Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1924-10-17 · Heft 42 (17.10.1924) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 42 (17.10.1924)
Date
1924-10-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064071-3064111--13172-3080663
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

lieiifscMsteiT^ Mit Hein BCI6M: WeroileislMctiisisgeH der ..llssion üeolsc^slerrciUiisdicr Jaden" Redaktion und Administration t Wien 6£., Hte£B*<e@£br«tfffie 33. - Fernruf 42-2-16 ^yjMMMtMIWMMninMf»!^^ Uli.....II 1 l" I W»—II II I III»! i ■ i MJJMU «,« r.ir i n 1111 r II — ■ ■■ n ir»n»i M»naB*MM»BMI««>«M«»»M»«M»Min«M^ XL Jährgang Wieii, 17. Oktober 1924 Nummer 42 Zum 3]iiora-Freudeiifesfe Am Freudenfeste der Thora bewerben sich viele um den Titel „Bräutigam der Thora" und schmeicheln sich, Verehrer der Gotteslehre zu sein; sonst im Leben kümmern sie sich gar wenig um die Thorabraut; zum Glücke wird die Thora nicht alt, wenn sie auch so manchem als das alte, veraltete, überwundene-Testament gilt. Als Symbol der ewigen Jugendfrische der hebräischen Bibel ist mm der Brauch zu fassen, am Thorafeste die letzten Abschnitte, und gleich darauf den ersten Abschnitt des Fünfouches vorzutragen. Unser altes Schrifttum ist unsterblich. So oft man an das Ende seines Wirkens in der Kuiiurgeschichte glaubt, fängt es seinen Siegeslauf von neuem an. Wie oft fürchtete Israel am Grabe der Lehre des Judentums zu stehen und in Wirklichkeit stand es an ihrer Wiege! Unter dem Joche der ägyptischen Tyrannen glaubten wohl die Israeliten, daß eine Zeit des völligen Verfalles hereingebrochen, daß die Ueberneferung einem sicheren Ende entgegengehe — und doch vermochte diese Lehre ein Volk zur Freiheit zu erziehen und über die Staaiskunst der Pharaonen zu triumphieren; Der Festdichter läßt daher Abraham, Isaak und Jakob, die Ahnherren unserer Ueberlieferung, am Feste der Thora. teilnehmen. Die UrÜberlieferungen unseres Stammes, die die Grundlage unserer Bibel bilden, haben schon in Aegypten ihre Lebensfähigkeit gezeigt. Diese Macht des Lebens offenbarte sich in unserer ganzen Geschichte. Denn der Unsterblichkeit seiner Lehre verdankt'Israel seine Fortexistenz in der Menschheit. Löscht die „ewige Lampe4" der Thora aus, und Israel ist nicht mehr. Das Thorastudium darf daher nicht unterbrochen werden, auf den Schlußder feierlichen Thoraiektüre muß ein neuer Anfang folgen, sonst bricht die Nei'lastunde unseres Stammes herein, naht das Ende unseres-geschichtlichen Daseins. Denn unser altes Schrifttum ist die Rüstkammer, aus der wir im Kampfe des geschichtlichen Daseins Waffen holen. Unsere alte Literatur, die den Inhalt unserer ruhmreichen Vergangenheit birgt, die Errungenschaften der Jahrtausende israelitischen Wirkens umfaßt, ist der Lebensquell, aus dem wir Wasser des Keils schöpfen sollen, auch in unserer schwierigen Gegenwart. Die Jetztzeit ist wahrlich eine viel zu lange Pause zwischen den Zeitläuften, in denen die Kulturschätze des Judentums mit allem Eifer .gepflegt wurden und den Zeiten, in denen, wie wir hoffen, die - Sonne der Wissenschaft des Judentums das Maus Israel umstrahlen wird. Auch in der Gegenwart feiert die Synagoge das Fest der Thora an dem dazu bestimmten Tage durch Psahngesang,.; aber das Haus feiert die Lehre des Judentums nicht mittels Thorasfüdiums. Auch in unseren Tagen gönnen sich viele den Luxus, im Bethause den „Thorabräutigam" zu spielen, aber in keiner Beziehimg fühlen sie sich gegen diese erhabene Braut verpflichtet. Auch gegenwärtig werden Schluß und Anfang des Pentateuchs an ein und demselben Tage offiziell vorgelesen, aber dieser Akt, der die Kontinuität unserer Geistesgeschichte veranschaulichen und in uns das freudige Bewußtsein wecken soll, die Apostel der Thora, die Fackelträger des Gottesgedankens, die Kulturmissionäre einer echten und rechten Sittiiciikeit — ohne Unterbrechung zu sein, ist ein Vorwurf wegen unserer Vernachlässigung des höheren Religionsunterrichtes, eine Mahnung endlich, von neuem die Bahn, d i e u n s unsere Geschichte vorzeichnet, die B a h n unserer Lehre zu betreten. Der Brauch am Tage der Thorafeier sowohl den Schluß als auch den Anfang der Bücher Mosis, sowohl den Abschnitt, der den letzten Segen und den Tod Moses behandelt, als auch den Abschnitt der Weltentstehung öffentlich vorzulesen, hat ' in der Gegenwart einen satirischen Anstrich. Denn derselbe ^erinnert an die vielen Juden, bei denen Lebensanfang und Lebensende die einzigen Momente bilden, in. denen sie Juden sind. Bei diesen Juden von der Geburt und des Todes Gnaden einen sich tatsächlich Anfang und Ende. Bald nach ihrer Geburt werden sie in den Bekennerbund des Judentums aufgenommen, an den sie aber blotf in den letzten Stunden ihres Lebens denken, in welchen sie aus Furcht vor dem Tode, der an ihre Tür pocht, sich des Segens der Religion erinnern. Womit kann man diesen traurigen Zuständen steuern? Der alte Hille!, der die Fähigkeit besaß, den Inhalt des Judentums lakonisch wiederzugeben, würde nicht viele Vorschläge zur Gesundung unserer religiösen Verhältnisse machen, sondern uns in aller Kürze und Bestimmtheit zurufen: Feiert das Fest der Thora täglich in e u r e r» Häusern, befaßt euch mit den Werken jüdischen Geistes, zeigt euren Kindern, Brüdern und Schwestern die Größe jüdischer Ideen, die Erhabenheit jüdischer Ideale — und alles übrige wird sich von selbst finden. Nichts anderes als dieses verkündet das Fest der Oesetzesfreude. Wenn sich an demselben ein feierlicher Zug der angesehensten. Männer, gewännet und geschmückt mit der Thora in der Rechten, durch die Synagoge bewegt, so bedeutet dieser

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.