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Die Wahrheit · 1924-10-10 · Heft 41 (10.10.1924) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 41 (10.10.1924)
Date
1924-10-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seife* DIE MJ&BBBXt Nr. 41 „Frankreich, die Republik Rothschild." Unter diesem Titel bespricht das „Nordböhmische Tagblatt" in seiner subjektiven Weise ein antisemitisches Monatsblättchen, dessen Herausgeber den verdächtigen Namen Rosenberg führt! Eine kurze Probe genügt: „Republique Francaise" R. F. Schon lange hat der Volksmund schlagfertig daraus „Rothschild Freres" gemacht. Erschütternd selbst für Wissende ist der im Septemberheft des „Weltkampf", Monatsschrift für die Judenfrage aller Länder, Herausgeber Alfred Rosenberg (Deutscher Volksverlag Dr. E. Boepple in München), erschienene Hauptartikel unter dem oben angegebenen Titel: „Frankreich, die Republik Rothschild" von Alfred Rosenberg. Schritt für Schritt wird verfolgt, wie Frankreich seit der Zeit Ludwigs XVI. unaufhaltsam in die Krallen der raub- und machtgierigen Juden, der jüdischen Bankfirma Rothschild und ihrer Genossen aus der Rue Lafitte, geraten ist. Es ist ja so gleichgültig, wer in Frankreich an der Herrschaft ist, eine rechte oder linke Mehrheit. Die Geschäfte, die auf jeden Fall besorgt werden, sind nur die der jüdischen internationalen Hochfinanz. In einem zweiten Artikel. „Rumäniens Knechtung" von M. Adamescu, dasselbe Bild aus neuester Zeit. Rumäniens Industrie und Landwirtschaft werden systematisch von den Polypenarmen des unersättlichen Ungeheuers Juda eingefangen und ausgesogen. Und Italien! Auch in dieses Land des nationalen Aufschwunges dringt das jüdische Gift langsam aber unaufhaltsam, ein. Reich ist das Heft auch an Meldungen über Jüdisches und Allzujüdisches aus allen Ländern. Der „Weltkampf" gehört in die Hand jedes Judengegners, welcher Nationalität er auch sei. Wir können unseren Lesern nur aufs dringendste zu einem Abonnement auf diese in ihrer Art einzige deutsche Monatsschrift raten. — Rothschild, der bekanntlich mit seinem ganzen Vermögen die weitere Deroute des französischen Francs deckte, muß eben immer wieder herhalten, wenn es gilt, den reinrassigen Lesern des „Nordböhmischen Tagblattes" zu einem Abonnement einer antisemitischen Hetzschrift letzter Qualität zu animieren. R. F. könnte ebensogut Fredi Rosenberg vom „Weltkampf" heißen, aber schlechte Witzpermutationen von Worten überlassen wir dem „Nordböhmischen Tagblatt". Hakenkreuz und Wissenschaft. Unter diesem Titel wurde dem „Abend" geschrieben: Während der Tagung des Naturforscher- und Aerztekongresses in Innsbruck erscheint ein eigenes „Tageblatt", das die Titel der Vorträge und sonstige administrative Mitteilungen für die Kongreßteilnehmer enthält. Das „Tageblatt" wird von der Geschäfsstelle der Tagung herausgegeben, die bei der Aufnahme von Einladungen an die Kongreßteilnehmer etwas vorsichtiger sein könnte. Was soll man dazu sagen, wenn der „Verband alter Burschenschafter" oder der „Akademische Alpenklub Innsbruck" sich nicht entblöden, ihre Veranstaltungen mit dem Vermerk: „Eingeführte arische Gäste willkommen" anzukündigen? Weder dem Ansehen der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte, die zahlreiche jüdische Gelehrte, darunter Einstein, zu ihren Mitgliedern zählt, noch der Tagung selbst kann dieser lächerliche Zusatz teutschen Stumpfsinnes zuträglich sein. Die völkischen Kapitalskämpfer. Der nachstehende Artikel des „Bergedorf-Sander Volksblattes", das im Hamburger Staatsgebiet erscheint, aus der Feder Walter Funders ist geeignet, den Verhefungsprozeß des Antisemitismus zu beleuchten: Der völkische Reichsratsabgeordnete Theodor Fritsch, der einen ausgesprochenen Slawentypus darstellt und sich von der Reichstagssitzung am 12. Juni dieses Jahres drückte, er war jedenfalls nicht erschienen, weil er sich seiner aus dem antisemitischen Agitationsbedürfnis geborenen, sofort erkennbaren Verleumdungen gegen Max Warburg scheinbar schämte, wärmt nunmehr in seinem völkischen „Hammer" erneut die alten Lügen und Tatsachenverdrehungen gegen Warburg wieder auf. Wir verkennen selbstverständlich keineswegs, daß gerade jetzt, wo der Völkismus durch innere Krisen geschüttelt wird, die zweite Garnitur der Völkischen den Prügelknaben machen muß, um noch das Letzte am Völkismus zu retten. Denn Fritsch ist ebenso wie Hitler kein früherer Offizier und hat sich allen Befehlen der früheren monarchistischen Offiziere innerhalb der jetzigen völkischen Bewegungen lediglich zu fügen. In dieser Beziehung sind auch die Kämpfe innerhalb der völkischen