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Die Wahrheit · 1924-10-17 · Heft 42 (17.10.1924) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 42 (17.10.1924)
Date
1924-10-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 42 Theater, Kunst u. Literatur jaden und Judentum von heute. Herr Regierungsrat im Bundcsininisterium für Aeußeres J. K r e p p e i teilt uns mit, daß unsere Bemerkung in einer der letzten Nummern der „Wahl heil", daß das demnächst zu erwartende Erscheinen seines Handbuches „Juden und Judentum von heute" in Wiener Blättern nicht besprochen war, nicht ganz den Tatsachen entspricht. Er stellte uns über die Absichten seines Handbuches folgendes Zirkular zur Verfügung: „Kein Weltereignis seit der Zerstörung des zweiten jüdischen Reiches ist derart von einschneidender Rückwirkung auf die innere Struktur des jüdischen Volkes uiid auf die äußere Lage der Juden gewesen, wie der Weltkrieg 1914—1918 und die infolge der politischen Umwälzungen und der Friedensverträge eingetretenen Verhältnisse in allen Weltteilen. Politisch, religiös, wirtschaftlich-sozial und kulturell haben die Weltereignisse Juden und Judentum vielfach ihren Stempel aufgedrückt. Wir erleben eine der interessantesten Perioden in der Geschichte des jüdischen Volkes, deren Auswirkungen noch in den nächsten Zeitabschnitten zu verspüren sein werden. War das Judentum in seinem wirklichen Wesen auch schon vorher nicht bloß für Freund und Feind, sondern auch vielfach für gewisse jüdische Kreise ein gewissermaßen verschlossenes Buch, so ist dies heute mehr denn je der Fall. Selbst Berufspolitiker sind heute außerstande, die Erscheinungen und Wandlungen innerhalb des Judentums zu übersehen und das richtige Bild zu finden. Das Handbuch „Juden und Judentum von heut e", das in der nächsten Zeit der Oeffentlichkeit übergeben werden wird, verfolgt das Ziel, die nach dieser Richtung sich fühlbar mächende Lücke auszufüllen. Es will ein klares Bild des zeitgenössischen Judentums widerspiegeln, Auf sch 1 uß .über Leben und Streben der Juden geben, ein s a c h l$c h - o b j e k i i v e r, informativaufklärender Führer sein. In diesem Buche soll der jüdische wie der nichtjüdische Leser über alles Aufklärung finden, was in den Rahmen der sogenannten Judenfrage hineingehört. Das Werk ist auf Grund eines speziell gesammelten und zusammengetragenen Materials bearbeitet. Der Verfasser hat die wichtigsten jüdischen Zentren bereist und die Daten und Tatsachen an Ort und Stelle wahrgenommen und festgestellt. Aus anderen Ländern haben berufene Fachmänner alles Wissenswerte beigetragen. Die einschlägige Literatur wurde zu Hilfe genommen. Porträts der hervorragendsten jüdischen Persönlichkeiten auf allen Gebieten und aus allen Ländern, Abbildungen und Illustrationen aus dem jüdischen Leben vervollständigen das Bild. Das Handbuch „Juden und Judentum" wird indirekt apologetisch wirken und erscheint vorerst in deutscher Sprache. Ausgaben in anderen Sprachen sind vorgesehen und in Vorbereitung. Das Buch ist streng unparteiisch gehalten. Eine neue Geschichte der Juden. Der jatzt in Rußland lebende jüdische Historiker Israel Z i n s b e r g hat eine neue Geschichte der Juden geschrieben. Zinsberg nahm bekanntlich hervorragenden Anteil an der Abfassung der in russischer Sprache erschienenen jüdischen Enzyklopädie. Rabindranath Tagore in Jerusalem. Wie wir erfahren, hat Rabindranath Tagore, der in den nächsten Tagen in Jerusalem eintreffen und als Gast des High- Commissioners auf dem Oelberg wohnen hätte sollen, eine Mitteilung gesandt, daß er nicht nach Palästina kommen könne, da ihn sehr dringende Angelegenheiten zwingen, sich ungesäumt nach Europa zu begeben. Ein Konservatorium in Palästina. Ephraim N i s w i zs k i A b i 1 e a. der im Vorjahre mit der Idee der Eröffnung eines Konservatoriums nach Palästina ging, organisierte für Haifa und die umgebenden Orte eine Musikschule und Chahu- Chöre; er erntete durch seine Tätigkeit als