Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 46-47 (18.11.1924)
- Date
- 1924-11-18
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064071-3064115--13256-3080751- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 46/47 .....Ml f 1 ii Iii»,. I DIE WAHRHEIT Seite 17 ganz besonders aber mit den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde zusammenzukommen. Das ganze Missionshaus, wie es beschaffen ist, mit seiner Arbeitsordnung, der Beschäftigung der Insassen, den unglaublichsten Kniffen der Proselytenmacher, stellt sich als nicht anderes als ein beispielloser, verwerflicher Seelenschacher dar. Es wäre Pflicht der jüdischen Kultusgemeinden, die Umtriebe dieser Missionshäuser mit offenen Augen zu verfolgen, in den Bahnhöfen verläßliche Vertrauensmänner aufzustellen, welche die ankommenden jüdischen jungen Leute entsprechend aufklären, damit sie nicht in die Klauen solcher Seelenschacherer geraten. Die Frau Oberstleutnant und die jüdischen Hypnotiseure. Vor dem Strafgerichtshof Budapest wurde ein interessanter Prozeß gegen die des Diebstahls angeklagte Gattin des Oberstleutnants Milesz verhandelt. Anläßlich einer -Tour bei einem Obersten, an dem hervorragende Vertreter der Aristokratie, Abgeordnete und Gutsbesitzer teilnahmen, wurde das Verschwinden wertvoller Pelze entdeckt. Die Untersuchung ergab, daß die Oberstleutnantsgattin die Täterin war. In der Verhandlung verteidigte sie sich damit, daß sie von unbekannten Männern hypnotisiert worden sei und im hypnotischen Zwang den Diebstahl begangen habe. Der Gatte führte zur Verteidigung seiner Frau an, daß seinerzeit auf sein Betreiben jüdische Hochschüler von der Universität entfernt worden waren, die nur sein Verderben gewollt und seine Frau hypnotisiert hätten. Der Gerichtsarzt erklärte diese Behauptung für unrichtig und gab an, daß die Frau sich im Besitze ihrer geistigen Kräfte befunden habe. Sie wurde zu acht Tagen Gefängnis, ihre Schwester als Hehlerin zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt. — Die „Erwachenden Ungarn" werden natürlich finden, daß eigentlich die jüdischen Studenten für diesen Diebstahl brummen müßten. Der Herr mit der Gesinnung. Axel Arheus erzählt im Berliner „Montag Morgen" folgende nette Geschichte: Ort: Untergrundbahnhof Fehrbelliner Platz. Man steigt um in den Zug nach Thi'elplatz. Es ist am späteren Nachmittag, so kurz nach Geschäftsschluß. Neben mir steht ein Jüngelchen, wohl eben zwanzig. Das Monokel raffiniert ins blaue Auge geklemmt. Kopf fast kahl rasiert, mit etlichen Schmissen in der Fratze. Ueber der Stirn noch eine Bandage von der letzten Mensur. Und dann hat er als Krawattennadel ... ein Hakenkreuz von blinkendem Gold. Beim Einsteigen quetscht er sich liebenswürdig vor eine Dame. Dabei passiert das Malheur: er verliert die Nadel, bemerkt es aber nicht. Da nimmt ein Herr seinen dicken Spazierstock, fährt erst mal ordentlich auf dem Hakenkreuz rum. daß es sich verbiegt, und sagt dann mit ausgesuchtester Liebenswürdigkeit zu dem Jüngling: „Verzeihen Sie gütigst, mein Herr. Sie haben eben Ihre Gesinnung verloren, wollen Sie sie nicht wieder aufheben?" Der Stahlhelmritter kriegt einen roten Kopf, hebt das Ding auf und steckt wortlos seine Gesinnung in die linke Hosentasche. Die Palästinapolitik des Vatikans. Katholische Zeitungen betonen die Notwendigkeit einer direkten Vertretung des Vatikans beim Völkerbund zwecks Wahrnehmung der Interessen der katholischen Kirche, insbesondere in Palästina. Die Diplomaten des Vatikans sind, wie mitgeteilt wird, eifris: für die Sicherung einer vollen Vertretung tätig. Besonderer Nachdrück wird in diesem Zusammenhang auf eine kürzlich vom Papst dem früheren Vize-Staatssekretär des Vatikans und jetzigen päpstlichen Gesandten in Madrid, Mgr. Todeschini, gewährte Audienz gelegt. In der Audienz wurde die Haltung der spanischen Regierung, die schon einmal den Vorschlag einer vatikanischen Repräsentanz beim Völkerbunde gemacht hat, besprochen. Man nimmt an, daß auch die schweizerische Regierung für diesen Vorschlag ist und ihn unterstützen wird. „Popolo d'Italia" versichert, in vatikanischen Kreisen sei man entschlossen, die Forderung nach einer vatikanischen Vertretung im Völkerbund nunmehr offiziell zu vertreten. Ein biederes Gemüt. Der Hannoversche „Sturm" glossiert die aus dem offiziellen Sowjetblatt „Prawda" von uns übernommene Mitteilung, die der „Sturm" als „neuesten Rundfunkbericht" maskiert, daß bei den letzten jüdischen Verfolgungen in der Ukraine 70.000 Juden umgebracht wurden, mit den Worten: „Es sollen aber sehr viel übrig geblieben sein." Kommentar kann ebenfalls übrig bleiben. Ein ..Widerstandsfonds gegen antisemitische Uebergriffe". Vor kurzem erschien beim Strafgericht I ein Herr Ratke unter der Anklage, Herrn