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Die Wahrheit · 1924-10-24 · Heft 43 (24.10.1924) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 43 (24.10.1924)
Date
1924-10-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 43 DIE WAHRHEIT II Wahrheiten vom Tage Der Apfel fällt doch weit vom Stamm. Wie sich der Sohn Peter Roseggers die Lösung der Judenfrage vorstellt, haben wir vor kurzem mitgeteilt. Der junge Rosegger, der den von seinem Vater übernommenen „Heimgarten" jetzt ganz im nationalistisch-antisemitischen Sinne leitet, stellte zur Lösung der strittigen Frage die ebenso kategorische, wie bezeichnende Forderung auf: „Man weise die Juden aus!" Wie vollkommen anders sein Vater darüber dachte, beweisen zwei Briefe dieses Vorkämpfers des reinsten menschlichen Idealismus, die L. Fr. Erdtracht im „Neuen Wiener Journal" veröffentlicht. Sie lauten: „Wenn Sie glauben, daß meine bescheidenen Worte Ihnen im Kampfe gegen den hellen Wahnsinn — die Ritualmordlegende — behilflich sein können, will ich gerne Ihren Brief beantworten. Die Unaufgeklärten und Hetzer suchen immer einen Sündenbock. Es ist zweifellos unsere vornehme Aufgabe, jeden Aberglauben zu bekämpfen, wie auch jeden Fanatismus, der die Seele guter Menschen zu vergiften droht. Bezüglich meiner Stellung zur Judenfrage, kann ich nur auf meine Schriften hinweisen, in denen ich mich gegen jede Menschenverfolgung ausspreche. Es ist die große Schande unseres Jahrhunderts, daß sich noch Menschen finden, deren Lebensaufgabe es ist, andere Menschen zu verfolgen. Wir verhelfen dem Fortschritte zum Siege, wenn wir unsere Generation in der Achtung jeder ehrlichen Gesinnung erziehen." — Im zweiten Brief schrieb Peter Rosegger folgende knappe, aber klare Worte: „Nicht die Abstammung, sondern die Gesinnung kennzeichnet den Menschen. In dieser schlimmsten Stunde meines Lebens, die der Krieg bedeutet, in der Zeit der größten Gefahr unseres Volkes soll unsere Jugend mehr denn je die Ideale des reinen Menschentums vertreten." Armer Peter Rosegger, wie hast Du „Idealist des reinen Menschentums" Dich in Deinem Sohn verändert. Verjudete HohenzoHern. Ein eifriger Leser unseres Blattes macht uns folgende Mitteilung im Zusammenhange mit dem in Nr. 42 vom 17. Oktober d. J. veröffentlichten Artikel des' Herrn Ernst Seifert „Völkisch-germanische Narretei": Herr Seifert führt ein Zitat eines deutschvölkischen Schriftstellers an, demzufolge der Hohenzollerndynasrie der „Vorwurf" jüdischer Blutmischung gemacht wird und verweist diese Behauptung in das Gebiet antisemitischer Verhetzung. Demgegenüber erlaube ich mir, Ihre Aufmerksamkeit gerade in diesem speziellen Falle auf die analogen Ausführungen eines über den Verdacht des Antisemitismus hoch erhabenen Gelehrten von Weltruf zu lenken, nämlich des Nestors der deutschen Nationalökonomie, Geheimrat Professor Lujo Brentano. In der in meinem Besitz befindlichen Nummer der Wiener „Neuen Freien Presse" vom 20. Mai 1923, Nr. 21.082, veröffentlichte dieser hervorragende Gelehrte an leitender Stelle einen lesenswerten Aufsatz „Der Judenhaß", in welchem er mit dem Antisemitismus abrechnet.)* Gerade in diesem Zusammenhang schreibt Prof. Brentano, nachdem er sogar die Möglichkeit einer jüdischen Blutmischung der Habsburger erwähnt hat, wörtlich: „. . . daß der Vater des Prinz-Gemahls der Königin Viktoria von England (also schon sein Vater! Anm. des Einsenders) nicht der Herzog von Koburg, sondern der jüdische Leibarzt der Herzogin war, ist ein lautes Geheimnis." Und so wenig die hier angeschnittene Frage einwandfrei geklärt werden kann, so wenig scheint mir die Zitierung derselben gerade hier opportun, da, wie erwiesen, ein weltbekannter und in der Judenfrage bekannt objektiv gesinnter Gelehrter sie — in ganz anderem Zusammenhang — ebenfalls benützt und als wahrscheinlich in programmatischen Artikeln anführt. Ich denke, daß diese Ausführungen von einigem Interesse für Sie und Ihren Leserkreis sein könnten. Dr. E. W. *) Der Aufsatz erschien inzwischen als Broschüre im Berliner „Philo-Verlag". Ein Hakenkreuzler für jüdische Wohltätigkeitszwecke. Daß auch so etwas möglich ist, lehrte eine Gerichtsverhandlung, die am 