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Die Wahrheit · 1924-12-05 · Heft 49 (5.12.1924) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 49 (5.12.1924)
Date
1924-12-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 PI£ WAHRHEIT;Nr. 49 dem Ergebnis, „daß das Bestehen einer jüdischen Geheimorganisation, die jüdische Weltherrschaftstelldenzen verfolge, nur der Phantasie antisemitischer Köpfe entsprungen sein kann. Ganz besondere Beachtung verdient W. Michels Streitschrift „Verrat am Deutschtum" (P. Steegemann, Hannover). Michels, der auch sonst den Gegenstand behandelt hat, läßt hier die ganze leuchtende Schönheit seines Stiles sowie die vernichtende Schlagkraft seiner Argiunentierung zur Geltung kommen. Man müßte wörtlich Satz für Satz kopieren, um dem Leser den ungeteilten Genuß an diesen Herzensergüssen eines wahren deutschen und echten Idealisten zu vermitteln. Mit Keulenhieben geht er dem Gegner zu Leibe. „Verdrängtes Kannibalentum wird immer einen Anlaß finden, unter irgend einem ethischen Deckmantel (Rasse, Vaterland, Religion, soziale Gerechtigkeit, Ehre) im Glück des Messers zu schwelgen. Hier aber geschieht Schlimmeres... gegen diesen Ansturm auf das Große und Sonnenhafte in unserem Volkstum uns zur Wehr zu setzen, das gebietet uns die Größe des Uebels und die Kostbarkeit des Bedrohten." Michel hat seiher Gesinnung wirtschaftliche Opfer bringen müssen. Danken wir sie ihm. danken wir auch dem Verlage, der den Mut hat, ihm treu zu bleiben. Schon durch die äußeren Umstände erweckt unsere Neugierde J. H ä n e 1 s „Alttestamentarische Sittlichkeit" (Gütersloh 1924, C. Bertelsmann, M. 1.40). Der Verfasser verleugnet nicht seine eigene antisemitische. Einstellung. „In dem Willen, zu kraftvollem, kerngesundem Deutschtum, weiß ich mich mit ihnen, den Antisemiten, eins." Um so mächtiger wirken seine Worte über unsere Heilige Schrift „gegen ihre antisemitischen Verächter*', wie auf dem Titelblatt ausdrücklich zu lesen ist. Um es kurz zu sagen, das Schriftchen verdiente, von unserer jüdschen Jugend auswendig gelernt zu werden! Manches wird an alttestamentlichen Gestalten und Worten ausgesetzt, was zu widerlegen einer anderen Gelegenheit vorbehalten bleiben soll. Was aber bisher über Jakobs angeblichen Betrug und Davids angefochtene Hinterlist, über die Gesinnungsreligion und vieles andere gesagt wird, verdient einen Ehrenplatz in der jüdischen Apologetik. Wir schließen diesen kurzen Ueberblick mit der Mahnung, daß auch bei uns in Oesterreich der Ernst der Lage und die Notwendigkeit rechtzeitiger Rüstung zur Abwehr endlich erkannt werden möge. Wenn je auf irgend einem Gebiete ist liier eine unausweichliche Aufgabe fürunsere Kultusgemeinden gegeben. „Sich wehreu, bringt Ehren". Unser Dasein als Juden steht auf dem Spiel' G. Glossen. Se. Exzellenz der ungarische Ministerpräsident Graf Bethlen hat die Notwendigkeit erkannt, sich gegen die Anklage des bombenwerfenden Herrn M a r f f y zu verteidigen. Es ist eine peinliche Situation für einen Ministerpräsidenten, auch wenn er nicht den stolzen Namen Bethlen führt. Aber Marffy, der freilich nur aus strafprozessualen Gründen nicht zugeben will, unschuldige, ehrenhafte Männer mittels Bomben in die Luft gesprengt zu haben, hat im Gerichtssaal coram publico bedenklich Vorbereitungen getroffen, die Stellung Sr. Exzellenz zu unterminieren. Das Bombenwerfen versteht Herr Marffy, das muß man ihm lassen. Dieser ..Erwachende" merkte, was bisher noch kein Gesinnungsgenosse im Gerichtssaal zu empfinden hatte, daß auch die ungarische Justiz nicht immer schlafe und da genügte es ihm nicht mehr, sich immer wieder auf die Intimität zu berufen, die ihn angeblich mit dem Ministerpräsidenten und seiner Familie verknüpfe. Er wagte es schließlich, seine Richter buchstäblich vor das Dilemma zu stellen: „Entweder glaubt ihr mir, daß ich unschuldig bin, oder aber, wenn ich in einer solchen Gesellschaft verkehrte, dann kann daraus nur der Schluß gezogen werden, daß ich dort angestiftet w u r d e." Graf Bethlen, dem es unangenehm genug ist, selbst in den maßvollsten liberalen Blättern Budapests es immer wieder zu lesen, daß nur die Duldung, die seine Regierung so lange für Mörder hatte, Schuld an dem Elisabethsfädter Bombenattentat sei, soll sich jetzt gar von einem Marffy, der die Logik mißhandelt, wie wenn sie jüdisch wäre, als „Anstifter" hinstellen lassen? Nein, das ist zu viel. So intim sind wir noch nicht, dachte Graf Bethlen mit vollem Recht, und erklärte als Zeuge vor Gericht, daß er . Herrn Marffy gar nicht kenne. Diese Erklärung des Ministerpräsidenten wirkte gleichfalls wie eine Bombe. Aus dem Verhalten des Herrn Marffy aber ist zu ersehen, wie weise die Regierung bisher war, als sie sich