 50 will sie (die völkische Bewegung) das 'eigene Volkstum* stärken, indem sie die R a s s e n r e i n h e i t i n Bezug auf das Blut forde rt, unser Volk wieder bodenständig machen will, die Einwurzelung in deutsches Sein und. Wesen pflegt und das Ideal deutscher Volkheit vor.allem in den führenden Kreisen zum Bewußtsein zu bringen sucht. Nach der negativen Seite will sie alles Fremde in Blut und Geist aus unserem Volke ausscheiden." Der Pfarrer D. Eckert in Petkus unterwirft in der „Voss. Ztg" (22. 10) diese einseitigen, unkritischen und oberflächlichen Forderungen einer vernichtenden Kritik, worin er insbesondere das Unsinnige der Forderung nach Rassenreinheit überzeugend darlegt. Es ist dringend notwendig, daß diejenigen Geistlichen der protestantischen Kirche, die sich einen freien und kühlen Blick gegenüber den deutschvölkischen Zielen und Bestrebungen bewahrt haben, sich energisch rühren, um die ihrer Kirche von dieser Seite drohenden Gefahren abzuwenden. Denn die "deutschvölkischen Ziele stehen in direktem Widerspruch zu den Lehren der christlichen Moral und Religiosität, und derjenige Geistliche, der sie fördert, gräbt damit seiner eigenen Kirche das Grab. Ein Nichtjude über die nationaldeutschen Juden. In dem soeben erschienenen Protokoll des Hauptausschusses des Preußischen Landtags vom 3. September fanden wiiir in der Debatte über den Haushalt des preußischen Ministerium« des Innern eine snteressante Rede des Abgeordneten Landrat Schubert (SPD.), die sich auch mit dier Judenfrage beschäftigt. Der Redner führte aius: Wenn der deutschnationale Redner dem Minister w-egen seiner unzureichenden Tätigkeit in der Ostjudenfrage Vorwürfe gemacht habe und sich zum Beweise für die Berechtigung dieser Vorwürfe auf einen Juden Naumann berufen habe, so sei ihm darian besonders -interessant gewesen, daß die Deutschnationalen sich jetzt ausgerechnet diesen Herrn Naumann als Eideshelfer heranholten-. Er könnte sich nämlich ein Urteil über diesen Herrn und seine Zeitung deshalb gestatten, weil er — ganz gegen seinen Willen -—' von Herrn' Naumann fortgesetzt durch die Zusendung seiner Blätter' belästigt wende. Aus gieleigentlicher Lektüre dieser Blätter halbe er den Eindruck gewonnen, daß Herr Naumann zu jener höchst une-rfr euli chestt Sorte jüdischer Mitbürger gehöre, die.glaubten* sich dadurch, daß sie ihr eigenes Ne-st beschmutzten* bei den Antisemiten anbiedern zu können: anscheinend hoffe Naumann, er wende, wenn er-selbst sich noch antisemitischer gebärde, als die berufsmäßigen Antisemiten, dann wenigstens für seine Person- und seinen Anhang den Schutz der Völkischen .finden.-Die widerliche und für jeden aufrechten Deutschen und Juden ganz unerträgliche Art dieses Auftretens habe u. a. sehr .treffend der Schriftleiter der „Vossischen Zeitung", » Georg Bernhard in esuer Versammlung gekennzeichnet, die kurz vor der letzten Reichstagswahl. hier in Berlin stattgefunden habe. Georg Bernhard habe damals etwa gesagt: „Selbst der verbohrteste Völkische könne irgendeinem Juden gegenüber nicht ein solches Maß von Verachtung aufbringen, wie es jeder anständige Jude- und .Nichtjude gegenüber diesem Herrn Naumann und seinem Anhang empfinden müsse, die da glaubten, durch .Preisgabe eines Teiles ihrer Stammesgenossen für sich selbst einen Unterschlupf beim Gegner finden zu können." Er, Redner, könne über diese Dinge deshalb um so unbefangener urteilen, weil er selbst weder Jude noch jüdischer Abstammung sei Ob wohl dieses Urteil eines Nichtjuden. der mit giesundbm Instinkt das Labyrinth jüdischer Golus-Psychoiogie durchschaut, auf Leute wiüe Naumann einen Eindruck machen kann? Ein Anschlag gegen die jüdische Religion und Wirtschaft. In Warschau erschien dieser Tage eine Delegation, bestehend aus den ' Deputierten Farbstein und Rabbiner Brodt, beim Inuenmmisfcer Huebwer und beschwerte sichdarüber, daß der Warschauer Wojwode die Resolutionen gewisset Körperschaften über die Verlegung der Mafktage iin den von Juden, bewohnten "Städten von den Wochentagen auf den-Sonnabend genehmigt hat. Die Deputierten wiesen den Minister auf die Gefahr hin,- die den Juden in religiöser wie in wirtschaftlicher Hinsicht droht, und erklärten, die Resolutionen Würden] von jenen Gesellschaften beeinflußt,- die sich die Ausrottung" der - Juden zum Ziel gesetzt haben. Der Minister versprach, die Angelegenheit zu untersuchen. und die gerechten Forderungen der