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Die Wahrheit · 1924-11-28 · Heft 48 (28.11.1924) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 48 (28.11.1924)
Date
1924-11-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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[ Theater, Kunst u. Literatur | „Zeitgeist und jüdeatum" war der Titel eines Vortrags, den Dr. Nathan Birnbaum am 10. November im Festsaale des Hotel Contitnenta! vor einem zahlreich erschienenen Publikum, neuer tarsd alter Freunde gehalten hat. Er geißelt zwar im scharfen Worten den vorstechenden Zug der Zeit, daß sie dem Individuum die alleinige Berechtigung der Vorherrschaft vindiziert, aber er wird gestatten, ihn eine kraftvolle Individualität zu nennen, die imponiert, selbst wenn oder gerade weil sie immer nach besserer Erkenntnis strebend einen gastigen Frontwechsel vollzieht Er hat als Gymnasiast schon auf dem Pult seiner Schulbank in hebräischen Lettern die Worte ir.ut dem Federmesser einiger Uzt: „Iwri onauchi". Die eiineeiitfig© Betonung des nationalen Standpunktes unter Vernachlässigung »des religiösen, kennte ihm, der an Gefühlsüberschuß vielleicht so leidet wie er nit Geistesfülle begabt isi, nicht zusagen. Der fanatische Weltverbesserer, der er ist, bemüht er sich natürlicherweise mit leidenschaftlicher Hingebung zunächst um diie Verbesserung der Mentalität seiner Volks- und Glaubensgenossen, namentlich der Jugend, die in Shrer geeerfwärtagen Verfassung viel Anlaß zu Tadel und Klage fwetet. Der Tenor seine« Vortrages wendet sich gegen den Mißbrauch, der mit Berufung auf angeblich notwendige Rücksichten auf den Zeitgeist getrieben wird. Der Geist unserer Zeit hat seine Signatur abgesehen von der Vergöttlichung des Individuums in der Auflehnung gegen alles, was Gesetz heißt, was Schranken setzt, Auflehnung gegen das Alter, die Vergangenheit, Geschichte und vor allem gegen die Religion. Nur *n Zeiten der Entfremdung und Entfernung' vom wahren Geist der Ewigkeit spricht man vom Zeitgeist- Juden nehmen an d-ieser Auflehnung bloß daran teil, daß sie von ührer Umwelt dazu angelernt werden Sie ist ganz unjüdisch. Das Judentum hat Tradition, labt seinem Sittengesetz und nicht dem Sichausleben-wollen" Es hat seinen Glauben, den „echten Ring" für sich, ohne zu behaupten, daß die anderen nicht auch echt seien. Und den Gla.uben soll und darf man den Menschen nicht nehmen. Sehr rieh big bezeichne t Birnbaum die heutige Kunst als Modesache, es fehlt ihr eben das Sakrale, die aus der Höhe st?mmp^de. treibende Kraft, der zündende Funke von Weltfieist. Ob er dabei seinen so begabten Sohn im Auge hatte, der Kunst und Religion so schön beisammen hat? Denr materialisrische Zeitgeist leugnet die Existenz Gottes. Die größten Philosophen waren es «leiht, die Materialismus predigten und Gott leugneten. Auch Piato tat es nicht- Er behielt mtr seine Weisheit bei sich und hat sie nicht wie Moses seinem Volke und damit der Menschheit mitgeteilt Das Judentum ist dadurch die Religion des Beispiels geworden; die Juden haben die Rolle der religiösen Menschen, damit die ErzDehungsmiiSskm übernommen. Auch der Heide hatte Religion, unsere Materialisten sind aber schlechter als die Heiden. Mit einer Würdigung der Formen und Symbole, die der Zeitgeist verspottet und verwirft, schloß Birnbaum seinen mit gewohnter Begeisterung gesprochenen und aufgenommenen Vortrag. Medl-Rat- Dr. Haase. Fach wissenschaftliche Vorträge. Der österreichische Kanforenverband hat beschlossen, dem bedauerlichen Mangel einer Kantorenschule durch Einführung von fach- und populärwissenschaftlichen Vorträgen Abhilfe zu schaffen. Der erste dieser Vorträge findet Samstag, den 29. d. M., 6 Uhr abends, im großen Saal der Kultusgemeinde statt und wird Herr Dozent Dr. Hugo Stern über die „Einführung in das Verständnis stimmphysiologischer und stimmtechnischer Probleme" sprechen. Der humanitäre Verein „KurSürsorge" zur Unterstützung armer Kurbedürftiger veranstaltet Sonntag, den 30. November 1924, halb 9 Uhr abends. im Olympia- Saal, I., Rothgasse 3. eine Wohltätigkeitsakademie, die dem Programme