Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 48 (28.11.1924)
- Date
- 1924-11-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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s-erts 4______ _ TM WAflggEaTwJfe jg. München, ich bedauere nur, daß ich an dem Tage nicht an dieser Sitzung teilgenommen habe. Daß mir der Inhalt dieser Unterredung etwas reichlich spät bekannt geworden ist. Ich hätte dem Lauselümmel links undreehts e i n P a a r in die Fresse gehauen, daß ihm Hören und Sehen vergangen wäre. Und zu diesen sogenannten politisch neutralen (politisch neutral ist für mich das gleiche wie international) vaterländischen Verbänden gehört auch eine große Organisation, die in Hamburg nur kümmerliches Dasein genießt. Einen Namen brauche ich nicht zu nennen, es wird jeder selbst am besten wissen, es sind die Fahnenschwenker und Fahnennagler. es sind die Leute, die Sonntag für Sonntag auf Kosten der Mitgliederbeiträge in der Provinz herumgondeln und patriotische Reden schwingen und Fahnenweihen abhalten. Eine eigene Art der vaterländischen Propaganda, aber sie zieht vorläufig. Aus den ernsten und feierlichen Fahnenweihen wird ein Wanderzirkus gemacht. Die Würde ihrer Feiern wird nach der Anzahl der hergelaufenen Vaterländischen und nach der Anzahl der Fahnen bewertet. Kameraden! Mir hat vor diesem Tun schon lange gegrault, aber ich habe geschwiegen und mir gesagt, jeder mag nach seiner Fasson selig werden. Ich erblicke in diesem Tun wahrhaftig keinen Aufbau und keinen Wiederaufstieg des deutschen Vaterlandes. Das schlimmste aber ist, daß dieser Verband, dessen Mitglieder zum überwiegenden Teile völkisch eingestellt sind, seinen Mitgliedern mit Geheimdiplomatie begegnet. Einer dieser Geheimer lässe verbietet den Ortsgruppen und Landesverbänden, vor unserem hochverehrten Chef, General Ludendorff, Ehrenbezeugungen zu erweisen. Kameraden! Männer, die solche nichtswürdige Verachtung eines deutschen Frontsoldaten aussprechen, sind nicht wert, daß man sie weiter deutsche Männer nennt. Solche Männer soll die tiefste Verachtung aller völkisch gesinnten Deutschen treffen. Diese Leute sind uns schlimmere Gegner als Pazifisten, Kommunisten und Marxisten. Diese Leute sind die schlimmsten Bonzen- und Postenjäger, die es gibt, sie lassen sich in ihrem jetzt an allen Straßenecken erhältlichen Organ in Bildern ausstellen und glauben damit ganz furchtbar große Tiere zu sein. Unser Verband, wenn er auch jetzt noch klein ist, soll und ist auf einer wirklich fest fundierten Grundlage aufgebaut. Bei uns gibt es keine Bonzen, gibt es keine Geschäftemaeherei, bei uns gibt es nur deutsche Männer, ganz gleich ob arm ob reich, ob Offizier ob Mann. Bei uns wird streng darauf geachtet werden, daß sich die Offiziere nicht von den übrigen Kameraden absondern. Dazu sind die Offiziersvereinigungen da. Wir wollen freie völkische Männer, einer soll dem anderen Achtung und Kameradschaft entgegenbringen. Und hiermit im Verein straffe Disziplin. Nur so können wir der völkischen Idee dienen, nur so können wir an der großen völkischen Volksgemeinschaft arbeiten, aus der allein Deutschland neu erstehen kann. Lassen Sie uns darum die Männer stets vor Augen halten, die durch Verrat für ihr völkisches Ideal unter der schwarz-weiß-roten Hakenkreuztahne am 9. November vorigen Jahres gefallen sind. Dieser Männer Tag für Tag zu gedenken Ist völkische Pflicht. Ihrem Beispiel zu folgen, verlangt die völkische Bewegung.14 12 Jahre Wiener Öemeindetätigkeit. Durch mehr als drei Jahrzehnte wurden vom Vorstände der israelitischen Kultusgemeinde Wien gelegentlich jeder Neuwahl Berichte über