hütete, Herrn Hejjas, dem noch ganz andere Sachen als Marffy nachgesagt werden, in den Geriehtssaal zu'.bemühen. Hejjas als — Ankläger! Wer weiß, wie der Herrn Marffy übertrumpft hätte. Wer weiß, wen der angeklagt hätte. * ... * Heinrich Heine hat in einer seiner köstlichen Satiren den deutschen Bärentreiber vorgeführt, der von ganzen Herzen den Juden die volle Gleichberechtigung gönnt und auch lebhaft dafür plädiert. Nur eine Ausnahme fordert er: Bärentreiber soll kein Jude werden dürfen! Die „Erwachenden" in Ungarn sind mit ihrer Numerus clausus-Forderung viel weiter gegangen, aber es mehren sich die Vorfälle in Budapest, aus denen die Rassenschützler erkennen müßten, daß es nicht genügt, den Juden die Wege zur geistigen Ausbildung zu verrammeln. Vor einigen Tagen hat wieder ein Jude eine antisemitische Beschimpfung mit einer schallenden Ohrfeige quittiert und da der Beleidigte diesmal ein Ringkämpfer war, fiel die Ohrfeige so mächtig aus, daß der Beleidiger — ein antisemitischer Arzt — sich buchstäblich überschlug. Ja, wohin soll das führen, wenn „Erwachende" nicht einmal ungestraft Juden beschimpfen dürften? Wo bliebe da der Rassenschutz? Und da soll das Parlament nicht zumindest ein Gesetz beschließen, das den Juden verbietet, sich als Ringkämpfer zu betätigen? * Also wieder ein neuer Zeuge für die anläßlich des Dreyfus-Skandales von mancher Seite bezweifelte Tatsache, daß ein französischer Offizier sein Vaterland verraten hätte. O, es gab schon einen Verräter, nur war es nicht D r e y f u s, sondern einer seiner Hauptbelastungszeugen — Oberst H e n r y. In den hinterlassenen Erinnerungen S t e c t s, des Chefredakteurs der „Times", ist zu lesen, daß ihm der italienische Militärattache Panizzardi, der in der "intimsten Freundschaft mit dein deutschen Militärattache S c h w a r z k o p p e n gelebt, seinerzeit versicherte, Oberst Henry, der als Selbstmörder endete, sei der Verräter gewesen. Auch S a s o n o w habe dies gewußt und bestätigt. Wie lange mußte der infam degradierte Dreyfus auf der Teufelsinsel schmachten, bis er rehabilitiert wurde? Wie lange mußten sich alle jüdischen Franzosen als Verräter besudeln lassen, bis die Wahrheit an den Tag kam. Die ganze antisemitische Meute der Welt hatte sich geeinigt, die Wahrheit zu unterdrücken, denn Kapitän Dreyfus— war der Jude. Und für die schimpfliche Tat eines Einzelnen kann man dann alle Juden schmähen. Es ist dies zwar Wahnsinn, aber es ist Methode darin und wird überall befolgt. Ein wahres Glück, daß dieser Wahnsinn nicht absolut ansteckend ist. Kein Jude war noch so verrückt, für das Verbrechen eines Nichtiuden alle Nichtjuden verantwortlich zu machen. Der katholische „Herold" berichtet mit großer Genugtuung, daß die Häupter der Missionsgesellschaft, die unter der Firma „Gilde um Israel" ihre frommen Geschäfte betreibt, den Uebertritt Hans Herzls zur katholischen Kirche zu Propagandazwecken ausschrotet. In Gegenden, die zahlreich von Juden bewohnt sind, werden Versammlungen abgehalten, in denen das „Bekenntnis" Hans Herzls zur Vorlesung gelangt. Wir gestehen aufrichtig, daß es nicht unseres Amtes ist, einer katholischen Misslohsgesellschaft Ratschläge zu erteilen, wie sie ihre Zwecke fördern soll. Wir können aber nicht den Ausdruck des Erstaunens darüber unterdrücken, daß Missionäre ernsthaft glauben, das „Bekenntnis" des jungen Herzl könnte in normalen jüdischen Köpfen die Lust zur Nachahmung wecken. Wie schlecht kennen diese Herren doch die Juden. Kein Zweifel, es gibt genug charakterschwache, den VerlockAWgen materieller Vorteile zugängliche Menschen unter ihwfe-r aber selbst unter diesen dürfte sich sobald nicht einer finden, der angesichts der Tat Hans Herzls nicht dächte: Wie konnte ein Sohn Theodor Herzls die Pietätlosigkeit haben, ohne gewaltsamen Zwäng sein Bekenntnis hiiiauszuschreie n und dadurch die Grabesruhe seines Vaters zu stören. Von Bileam erzählt die Bibel, er sei ausgezogen, um dem jüdischen Volke zu fluchen, aber seine Worte seien zum Seigen für dasselbe geworden. Hans Herzls neues Bekenntnis wird auch die Wirkung haben, daß mancher "Schwankende mit erneuter Liebe sich an sein altes Bekenntnis zur Religion seiner Väter klammern wird. .j. Die liakenkreuz-Presse jammert immer wieder über den Niedergang von Sitte und Moral, an dem die bösen Juden Schuld trägen. Nun -hätte man anläßlich des Prozesses Pruscha Gelegenheit, in -HeWn Ernst M ek:-h e ein p'rächtiges liakenkreüzlerisclies -Exemplar 'zu studieren, an dem mäh so recht den Segen 'echter -Möfal erkennendurfte. Derjunge Mann kommt nach Wien, ausgerüstet mit efnern -Schlüssel, iden ihm ein 'gesfnnürig-s-verw'ändte'f Jung1mg-^aMt;der--^dif^&''"de>

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