Dirigent und erfolgreicher Komponist bei Publikum, Presse und berufener Kritik Anerkennung und Dank. Gegenwärtig finden durch seinen Bruder Arie A b i 1 e a — der früher als Professor der Meisterschule am Konservatorium in Genf tätig war — in Amerika Verhandlungen zur Beschaffung der zum Ausbau eines modernen Konservatoriums für Palästina notwendigen Geldmittel statt. Herr Ephraim Niswizski Abilea kehrte zu dem gleichen Zwecke nach Europa zurück und wird von Wien aus die Idee des Konservatoriums, insbesondere unter den Lehrkräften propagieren und gleichzeitig seine in Erez Israel geschaffenen und mit großen Erfolgen aufgeführten Kompo^ sitionen In Druck legen. Ehrung des Regierungsrates Schiffmann. Der V e rband der Fachpresse veranstaltete vor kurzem anläßlich der Ernennung seines Ehrenmitgliedes Redakteur Emil Schiffmann zum Regierungsrat im Prunksaale des Hotels Continental einen Festabend, der die allgemeine Wertschätzung des Ausgezeichneten dokumentierte. Den großen Saal füllte eine zahlreiche Gesellschaft aus Kreisen der politischen, finanziellen und Kunstwelt, die Kollegen von der Tagespresse, viele Publizisten waren erschienen, um an der Feier teilzunehmen, die ein erlesenes küstlerisches Programm bot. Der Komponist Korngold getauft. Der Komponist Erich Wolfgang K o r n g o 1 d ist gleichzeitig mit seiner Gattin, einer Nachkomme des berühmten Schauspielers Sonnenthal aus dem Judentum ausgetreten. Im Anhange zu .dieser Meldung sei folgendes Geschichtchen aus der letzten „Weltbühhe" zitiert: Liebe Weltbühne! Egon Frieden kommt zu einem Tee. Schon im Vorraum treffen die Töne eines Klaviers sein Ohr, und selbstverständlich (selbstverständlich für einen literarischen Wiener Tee) sitzt der junge Korngold an dem Instrument. „Sitzt schon wieder am Klavier und mauschelt", knurrt Friedell. „Wie können Sie so etwas sagen!" ruft empört die Hof rätin, „Sie verstehen doch nichts von Musik!" — „Aber vom Mauscheln!" antwortet Friedell mit zerschmetterndem Blick. Lazarus. Gedenkschrift zum 100. Geburtstage des Begründers der Völkerpsychologie von Professor Dr. A. L e i c h t. Studiendirektor in Meißen. J. Kauffmann, Verlag, Frankfurt a. M. 1924. 54 Seiten. Der fein- und freisinnige Verfasser ist in treuer Schüler des Prof. Lazarus, dessen Wesensart und Schriften niemand besser kennt als Prof. Leicht, der schon seit vielen Jahren sich eifrigst angelegen sein läßt, dem Begründer der Völkerpsychologie die ihm gebührende Anerkennung in den weitesten Kreisen zu verschaffen. Leicht schrieb u. a. Lazarusstudien, Lazarus der Begründer der Völkerpsychologie, Moritz Lazarus' Lebenserinnerungen und Pädagogische Briefe von Professor Dr. Lazarus. Die vorliegende Schrift soll bei ihrer Kürze nicht Lazarus" Lebenswerk u m fassend darstellen, sondern nur Interesse wecken und dazu führen, ihn selbst zu studieren. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß es dem trefflichen Verfasser vergönnt sein möge, in einem größeren Umfange ein Bild des Mannes und seines Wirkens uns bald zu bescheren. Wir wollen noch zum Schluß dem verehrlichen Verlage für die schöne Ausstattung des Buches, das mit einem Bildnis Lazauus nach Laubach geziert ist. unseren Dank aussprechen. Sp.—M. Anatole France: „Nützliche und erbauliche Meinungen des Herrn Abbe Jerome Coignard". Musarion -Verlag. Wahrlich erbaulich und vielen wohl auch nützlich sind diese von France veröffentlichten Geschichten Coignards< des „Professors der Beredsamkeit am Colleg von Beauvais", der „auf der Straße nach Lyon von einem kabbalistischen Juden, namens Mosaides ermordet" wurde... Wir lernen alte.Sitten. Geschehnisse und Ideen kennen und können an ihnen die der Gegenwart messen. Das Urteil fällt nicht immer zu Gunsten unserer Zeit aus..... —f—n. *T AJ& /k l /C Kleider-,Pelze-u.Gummimäntel-Fa IUI lyl U Y I K Zentrale: Detailverkauf: ß * ■ * W « I 1 ■ &—« Ä » Wien II., Glockengasse 24 Wien IL, Taborstra

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