nach zu schließen eine der schönsten Veranstal hingen dieser Saison zu werden verspricht. Karten im Vorverkauf ä K 25-000 zu haben bei: Doktor J JL Braun, II., Große Stadtgutgasse 7 (Telephon 45343); Dr. L. Fischt II., Novarsgasse 32 (Telephon 474C6); Konzertdiüreküon Franz Koller, L. Annagasse 3a (Telephon 70044). Von Woche zu Woche Wiedereröffnung einer „Woja*'-Kücne. Wie wir vom Vorstand der „Woja" erfahren, wird zufolge Aenderung in der Leitung des Küchenbetriebes eine Reorganisation dieses Wohlfahrtsunternehmens durchgeführt. Im Zuge dieser Aktion wird die Küche der „Woja", I. Griechengasse 1, Sonntag, den 30. d. M. wieder eröffnet. Die Küche in der Sperlgasse bleibt vorläufig geschlossen. Um den Stand genau zu erfassen, werden die Teilnehmer von der Leitung der „Woja" ersucht, tunlichst vor Sonntag die Abonnements zu lösen. Alle Begünstigungen für die Küche Sperlgasse haben für die Küche Griechengasse Geltung. Zur 4ngestelltenirage. Vor wenigen Wochen war in einer jüdischen Zeürung ein Artikel erschienen, der sich mit der Gründung eines Verbandes gesetzestreuer jüdischer Arbeiter und Angesteilten befaßte und ein Programm hierfür entwarf. Wie wir hören, hat diese Idee greifbare Formen angenommen und es wurde bereits ein provisorisches Komitee gebildet, das sich aus einigeti Herren der verschiedenen Richtungen des thoratr&uen Judentums zusammensetzt und das die Arbeit energisch aufgenommen hat. Durch persönliche Bearbeitung haben schon eine große Reihe von Angesteilten und Arbeitern beiderlei Geschlechts ihr Interesse r-n dem Verband ausgesprochen und sich bereit erklärt, die Idee durch Zeichnung zum Grundfonds dies Verbandes und Eintritt in denselben zu fördern. Es ist zu wünschen, daß die OeffentKchke.it bald Genaueres über diese in der Gegenwart besonders akute Frage hört, um auf diese Weise das Interesse weiterer Kreise sowohl von Angestellten als auch von Urternehmern zu gewinnen. Institut für religiös-wlsseiischafiiiche Studien unter Leitung Dr. A. Kaminkas (Beth-hairridrasch, Wien III-, Hetzgasse 40). Vorträge während des Wintersemesters: Rabbiner Dr. A. Kaminka: Montag, 6 bis 7 Uhr: Jesaja; 7 bis 8 Uhr: More Nebuchim; Mittwoch, 6 bis 7 Uhr: Talmud; 7 bis 8 Uhr: More Nebuchim; Samstag, 3 bis 4 Uhr: Pentateuch-Vortrag. Dr. Wundermann: Bibelkurs für Studierende, Dienstag, Donnerstag und Samstag, halb 7 bis halb 8 Uhr. Predigt. Freitag, den 28. November, 4 Uhr 15, findet im großen Leopoldstädter Tempel eine Predigt Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Max Grun w a ld statt. Barmlzwahfeiern. Zu einem großzügigen Feste seltener Art hat sich in Trier die Barmizwahfeier des Sohnes des dorttilgen Oberrabbiners Sr. Ehrw. Herrn Dr. Adolf A11 m a n n gestaltet. Es war im wahren Sinne des Wortes ein Fest- und Fr enden tag der ganzen Gemeinde, die die Gelegenheit benutzte, ihrem überaus beliebten und verehrten Seelenhirten innige Beweise der herzlichsten Sympathie zu liefern. Auch die Gemeinden des Landeskreises Trier, die zum Oberrabbinate gehören, und die große Schar von Freunden und Verehrern in Deutschland, Oesterreich, Ungarn usw., sowie viele Vereinigungen und Körperschaften des In- und Auslandes ließen es sich nicht nehmen, dem rastlosen Förderer und Verfechter des überlieferten Judentums und bekannten Gelehrten und Publizisten Dr. Alimann durch Beweise der Hochachtung an dem Feste seines Sohnes zu ehren- Der Barmizwant Manfred Altmann trug die ganze Sidro Naunach in bewundernswerter und tadelloser Weise in der bis auf dem letzten Platze besetzten Synagoge aus der Sefer Tauro vor. Die ergreifende form- und inhaltsvollendete Ansprache des Vaters an den Sahn, in der sich der hochangesehene Musterredner selbst überbot, löste eine erhabene Stimmung aus. Diese Stimmung steigerte sich noch, als der Barmizwant im Hause vor der großen Schar von Gratulanten und Gästen eine entzückende Rede, gewürzt mit Diwre Tauro und talmudischen Belegen Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Deiailverkaur: Wien I!., Glockcngfssse 24 Wien II., Taborslraße 44

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