Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 49 (5.12.1924)
- Date
- 1924-12-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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s#*±i_______________________um w*xi&u^ obwohl deren Richtigkeit oft angezweifelt und aucli zahlreiche Argumente erbracht wurden, um sie als Schwindel zu entlarven. Der Konstantinopler Korrespondent stellt nun zum ersten Male absolute Beweise, daß das Dokument eine mißlungene Fälschung sei, auch stellte er ein französisches Buch zur Verfügung, auf dem das Plagiat beruht. Das Britische Museum besitzt ein vollständiges Exemplar dieses Buches, betitelt „Dialogue aux Enfers entre Machiavel et Montesquieu, ou la Politique de Machiavel au XIX. Siecle. Par un Contemporain."' Das Buch wurde 1865 in Brüssel veröffentlicht und bald nach der Veröffentlichung wurde der Verfasser Maurice J o 1 y, ein Pariser Advokat und Publizist, von der Polizei Napoleons IIL verhaftet und zu achtzehn Monaten Gefängnis verurteilt.'' Ueber die Entstehung dieses Plagiates berichtet der Korrespondent der „Times" u. a.: Zwischen alten, von einem ehemaligen Beamten der „Ochrana" in Südrußland erworbenen Büchern, habe ein russischer Gutsbesitzer, der auch Verbindungen mit England hat und ungenannt bleiben will (warum?), unter anderen ein kleines französisches Buch erstanden, auf dessen ledernen Einbandrücken das Wort „Joly" stand. Das Vorwort datiert aus Genf vom 15. Oktober 1864. Das Buch enthält 324 Seiten. Papier und Druck sind charakteristisch für die Sechziger- und Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Diese Details werden angegeben, um Hinweis für die Feststellung des richtigen Namens des Buches zu geben, welcher Name inzwischen von der „Times" in ihrer Einleitung bereits ausfindig gemacht wurde. Gleich nach Durchsicht dieses Buches bemerkt man, daß die „Protokolle" nichts anderes als eine Uebersetzung dieses Werkes seien, wenn auch einzelnes darin verdreht und paraphrasiert ist. Das Buch stellt eine leicht verschleierte Attacke auf die Despotie Napoleon III. dar, in der Form einer Serie von 25 Dialogen. Sprecher darin sind: Montesquieu und Machiavelli. In diesem Buche des Korrespondenten, „Die Genfer Dialoge" genannt, wird erzählt, wie der Geist Montesquieus mt dem Geiste Machiavellis in irgend einem verborgenen Winkel der Welt des Schattens zusammenkommt und Montesquieu Machiavelli fragt, wie er als Verfasser des Werkes „II Principe" zum eifrigen Republikaner geworden sei. Machiavelli erklärt, Realist zu sein, verteidigt seine Anschauungen und weist nach, wie sie in den westeuropäischen Staaten im Jahre 1864 Anwendung finden. Nach all diesen interessanten Erklärungen bringt der Korrespondent der „Times" eine Reihe von Gegenüberstellungen und Vergleichen, die beweisen, daß die „Potokolle nichts anderes als ein Plagiat der erwähnten Dialoge darstellen. Also das sind nun die „Weisen von Zion", und Ludendorff bringt diese blöd- und widersinnigen Protokolle wieder in den Wahlkampf. Das deutsche Volk wird sich bedanken für eine solche Wahlagitation, aber es könnte doch möglich sein, daß einige Personen immer noch an die Weisen von Zion glauben, Leute, die von Ludendorff, Graf Westarp, Herrn Schulz (Bromberg) usw. „aufgeklärt" werden. Die wahrhaften Deutschen aber werden am 7. Dezember Herrn General Ludendorff und seinen Freunden den richtigen Denkzettel geben 12 Jahre Wiener Gemeindetätigkeit. (Fortsetzung.) Die Kriegs Verhältnisse und die Verhältmsse der Nachkriegszeit schufen eine vollständige Aendemng der Situation und stellten die Kultusgemieinde vor »die allerschwierigsten Aufgaben. Die Aendenmg der Ervverbs- und Vermögensverhältnisse unter den Gemeindemitgliedern, die Entwertung unserer Währung, die gesteigerte Inanspriiclrnabme unserer Wchlfahrtsinstitutionen und die stetigen Teuerungswellen machten es unmöglich, ein