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Die Wahrheit · 1924-11-18 · Heft 46-47 (18.11.1924) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 46-47 (18.11.1924)
Date
1924-11-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 DIE WAHRHEIT Nr. 46/47 mehr wahlmathematische. Es zeigt sich nämlich bei der Zusammensetzung des derzeitigen Kultusvorstandes die merkwürdige Tatsache, daß gerade diejenige Partei* die am meisten beim Zustandekommen dies Kompromisses tätig war, selbst dazu die Initiative gegeben hat, die größten Opfer gebracht hat. Man gestatte uns im folgenden kurz mit nackten Ziffern zu operieren. Im bisherigen Kultusvorstande hatte die Majoritätspartei 20, die mit ihr stets konform gehenden Orthodoxen 3 Mandate, insgesamt also 23; im neuen Vorstand,1 verfügt die Majorität über 15, die Orthodoxen über 3 Mandate, insgesamt also 18, dies ergibt ein Minus von 5 Mandaten. Die jüdischnationale Minorität besaß im bisherigen Kultus vorstände 13 Mandate (inklusive 2 misrachistisohe), im neuen verfügt sie über 10 Mandate. Bs ist aber mit größter Wahrscheinlichkeit zu vermuten, daß die gewählten Herren des „Religiösen Blocks" — einer hiervon, Herr Pimkas, gehörte bisher der jüdisohnationalen Minorität in der Kultus- . gemeinde an, während für den früheren Vertreter nerrn Austerlitz Herr Jakob März in die Kultusstube einzog — sich, da sie ebenfalls zionistisch orientiert sind, den Jüdischnationailen in der Kultusstube anschließen werden, zumal, wie ja] auch von jüdlschnationaler Seite in den Wahlversammlungen wiederholt erklärt wurde, der Einzug von Vertretern des „Religiösen Blocks" den Jüdischnationalen hoch willkommen sei und die „Wiener Morgenzeitung" in ihrer Wahlbetrachtung sich ausdrücklich die beiden Mandate schon zurechnet, so daß die „demokratischen" Zioniisten — dies ißt die neueste von innen auf sich geprägte Bezeichnung — 12 Mandate besetzen werden. Aber auch das Mandat des Herrn Scharfstein von der „Achduth Israel" wird den Jüdischmationalen zuzurechnen sein, denn obwohl es sich in diesem Falle um einen aus der zionistischen Organisation ausgeschlossenen Herrn handelt, ist er doch so religiös-national orientiert, daß auch er den Jüdischnationalen willkommen sein dürfte; denn schließlich nach Tisch liest man ja vieles anders. Rechnen wir aber, um den Boden der Tatsachen nicht zu verlieren, nur mit 12 Mandaten der Jüdischnationalen!, so ergibt dies gegenüber ihrer Stärke im früheren Kultusvorstand ein Minus von einem Mandat, dem ein Verlust von fünf Mandaten von Seiten der Majoritätspartei gegenübersteht. Das Verhältnis wäre also 5:1; man könnte auch sagen, die Majorität hat 5 Mandate der „Sozialen Wahlvereinigung", die Minorität nur eines der „Achduth Israel" überlassen. Ob dieses Verhältnis der projektiertem Zusammensetzung auf Grund der bisherigen; Stärke entspricht, diese Frage zu beantworten, muß man den Beteiligten überlassen. Sicher aiber kann konstatiert werden, daß dieses beinahe unglaubliche Verhältnis nicht den Tatsachen entspricht, wie sie durch die Allgemeinheit der Wiener Judenschaft gegeben erscheinen, bei der, um es noch einmal zu sagen, eine nationale Politik nie festen Fuß fassen konnte und kann. Daß aibgesehen davon noch von seiten der „Vereinigten jüdischen Parteien"Fehler gemacht wurden, schwerwiegende und weniger gewichtige, das bewiesen ums eine Fülle von Zuschriften, die uns vor und nach der Wahl zukamen. Wir wollen so loyal sein, darüber uns vorderhand nicht zu verbreitern, um unserer Parolse, der wir auch vor der Wahl eimigedenk waren, auch weiterhin treu zu bleiben. Feuilleton Zolle und Steuern im alten Judentum. Von Albert Low. Die vielen eifrigen Steuerdebatten in Stadt und i Land veranlassen Schreiber dieser Zeilen über die; einzelnen verpflichteten und bindenden Steuern und Abgaben, Zölle, Weg- und Schoßsteuern der Juden im Kanaaniland, Palästina, dann in der Zerstreuung ' im römischen Reiche den Lesern zu berichten. Die oberste Steuer war die Z e h n t e (Maas- 'ser), eine Abgabe von sämtlichen Halmfrüchten, ' von Baumfrüchten, Wein- und Oelgärten, dann die Erstlinge fehlerlosen Viehs. Diese Abgabe war für; die Priester und Leviten, die sich dem Tempel- dienste widmeten. Die Priester und Leviten hatten keine Besitztümer in Israel. Es gab ferner die Hebe, T e r u m e genannt, und einen Zoll für Ex - ', port und Import, dann die Weg- und Schoß- 1 Steuer. Im zwanzigsten Lebensalter trat die Verpflichtung zur Steuerleistung ein, dann wurde pro Kopf ein halber Schekel, eine silberne Münze mit der Prägung Schekel Jisroel und einer Kelch- Zeichnung eingehoben.1 Somit ersehen wir, daß wir Juden im Lande unserer Väter, wo Milch und Honig floß, schon eine Serie von Steuern leisten mußten. Palästina war nicht steuerfrei. E s r a war es, welcher die Steuer regelte, und heißt es in E s r a 4. K., 20. V.: „Auch sind mächtige Könige in Jeruscholajim gewesen, welche jenseits des Stromes geherrscht und denen Tribut, Zoll und Weggeld gegeben wurden." Das Weg- und Schoßgeld zählte zu den Grundsteuern und der Zoll zu der Einkommensteuer. Nachdem die Juden einen ansehnlichen Staat hatten, waren auch die Ausgaben größer und es vergrößerte sich auch das Einkommen im Reiche. Das größte Einkommen wurde durch den Handel erzielt. Zufolge der günstigen Lage konnte Palästina einen lebhaften Handel und Verkehr mit den Nachbarländern pflegen. Mit P h ö n i z i e n durch! Schiffe, mit Arabien durch Karawanen. Besonders der Stamm Dan, an der Meeresküste gelegen, pflegte mit diesen Grenzstafaten lebhaften Verkehr. Buch R i c h t e r, 5. K., 17. V.: „G i 1 e a d weilt am Jordanufer und Dan war verpflichtet auf Schiffen. Ascher befindet sich an der Küste des Meeres und genießt die Ruhe im sichleren Hafen." Könige, 9. K„ 27. V.: „Hiram sandte aufs Schiff seine Knechte. Schiffsleute, des Meeres kundig, mit den Knechten Salomos, sie 'holten von Ophir Gold, vierhundertzwanzig Talente." Ophir grenzte an Scheba und Hevita und hatte das feinste Gold, auch

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