Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 50 (12.12.1924)
- Date
- 1924-12-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 50 DIE WAHRHEIT Seite 3 blicklichen Stand, sozusagen „das letzte Wort" der semitischen, insbesondere hebräischen Sprachforschung, der gesamten semitisch-biblischen Archäologie und der. Bibelwissenschaft, sie stützt sich auf die gesicherten Resultate dieser Gebiete der Forschung" — von denen das letztgenannte das umstrittenste ist. De Uebersetzung will den Leser tunlichst genau erfahren lassen, was in der Bibel wirklich steht, was davon mit Sicherheit übersetzt werden kann und was nicht. Doch sind diese Stellen, bei denen die Forschung es vorläufig aufgibt, den richtigen Sinn des Textes zu ermitteln, verhältnismäßig gering an Zahl und Ausdehnung und tun dem Verständnis des Ganzen keinen Eintrag. Hier kommen die schier unabsehbaren und verwickelten Probleme der sogenannten höheren Bibelkritik in Betracht, vor denen der Laie gewöhnlich an der Schwelle zurückscheut. In der vorliegenden Uebersetzung begleitet den Text ein ausführlicher Doppelkommentar, der in eine Reihe von erklärenden Anmerkungen zerfällt, die über das "Verhältnis zum Urtext Rechenschaft geben und fortlaufend zugleich eine gute Einführung in die Hauptprobleme der Bibelkritik bilden. Indessen wird nicht bloß auf „Wahrheit" geachtet, das heißt auf treue, sozusagen photographisch exakte Wiedergabe der Urschrift, sondern es wurde danach gestrebt, die Uebersetzung bildmäßig lebendig zu gestalten, um sie dem Ideal eines künstlerisch vollwertigen Abbildes des Originals so nahe als möglich zu bringen. Besonders wertvoll sind die inhaltsreichen Einleitungen in die einzelnen-Bücher und in die einzelnen Abschnitte eines jeden Buches, die über Inhalt, Stil, historische Stellung und Charakter des gegebenen Stückes eingehend informieren. Strenge Wissenschaftlichkeit und lichtvolle Darstellung vereinigen sich, um diese Einleitungen zu einer gründlich belehrenden und zu^ gleich anziehenden Lektüre zu gestalten. In der Einleitung zum ersten Buch Mosis heißt es über die Gottesanschauung der Schöpfungsgeschichte: „Ueberall steht der ewige Gott in überweltlicher Hochheit und Allmacht der von ihm geschaffenen und darum von ihm grundverschiedenen Welt gegenüber .... Durch sein bloßes Wort hat er sie ins Dasein gerufen und von Anfang an mit den Gesetzen ihrer Erhaltung ausgestattet. Stufenweise, vom Niederen zum Höheren aufsteigend, hat er sie geschaffen, zuletzt den Menschen nach seinem Ebenbild als das Ziel und die Krone der gesamten Schöpfung, aber auch jedes einzelne Werk vorher in seiner Art vollkommen. Und so gestaltet sich der ganze Bericht wie von selbst zu einem Preis der Allmacht, Güte und Weisheit des ewigen Schöpfers und erhebt sich damit turmhoch über jeden anderen Versuch, die Entstehung der Welt zu erklären . . ." Ueber -die sogenannte Völkertafel (Genesis X) heißt es: „Ihre Bedeutung liegt nicht bloß in ihrem vielfachen Wert als geographische und geschichtliche Urkunde, sondern vor allem in der Ausdrücklichkeit, mit der die gesamte Erdbevölkerung auf die drei Söhne, eines Vaters zurückgeführt, somit die Idee der Menschheit als einer Einheit zur Geltung gebracht wird ..." Magda dazwischenfahrend: Was? Sie und tieftraurig? Ist es es Ihnen vielleicht eine Unehre, daß Ihr Mädel unseren Iwan ..... Bei diesen Worten fühlte Josef, daß sein Atem stockte und seine Herztätigkeit auszusetzen drohte. Er nahm seine äußersten Kräfte zusammen, konzentrierte seine ganze Empörung und grenzenlose Erbitterung in die Worte: Ihr verlumpte, verkommene, schamlose Gesellschaft. Meine Recha..... " Da eilte Magda auf ihn zu und mit einer Peitsche, die sie zu diesem Zwecke vorbereitet hatte, schlug sie Josef mehrere Male ins Gesicht. Josef entriß ihr die Peitsche und außer sich vor Wut und Zorn schlug er mit derselben wie ein Wilder um sich. Alle schlugen schrecklichen Lärm, worauf mehrere Bedienstete ins Zimmer eilten und auf Befehl Magdas Josef festnahmen, ihn heftig durchprügelten, ihm die Hände banden und einem herbeigeholten Polizisten übergaben. Lange nachdem Josef bereits abgeführt war, konnte sich Magda nicht beruhigen. Sie schrie und tobte mehrere Stunden hindurch. V. Der Graf hatte sich zurückgezogen; sein Erlebnis mit der Rebekka stand ihm deutlich vor dem Sinn. Es war vor ungefähr 40 Jahren. Natan war bei seinerii Vater Häuptpächter gewesen. Oft war er verhindert, zu kommen, dann schickte er seine glut- ' äugige, schwarzlöckige Rebekka mit der fälligen Räte ins gräfliche Schloß: Eines-Tages kam Rebekka ins Schloß. Seine Eltern waren für einige Zeit abgereist. Im ganzen Trakt war kein Mensch außer ihm anwesend. Da kam Rebekka ins Zimmer. Wie er sie sah, bemächtigte sich seiner eine ungeheure Leidenschaft. Er schloß die Tür und umklammerte sie mit beiden Händen. Sie erschrack und schrie laut um Hilfe, jedoch von weit und breit kam kein Retter. Er bemächtigte sich Rebekkas und sie fiel in Ohnmacht Als sie erwachte, lag sie am Diwan und er saß neben ihr. Da entrang sich ihren Lippen ein entsetzter Schrei. Mit aller Macht knebelte er ihren Mund, sie schlug mit Händen und Füßen um sich, stand auf und wollte hinauslaufen. Aber die Tür war versperrt und der Schlüssel abgezogen. Da begann sie zu poltern und zu toben. Er war verwirrt durch ihre Schönheit und Widerspenstigkeit und mit übermächtiger Kraft stürzte er sich auf sie. — Da pochte es heftig an die Türe — Rebekka schrie jämmerlich: Vater! Vater! Als die Tür nicht nachgab, wurde sie mit herkulischer Kraft entzwei gebrochen und Natan stürzte hinein. Als er Rebekka erblickte, faßte er einen vor ihm stehenden Sessel und holte aus, um den Grafen, der sich in die andere Zimmerecke zurückgezogen hatte, niederzuschlagen. Von Angst geschüttelt, zog er seinen Revolver aus der Tasche und schoß Natan nieder — Rebekka war wieder in Ohnmacht gefallen, aus der sie nicht mehr erwachen sollte. Die beiden Leichen wurden heimlich weggeschafft und auf einem weit entlegenen Ort verscharrt. Die Behörde befaßte sich wohl einige Zeit mit diesem Fall, doch wurde er vertuscht. An dieses Jugenderlebnis dachte er jetzt und lispelte mehrere Male die Worte: „Die Jüdinnen, die Jüdinnen" vor sich hin, bis er einschlief. (Fortsetzung folgt.)