Normalbudget aufzustellen. Nur einige wenige Ziffern seien an dieser Stelle angeführt: Im Jahre 1912 haben die Einnahmen der Kultusgemeiude K 3,496.862, die Ausgaben K 3,307.006 betragen. Im ersten Halbjahre 1924 belaufen sich die Einnahmen auf K 16.614,268.311, die Ausgaben auf K 15.813,387,377, so daß unter Berücksichtigung: der im zweiten Halbjahre noch zu leistenden Zahlungen die Ausgabenziffer pro 1924 das Zehntausendfache der -V o r k r i e g s z e i t erreichen wird. Diese Entwicklungen erforderten die größte Umsicht und die sorgfältigste Prüfung der Ausgabenseite, sollte nicht die Gemeinde trotz der großen Opferwilligkeit ihrer Mitglieder einen finanziellen Zusammenbruch erleiden. Mit Genugtuung kann festgestellt werden, daß es gelungen ist, die schwersten Krisen zu überwinden und das Gleichgewicht im Gemeindehaushalte herzustellen. Von ausschlaggebender Bedeutung für die Finanzen der Gemeinde erweist sich naturgemäß die Frage des Kultüssteuerwesens. Die Durchführung einer möglichst gerechten Bemessung und die Erfassung aller jener Glaubensangehörigen, welche zufolge ihres Erwerbes, Einkommens oder Vermögens zur Zahlung einer Kultussteuer verpflichtet sind, mußte die stete Sorge des Kultusvorstandes, der Schätzuiigskommission und der Kultiissteuer-Bezirkskollegien bilden. Durch eine Reihe administrativer Maßnahmen wurde das Steuerwesen der Kultusgemeinde vereinfacht und verbessert und eine Beschleunigung der Steuereingänge erzielt. Das Inkasso der Kultussteuer durch Inkassanten wurde abgestellt, und es erfolgt die Abstattung im Wege der Postsparkassa. Die statutarischen Bestimmungen wurden dahin geändert, daß zu Beginn jedes Jahres eine V o r e i n z a h l u n g im Ausmaße der im Vorjahre entrichteten Kultussteiler unpräjuddzierlich zu leisten ist und daß Verzugszinsen bei nicht fristgemäßer Leistung der Voreinzahlurog odier der vorgeschriebenen Kultussteuer in Aufrechnung kommen. Im Jahre 1922 mußte angesichts der sprunghaften Entwertung unserer Wähnung und des Umstandes, daßdie Kultussteuern zu Beginn des Jahres vorgeschrieben waren, von dem statutenmäßigen Rechte der Einhebung eines a u ß e rordentlichen Zuschlages Gebrauch gemacht werden. Dieser Zuschlag gelangte in 150prozentiger Höhe der Kulttissteuerbemessuug generell zur Vorschreibung \md hat es vornehmlich bewirkt, daß die Gemeinde in diesem Jährendes Zusammenbruches der Österreichischen Kronenwährung sich aufrechterha 1 ten konnte. Die Einnahmen an Kultussteuern bedecken kaum die Hälfte des Ausgabenet-ats der Gemeinde. Um das finanzielle Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, mußte daher auch jeweilig, den Verhältnissen entsprechend, mit einer Steigerung aller bestandenen Taxen und! Gebjührejn vorgegangen und die Normierung neuer Taxen vorgenommen werden. Nach wie vor blieb jedoch die Bestimmnng unverändert, daß den Unbemittelten die von der israelitischen Kultusgemeinde zu bietenden Leistungen unentgeltlich gewährt werden. Durch den Krieg und die Nachkriegszeit wurde die Kultusgemeinde vor Aufgaben gestellt, deren Erfüllung nur mit der allergrößten Anspannung und mit weitestgehender Inanspruchnahme der Opfenwilligkeit der Gemeindemi tglieder möglich wurde. Selbstredend hatte auch die Angestelltenschaft unter den tristen allgemeinen Verhältnissen zu leiden und jeder mußte es begreiflich finden, daß sich Lohnkämpfe entwickelten, deren friedliche Lösung herbeizuführen stets der Kultusvorstand bemüht -war, indem er diie Angestelltenbezüge bis zur vollen Erschöpfung der aufbringbaren Mittel jeweilig regulierte. Die Angestellten der israelitischen Kuitusgemeinde strebten nun an, daß ihre Bezüge denen der städtischen Angestellten angeglichen werden und sich automatisch hier wie dort verändern, so daß also auch die volle Auswirkung des Index ihnen zugutekommt. Der Kultifsvorstand konnte zunächst den Angestellten nur jene Be-