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Die Wahrheit · 1924-10-10 · Heft 41 (10.10.1924) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 41 (10.10.1924)
Date
1924-10-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 41 DIE WAHRHEIT Seite 1! .Herrn Gabriel Dukes leiten und führen. Am Vorabende des Rosch-Haschonohfestes hat Herr Gross seine Tätigkeit aufgenommen, und was von ihm als Chasen erwartet wurde, traf in vollem Umfang auch ein. Sein Vortrag fand allgemeinen Beifall. Es ist zu hoffen, daß Herr Gross sein Amt als „Scheliach-Zibur" zu würdigen verstehen wird und seine Obliegenheiten und Pflichten voll und ganz zur allgemeinen Zufriedenheit auch erfüllen wird. .....tz. Barmizwahfeier. Samstag, den 4. d. M., fand im Pazmanitentempel die Barmizwahfeier des Studenten Alfred Singer, Sohn des Herrn Tobias Singer, Prokurist der Firma Lässig, Schönherz & Co., Wien, und seiner Gattin Rachel unter großer Beteiligung der Verwandten, Freunde und Verehrer der Familie statt. Herr Rabbiner Dr. S. Funk richtete an den Konfirmanden eine zu aller Herzen gehende eindrucksvolle Ansprache, in welcher er besonders den religiösen Sinn des Vaters und die edlen humanitären Bestrebungen seiner Eltern hervorhob und dem Sohne die Pflicht auferlegte, solchen Beispielen jederzeit nachzueifern. 60. Geburtstag. Herr Eisenhändler Gottlieb Drab, Vorstandsmitglied des Bethausvorstandes des Bezirkes XVI/XVII, Obmann des Greisenschutzvereines sowie Ausschußmitglied zahlreicher humanitärer Vereine, feierte vor kurzem im engsten Familienkreise seinen 60. Geburtstag. Die vielen Freunde und Verehrer, die Herr Drab unter den Gemeindemitgliedern der beiden Bezirke besitzt, ließen es sich nicht nehmen, ihm aus diesem freudigen Anlasse Beweise ihrer Sympathie und Verehrung zukommen zu lassen. Todesfälle. Im Alter von vierundsiebzig Jahren starb vor wenigen Tagen der ehemalige Magistratssekretär Doktor Wilhelm L ö w y und wurde unter großer Beteiligung am 23. d. M. beerdigt. Er war ein aufrechter, treuer, gesinnungstach tiger Jude, ein durchaus tadelloser Charakter, von besonderer Festigkeit, ein edler, guter Mensch. Seine Tätigkeit im Magistrat als Chef des statistischen Amtes fand hohe Anerkennung. Der antisemitischen Strömung unter Lueger mußte er vor seiner Erwählung zum Magistratsrat weichen. Weiskirchner war sein Unterbeamter gewesen. Um die jüdische Gemeinschaft erwarb er sich große Verdienste als Sekretär des ehemaligen Galizischen Hilfsvereiaes durch Organisierung industrieller Heimarbeit in Galizien und Veranstaltung von Verkaufsausstellungen. Seine Leistung wurde auch von den Staatsbehörden anerkannt. Als Redakteur der Mitteilungen der Bnai Brith-Logen bewährte er sich durch viele Jahre. Wo immer er wirkte, wurde sein Scharfsinn, sein unermüdlicher Fleiß, die strengste Selbstdisziplin und Sachkenntnis, Wahrheitseifer, Gerechtigkeit und Güte bewundert. Um ihn trauert seine, treue, wackere Gattin, geb. Frankel, seine Tochter und sein Schwiegersohn Richard L i s s a u und Enkelkinder. An der Bahre würdigten seine hohen Verdienste der langjährige Freund der Familie Rabbiner Dr. David Feuchtwang, der Großsekretär der B. B. L. Direktor Hecht, und der Obmann des Vereines der Schaffaer. Das Andenken dieses ausgezeichneten Juden und Menschen möge zum "Segen sein. D. F. Am 26. Juli dieses Jahres verschied in Luxemburg der langjährige verdienstvolle Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde Herr Albert Reinhard im 71. Lebensjahre. Der Verblichene entstammte einer schlichten Arbeiterfamilie und gehörte ursprünglich selbst dem Handwerkstande an; durch eisernen Fleiß, durch musterhafte Ehrlichkeit und Redlichkeit und durch ein geradezu ungewöhnliches Maß bewunderungswürdiger Energie brachte er es im Laufe der Jahre zu einem der größten Industriellen seines Vaterlandes, zum Begründer and Besitzer eines Welthauses. Albert Reinhard, der Besitzer hoher Orden und Auszeichnungen — er war u. a. Offizier der königl. Krone von Belgien, Ritter des Leopoldordens usw. — war auch Mitglied des Schiedsgerichtshofes der internationalen Handelskammer, Ehrenpräsident des israelitischen Konsistoriums und Gönner und Förderer aller humanitären Anstalten und Einrichtungen seines Vaterlandes. Anderen Freude zu bereiten war seine höchste Freude und auf dem Gebiete der Wohltätigkeit war er geradezu ein Künstler. In einer sehr gelungenen Trauerrede schildert der Landesrabbiner des Großherzogtums Luxemburg, Herr Dr. S. Fuchs- ^lumenstein, den unersetzlichen Verlust, den seine Gemeinde und