die Tätigkeit des Kultusvorstandes in der abgelaufenen Funktionsperiode den Gemciiideniiigliiedern zugeinitielt. Durch diese Veröffentlichungen sollte einerseits der Anspruch der Gemeiudenniglieder auf Kenntnis der von der KultiisgeineiJLd'e entfalteten Tätigkeit erfüllt werden, anderseits sind diese Publikationen geeignet und berufen, für den einstigen Geschichtsschreiber einen wertvollen Leitfaden zur Behandlung der Geschichte der Wiener Judenschaft zu bilden. Durch den Ausbruch des Weltkrieges und durch die besonderen Verhältnisse der Nachkriegszeit hat diie Einrichtung der Herausgabe solcher Berichte eine Unterbrechung erfahren- Da die allgemeinen Verhältnisse einer steten Besserung zuschreiten und damit auch die Finanzlage der Gemeinde eine Besserung erfahren hat, hielt es der abgetretene Kultusvorstand für seine Pflicht, sowohl das Versäumte nachzuholen, als auch über seine Tätigkeit in der abgelaufenen Funktionsperiode einen Bericht zu veröffentlichen. Dieser Bericht, der vor den Kultuswahlen den Gemeindemitglietdern zuging und beinahe als einziger Lichtblick dieser Zeit des Bruderkanipfes bezeichnet werden kann, stammt aus der Feder des ersten Sekretärs der Kultusgemeirade Herrn Guido Fuchsgelb. Es ist seit jeher eine schwere Aufgabe für die Publizistik gewesen, den Rechenschaftsbericht einer Körperschaft zu besprechen, und diese Aufgabe wird dmi vorliegenden Falle umso schwerer, als in dem Bericht die Vorkommnisse von beinahe 12 Jahren (1912 bis 1923 und die wichtigsten Ereigiwsse des Jahres 1924) behandelt werden, noch dazu in knappster» Form, die durch die großen Herstellungskosten bedingt war. Wir wollen deshalb uns im folgenden damit behelfen, die wichtigsten Daten des Berichtes herauszugreifen, wo;l wir der Ansicht sind, daß wir unseren Lesern die Aufgabe und die Leistungen der Gemeinde in schwerster Zeit, in die der Bericht ausgezeichneten Einblick schafft, in dieser Form am anschaulichsten vor Augen führen. Am 24. November und 4. Dezember 1912 haben die Wahlen in den Kultusvorstand stattgefunden. Es waren die letzten vor dem Kriege und auch die letzten, bei: welchen die Gruppe der Höherbesteuerten in einer gesonderten Wahlkurie ihr Wahlrecht auszuüben in die Lage kam. In der Zeit vom Dezember 1912 bis Juni 1920 haben Neuwahlen in den Kultusvorstand nicht stattgefunden, sondern es wurde in Anbetracht der durch den Krieg hervorgerufenen Verhältnisse und mit Bewilligung der staatlichen Behörden teils durch Verlängerung d *e r Mandatsdauer, teils durch Kooptierung e n die statutenmäßige Zahl dier Mitglieder des Kultusvorstandes — 36 — jeweilig aufrechterhalten.! Auf Grund der im Jahre 1919 vom Kultusvorstande beschlossenen und im Mai 1920 von den Staatsbehörden genehmigten geänderten Wahlordnung haben die Neuwahlen der Mitglieder des Kultus vor Standes am 27. Juni 1920 stattgefunden. Es waren dies 'die ersten nach den Grundsätzen des Proportional Wahlrechtes vollzogenen Wahlen. Bei einer Gesamtwählerzahl von 19.303 Wählern waren 10.553 gültige Stimmen abgegeben worden. Hiervon entfielen: auf die nichtjiidischnationalen Parteien 5912 auf die zionistische Partei 3714 auf die vereinigte glaubenstreue Judenschaft 878 auf die jüdische Volksgruppe 49 Stimmen. i * Die nach den Bestimmungen der Wahlordnung ermittelte Wahlzahl hat 285 betragen und es erhielten demgemäß: die niohtjüdischnationalen Parteien 20 die zionistische Partei 13 und die vereinigte glaubenstreue Judenschaft 3 Mandate. Bald nach der Konstituierung des neugewählten Kultusvorstandes setzten die Bemühungen zur Schaffung einer das Wahlrecht erweiternden neuen Wahlordnung ein, wo-