Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1924
- Issue
- Heft 42 (17.10.1924)
- Date
- 1924-10-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 2 DIE WAHRHEIT Brauch, daß Israel seinen Siegeszug als Volk der Schrift fortsetzen soll im Dienste der Menschheit, im Dienste der Wahrheit. Wenn am Simchath Thora gewöhnlich alle Anwesenden in der Synagoge, ohne Unterschied des Standes, des Ranges und des Alters zur Thora gerufen werden, so bedeutet diese herrliche Sitte, daß alle, ohne Ausnahme, nach Kräften zur Errichtung eines allgemeinen, geistigen, idealen Lehrhauses in unserer Mitte, in unserem Geiste und in unserem Herzen beitragen mögen! Am Vorabend der „Gesetzesfreude" strömen unsere Kinder mit Fahnen in den Händen ins Gotteshaus als Zeichen, daß die Fahne des Judentums die Thora ist, daß diese Fahne der Jugend in die Hand gedruckt werden soll, damit sie sich für dieselbe begeistert und für ihre Ehre kämpft! Als Inschrift der Fahnen der Gesetzesfreude, als Aufschrift der Fahne Israels würde ich die berühmte Bitte des Rabbi Jochanan vorschlagen: Gebet mir Jabneh und ihre Weisen! Als der Zerstörer Jerusalems dem Rabbi, dessen Bedeutung er zu würdigen wußtet das Versprechen gab, ihm einen Wunsch zu erfüllen, bat der weitsichtige Rabbi nicht um Verschonung des Tempels, sondern um die Erhaltung des Lehrhauses Jabneh, in der richtigen Erkenntnis, daß das Lehrhäus der Mittelpunkt, der Herzpunkt jüdischen Seins, das Ein und Alles des Judentums ist. Gebet mir Jabneh und ihre Weisen, ruft uns unser Fest, rufen uns die Thorarollen zu, die wir am Simchath Thora aus der heiligen Lade holen. -Ihr Eltern, macht euer Haus zu einem Jabneh. Ihr Reichen in Israel, vernehmet an unserem Feste die Stimme, die da ruft: Sorget dafür, daßinallden Städten, die nicht in der Lage sind, aus eigenen'Mitteln Reliigionsschulen zu errichten, mit Hilfe der jüdischen Allgemeinheit Altäre der Thora entstehen! Wir geben uns der Hoffnung hin, daß die Juden der Jetzzeit nicht schlimmer sein werden als die Römer und mit Freuden die Bitte gewähren werden: „Wenn ihr uns auch alles raubt, den' Tempel selbst in Trümmer werft, so laßtuns docfr d'a s L e h r h aus". Dr. J. N. Esrogim nach Sukkotli. Von" Rabb. Dr. V. K u r r e i n, Linz a. D. Auf die Frage, welcher Baum der Baum der Erkenntnis war, von dessen Frucht Adam und Eva gegessen hatten, geben unsere Weisen im Talmud verschiedentlich Antwort. Nach der Ansicht R. Meirs war es der Weinstock. Denn es gibt keinen Baum, der durch seine Frucht so viel Glück oder Unglück über die Menschen zu bringen vermag wie der Wein. Nach der Ansicht R. Jehudas war es der Weizen. Denn das Kind lernt nicht eher „Vater und Mutter" sprechen, bevor es nicht den Geschmack des Brotes gekostet hat. Mit dem Genuß dieser Frucht kommt dem Kind die erste Erkenntnis. R. Nehemia meint, daß es der Feigenbaum war, denn durch den Genuß der Frucht dieses Baumes erkannte das erste Menschenpaar seine Nacktheit, Gott aber tilgte diesen Schaden wieder, indem er es lehrte, Schürzen aus den Blättern dieses Baumes zu flechten. R. Aba lehrt die Ansicht,, daß es der Ethrog war, weil bei diesem Baum Frucht und Baum gleich schön und gut ist. Der Ethrog, den wir unserem Feststrauße hinzufügen, ist al§o die Paradiesesfrucht, die durch ihren Reiz und ihr verführerisches Aussehen die Menschheit um das Glück des Paradieses gebracht hat und an dem nach altem Volksglauben die Spuren des Bisses unserer Stammutter Eva noch sichtbar seien. Heilonaus keila m'siäiim kol im habrios (Ber. r. 13) Blumen und Pflanzen, Bäume und Früchte sprechen eine Sprache, die wir verstehen; ja sie sind oft die beredtesten Verkünder unserer eigenen Gedanken. Die Stammutter Eva, die von der Frucht des Baumes genommen hatte, wasiten gam l'isdio „sie. gab auch ihrem Manne". Sie, die die Mutter alles Lebenden war, lehrte Adam Feuilleton im Der Kosak in der Snkke. Als einer der behebtesten Spiel- und Reigengesänge galt zu meiner Knabenzeit bei der russischjüdischen Jugend folgender Reim: Anni holachti bajaar Umozotti isch chosak uschmanu Kosok! Picke beziddau, — rapnik bejodau . . . Wehu omar eloj: „Dengi dawai!" In deutscher Uebersetzung etwa: Ich irrte im Waide, da stand auch balde Vor mir ein Kosake in roter Jacke, die Picke beim Hute in der Hand die Knute Und an er mich bellt: „Nur her mit dem Geld!" ... Diesen Begriff hatte die judische Jugend von den Landesverteidigern, den Kosaken! Zuweilen nicht unberechtigt! ... Er war in der Regel die Stütze der Knutenherrschaft des Zaren — der Schrecken des friedlichen russischen Untertans. Seine bleigefüllte Nagaika (Peitsche) sauste unbarmherzig über die Köpfe der Unzufriedenen im Reiche und von ihm rühmte der echtrüssische Bruder, daß des Kosaken militärische Tugenden von keinem Heere der Welt nur annähernd erreicht werden. Die feindlichen Heere bestritten dies vollkommen! Das Wort Kosak ist türkisch-tatarischen Ursprungs und heißt im Türkischen soviel wie Landstreicher oder Straßenräuber — gewiß sehr bezeichnend — im Tatarischen jedoch bedeutet es freier, leichtbewaffneter Krieger. Schon im zehnten Jahrhundert bekämpften die russischen Fürsten die Kasaghen (Käsagen) auf der Halbinsel Taman, und ein Teil des heutigen Kaukasus hieß Kasachia. Die Kosaken bedrängten ihre Nachbarn (Rußland und Türkei) und lebten vorzüglich vom Land- und Seeraub. Das russische Sprichwort: Terpi, Kasak, Ataman budesch — dulde, Kosak, du wirst Ataman