Dr. Alfred Rosenfeld, Gerichtsdolmetsch der ungarischen Sprache, grundlos als „frechen Galizianer, Saujud" beschimpft zu haben. Nach Aufklärung durch den Richter erklärte sich der Angeklagte bereit, einen Sühnebetrag zu leisten. Dr. Rosenfeld forderte Zahlung an das Zionistische Landeskomitee für einen „Widerstandsfonds gegen antisemitische Uebergriffe". Der Beschuldigte wollte hierauf nicht eingehen, mußte sich aber schließlich dazu bequemen. Hierzu schreibt die „Wiener Morgenzeitung": „Es wäre wünschenswert, daß in solchen Fällen stets darauf bestanden werde, daß die Sühnebeträge der Zionistischen Organisation mit der Bestimmung zufließen, einen Fonds zu schaffen und zu stärken, der jedem, an dem wegen seines Judentums ein mit den Mitteln des Strafrechtes verfolgbarer Uebergriff begangen wird, ohne Rücksicht auf die Einbringlichkeit der Kosten, wirksamen Schutz durch Beistellung eines Rechtsanwaltes leiht." Die Anregung ist sicher beherzigenswert. Warum aber für die Schaffung eines solchen Fonds gerade das Zionistische Landeskomitee, das doch von einem überwiegenden Teil des Wiener Judentums wegen seiner parteiischen Einstellung abgelehnt wird, herhalten soll und nicht ein allgemeines Forum dienen soll, ist uns, notabenne zur Zeit der Wahldreieinigkeit, recht unklar. Palästina vor dem Völkerbund. In der Mandatskommission des Völkerbundes erstattete am 28. Oktober der britische Oberkommissär für Palästina, Sir Herbert Samuel, über die Mandatsverwaltung Bericht. Er teilte mit, daß die britische Regierung seit Beginn der Mandatsverwaltung, dem 29. September 1923, bereits 6 Millionen Pfund dafür ausgegeben hat. England habe seit Beginn der Mandatsverwaltung versucht, Palästina eine Verfassung zu geben. Zunächst sollte ein gesetzgebender Rat geschaffen werden, dem außer dem Oberkommissär und zehn Beamten noch zwölf gewählte Mitglieder angehörten, nämlich acht Mohammedaner sowie zwei Christen und zwei Juden, die nach dem türkischen Gesetz durch indirekte Wahl bestimmt werden sollten. Die arabische Propaganda habe jedoch das Zustandekommen der Wahl verhindert. Alle Versuche zur Schaffung des gesetzgebenden Rates seien fehlgeschlagen. Deshalb sei lediglich ein Rat von Beamten eingesetzt worden. Ueber die jüdische Einwanderung teilte der Oberkommissär mit, daß sie größtenteils aus Polen, Rumänien und Südrußland stamme. Die Einwanderer seien meist junge Leute, von denen ein großer Teil sich der Landwirtschaft widme. Die britische Regierung habe Palästina niemals eine Subvention gezahlt, sondern das Land habe stets sein Budget allein ins Gleichgewicht gebracht. Der „verjudete" Karl der Große. Man muß zugestehen, daß, nach den Ueberschiriiteu zu urteilen, in manchen völkischen Zeitungen ein starkes Streben nach Wissenschaitlichkeit und Mannigfaltigkeit d!er Artikel versucht wird. Abhandhinffen aus allen Gebieten dies Wissens werden angekündigt, so daß der flüchtige Leser den Eindruck hat, sachliche und ernste Ausführungen vor sich zu haben. Die „Schlesische Volksstimme", die sich „Völkisches Tageblatt" nennt macht, wie gewöhnlich, dJas Vorbild ihrer großen Geschwister: nach, und so findet man in Nr. 28 einen Artikel ,.Diie Juden in Frankreich", worin folgendes zu lesen ist: „Karl der Große brachte es denn auch mit der vj>n Juden gelernten Taktik daihiin, die rechtsrheinischen Germa,nenstä.mme durch planmäßige Zersetzungs- und Wühlarbeit sowie Spaltung in sich befehdende Parteien — ganz nach dem heutigen Muster! — zu spalten und zu unterwerfen, und ließ viertausendfünfhatnidert Sachsen in des Wortes wahrster Bedeutung „abschlachten"! So hat dieser „Sachsen schiächte r", w i e er in unserer d e u tschen Geschichte eigentlich heißen müßte, an Stelle des ehrlichen, ethisch hochwertigen arischen Christenglaubens (!) den veriudeten Jahvekult gesetzt." Auch du, mein Sohn Brutus, fühlt man sich versucht zu sagen. Wenn schon auf Karl den Großen kein! Verlaß mehr ist, auf welchen Fels kann mam denn da noch bauen? Gerade so wie heute, war auch vor tausend bis zweitausend Jahren die Uebung. daß man beim Kriegführen den Gegner nach Möglichkeit tötete, urod daß man mitunter auch sogenannte friedliche Durchdringungen durch Anwendung von Waffen unterstützte. Welthistorisch betrachtet kann die Tragödie eines ganzen Volkes mitunter als Segen für die Erat Wicklung d'er Menschheit getdetiret werden. Allerdings muß man dabei denken können. Wir glauben es den Schreibern und Lesern der „Schlesiischen Volksstimme" sehr gern, daß sie sich in Urwäfldern auf der Eberjagd wohler fühlen würden, als in einem Staate, in dem man einen gewissen Wert auf Recht, Sitte und Ordnung legt, die einen Zwang ausüben, „ daß man geistige Kämpfe auch wirklich nur mit geistigen *"* Waffen führt. Wir wagen die Behauptung, diaß die Anhänger