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Die Wahrheit · 1924-10-24 · Heft 43 (24.10.1924) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 43 (24.10.1924)
Date
1924-10-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Mr. 43 Uebelstandes. Alle aber, die dem dargestellten Grundriß einer Religionsschule zustimmen, bitten wir, uns diesen Beifall schriftlich kundzugeben oder ihn durch Beitritt zum „Jüdischen Elternbund" (II. Taborstraße 72) zu betätigen. Völkisch-germanische Narretei? Von Ernst Seifert. (Schluß.) Den Gipfel alles völkischen Ungeistes aber erreicht ein neues Machwerk eines gewissen Franz von Wendrin, betitelt: „Die Entwicklung des Paradieses". Aus Felsenberichten in Schweden will der gute Mann herausgetüftelt haben, daß das Urvolk der Erde die Germanen waren. Der biblische Bericht von Schöpfung und Paradies ist eine große Fälschung der Juden, die einst von den Germanen aus dem Paradies vertrieben wurden. Das Paradies lag in Deutschland, nämlich an der Warthe bei Meseritz. Beweis: In Asien gab es keine Aepfel, wohl aber in Deutschland (in der Bibel beim Sündenfall steht bekanntlich nichts vom „Apfel", sondern das hebräische Wort dort heißt „Frucht"); Eva bedeutet Apfelfrau. Aus Aepfeln wird Apfelmost bereitet, und um den Apfelmost handelt es sich eigentlich, wenn es in der Bibel heißt: „Ihr werdet klug werden, wenn ihr von der Frucht esset und euch werden die Augen aufgehen." Apfelmost macht bekanntlich wegen seiner alkoholischen Wirkung „klug" und „lebendig". Die Germanen gönnen den halbtierischen Hebräern, die sie auf einem Kriegszug in dies „Paradies" bei Meseritz an der Warthe verschleppt hatten, den Apfelmost nicht, er war „verbotene Frucht" für sie. Als sie dennoch die Frucht genossen, wurden sie in ihrem betrunkenen Zustand ausgetrieben in ihr Land der „Dornen und Disteln", aus dem sie verschleppt waren. Die Austreibung geschah durch die Cherubine, das sind natürlich wieder Deutsche gewesen, nämlich die Cherusker. Durch das Paradies flössen nach der Bibel Flüsse. Furchtbar leicht! Der erste heißt „Hiddekel": Hidde - Heide, Kel—Kehle—Mündung, also ein Fluß, der aus der Heide kommt und in das Meer mündet. „Pison heißt der andere Fluß, Pison erinnert in seinem Klang an Binsen, es ist also der Binsenfluß=Peene, eine Binsenweisheit, die keiner in dem Maße vor Herrn Wendrin besessen. Und so geht das weiter. Asur=Asenlam, Kusch erinnert an Kuth, Koth, Kot, Got und hurra! Da haben wir die Goten. Die Araber nennen Jerusalem El-Kuds, El ist gleich hell, Kwds=Goten, also ist Jerusalem die Stadt der hellen oder blonden Goten, die von Kusch=Skandinavien einst nach Palästina gedrungen und'Jerusalem gebaut haben. Gott (Herr) heißt auf hebräisch adonaj; adonaj=ab Donaj =Vater Dane, was darauf hindeutet, daß die Hebräer den Danen Untertan waren. Dieses geradezu unsinnige Buch ist erst vor einigen Monaten erschienen, war trotz seines hohen Preises von 6 Mark schon in sechs Wochen vergriffen und erlebt bereits die dritte Auflage. Es ist ein Jammer, wenn man sehen muß, mit welcher Begierde das „gebildete" Volk solch erbärmliche Geistesergüsse verschlingt. So wird das deutsche Volk krank gemacht und es ist richtig, wenn ein christliches Blatt in den letzten Tagen schreibt, daß an diesem „teutscheii Christentum" das deutsche Volk sterben muß ... Welchen Umfang der Unsinn bereits angenommen hat, geht daraus hervor, daß in einer Zeitung des kleinen Harzstädtchens Sangerhausen am 7. Juh d. J. ein Aufsatz stand über das unglaubliche Thema: „Die Schlacht bei Paradies vor 60.000 Jahren". Der deutschvölkische Irrwahn geht aufs ganze, die gut bezahlten völkischen „Dichter", Professoren und Generale machen ganze, Arbeit. Nicht nur das alte Testament, auch das neue Testament wird! vernichtet. Im Kampf gegen die Juden schießen die Helden weit, weit übers Ziel. . . Was war an den Juden überhaupt zu .bekämpfen? Was wollen die Deutsohvölkischen eigentlich? Einen Prügelknaben — nichts weiter. Im Kampfe aber sinid die völkischen Helden blind, total blind. Sie zerschlagen" blindwütig, was ihnen in den Weg kommt. Und das betäubte Volk schreit „Hurrah!" dabei. So ward aus dem Antisemitismus der Deutschvölkischen schließlich Antichristentum. Diese Entwicklung muß ja auch logischerweise kommen. Die Juden sind bald nicht mehr allein. Schon wehren sich die Katholiken, schon werden die Protiestanten stutzig und bald wird sich die gesamte anständige Menschheit zusammenfinden müssen gegen den völkischen Wahnsinn. Bleiben wir noch einen Augenblick bei Franz von Wendrin: Alle griechischen Sagen, alle römischen, alle indischen und überhaupt alle orientalischen Weisheiten, wie Herr von Wendrin erkundet hat, sind nichts als schwere, an dem Germanentum begangene Fälschungen, „die uns (Deutsche) über unsere erhabene Abstammung täuschen sollten". „Ich konnte feststellen", so sagt Herr von Wendrin, „daß Jesus und' Maria in Deutschland geborene Germanen waren, die niemals Palästina oder Jerusalem gesehen haben". Nach Wendrin hat Homer nie in Griechenland gelebt, Rom ist nicht von Romulus erbaut, sondern von den Germanen, der Raub der Sabinerinnen ist nicht bei Rom geschehen, sondern in einem Mecklenburger Städtchen sind „edle'Germanenfrauen, und -mädchen von niederrassigen Raubhorden entführt worden". Nicht Schliemann hat Troja entdeckt, sondern Herr von Wendrin hat die Ruinen in Deutschland entdeckt. „Die ganze sogenannte griechisch-römische Kultur ist nur von versklavten und unterjochten Germanen erbaut. Es steht jetzt astronomisch fest, daß die sogenannte Austreibung der Paradiesbolschewiken aus dem Paraidües nicht etwa vor 5700 Jahren geschah, sondern vor 60.000 Jahren. Die niederrassigen Raubhorden wurden von den ergrimmten Germanen nnd den ihnen zu Hilfe geeilten Skandinaviern in der Schlacht bei Paradies in die Obrasümpfe gejagt ... So hat sich die biblische Austreibung aus dem Paradies in Wirklichkeit abgespielt." „Dabei ergibt sich, daß auch das Neue Testament nichts weiter als1 eine ungeheure Fälschung ist. Eine Täuschung, deren Umfang noch größer ist als bei dem Alten Testament, denn Maria und Jesus haben nicht vor 1924 Jahren gelebt, sondern sie spielten schon bei den Paradieskämpfen eine Rolle, also vor etwa 60.000 Jahren. Jesus hat

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