Juden-.zu berücksichtigen. Die jüdischen Abgeordneten übergaben dem Minister zahlreiche Beschwerden Posener Juden, die erklärten, daß sie von dem berüchtigten Sekretarczik vor den Augen' der Polizei mißhandelt worden sind ■und daß däe Polizei nicht nur jeden Beistand* verwehrt, isonctenn. sogar die Abfassung enies; Protokolls, abgelehnt hat. Der Minister drückte seine Verwunderung darüber aus, daß sich Sekretarczik auf fre'iewi Fuß befindet. Der Posener Wojwode hätte ihm berichtet, daß Sekretarczik im Gefängnis seine Strafe abbüßt. Er versprach, dem Justizminister die entsprechenden Informationen zu geben. Sektion „Donauland',; Die außerordentliche Hauptversammlung des Deutsch-Oesterreichischen Alpenvereines, die mit der Tagesordnung „Ausschluß der Sektion Donauland" am 7. Dezember in München abgehalten werden sollte, ist mit Rücksicht auf die Reichstagswahlen auf den. 14. Dezember verschoben worden. Vor einigen Wochen beschloß die Sektion Berlin einstimmig, auf der Hauptversammlung mit ihren sämtlichen 13 Stimmen gegen den Ausschluß der Sektion „Donauland" zu stimmen. Der Vorsitzende des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus Reichsminister a. D. Dr. G o t h e i n hat an den Vorsitzenden des Deutschen und Oesterr. Alpenvereins, Staatsminister von Sydow, ein Schreiben gerichtet, in dem darauf hingewiesen wird, der D.-Oe. Alpenverein drohe unter dem Ansturm antisemitischer Elemente seine ruhmreiche Vergangenheit zu verlieren und, statt ein Kulturfaktor zu sein, ein Hort der Unkultur zu werden. Der Ausschluß der Sektion „Donauland" würde den glatten Sieg des Antisemitismus im Alpenverein bedeuten und diesem unheilbaren Schaden zufügen. Aber auch das Ansehen des deutschen wie des österreichischen Alpinismus in der übrigen Welt würde dadurch aufs schwerste geschädigt werden. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, der die deutsche Sittlichkeit ebenso wie das deutsche Ansehen im Auslande aufs schwerste schädigenden antisemitischen Bewegung entgegenzutreten, hält sich für verpflichtet, das auch im jetzigen Moment vor dem folgenschweren Beschluß der Hauptversammlung des-Alpenvereins zu tun. Gerade jetzt, wo die völkisch-antisemitische Welle in Deutschland infolge ihrer ^inneren Unwahrhaftigkeit und völligen Unfruchtbarkeit stark abebbt, würde ein Beschluß auf Ausschluß der Sektion „Dohauland" aus dem Alpenverein sie erneut anschwellen lassen. Aber auch der Alpenverein selbst würde unter einem derartigen Beschluß aufs schwerste leiden. Seine dem Antisemitismus widerstrebenden Mitglieder würden aus Selbstachtung gezwungen sein, aus.-ihm auszuscheiden. Wertvollste Kräfte würden ihm dadurch verloren gehen. Die Folge des Auswirkens der antisemitischen Bewegung im Alpenverein würde eine Zersplitterung der Kräfte durch Gründung von ihm losgelöster besonderer Sektionen sein. Aber auchder Besuch der deutschen und österreichischen Alpen würde durch den - Sieg des Antisemitismus im Alpenverein -'eine schwere Einbuße erleiden. Ein schreiendes Unrecht würde allen den jüdischen Mitgliedern des Alpenvereines zugefügt werden, welche seit Jahrzehntendie Mittel für die Erschließung der deutschen und österreichischen Alpen durch Wege und Hütten aufgebracht haben, der Vorsitzende des D. Oe. Alpenvereins wird daher dringend ersucht mit allem Nachdruck dafür einzutreten, daß bei der kommenden außerordentlichen Hauptversammlung in München nicht ein Beschluß gefaßt werde, der ein schweres Unrecht an weiten Kreisen seiner. Mitglieder, eine beträchtliche Schädigung der deutschen und österreichischen Alpengebiete und ein Herabsteigen des Alpenvereins von seiner bisherigen Kulturhöhe auf das tiefe Niveau deutschvölkischer Kultur bedeuten würde. ... In Argentinien „unerwünscht". Das Bureau der I. C. A. in Buenos-Aires teilt mit, daß von der argentinischen Kammer ein Gesetzesprojekt in Behandlung gezogen wurde, wonach Einwanderer, die auf Grund falscher - Angaben in das Land gekommen sind, als - „Unerwünschte" wieder ausgewiesen werden sollen. Ferner sollen Personen, die nach Argentinien kommen, um von dort, wie sie hoffen, nach' Nordamerika zu gelangen, unbarmherzig z u r ü c k g^e wies e n werden. Was für ein Unterschied ist Zwischen der Wüste Sahara und der nationalsozialistischen Partei? In der Wüste Sahara werden Kamele von Menschen' geführt und in der nationalsozialistischen Partei . .. sind lauter Minderjährige ... V