Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1924-10-10 · Heft 41 (10.10.1924) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 41 (10.10.1924)
Date
1924-10-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3064071-3064110--13164-3080654
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 41 Das Brandunglück von Nikolsburg. Wie uns der dortige Rabb. Dr. Alfred W i 11 m a n n auf eine Anfrage mitteilt, waren die diversen Zeitungsberichte über das Großfeuer in Nikolsburg stark übertrieben. Der Brand ist wohl im Ghettoviertel ausgebrochen, hat aber dank der herrschenden Windrichtung nicht den Umfang gewonnen, wie verschiedene Blätter gemeldet haben. Glücklicherweise war das Feuer bald lokalisiert und sind nur ganz wenige jüdische Familien zu Schaden gekommen. Zwei reiche Familien, die der Brand getroffen, sind sehr hoch versichert und ist dadurch der materielle Schaden gedeckt. Und die wenigen armen Parteien werden durch reichlich fließende Spenden gar bald in der Lage sein, die geschädigten Häuschen wieder zu beziehen. Das Feuer hätte allerdings, wenn der Wind eine andere Richtung genommen hätte, die Judengasse ganz einäschern können und in diesem Falle wäre die Katastrophe eine unabsehbare geworden. Glücklicherweise hat aber das Brandunglück nicht diese Dimensionen angenommen. Festgottesdienst. Ein Jahr nach der Renovierung des schönen Tempels im 15. Bezirke, Turnergasse, fand Samstag, den 27. September d. J. nach dem Abendgottesdienste die Sejierljiche Einw&ihun^ der \Zeremonienhalle dieses] Tempels statt, welche so prachtvoll ausgeführt wurde, daß dieses wahre Schmuckkästchen des Tempels allgemeine Bewunderung hervorrief. Die Gemeindemitglieder der Bezirke XII bis XV haben auch diesmal ebenso opferfreudig wie seinerzeit bei der Renovierung des Tempels 'einen großen Teil der heute zur Ausführung eines solchen Kunstwerkes notwendigen Beträge selbst aufgebracht, der Rest kam durch die Munifizenz des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde zustande. So stellt heute diese Zeremonienhalle, die auch als Wintertempel gedacht ist, die schönste in Wien dar. Bei ihrer feierlichen Einweihung wurden Ansprachen gehalten von Rabbiner Dr. Täglich t, in Vertretung der Kultusgemeinde sprach Kommerzialrat S. Buchwald, der mit Vorsteher D. Dohan und den I. Sekretären Dr. E. Adler und G. Fuchsgelb erschienen war, für den vollzählig erschienenen Bethausvorstand des Bezirkes sprach Obmann Samuel Bernhardt, der seinen rührigen Mitarbeitern für die tatkräftige Hilfe im Dienste der heiligen Sache den Dank ausdrückte. Ebenso dankte er Herrn Architekten Lind ner, dem Leiter des technischen Amtes der Kultusgemeinde, der seine reichen Kenntnisse und sein künstlerisches Können für die große Aufgabe gewidmet. Herr Architekt Lindner erwiderte tief gerührt und gedachte gleichzeitig seines verstorbenen Lehrers Architekten König. Nachdem man vom Sitzungssaal die Thorarollen durch den großen Tempel in die Zeremonienhalle getragen, versammelten .sich die zahlreichen Besucher, unter welchen viele Vertreter von Korporationen bemerkt wurden, im festlich beleuchteten großen Tempel, wo nach einem von Oberkantor Schleifer mit verstärktem Chor meisterhaft vorgetragenen Ma tauwu Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t eine vom Herzen kommende und zu aller Herzen gehende Weiherede hielt, in welcher er der Kultusgemeinde, dem rührigen Bethausvorstande des Bezirkes, den Tempelbesuchern, kurz allen, die die Vollendung dieses Meisterwerkes 'ermöglicht, herzlich dankte. Mit dem großen Hallelujah Meister Sulzers schloß die ebenso schöne als erhebende Feier. Amtsjubiläen. Anläßlich des 25jälirigen Rabbinerjubiläunis des Herrn Rabbiners Dr. Armin A b e 1 e s fand am ersten Roschhaschonoh-Tage im Tempel des 20. Bezirkes in der Kluckygasse eine solenne Feier statt. Nachdem Herr Oberkantor Josef Alter den ehrwürdigen Jubilar in feierlicher Weise zur Thora gerufen und einien eigenen Mischeberach in gewohnter Meisterschaft rezitiert hatte, trat der Präsident des Tempelvereines, Herr Hermann E11 b o g e n, umgeben von dein Gesamtvorstande, während die ganze Gemeinde sich von den Sitzen erhoben hatte, an den Jubilar heran und richtete an ihn in bewegten Worten eine