Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 42 (17.10.1924)
- Date
- 1924-10-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 42 DIE WAHRHEIT Seite » Von Woche zu Woche Jubiläum zweier Synagogen. Die alte jüdische Gemeinde Liverpools hielt anläßlich des 50. Jahrestages der Einweihung ihrer Synagoge am Sonntag, den 21. September, einen Jubiläumsgottesdienst ab. Die Gemeinde Liverpool wurde im Jahre 1780 gegründet. Die gegenwärtige Synagoge wurde von dem Oberrabbiner Dr. Nathaniel Adler am 3. September 1874 eingeweiht. — Ende September wurden es 50 Jahre, seitdem die große Pariser Synagoge in der Rue de la Victoire eingeweiht worden ist. Mit dem Bau der Synagoge war schon im Jahre 1865 begonnen worden. Die Reichstagung des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus. Am 23. September fand unter dem Vorsitze des Reichsministers a. D. G o t h e i n die Jahresversammlung des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus in Stuttgart statt. In seinen Begrüßungsworten wies der Vorsitzende darauf hin, daß die Abwehr des Antisemitismus keine Parteisache, sondern eine Angelegenheit des gesamten deutschen Volkes sei und der Verein alle Konfessionen zur Mitarbeit auffordere. Stadtpfarrer Lampert (Stuttgart) gab in seinem Vortrag über den „Antisemitismus im Lichte der Geschichte" ein anschauliches Bild über die Schicksale der Juden im Laufe der Jahrhunderte. Ueberall, wo sie sich niedergelassen hätten, seien sie infolge ihrer Mäßigkeit, ihrer Nüchternheit und ihres Fleißes zu nützlichen Mitgliedern des Staatswesens geworden. Eingehend befaßte der Redner sich mit dem Talmud, der kein Gesetzbuch, sondern mehr eine Aussprache zwischen den Rabbinern darstelle und der eine Fülle von feindurchdachten Lebenssätzen enthalte. Auf ihn sei das innige Familienleben unserer jüdischen Volksgenossen zurückzuführen. Im Anschluß an diesen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag sprach der Vorsitzende Gothein über den Rassenantisemitismus, den er als einen Schandfleck der deutschen Nation bezeichnete. Die antisemitische Bewegung sei nicht deutschen Ursprungs, sondern habe ihre Wurzeln in Frankreich. Fritsch habe sich in seinem antisemitischen Kalender von 1893 Ernest Renans Ausführungen aus dem Jahre 1855 zu eigen gemacht, die aber bereits 1873 von Renan als wissenschaftliche Irrtümer widerrufen worden seien. Weiter versuchte der Vorsitzende, gestützt auf reiches Forschungsmaterial, nachzuweisen, daß semitisch wohl ein philologischer, aber kein ethnographischer Begriff sei. Auch die Juden seien wie die anderen Völker ein Mischvolk. Die Vorstandswahl brachte keine Aenderung, außer, daß der Reichstagsabgeordnete und ehemalige Reichskanzler Fehrenbach in den Vorstand gewählt wurde. Die Tagung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Vom R. j. F. geht uns folgender Bericht zu: Die diesjährige Tagung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten „am 21. und 22. September nahm einen erhebenden Verlauf. Vertreten waren fast 500 Ortsgrupepn mit ungefähr 200 Delegierten. Somit war der Beweis erbracht für die ungeheure Werbekraft, die der Abwehridee des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten innewohnt. Aus allen Teilen des Reiches, aus Ost und West, von Rhein und Ruhr, von Nord und Süd waren Kameraden erschienen, die Wunsch und Willen ihrer «Ortsgruppen zum Ausdruck brachten. Ein Begrüßungsabend der Ortsgruppe Berlin, Bezirk Moabit, vereinigte die auswärtigen Kameraden am Sonnabend. Der Sonntag und Montag war angefüllt mit Beratungen ernsthafter Natur. Eingeleitet wurde der Sonntag durch Referate. Das erste betraf, von Kamerad Chefredakteur Götz gehalten, den Ausbau des ,.S~hild". Das zweite Referat hielt Kamerad Ledermann. Sein Thema lautete: „Jüdische Jugend und Sport". Unter Zustimmung der Versammlung betonte er, daß die Sportfrage eine Lebensfrage des deutschen Judentums wäre und daß der Reichsbund die berufene Organisation sei, das Paironat über die körperliche Ertüchtigung der jüdischen Jugend zu übernehmen. Dabei soll den bestehenden jüdischen Jugendvereinen kein Konkurrenzkampf geliefert werden, sondern der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten soll dank seiner parteipolitischen und innerjüdisch politischen Neutralität die Plattform sein, um die bestehenden Jugendvereine unier dem Losungswort des Sportes für seine die körperliche Ertüchtigung der jüdischen Jugend betreffenden Bestrebungen zu interessieren. Alsdann hielt Kamerad Dr. Wiener ein Referat über die allgemeine politische Lage, nach welchem sich der 1. Bundesvörsitzende Kamerad Dr. Leo Löwenstein über die nächsten Aufgaben Sonderangebot Warenhauses i Brüder Schifffmann izhj^LL™ II., Taborstraße 48 ™-47 W» Unerreicht billige Kaufgelejenheif! 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