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Die Wahrheit · 1924-10-24 · Heft 43 (24.10.1924) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 43 (24.10.1924)
Date
1924-10-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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inHmnnuu iMMUiMnuHimum« Veröffentlichungen |b*«L£ der ■ Postsoarkasscn - Kot 4! „Union deutschösterreichischer Juden" ■ Postsparkassen - Konto 5 Nr. 9464 Telephon Nr. 19-2 77 { An die ja Geleitet von dem Bestreben, unsere altehrwürdige Gemeinde zu erhalten und immer weiter auszubauen, haben sich die vereinigten jüdischen Parteien entschlossen, gemeinsam in die Wahlbewegung einzutreten. Diese Parteien haben in der letzten Mandatspersode den klaren Beweis erbracht, wie viel ihnen an der Erhaltung einer einheitlichen Kultusgemeinde gelegen ist. Aus diesem Grunde hat sich der letzte Vorstand nachdrücklich der Sanierung der durch die wirtschaftlichen Nachkriegsverhältnisse zerrütteten Finanzen unserer Gemeinde gewidmet. Die vereinigten jüdischen Parteien treten auch jetzt in die Wahl ein unter der Devise „Erhaltung der Gemeinde" als der einzigen Stelle, die in der Lage ist, alle religiösen, kulturellen sowie sonstigen Aufgaben der jüdischen Bevölkerung in ihrem Bereiche zu erfüllen und an allen Aktionen der Gesamtjudenschaft mitzuwirken, daher auch an dem Wiederaufbau Palästinas. Die vereinigten jüdischen Partelen werden sich stets bemühen, daß die Kultusgemeinde als Repräsentantin der jüdischen Bevölkerung für die Wahrung der staatsgrundgesetzlich gewährleisteten vollen Gleichberechtigung eintreten soll. In religiöser Beziehung werden sich die vereinigten jüdischen Parteien im künftigen Kultusvorstande dafür einsetzen, daß die Gemeinde die religiösen Institutionen fördern und die Freiheit der in ihr vorhandenen religiösen Richtungen bei Festhalten an der hebräischen Sprache in der Liturgie und Erhaltung der Gemeindeeinheit wahren soll. Ferner soll der zukünftige Kultusvorstand für die Förderung der Erziehung unserer Jugend sorgen und dafür eintreten, daß sie mit jüdischem Geiste und Gemeinschaftsbewußtsein erfüllt werde, damit sie tatkräftig an allen Aufgaben des Judentums mitarbeiten könne. Wir werden daher für die Reform des Religionsunterrichtes, Errichtung jüdischer Kindergärten, Talmud-Thora-Schulen und Lehrerbildungsanstalten sowie für die Heranziehung eines geeigneten jüdischen LehridtHswähler- Wiens. körpers eintreten und jene Privatschulen fördern, welche der jüdischen Erziehung dienen. Dem abtretenden Kultusvorstande ist es gelungen, eine Reihe wichtiger Institutionen zur Linderung der sozialen Not (wie Jugendfürsorgeamt, Zentralstelle für jüdische WohlfahrtspSiege) zu schaffen. Die vereinigten jüdischen Parteien werden sich bestreben, die bestehenden Tätigkeitsgebiete und Institutionen, wie Spitäler, Versorgungs-, Waisenhäuser usw., sorgfältig zu pflegen und die soziale Hilfsarbeit werktätig zu fördern. Um dieses Programm realisieren zu können, werden sie sich vor allem bemühen, das von ihren bisherigen Vertretern in der Kultusstube eingeleitete Sanierungswerk fortzusetzen und die finanzielle Grundlage für die Fortführung der Geschäfte unserer Gemeinde sicherzustellen. Den Tempelvereinen, die der Kultusgemeinde einen Teil der Obsorge für die religiösen Bedürfnisse der Gemeindemitglieder abnehmen, muß die tunlichste Förderung des Kultusvorstandes zuteil werden. Die vereinigten jüdischen Parteien werden für die größte Sparsamkeit in der Gebarung der Gemeinde eintreten, damit die GeineiudemitgHeder nur in dem unumgänglich notwendigen Ausmaße und auf gerechter Basis zur Kultussteuerleistung herangezogen werden. Sie werden für eine würdige Ausgestaltung des Gottesdienstes und des Friedhofswesens Sorge tragen. Sie wollen, daß die Kultusgemeinde in Fragen der Wohltätigkeit jene des jüdischen Herzens würdige Stellung wieder einnehme, die ihr als einer der ersten und ältesten jüdischen Gemeinden der Welt gebührt und die sie durch viele Jahrhunderte innehatte. Jüdische Wähler und Wählerinnen! Folget daher dem Rufe der vereinigten jüdischen Parteien, schließt euch zusammen und vereinigt eure Stimme auf ihre Liste; keine einzige jüdische Stimme darf verloren gehen; ihr kämpft für den Bestand eurer Gemeinde und für eine bessere Zukunft. Wählet Daher am 9. November die Liste der vereinigten jüdischen Parteien! Kandidatenliste. 1. Prof. Dr. Alois Pick, Generalstabsarzt i. R., Präsident der Wr. Isr. Kultusgemeinde. 2. Dr. Jakob Ornstein, Rechtsanwalt und Präsident der „Union <L-ö. Juden". -y-3. Ing. Robert Stricker, Oberbaurat i. R. 4. Wilhelm Kempler, Baurat. *5. Dr. Desider Friedmann, Rechtsanwalt. 6. Siegmund Kauders, Weingroßhändler. 7. Dr. Josef Ticho, Rechtsanwalt. ^8. Dr. Leopold Plaschkes, Rechtsanwalt. 9. Dr. Hermann Oppenheim, Regierungsrat und Bankdirektor. 10. Wolf Pappenheim, Schriftsteller. Dr. Josef Löwenherz, Rechtsanwalt. 12. Moriz Reif, Kommerzialrat und Kaufmann. 13. Richard Bettelhelm, Prokurist. -V14. Dr. Jakob Ehrlich, Rechtsanwalt. 15. Dr. Wilhelm Herzka, Hofrat der n. ö. Fin.-Landesdirektion. 16. Max Markus, Kommerzialrat und Kaufmann. 17. Siegmund Bondy, Großindustrieller. 18. Emil Engel, Handelsgesellschafter. 19. Siegmund Epler, Direktor der Zentral-Europ. Länderbank. 20. Isidor Schwarz, Kaufmann. 21. Dr. Jakob Deutsch, Medizinalrat und prakt. Arzt. 22. Dr. ing. Arnold Karplus, Oberbaurat. 23. Edmund Hofmann, Bezirksrat und Fabriksdirektor. 24. David Dohan, Kaufmann. 25. Dr. Isidor Klaber, Arzt. 26. Bernhard Buchwald, Kommerzialrat und Fabrikant. 27. Oskar Goldschmied, Fabrikant. 28. Albert Breuer, Kaufmann. 29. Dr. Adolf Adler, Rechtsanwalt. 30. Moses Rath, Kaufmann. 31. Salomon Weininger, Lederfabrikant. 32. Julius Haber, Direktor. j 33. Dr. Sanel Beer, Arzt. 34. Hermann Kuner, Zahnarzt. 35. Dr. Emil Riesenfeld, Hofrat i. R. 36. Dr. Israel Waldmann, Rechtsanwalt. _j

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