Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 44 (31.10.1924)
- Date
- 1924-10-31
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 44 Appell an die -edlen Frauen schloß er seine trefflich© Rede aiusklingenri in ein „Hoch!" auf diie Damen, die Stützen der schönen Geselligkeit. Wolf Klein toastierte in formell und inhaltlich schöner Rede auf den Alterpräsidenten Rosenblatt. Es sprachen noch. Herr Grimberg, die schöne Mission der „Nächstenliebe" feiernd. Kassaverwaller L o w y replizierte auf die Worte des Vorredners. Herr Karl Fuchs hielt eine witzige Rede. Zum Schluß sprach, alles zusammenfassend, Prof. Nasche. Eine schöne gesangliche Gabe bot noch Herr Guttmann und nach ihm trat der Tanz an seine Rechte. Predigt. Freitag, dien 31. di M. 4.45 Uhr, findet im großen Leopoldstädter Tempel eine Predigt Sr. Ehrwürden, Herrn Rabbiner Dr. Max Grunvv a I d statt. Barmizwahfeier. Samstag, den 18. d. M. fand im Tempel des X. Bezirkes die Konfirmationsfeier des Studenten Fritz Pollatsch ek, Sohn des Herrn Max Pollatschek und seiner Gattin Martha, geb. W e i z e r, Enkel des Herrn Emanuel Pollatschek, statt. Rabbiner Dr. Mandl inahnte in einer eindrucksvollen Ansprache den Banmiizwaaiten, die guten Lehren und edlen Regungen, die er von seinen hochgeachteten Eltern und seinem braven Großvater empfing, ins Leben mitzunehmen. Zu der äußerst stimmungsvoll verlaufenen Feier im Hause erschienen neben den zahlreichen Familienmitgliedern und Freunden und Bekannten der Eltern auch Herr Rabbiner Dr. Mandl und Frau und Herr Oberkantor Schlesinger und Frau. Trauung. Dienstag, den 28. Oktober fand unter großer Beteiligung im Tempel, IL, Pazmanitengasse 6, die Trauung des Frl. Else R o b i n s o h n, Tochter der Frau Anna R ob i n s o h n, eine Nichte des ehemaligen Vorstehers dieses Tempels S. Chlamtatsch, mit Herrn Ing. Karl Schneider statt. In seiner Rede entwarf Herr Rabbiner Dr. S. Funk ein schönes Bild von dem Leben und Wirken der Eltern und Ahnen des Brautpaares, sprach von den großen Verdiensten des Ehepaares Chlamtatsch um den Tempelverein „Aeschel Avvrohom" würdigte den Wohltätigkeitssinn der Familienmitglieder, was dem jungen Brautpaare zur Nachahmung empfohlen wurde. Die kantorale Funktion versah Oberkantor J. Müller mit verstärktem Chor in bekannt meisterhafter Weise. Goldene Hochzeit. Samstag, den 25. d. M. fand im festlich beleuchteten Gemeindetempel XVI., Hubergasse, die goldene Hochzelt des allgemein verehrten Bethaiusvorstehers Herrn Salomon Kohn und' seiner treuen Lebensgefährtin Henriette, geb. L u n z e r, statt. Zur Tempelfeaer erschienen mit dean Jubilar seine Söhne Ignatz und Wilhelm Kohn. sowie die Schwiegersöhne Karl Haas und Ignatz Wolf. An der Seite der "Jubilarin standen ihre Töchter Fanny Haas und Lina Wolf, sowie ihre Schwiegertöchter Elise, geb. Fischer und Emma, geb. Trebitsch. Die Sympathie, deren sich das Jubelpaar wegen seines rechtschaffenen, wahrhaft jüdischen Lebenswandels allgemein erfreut, äußerte sich in den zahlreichen Tempelbesuchern. Vom Kultusvorstande erschienen die Herren Kultusräte Dr. Jakob Deutsch und David D o h a n, der Bethausvorstand erschien vollzählig zur Ehrung seines Kollegen mit Obmann Herrn Siegmund Weiler an der Spitze. Herr Vorsteher Salomon Kohn wurde in feierlicher Weise als „Kohen" zur Tora gerufen und rezipierte Herr Oberkantor Rr. Kogan, der mit dem I. Kantor M. Harendorf den feierlichen Gottesdienst versah, einen für diesen Anlaß verfaßten Mischeberach äußerst stimmungsvoll. Den Höhepunkt der Feier bildete die Ansprache des Herrn Rabb. Prof. Dr. Bach, in welcher die Treue und die Redlichkeit des braven und fleißigen Mannes hervorgehoben wurde und die mit dem aufrichtigen Wunsche für einen schönen ungetrübten Lebensabend des Jubelpaares schloß. Zu Tränen gerührt stand der bescheidene Mann da und nahm die Glückwünsche des Vorstandes und der versammelten Familie und Freunde entgegen. Sowohl der JuMar als auch die gleichfalls zur Thora gerufenen Herren Ignatz Kohn und Karl Haas haben den schönen Anlaß benützt, um verschiedenen Wohltätigkeitszwccken bedeutende Spenden zu widmen. Auch haben die Angehörigen der Familie Kohn zur Erinnerung an die goldene Hochzeit ihres Familienoberhauptes, sowie an