Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 44 (31.10.1924)
- Date
- 1924-10-31
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 44 DIE WAHRHEIT Seite Aufruf. Austritte aus dem Judentum. Der heilige Wünsch unserer Väter, um dessen Erfüllung seit nahezu 2000 Jahren täglich sehnsüchtige Gebete von Millionen Lippen zii Gott aufsteigen, scheint zur Verwirklichung kommen zu wollen. Palästina soll wieder das Heimatland der Juden werden. Tausende von jungen, für die Sache begeisterten jüdischen Männern, mit jüdischer und profaner Bildung, getragen von einem harten, unbeugsamen Willen und durch systematische Vorarbeit für diesen Zweck geschult, mühen sich seit Jahren, den verwüsteten Boden Palästinas wieder urbar zu machen und zu bebauen, seine ausgeraubten Wälder wieder aufzuforsten. Unter Leitüng von tüchtigen Ingenieuren werden neue, den Förderungen der Gegenwart entsprechende Straßen gebaut, Gärten und Alleen angelegt. In Tel-aviv bei Jaffa ist eine in steten Wachsen begriffene Judenstadt entstanden, die heute bereits über 20.000 Einwohner zählt, mittlerer Bürgerstand, Kaufleute, Handwerker, zumeist aber Landarbeiter, alle arbeitsam, fleißig, auch schwere Arbeit nicht scheuend. Bs ist keine Uebertreibung, wenn gesagt wird, daß keine Stadt der Welt im Verhältnis -zur Einwohnerzahl soviele gebildete Arbeiter aufweisen kann, wie Tel-aviv. Diese von Begeisterung für die Idee der Wiederaufrichtung erfüllte Musterschar sucht dann nach schwerer Tagesarbeit Erholung In Wissenschaft und Kunst und speziell der Musik, der Sprache <ies Gemütes und der Seele, ist sie leidenschaftlich ergeben. Zur Befriedigung dieses Kulturbedürfnisses hat die dortige Musikschule „Shulamit" seit 15 Jahren, unter den schwierigsten Verhältnissen Großes geleistet, nicht nur durch Aufführung klassischer Musikwerke, sondern hauptsächlich durch Unterricht und Heranbildung von tüchtigen Lehrern, die sich selbst wieder in der Bevölkerung durch Erteilung von Musikunterricht verdienstlich betätigen. Um dem von Tag zu Tag zunehmenden Interesse für klassische Musik auf breiterer Basis entgegenzukommen, hat die Musikschule „Shulamit" mit ihrem geschulten Orchester auch die Gründung einer Oper in Palästina ermöglicht, ein Institut, das in stetem Aufblühen begriffen ist und für die Zukunft zu den größten Hoffnungen berechtigt. Vor zwei Jahren, während . seiner mehrmonatigen Anwesenheit in Palästina hat Prof. Artur Wolf diese Verhältnisse aus eigener "Anschauung kennen gelernt und unter seiner Mitwirkung wurde zur Förderung der Sache dort eine Gesellschaft der Musikfreunde gegründet, die es sich zur Aufgabe machte, neben der Pflege aller Zweige der Musik, auch für die Erforschung, Sammlung und Weiterentwicklung der jüdischen Volksmusik tätig zu sein und die in dieser Richtung sich betätigenden Musiker und Komponisten nach ihren Kräften zu unterstützen. Denn Palästina ist die Zentrale der jüdischen Volksmusik. Hier haben sich die jüdischen Gesänge noch vielfach unverfälscht erhalten udn hierher strömen jährlich, speziell aus Polen und Rußland, neue Elemente zu, die die vorhandenen Melodien zu ergänzen und zu vervollständigen in der Lage sind. Hier allein wäre auch der richtige Platz für die Errichtung einer Kantorenschule, in der unter Leitung von, als Lehrer zu berufenden, hervorragenden Kan^ toren aus dem reichlich vorhandenen Menschenmateriale, für einen geeigneten und geschulten Nachwuchs von gebildeten Kantoren gesorgt werden könnte. Damit wäre auch dem Mangel an diesen, unter dem alle Kultusgemeinden der ganzen Welt schwer leiden, für immer ein Ende gemacht. Zur erfolgreichen Erfüllung all dieser hohen und schönen Aufgaben wäre aber zuvörderst die Umwandlung der seit dem Jahre 1910 bestehenden, in jeder Richtung vortrefflichen Gesangsschule „Shulamit" in ein Konservatorium für Musik und Gesang notwendig, das den gegenwärtigen Verhältnissen entsprechend, seinen Sitz in Tel-aviv haben müßte. In einem ausführlichen, von dem Bürgermeisteramte Telavivs.dem dortigen Schulkomitee und dem Musikdirektor gezeichneten Schreiben, in dem darauf hingewiesen wird, daß auch der obligate musikalische Unterricht in den Volks- und Mittelschulen Palästinas, im Einklänge mit den Forderungen der neueren Pädagogik, in Aussicht genommen ist, wurde der ge fertigte Professor gebeten, sich in diesem Sinne an die große Oeffentlichkeit zu wenden und zum Zwecke der Errichtung des Konservatoriums um gütige Spenden zu ersuchen. Professor Artur W ol f. Dr. Otto Abel es, Dr. Elsa Bienenfeld, Richard Beer- Hofmann, Hofrat Prof. Dr. S. Ehr mann, Prof. Dr. Max Graf, Hofrat Prof. Dr. S. Frankfurter, Viktor Heim, Prof. Dr. Leon Kellner, Lazar Kr est in, Prof. Moritz Romenthal und Felix Saiten. Ernst Wolf, geb. 10- November 1904, Beamter, VI., Mariahilferstraße 107. — Otto Zellenka, geb. 5. Jänner 1891, Meran, IX., Sechsschimmelgasse 9. — LÜH Böhm, geb. 27. November 1901, Fünfkirchen, Medizinerin, IX., Newaldgasse 3. — Eftsabeth Kffi, geb. 16. Juli 1890, Preßburg, IX., Nußdorferstraße Nr. 3. — Theresia Fuchs, geb. 5. November 1881, Budweis, Beamtin, IX., Meynertgasse 6. — Josef Iiutmacher, geb. 27. November 1898," Luppani, Student, IX., Fluchtgasse 8. — Erika Landstein, .geb. 1. Juni 1900, Cziffer, VI., Papagenogasse 1 a. — Alfred Engler, geb. 8. August 1907, Wiznitz, Hochschüler, VII., Bandgasse 32. — Leopold Birkenfeld, geb. 29. Juli 1896, Tarnopol, Hochschüler, VI., Stumpergasse 41. — Hermine Hendl, geb. 16. September 1881, Wien, Private, IX„ Sobieskygasse 5. — Hedwig Herzog, geb. 5. Juli 1903, Wien, Private, IX., Liechtensteinstraße 119. — Elsa Eisenman, geb. Pollak, geb. 11. Juli 1879, IX., Widerhofergasse 6. — Gertrud Helene Maria Jellinek, geb. 14. Juli 1861, Private, I., Schwarzenbergstraße 3. Fernsprecher. J. D. A. Preßburg. Wenn man keine zionistische Zeitung mehr lesen, keine zionistische Rede und kein Gerede von Zionisten mehr anhören kann, ohne zu „zerspringen", s» muß das letztere nicht unbedingt in unserem Blatte erfolgen. Warum anonym? Sie schreiben uns: „Ungewollte Selbstpersiflage des „Kikeriki". Anläßlich der Castiglioni-Affäre brachte der „Kikeriki" ein Bild, darstellend einen Baum als Stamm Juda, mit drei Aesten, auf denen die Köpfe von Castiglioni, Neumann und Goldstein wachsen. Beim Betrachten des Baumes sieht man, daß er in seiner Anordnung eine verzweifelte Aehnlichkeit mit einem Kreuz hat und muß sich folgende Fragen stellen: 1. Hat der Zeichner diese Form aus Dank dafür gewählt, weil Castiglioni den Kreuz-Wahlfonds (christlichsozial) unterstützt hat? 2. Oder weil Castiglioni selbst zu Kreuz gekrochen ist und sich taufen ließ? 3- Oder soll es ein Grabkreuz sein, nämlich auf die Hoffnungen der Christlichsozialen, bei der nächsten Wahl wieder von Castiglioni unterstützt zu werden?" Sie schreiben uns auch: „Es verlautet wieder, daß der „Kikeriki" bald ausgekräht haben wird, und so möchte ich ihm schon jetzt eine Grabschrift widmen, lautend: „Kikeriki" — Hin ist das Vieh!" Wir haben von einem bevorstehenden Eingehen des „Federviehs" nichts gehört, aber einerlei! Sie kennen ja das Wort: ,JKräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist." Kaufen Sie keinen SKaiiieiiÜmt bevor Sie unsere Neuheiten gesehen SettL spart* k wer <Oamen -JHtüte ■ tr*i SU^fricfl 'rnsreln, VI.Theobatdga5se 13 RmUtf Modernisierungen nach neuesten Modellen rasch, gut und billig Pädagogisch gebildete Familie nimmt einen SdlfllCr in ganze Verpflegung. Zuschriften unter „Gewissenhaft/4 an die Administration des Blattes. JOSEF KERBEL Werkstätte ffir Inaendekoratioä Wien II., Fugbachgasse 7