Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 42 (17.10.1924)
- Date
- 1924-10-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Se*&'12_________________^^^VA^WgQIl___________ _____________ Nr. 42 des Reuhsbundes äußerte. Hierauf folgten Statutenänderungen und Neuwahl des Vorstandes. Zum 1. Vorsitzenden würde spontan der Begründer unseres Hundes und bisherige Bundes- Vorsitzende Dr. Leo Löwenstein gewählt, ah 2.. Vorsitzender Kamerad Rechtsanwalt Dr. S am oje, Berlin, ferner gehören dem Vorstand an: die Kameraden Dr. E r k e 1 e s, Doktor Zwirn, Ledermann, Qu ni p e r t, Dr. \V ieue r, Rechtsanwalt K o c z o w e r, Justizrat Chosziesner. Die Tagung erbrachte den Beweis, daß der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten geeint über das ganze Reich zu einem machtvollen Bollwerk gegen die Flut des Antisemitismus geworden ist! Eine Jemenitenaktion in Wien. Lieber die Lage der Juden in Jemen haben wir schon früher einmal berichtet. Leider hat sie sich wieder einmal verschlimmert Zu dein permanenten wirtschaftlichen Druck gesellten sich in den fetzten Jahren Bedrückungen religiöser Natur. So wurde ein altes Gesetz hervorgeholt, wonach j ü d i s c h e Waisen im islamitischen Glauben erzogen werden müssen. Wenn die Waisen nach einem anderen Orte flüchten, wird das Vermögen der Verwandten und- Nachbarn beschlagnahmt. Eine Menge anderer Vorgänge bewegt sich in gleicher Linie, um das Leben der Juden unerträglich zu gestalten. Kein Wunder iüglich, daß sich die Juden in Jemen aus dem dortigen Elend heraussehnen und ihre Brüder in Palästina mit Briefen bestürmen, ihnen die Auswanderung nach Palästina zu ermöglichen. In letzter Zeit haben sie zu. diesem Zwecke einen eigenen Delegierten nach Palästina geschickt. Der Notschrei der jemenitischen Juden hat nun auch in Kreisen des Wiener Judentums starken Widerhall gefunden. Namentlich ist es der Verein „Esrath Israel", welcher hier die initiative ergriffen hat, mit seinem allgemein geachteten Obmann Rabb. M. Günsberg und Herrn S. Komet an der Spitze, welche bereits auf den Erfolg mehrerer öffentlicher im Dienste der jüdischen Sache von ihnen geleiteter Unternehmungen zurückblicken können. Der Vorstand des Vereines setzt sich zusammen aus den Herren Isidor A u s t e r 1 i t z, Mendel B e i g e 1, Saloman B e i s e r, Moses F r ä n k e 1, Ehrw. Chaim Aron Friedmann, Ehrw. Salomen Friedmann. Ehrw. Maier Günsberg, Obadin Günsberg, Ehrw. M. Groß, Ehrw. Abraham H e s c h e 1, Abraham Hofstädter. David Infeld, Rabb. Benzion Katz, S. Komet, Chaim Kranzler, Nachim L ö w, Lersch L ö w i n, Jakob M ä r z, Samuel P r e i ß, Dr. R e i n i n g e r, Akiba Schreiber, Getzl S c h a p i r a, Lipe Türk 1, Salomon T ü r k 1. Ferner wurde ein Rabbinatskollegium gewählt, dem die Großrabbiner Israel Fried mann (Buhusi), Israel Friedmann (Czortkow), Israel Friemann (Husiatyn), Israel Friedmann (Leipzig), Jakob Friedmann, Jakob r riedmann (Lemberg), Markus Friedmann, Markus Salomon Fried mann, Matthias Friedin an n, Nachum Friedrnann, Chaim Hager, Isaak Hager, Israel Hager. J. M. He sch ei. Uscher Horowitz angehören. Der Verein macht es sich zur Aufgabe, auch alle anderen Großrabbiner und jüdischen Körperschaften der Welt für die Frage der Juden in Jemen zu interessieren. So ist es ihm auch im April d. J. gelungen, mit Mitwirkung des Palästinakomitecs den -ersten Jemenitentransport, 95 Personen, nach Jerusalem zu bringen, wo er von allen jüdischen Parteien empfangen wurde. Diese 95 Personen wurden dort mit Arbeit beim Tabakbau versorgt. V/eitere Transporte sind im Gange. Nun ist es Aufgabe eines jeden, der sich Jude nennt und in dem ein jüdisches Herz schlägt, sein Möglichstes dazu beizutragen, um einen ganzen jüdischen Stamm vor dem Untergange zu retten. Diese Aktion ist der einzige Trost der jemenitischen Juden in ihrer verzweifelten Lage. Der Zentralverein „Esrath Israel", Wien, IL, Tandelmarktgasse 17, wendet sich daher an alle Juden ohne Unterschied der Partei mit der Bitte um Hilfe für die jemenitischen Juden durch rasche und reichliche Spenden. Gegen den Wuehermit Esrogini. Das Rabbinat der Adas Jisroei hat sich entschlossen, gegen den Wucher mit Esrogim einen energischen Kampf zu rühren und mit Rücksicht auf die geradezu exorbitanten Preise, die die