dde silbernen Hochzeit des Ehepaares Karl und Fanny Haas. geb. Kohn. für den Tempel eine herrliche, goldgestickte Kanzeldecke gespendet. — Nach vollendetem Gottesdienste versammelten sich die Familienmitglieder, Gäste und Freunde im blumengeschmückten Heime des Jubelpaares, XVIL, Gschwaaidtnergasse 54. In Vertretung der Wiener israelitischen Kultusgeuieindie erschien Herr Kultusrat Doktor J. Deutsch und verdolmetschte dSe herzlichsten Glückwünsche der Gemeinde. Er überreichte auch eine überaus schöne schriftliche Gratulation des Präsidiums der Kultusgemeinde. Für den Bethaiusvorstand sprach Präsident S. Weiler. Er dankte in seiner Ansprache dem verdiienstvolleo Kollegen für* sein langjähriges, überaus ersprießliches Wirken, sowie seiner Gemahlin, welche beide im ganzen Bezirk äußerst beliebt und geehrt sind. Herr Präsident S. Weiler überbrachte auch das Ehrengeschenk des Betthausvorstandes. Es gratulierten ferner Bezirksobmann H e i n d 1 für die Bezirksvertretung Hernais, Prof. Dr. M. Bach, Oberkantor M. Matyas vom Stadttempel, der gekommen war, um an der Jubelfeier seines ehemaligen Vorstehers teilzunehmen. Präsident K r a u ß, für den Verband der Altwarenhändler, dankte in bewegten Worten Herrn Kohn für seine langjährige Tätigkeit im Vorstande des Vereines. Für die Bezirksvertretung XVI/XVII der Israel. Kultusgemeinde sprach Herr Obmann S i t z m a n n. Die Glückwünsche der Familie verdolmetschte Herr Karl Haas, die der Verwandten Herr Jakob Stern. Rührend war die Gratulation der Enkel und Urenkel des Jubelpaares. Nachmittags überbrachte ein Magiistratsrat im Auftrage des Bürgermeisters dem Jubelpaare die Glückwünsche der Stadt Wien. Auf die Ehrengabe verzichtete die Familie zugunsten der Bezirksarmen. H. Todesfall. Sonntag, den 26. Oktober wurden auf dem neuen Friedhofe die sterblichen Ueberreste des nach langem schmerzvollen Leiden im 51. Lebensjahre verstorbenen Vor Standmitgliedes des Tempelvereines „Aeschel Awrohom'" (Ii., Pazniamiiengasse) Herrn Wilhelm Czuczka beigesetzt. Nebst der schwer geprüften Familie hatte sich eine überaus zahlreiche Trauergemeinde von Freunden sowie der Gesamtvorstand und eine große Anzahl Mitglieder des Tempelvereines unter Führung des Obmannes Herrn Oskar SSchräm ek eingefunden, um demi überaus beliebten Manne das letzte Geleite zu geben. Mit Wilhelm Czuczka ist ein wahrhaft guter Mensch aus dem Leben gegangen. Den großen Verlust seines Scheidens beklagen außer all jenen, die jemals Gelegenheit hatten, die seltenen Herzenseigenschaften, die Gemütstiefe und Hilfsbereitschaft dieses seelensguten bescheidenen Mannes kennen zu lernen, die tiefgebeugte Witwe und zwei Söhne. Der Nachruf, den Herr Rabbiner Dr. S. Funk hielt, war der großen Trauergemeinde aus dem Herzen gesprochen. Aber auch die vom Obmann Oskar Schramek gesprochenen tiefempfundenen Abschiedsworte gaben überzeugenden Beweis für die allgemeinen Sympathien, deren sich der Verstorbene in weitesten Kreisen erfreute. Sodann wurde der Sarg unter den weihevollen Trauergesängen und Gebeten, die die Herren Oberkantor J. Müller und erster Kantor A. Stift in feierlicher Weise verrichteten, von den Vorstandskollegen zu Grabe getragen und der müde Wanderer zur ewigen wohlverdienten Ruhe gebettet. H. Eröffnung einer Koscherfleischbank im 9. Bezirk. Die bestbekannte Fleischhauerfirma Sigmund Kornmehl hat im 9. Bezirk, Berggasse 15, eine neue, ganz separate Koscherfleischbank errichtet. Dieselbe steht unter der Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Wiener isr. Kultusgemeinde und wird die Firma nach wie vor prima Qualitäten bei gleichen Preisen zur Ausschrotung bringen. Die neue Fleischbank ist eine der besteingerichtetsten Wiens und entspricht den modernsten hygienischen Anforderungen, so daß dieselbe bestens zu empfehlen ist. Durch die Eröffnung dieser neuen Koscherfleischbank ist einem langgehegten Wunsche der jüdischen Bevölkerung des 9. Bezirkes durch die Firma S. Kornmehl Rechnung getragen. Spruch. Der Menschheit größte! Wäsche hat begonnen, da spritzt der Schmutz. Doch einmal bleicht sie an dem Licht der Sonnen, Der Menschheit Putz. Nur einen Kerl verdrießt das Saubre, Reine — Ein Prachtgemüt — Er wirft mit Kot und schleudert Steine: Antisemit!