Fraktion des Reichstages ein düsteres Kapitel, und diese Richtungskämpfe innerhalb der völkischen Fraktion dringen logischerweise als Zerfallserscheinungen in die völkischen Wählerkreise. Dieser Fritsch, den jedenfalls die früheren Offiziere von der Voraussetzung ihrer krankhaften Offiziersehre nicht als voll ansehen können, leidet unter diesen Zuständen der persönlichen Nichtachtung in seinen eigenen Kreisen furchtbar, und es ist anzunehmen, daß er vielleicht nur unter diesem Gesichtswinkel Max Warburg frisch und munter verleumdet, um sich auf diesem Wege noch nachträglich die Offizierssporen „ehrenhalber" zu holen. Inwieweit dies alles zu weiteren völkischen Krisen und zur allgemeinen Verkrustung des ganzen Antisemitismus gehört, kann heute noch nicht übersehen werden. Ebensowenig wie man sagen kann, wo die Hetze gegen die Republik und den historischen 9. November endet, die damals als Lohnbewegung der verärgerten früheren kaiserlichen Offiziere den Kapp-Putsch auslöste.. Für die völkische Selbstzersetzung wollen wir nur ein paar Tatsachen anführen. Theodor Fritsch und Alfred Roth, die doch immerhin mit zu den intellektuellen Mördern Erzbergers gehören, denn sie haben doch die Atmosphäre für den Erzbergermord geschaffen, wie sie auch später gegen Walther Rathenau hetzten, haben heute den traurigen Mut, sich auf Erzberger zu beziehen. Herr Fritsch behauptet, ein Reaktionsmaurer habe ausgerechnet im „Mecklenburgischen Logenblatt" entdeckt, daß „Freimaurer und Juden" an allem Unglück Schuld seien und rückt dann mit Erzberger heraus, der durch religiösen Subjektivismus beeinflußt in seinen „Erlebnissen im Weltkriege" behauptete: „Während des Krieges ist aber eine zweite Verbindung der französischen Freimaurerei immer schärfer hervorgetreten, nämlich die engen Beziehungen, die zwischen Freimaurerei und Judentum — vertreten durch die Alliance Israelite — bestehen. Die leitenden Männer der Alliance Israelite sind fast durchwegs Franzosen und gleichzeitig Freimaurer, dergestalt, daß, wenn der Großorient Paris eine Plenar-Versammlung abhält, man ohne Uebertreibung sagen kann, daß sich in ihm gleichzeitig die Vorstandschaft der Alliance versammelt." Wir haben uns schon oft genügend mit dem jesuitisch-antisemitischen Subjektivismus auseinandergesetzt, und unsere Leser wissen genau, wo die Völkischen ihre geistigen Anleihen aufgenommen haben. Aber auch sonst haben Fritsch und Roth keine Veranlassung, auf ihre moralischen Mitarbeiter stolz zu sein. Denn: Daniel Huß, der gewesene Drucker der „Deutschvölkischen Blätter" wurde im Kriege wegen Granatenschiebung mit Gefängnis bestraft. Der völkische Reichstagsabgeordnete Paul Schröder verkaufte vor ein paar Jahren die Podeuswerke in Wismar an eine jüdische Schrottfirma in Berlin. Der berüchtigte antisemitische Silberschieber Hans Altschwager in Schwerin wird durch eine völkische Justiz „gedeckt". Friedrich Bechly, der Redakteur der rechtsradikalen „Mecklenburger Nachrichten" spielte in den Verbrecherprozessen um Karl May und Lebius eine strafrechtlich unsaubere Rolle. Der Völkist Georg Quindcl in Hannover ist durch seinen Schlageter-Gedächtnisbimd und seine Gefängnisstrafe wegen Betruges und Unterschlagung in ganz Deutschland bekannt geworden. Kaiser Franz Joseph und die Juden. Wir erzählen unseren Lesern nichts Neues, wenn wir mitteilen, daß Kaiser Franz Joseph nicht nur kein Antisemit war, sondern daß er auch seiner freundlichen Gesinnung gegenüber den Juden kein Hehl gemacht hat. Die „Neue Freie Presse" veröffentlicht jetzt interessante eigenhändige Depeschen und Briefe des verstorbenen Kaisers aus dem Geheimarchiv des kaiserlichen Zivilkabinetts, aus welchem auch die Stellungnahme des Kaisers gegen die antisemitischen Unruhen hervorgeht. Im August 1883 gab es in Budapest arge antisemitische Unruhen. Sie dauerten drei Tage. Der Mob plünderte und raubte. Die Unruhen wurden von Verhovay und Istoczy angezettelt. Militär mußte ausrücken, um die Ruhe wieder herzustellen. Die blutigen Krawalle empörten den Kaiser und er forderte Tisza auf, den Vorgängen ein Ende zu bereiten. Seine chiffrierte Depesche hierüber lautet: Ich hoffe, daß Wiederholung der schon drei Abende dauernden Exzesse mit Entschiedenheit verhindert werde. Bitte sich mit dem Korpskommando wegen ausgiebiger und durchgreifender Verwendung von Truppen ins Einvernehmen zu setzen. Die „Neue Freie Presse" teilt auch ein anderes interessantes Detail mit. Bei Gelegenheit einer kaiserlichen Tafel, an der auch ein dänischer Prinz als Gast teilnahm, rühmte der Kaiser den

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