17. d. M. vor dem Landesgerichtsrate Dr. A r i e, Strafbezirksgericht I, stattfand. Zur Verhandlung stand eine bemerkenswerte Ehrenbeleidigungsklage, die Herr Moritz L e i t n e r, Chef der Firma Brüder L e i t u e r, eine in der jüdischen Öffentlichkeit geschätzte Persönlichkeit, vertreten durch Dr. Max Gelbe r, gegen den Brauereibesitzer Rudolf Braunsteiuer aus Holnstein an der Ybbs angestrengt hatte. Gegenstand der Klage bildete ein Brief, den der Beschuldigte im Verlaufe einer geschäftlichen Differenz an den Kläger geschrieben hatte. In dem Briefe erklärte der Beschuldigte, daß eine angebliche Verdächtigung des Klägers gegenüber seiner Person als eine Gemeinheit aufzufassen sei, die nur einem frechen, im übrigen hierorts sowohl in Arbeiterals auch Geschäftskreisen sattsam bekannten echt o s t j ü d isehen Hirn zuzuschreiben sei. Der Angeklagte hatte versucht, einen Wahrheitsbeweis anzutreten, der kläglich mißlungen ist, und es schließlich unterlassen, Beweisanträge zu stellen. In der Schlußvcrhandlung kam ein Ausgleich in der Weise zustande, daß der angeklagte Brauereibesitzer eine u m f a s s e n d e E h r e u c r k 1 ä r u n g abgab und weiter trotz lebhaften Sträubens sich verpflichtete, binnen 14 Tagen als Buße einen Betrag von fünf Millionen für J e s s o d Hathauro und weiter drei Millionen für verschiedene jüdische Wohlfahrtszwecke zu Händen des Klagevertreters zu erlegen und die Vertretungskosten im Betrage von zwei Millionen zu bezahlen. Der Kläger zog darauf den Strafantrag zurück und das Verfahren gegen den Angeklagten wurde eingestellt. Wieder einmal hat ein Hakenkreuzler den besseren Teil der Tapferkeit gewählt. Noch immer Gimpelfang? Wir haben schon früher Gelegenheit genommen, darauf hinzuweisen, wie die österreichischen Monarchisten sich sichtlich, aber ohne Erfolg bemühen, die Mitarbeit der Juden für iihre Zwecke zunutze zu machen. In ihrer Zeitschrift „Die Monarchie" vom 16. April d. J. befandet sich ein Aufsatz „Zur Judenfrage", aus dem wir folgende Stellen wiedergeben: „Wenn wir Legitimustew der österreichischen Staatspartei zur Judenfrage Stellung nehmen wollen, müssen wir unsere Haltung durch drei Punkte präzisieren: Vom Standpunkt des Rechtes, des Verstandes und des Gefühles. Die daraus gezogenen Resultate, deren logische Richtigkeit dann wohl unverrückbar feststeht, müssen ein für allemal maßgebend für unser Verhalten sein. Im Jahre; 1867 sanktionierte Kaiser Franz Joseph I. das Statsgesetz, welches auch heute unverändert in Geltung steht und dessen Artikel 2 laintet: ..Vor dem Gesetze sind alle gleich." Wir Legitimus tan, die wir uns deshalb so nennen, weil wir mit allen Mitteln gegen jegliche VenletzuBig d.er Gesetze Oeges) auftreten, urschen aus dem zitierten Artikel genau, daß es nicht die Absicht Seiner Majestät und des allerhöchsten Erzliauises war, die Untertanen nach Nation, Rasse oder Konfession in solche I. oder II. Kategorie zu teilen, sondern in strengster Objektivität die Gleichheit aller Völker durch den prägnanten Satz des Staatsgrundgesetzes festzulegen. Wir können daher aus Prinzip schon nicht eine andere als dde durch das Gesetz bestimmte Haltung einnehmen. Aber auch der gesunde Menschenverstand sagt uns, daß eine parteiische Haltung mit unseren Grundsätzen in diametralem Gegensatze stehen müßte. Wir gründen unsere Macht nicht auf die Verhetzung der Massen, haben wir doch die Folgen der unseligen Nationalitätenpolitik und Rassenbekämpfung mit grausiger Deutlichkeit am Verfall der Monarchie gesehen, als daß wir ans diesem Beispiel nicht hätten lernen sollen. Und jene konservativen Parteiführer, die heute noch immer den Antisemitismus als Schlagwort gebrauchen, sind entweder unfähig jeden klaren Denkens, oder sie verfolgen damit kleinliche, veroinsmäßiig anmutende Biertischpolitik, die nur innen für den Augenblick Anerkennung und Erfolg1 bringt, nicht aber der Sache — der sie im Gegenteil dadurch schadet — und für die Dauer." Daß die Herren doch nicht lernen wollen! Illlllllli. Gedenket in Leid und Freud des israelitischen Taubstummeninstituts in Wien III., Juchgasse 22, . ß*i's^SiSäßr3?s5isf?*f ttyjt

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