schwungvolle Ansprache, in welcher er seinen vornehmen Charakter sowie seine hervorragenden Fähigkeiten als Kanzelredner, wissenschaftlicher Schriftsteller und Lehrer des Volkes wie der Jugend würdigend schilderte. In einer geistvollen Erwiderung bezeichnete Herr Dr. AbeJ.es, den Beruf eines Rabbiners als dornenvoll, aber auch ehlfenreich; besonders die heutige spontane Ovation an dem heiligen Tage und an geweihter Stätte hat seinem Herzen wohlgetan und soll ihm ein Ansporn sein für sein ferneres Wirken auf religiössittlichem Gebiete. Hierauf sang der Tempelchor unter der trefflichen Leitung des Dirigenten Herrn Reisemann das Hallelujah. In seiner Neujahrspredigt, die Herr Dr. Abeles dann von der Kanzel aus hielt, wandte er sich vornehmlich an die Mütter, ihnen das Wohl und Heil ihrer Kinder ans Herz legend. Einen flammenden Protest gegen die Verderbtheit der Sitten erhebend, betonte Dr. Abeles, daß es ohne Religion keine Sittlichkeit und somit auch keine Glückseligkeit geben könne. An die Haftora anknüpfend, warnte er davor, die Jugend als Prunk- und Ziergestalten zu erziehen, sondern dem Beispiel der Channa zu folgen, die ihr Kind dem Hohepriester zur Erziehung übergeben, damit es Gott geheiligt sein soll. Diese mit oratorischer Vollkommenheit gehaltene Predigt übte auf alle Anwesenden den tiefsten Eindruck aus. N. Ch. Am Erew-Rosch-Haschonoh feierte die Kultusgemeinde Znaim das fünfundzwanzigjährige Amtsjubiläum ihres beliebten Rabbiners Prof. Dr. J. Kahan. Der Jubilar ist als hervorragender Gelehrter von Ruf bekannt. Das Fest brachte ihm eine überwältigende Fülle von Ehrungen. Im dekorierten Sitzungssaale der Gemeinde versammelte sich der Vorstand sowie die Vertretung des Frauenvereines unter Führung der Präsidentin Frau Brüll zu einer Festsitzung. Der Präsident Majorarzt Dr. Wolfenstein richtete an den Jubilar eine herzliche Ansprache, in welcher er darauf hinwies, daß ein solches Fest zum erstenmal seit dem Bestand der Kultusgemeinde gefeiert wurde. Er pries Rabb. Prof. Dr. Kahan nicht nur als bekannten Gelehrten, sondern auch als selbstlosen, beliebten Seelsorger und überreichte ihm das kostbare und prachtvolle Geschenk der Gemeinde. Als gewesener Schüler nahm Vorstandsmitglied Rechtsanwalt Dr. Ludwig Barth das Wort, dankte dem Gefeierten für sein Erziehungswerk als Lehrer der Jugend, die er zu stolzen, bewußten Juden heranzuziehen verstand. Nun wurde der Jubilar durch das Spalier der gesamten jüdischen Schuljugend, begleitet vom Gesamtvorstand der Kultusgemeinde, zu seinem blumengeschmückten Sitze geführt. Hier überreichten die Mittelschülerinnen das Geschenk der Schuljugend. Beim Betreten des Gotteshauses wurde der Jubilar mit .,Boruch-Habo", Komposition von Oberkantor Handgriff, angeschlossen der Psalm „Halleluja" mit Chor und Orgel von Prof. Vogel, empfangen. Sodann bestieg der Jubilar die blumengeschmückte Kanzel, dankte tief ergriffen für alle Ehrungen und warf 'einen Ueberblick über die Entwicklung der Kultusgemeinde während der letzten 25 Jahre. In der Wohnung erschien der Vorstand der Chewra Kadischa mit Obmann Adolf M i n k u s, Obmannstellvertreter Oberstaatsbahnrat Ing. Reich, welcher eine wirkungsvolle Ansprache an den Jubilar hielt und das Ehrenmitgliedsdiplom überreichte. Er erschienen Deputationen von verschiedenen jüdischen Vereinen. Amtsantritt. Nach einer dreijährigen Vakanz schritt der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien an die Besetzung der Ersten Kantofstelle im Gemeindetempel des 21. Bezirkes. Von den fünf Kandidaten, die in diesem Bezirke zur Probe sangen, ging Herr David Gross, früher Oberkantor in Ung.-Brod (Mähren), sowohl ob seiner echt traditionellen Vortragsweise als Chasen, wie nicht minder als moderner Kantor einerseits, ferner ob seiner Schlichtheit seine ungeschminkten Charakters und nicht zuletzt ob seiner Frömmigkeit und Religiosität, welch letztere bei einem ,.Scheliach- Zibur" besonders in die Wagschale fallen muß, als gewählt hervor. Von all diesen Motiven ließ sich der Bethausvorstand 'des Bezirkes unter der bewährten Leitung seines Obmannes &elf&* IROTGA55E-1 JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien IL, Taborstraße 44

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.