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Die Wahrheit · 1924-11-18 · Heft 46-47 (18.11.1924) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 46-47 (18.11.1924)
Date
1924-11-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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& 46/4? _ J>lfL WAflRliEIT ___________ ^__________________Seite£ Vor allem duroh das Auftauchen einer neuen politischen Partei in der Kultusstube dürfte sich eine gewisse Umgruppierung dort ergeben und unter solchen Auspizien, eine Prognose zu steilen, wäre ein undankbares Geschäft. Ob nun unter solchen Umständen zum Wohle der Wiener Kultusgemeinde vier lange Jahre segensreich gearbeitet werden kann, das wird nur die Zukunft lehren. __Oskar H i r s c h f e l d. Ein jüdischer Gedächtniskünstler. ii. Her seh Dänemark war auch in seinem Privatleben eine geheimnisvolle, rätselhafte Persönlichkeit. Man weiß nicht mit Bestimmtheit, in welchem Lande und wann er geboren wurde, sein Geburtsort ist absolut unbekannt — und seltsam genug, man weiß auch nicht, wann und wo er gestorben ist. Plötzlich versiegten alle Nachrichten über ihn und es kann daher nur mit einiger Wahrscheinlichkeit als feststehend angenommen werden, daß er beiläufig zu Ende des 18. Jahrhunderts geboren sein mochte, ein Alter von 75 Jahren erreichte. Die Vermutung der altem Männer, die noch den phänomenalen M>ann persönlich gekannt, seinem Sohne Markus gegenüber Ausdruck gaben, wonach Hersch Dänemark in Warschau geboren worden sei, hat vieles für sich. Aber es konnte seinerzeit auch in Zeitungsberichten gelesen werden, daß er aus Siebenbürgen stammte, wo er die ersten Jugendjahre verlebte und von wo er dann erst später nach Warschau gekommen sei. An welcher rabbinischeu Hochschule Hersch Dänemark sein reiches Wissen erworben, wo er seine Studien vollendete, wer seine Lehrer gewesen, das alles ist in tiefes Dunkel gehüllt, denn alle, die ihn: noch persönlich gekannt und Edelsteine. Deshalb bestand mit Ophir auch Tauschhandel. Der Export der Juden war Getreide, Honig, Oele und Balsam. E z e c h i ie 1 27. K. 17. V.: „Jehuda und das Land Israel waren Kaufleute mit Weizen, Honig und Balsam." Der Import war Silber aus Spanien, Pferde m& Aegypten, Zedernholz vom Libanon, Balsam von Arabien. Die Verkehrsmünzen waren Drachmen, Talente und der Scbekel. Viele Bedrückungen und Steuerlieistunigen hatten die Juden in d)er Zerstreuungszeit im römischen Gebiete. Zufolge der, Willkürherrschaft der Zöllner wurde im Juidentume bestimmt, sich mit diesen Zöllnern, die man mit Wucherern verglich, nicht zu befreunden. Sanhedr in 25. Im Talmud Baba-Kama heißt es, daß man bei Zöllnern, welche willkürlich die gesetzlich bestimmte Zollgebühr überschritten und die Gebühr erhöhen, kein Geld wechseln soll, das alles Geld der Zöllner geraubtes Vermögen sei. H y r k a n ließ einst im Lande eine Visitation und Kontrolle der einlaufenden Steuern vornehmen, ob ailles gesetzestreu und pünktlich erfolge, und man fand, daß nur die Hebe, die Trume und nicht die Zehnte geleistet wurde. Demzufolge bildete sich ein Verein namens Chabarim, welche das Steuergesetz achteten und gesetzlich die Abgaben leisteten. Nicht so erfüllte das Volk auf dem Lande von seinem bereits mehrfach erwähnten Sohne Markus um Mitteilungen über ihn ersucht worden waren, versicherten, daß er solchen Fragen immer ausgewichen sei und niemals von seiner Vergangenheit gesprochen habe. Weder in den von Professor Daumer zitierten Mitteilungen, noch in anderen Zeitungsberichten (wie z. B. in der Philippsohn'schen „Allgem. Zeitung des Judentums") ist ein Wort über die äußere Erscheinung Hersch Dänemarks zu lesen, die doch sicher auch jeden, der Zeuge seiner phänomenalen Leistungen war oder von ihnen hörte, interessieren mußte. Markus Dänemark, der seinen Vater nur als alten Mann gesellen, weiß von ihm zu erzählen, daß er ein imposanter Greis war, dessen Erscheinung jedem auffiel. In jüngeren Jahren soll er aber ein außerordentlich schöner Mann gewesen sein, der zwar immer nur in der bekannten Tracht polnischer Juden auftrat, aber einen unigemein würdevollen Eindruck machte. Hersch Dänemark war viermal verheiratet gewesen. Seine ersten zwei Gattinnen starben nach verhältnismäßig kurzer Zeit. Mit der dritten Frau, die er schon in reiferem Alter heimgeführt, machte er traurige Erfahrungen. Er wohnte damals in der ungarischen Hauptstadt, von wo aus er Reisen in ferne Städte antrat, in welchen er Vorstellungen gab, zu denen sich auch Gelehrte aller Konfessionen drängten. Als er von einer dieser Reisen heimkehrte, fand er seine Gattin nicht an; sie war verschwunden und es verlautete, daß sie mit einem italienischen Soldaten entflohen sei, Sie kehrte aber bald wieder zurück, versuchte die Gerüchte als Verleumdungen zu erklären, bat auch ihren Gatten reumütig um Verzeihung, aber dieser weigerte sich, sie wieder aufzunehmen und1 ließ sich von ihr scheiden. die Pflicht. Es trat Haß, Zwietracht und Spaltung im Judentume ein, indem diesies Volk das Gesetz mißachtend von den Chabarim getrennt lebte. Diese Abtrünnigen wurden Amhaarazim genannt, man durfte sie nicht zu Tische laden, mit ihnen in keine Heiratsverbindung treten. Wenn eine Tochter des Amhaarez mit einem Sohne eines Chabarim ehelich sich verbinden wollte, so mußte diese vorerst in die Körperschaft der Chabarim Aufnahme rinden. Rabbi Josua war ein erbitterter Feind der Amhaarazim und sagte, daß ein Amhaarez absichtlich die Erstlinge des Viehes beschädigte, verstümmelte, um es untauglich zur Erstlingsgabe zu machen. Bechoroth. Hingegen war der kluge Rabbi G a m 1 i e 1 II. versöhnlicher, nahm den Amhaarez in Schutz, gab sogar seine Tochter einem Amhaarez zur Gattin, T o s e f t a. Der Haß des Amhaarez gegen einen Gelehrten war oft größer als der Haß der Heiden gegen Israel. Dem Amhaarez wurde nicht gestattet, eine Waisenvormnndschaft zu übernehmen. Dennoch wurden oft Rücksichten gepflogen, so sagte Rabbi Juda, Sohn des Rabbi Hai, daß die Sünden eines Amhaarez zufolge seiner Unkenntnis des Gesetzes und der Unwissenheit nicht so strenge zu ahnden sind, als die Sünden der Gelehrten. In unseren alten Gemeinden wurde der Amhaarez als Nichtkermer der jüdischen Wissenschaft, der mangelnde Kenntnis im Talmud

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