ihre Institutionen, das große Heer der Arbeiter, der Armen und Notleidenden durch den Tod dieses hervorragenden Mannes erlitten. Aber auch der Redner selbst ist vom Schmerze überwältigt, denn er hat seinen besten und aufrichtigsten Freund verloren! Diese — man könnte sagen — persönliche Note zieht sich wie ein roter Faden durch die große Rede, die sich als eine oratorische Leistung präsentiert. Wie sagen doch unsere Weisen: Aus der Art der Trauerrede erkennt man die wahre Bedeutung des Verstorbenen. Nun, Herr Albert Reinhard war eine bedeutende Persönlichkeit. Dr. Felix Kanter. Gedächtnisfeier. Sonntag, den 5. d. M., wurde vom Allgemeinen Kranken- und Unterstützungsverein ,JA o n t e f i o r e" im Sitzungssaal eine Trauerandacht für den langjährigen, überaus verdienstvollen Obmann und Ehrenpräsidenten weiland Herrn Moritz B o n d i abgehalten, zu der sich außer dem Gesamtvorstand zahlreiche Familienangehörige und Freunde des Verstorbenen eingefunden hatten. Unter anderen waren erschienen : Kommerzialrat Alfred Landesberge r, Ehrenpräsident Paul S ch w a r z s t e i n, Chefredakteur Ludwig Hirschfeld. Obmann Bezirksrat Edmund H o i f m a n n fand tief empfundene Worte dankbarer Pietät für das hingebungsvolle Wirken des Verblichenen und entwarf ein treffliches Bild des selbstlosen und fleißigen Mannes, dem ein schönes idyllisches Familienleben beschieden war und der sich besonders durch sein gütiges, bescheidenes Wesen die Sympathien der weitesten Kreise erworben hat. Nachdem das langjährige Vereinsmitglied Herr Jakob Gelles das „Elmole rachamim" rezitiert hatte, würdigte der Obmann des Witwen- und Waisenfonds-Vereines „Montefiore", Herr Heinrich G r o n n e r, die großen Verdienste des Verstorbenen um diese Institution, deren Gründung vor allem ihm zu verdanken war. Er gab dem Wunsche Ausdruck, daß das Andenken Moritz Bondis ein gesegnetes bleiben möge. Großer Propagandaabend. Die Propagandasektion der „Union deutschösterreichischer Juden" veranstaltet am 25. Oktober 1924 im großen Festsaale des Hotels Continental, Wien IL, Taborstraße, den ersten großen Propagandaabend in der diesjährigen Saison. Derselbe wird durch einen Vortrag des Präsidenten Herrn Dr. Jakob Ornstein eingeleitet werden. Vorläufig haben folgende Kunstkräfte ihre Mitwirkung zugesagt: Frau Clara Musil, ehemaliges Mitglied der Volksoper und Konzertsängerin, Frau Blanka G1 o s s y, Mitglied des Burgtheaters, Robert Goldsand, der bekannte jugendliche Pianist, Frau Lena Andersen, Violinvirtuosin, Herr Sigi H o f e r und Schriftsteller B r e y e r. Karten sind bei den Vorstandsmitgliedern der Sektion Herrn Julius Brückner, I., Bauernmarkt 10, Herrn Dr. Edmund Korn, Rechtsanwalt in Wien I., Rotenturmstraße 29 und Brüder K1 i n g e r, Wien I., Marc Aurelstraße 8 erhältlich. Das Judentum bei Oswald Spengler. Die unter diesem Titel von Dr. Max G r u n w a 1 d seinerzeit in der „Wahrheit" veröffentlichten Aufsatzreihe ist auf Wunsch des Berliner „Philo-Verlages", Lindenstraße 13, vom Verfasser mit einigen Ergänzungen als Broschüre herausgegeben worden und durch den genannten Verlag als Broschüre zu beziehen. Aufträge der Stadt Wien an einen russisch-jüdischen Bildhauer. Der jetzt in Wien weilende jüdische Bildhauer aus Rußland Max Farbmann, der unlängst durch seine Werke, u. a. durch seine Modellierungen des Bürgermeisters Seitz und des Schriftstellers Karl Kraus in der Wiener Gesellschaft bekannt geworden ist, erhielt von der Kunstabteilung des Wiener Stadtrates den Auftrag, eine Reihe Büsten bedeutender österreichischer Staatsmänner zu schaffen. Farbmann hat eine größere Anzahl Kunstwerke nach jüdischen Motiven geschaffen; sehr geschätzt werden seine Modellierungen von Typen aus den Werken des jüdischen Dichter-Humoristen Schalom-Alechem. Richtigstellungen. Bei der Neujahrsgratulation des Herrn Kommerzialrates Gustav Stössler und Familie in der letzten Nummer der „Wahrheit" war die Adresse falsch angegeben. Dieselbe lautet: XV., Märzstraße 28. Weiters ist auf Seite 13 statt Jacob der durch seine Tätigkeit im Vorstande des „Vereines der Tempelfreunde" und des Unterstiitzungsvereines „Montefiore" bestbekannte Herr Hermann Wassermann, auf Seite 21 statt Josef: Adolf Fischer, Besitzer der Selchwarenfabrik „Wienea", und statt Samuel: Restaurateur Salomon Grüner zu lesen. Schließlich wurde eine Neujahrsgratulation durch ein technisches Versehen ausgelassen, und zwar die des Herrn Kommerzialrat Josef Blau Besitzer des Cafe „Donau" IL Praterstraße 10.

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