Händler für Esrogim verlangten, veröffentlichte es eine Kundgebung, in welcher auf Grund der diesbezüglichen Bestimmungen des Schulchan Aruchs der Ankauf von Esrogim unter allen Umständen verboten wurde. Das energische Vorgehen des Rabbinats hat einen tiefen Eindruck gemacht; die Preise der Esrogim sind tatsächlich nach Jörn Kippur wesentlich zurückgegangen. Darauf erließ das Rabbinat eine ncv.2 Kundgebung, in welcher das Verbot, dt» Feststrauß zu kaufen, aufgehoben, beziehungsweise wesentlich eingeschränkt wurde. Kantor Philipp Bass-el. Arn Jörn Kippur fand im Margaretner Tempel von Seite des Vorstandes und der Mitglieder des Vereines eine spontane, feierliche Kundgebung statt, welche ihrem hochverdienten, von allen geehrten und geachteten Kantor Bassel galt, der an diesem Tage seinen 79. Geburtstag in vollster geistiger- und körperlicher Rüstigkeit beging und die Gebete in gewohnter Weise in voller Jugendfrische zum Vortrag brachte. Nach einem vom Oberkantor Hornstein mit Chor rezitierten Mischeberach richtete der Präsident des Tempel Vereines, Herr Adolf Hofmann, .umgeben vom Gesamtvorstande, an den Jubilar Worte des Dankes und brachte die innigsten Wünsche für eine frohe Zukunft dar. Se. Ehr würden- Herr Rabbiner Dr. M. G. M ehr er schilderte in einer schwungvollen Ansprache den selbstlosen Charakter, die Frömmigkeit und die hervorragenden Eigenschaften des gottgefälligen Schliach Zibur. Tief gerührt dankte Kantor B a s s c 1 in einem Mischeberachdem Vorstande und derh Mitgliedern für die ihm erwiesene Ehrung-. Der Vorstand beabsichtigt, im Frühjahr mit Gottes Hilfe die goldene Hochzeit und das 50jährige Dienstjubüäum des Kantor Bassel in feierlicher Weise zu begehen. Sarmizwahfeiern. Samstag, den 11. d. M., fand im großen Leopoldstädter Tempel das Barmizwah-Fest des Studenten Fritz Schwarz, Sohn des allgemein geachteten Herrn Max Schwarz, Besitzer des Grand-Cafe1 Schwarz, II., Franzensbrückenstraße, und seiner Gattin Henriette, geb. Guth, statt. Zu der schönen Feier hatten sich viele Freunde der Familien Schwarz-Guth eingefunden. Herr Rabbiner Dr. Max. G r u n w a 1 d richtete eine eindrucksvolle Ansprache an den Konfirmanden, in welcher er hervorhob, daß der Sinn fürs Judentum, die Begeisterung für jüdisches Leben und Fühlen traditionell in der Familie sei, daß der Konfirmand diese Begeisterung von Großeltern, Eltern übernommen habe und daß er die edlen Regungen ins Leben mitnehmen solle. Vater und Sohn, sowie der gleichfalls zur Thora gerufene Onkel des Barmizwanten, der bekannte Restaurateur Jacques S c h w a r z, benutzten in hochherziger Weise diesen schönen Anlaß, jüdisch-humanitären Institutionen Spenden zukommen zu lassen. — Samstag, den!. November d. .1., feiert der Sohn unseres geschätzten Mitarbeiters, Herrn Oberrabbiners Dr. Adolf Altmann in Trier, der Student Manfred A11m a n n, sein Barmizwah-Fest. Goldene Hochzelt, Samstag, den 25. Oktober feiert das überaus verehrte Mitglied des Bethausvorstandes der Bezirke XVI.—XVII. im Turnertempel (9 Uhr vorm.) die Goldene Hochzeit.mit seiner Gattin Henriette, geb. Lunzer. Todesfall. Am ersten Sukkothtage ist in Wien Herr .Raphael Mohr, einer der letzten der berühmtesten Chasam'm, welcher seine letzten Jahre in Wien im Ruhestand verbrachte, im 86. Lebensahre gestorben. Oberkantor Mohr war lange Jahre in den Gemeinden Agram und Raab tätig und genoß weit über seinen Wirkungskreis hinaus als ein Meister seines Faches sowie als Verfasser synagogisch-musikalischer Werke Ansehen. Sein berühmtestes Werk ist „Schir kodausch". Sein musikalischer Nachlaß soll, wie wir erfahren, vom österreichischen Kantorenverein herausgegeben werden. Das Leichenbegängnis fand Donnerstag am Zentraifriedhof statt. Die Kultusgemeinde hat dem Verstorbenen ein Ehrengrab gewidmet. Schmattes Das frömmste Land. Welches ist das frömmste Land? Frankreich, denn es wird vom „Herjot" reeiert. Sommerfrische in Oesterreich, Bauer: „Sog amol, du. Staütfrack, ös - Israeliten tuat's dös ganze Jahr'nix als wi'e's öeM hamstern, *el?" Sommerfrischler: .Ja, und ihr dta draußen nehmt um in drei Wochen das ganze weg. „Völkisches." „Was. du hast dir bei einem Juden: einen- Anzug machen lassen? Pfui!" ' -"' „•Ja, afcer ich bezahl' ihn nicht!" . . - , „Ah.so, das ist was anderes!"