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Die Wahrheit · 1924-10-10 · Heft 41 (10.10.1924) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 41 (10.10.1924)
Date
1924-10-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41 DIE WAHRHEIT Seife 3 Nachricht, daß mein väterlicher Freund und Meister Dr. Joseph S. Bloch dahingeschiedlen sei. Als ich am 30. September v. J. Wien verließ, um mich in Cherbourg nach Amerika einzuschiffen, war der Zustand des trefflichen Mannes nicht ein derartiger, daß man ein so jähes Ende hätte erwarten könnten. Noch im letzten Augenblicke vor meiner Abreise, erkundigte ich mich telephonisch nach seinem Befinden und erhielt' von seiner Tochter, Frau Rabbiner Dr. Grunwald, eine befriedigende Nachricht. Daraufhin ließ ich mich mit dem Sanatorium in Hütteldorf, wo Bloch in Krankenpflege war und' wo er auch seinen letzten Atemzug tat, verbinden und! bat, den Kranken zu verständigen, daß ich nun endlich meine Amerikareise antrete, aus welchem Anlasse ich ihm einen herzlichen Abschiedsgruß übersende. Es war leider mein! letzter an ihn gerichteter Gruß. Zwei Tage nachher hat Bloch die Augen für immer geschlossen und als ich auf hoher See die Schönheiten der Natur und die S o n n e bei ihrem Untergang e bewunderte, lag sein Körper kalt und starr. Es war mir nicht vergönnt, dem von mir innig verehrten Manne das Geleit auf seinem letzten Weg im Erdendasein zu geben. Ich will es mir daher nicht nehmen lassen, zum ersten Jahrestage seines Todes einige Worte des Gedenkens zu widmen. Ich stand Dr. Bloch in den letzten Jahren seines Lebens sehr nahe — ich merke an, tirote der Namensgleichheit in keinen verwandschaftlichen * Beziehungen — und kann ohne Ueberhebuiig behaupten, daß ich sein volles! Vertrauen genoß. Dr. Bloch hatte in Amerika, das er zweimal besucht hatte, viel Freunde und Verehrer, die um ihn, als um einen unserer Besten, trauerten. Die amerikanischen Juden wußten, daß mit Bloch einer der größten Juden unserer Zeit von uns gegangen sei. Alle Blätter gedachten voll Wehmut des mutigen, zähen Kämpfers für die Ehre des jüdischen Volkes. Denn Bloch hat das Bestehen eines jüdischen Volkes immer bejaht, für ihn war es aber das Volk Gottes, das Volk des Gesetzes von Sinai. (Die heutige jüdisch-nationale Generation wird sich eines spöttischen Lächelms nicht erwehren können, wenn sie erfährt, daß der „Assimilator" Dr. Bloch an die Existenz eines jüdischen Volkes, allerdings im innerliche n Sinne, glaubte.) Unsere amerikanischen Brüder haben Bloch den Dank für sein im Sommer 1922 erschienenes Werk „Israel und die Volke r", in welchem er das Material zu einer grundfegenden Apologetik des Judentums mit Bienenfleiß zusammentrug, in überaus schöner Weise bekundet. Louis M a r s h a 11, der bekannte Führer des amerikanischen Judentums, bestellte vom genannten Buche fünfhundert Exemplare und ließ es durch das „American Jewish Commitee", dessen Präsident Marshai ist, an hervorragende Vertreter dest Christentums, an bekannte Männer der Wissenschaft und' an Bibliotheken versenden. (Das Buch erscheint bald in der ausgezeichneten Uebersetzung Harry Schnei der manns — des Sekretärs des „American Jewish Commitee" in New-York — und mit einem Geleitworte M air s h a 11 s auch in englischer Sprache.) Dr. Joseph S. Bloch war eine der Ersten, der den Wert der Abwehr im Kampfe mit unseren Gegnern erkannte. Dank dieser Erkenntnis konnte er in jahrelanger opfervoller Arbeit diie von ihm begründete „Oesterreichische Wochenin dem Reiche der Träume — Und das Schöne blüht nur im Gesang." Nach der Zerstörung des Tempels zu Jerusalem war Trauer in Israel eingezogen, aufgehört hat Gesang und finden wir im Talmud Gittin, daß so wie Musik auch Gesang verboten wurde, während im Talmud! Sanne drin der Gesang nur mnemonisch als Hilfsmittel gestattet war. H a i - G a o n bewilligt nur Lieder und Gesänge, die moralisch, nicht heirizverderbend waren. Die Lieder des Landmannes, so er mit seinen Ackertieren in seinen Feldern die Furchen zog, denn der Gesang übte selbst aufs arbeitende Tier Ermunterung. Die Schiffer und Segelfahrer auf offener. See, sie hatten ihre Schiffslieder. Nicht gestattet waren Lieder der Geirber, sie waren unzüchtig, unmoralisch, herz verderbend. Vor Gott wird der Gesang zufölgs seiner Schönheit besonders hervorgehoben (Zunz). Große Verdienste in den gottesdienstlichen Gesängen erwarb sich Isak A b a r b a n e 1 und R. Jakob L e v i (Mölln) auch M a h a r i 1 genannt; dieseir war Rabbiner in Mainz. Mit diesem Maharil begann eine neue Epoche dies Synagogen-Gesanges. Die: synagögalen Gesänge im Judentume waren im Mittelalter freiwillige Leistungen. Jede Gemeinde hatte gute Kräfte, religiöse und bibelfeste Talmudgelehrte, die mit wohlklingenden Stimmen das Vorbeteramt versahen. Die verschiedenen traurigen Vorkommnisse im Judentume wirkten verstimmend aufs Herz und Gemüt der Vorbeter. Die traurigen Ereignisse am Rhein, die Kreuzzüge, die Drangsalierungen in Mainz, Speier, Worms, Rothenburg und anderen Orten kl Deutschland, so auch die Verfolgungen und Metzeleien in Rußland, Wolhynien und der Ukraine. Mit wahrer Pietät und! liebevoll sind! zu gedenken unserer alten Baaltephillos. Wenn ein mit guter Stimme begabtes Mitglied in einer Gemeinde moralisch, jüdischwissenschaftlich lebte, wurde dasselbe von der Gemeinde aufgefordert, die Festgebete an unseren Jomtowtagen vorzutragen. C h i a bar Ada, der eine schöne Stimme besaß, wurde von seinem Oheim mit den Worten aufgefordert: „Gehe hin, mein Sohn, und bete vor." Im liebevollen Erinnern denkt Schreiiber dieser Zeilen der vorzüglichen Baaletephillos mit ihren schönen Gesängen in seiner ach nun zufolge der Pogrome arg gelichteten Judengemeinde Holleschau, wo Männer jüdischer Gelehrtheit, echter Frömmigkeit stimmbegabt unsere hohen Feste mit ihren Vorträgen verherrlichten, Israel Deutsch, der mit seiner Nachtigallstimme das Kolnidregebet hörem ließ. Moses J e 11 i n e k» ein Talmudgelehrter, das Geschem gebet und Abraham Recht das Tal gebet, dann Nussbauirü als Chasan die Festgebete vortrugen.. Noch lebt däeser alte Kultus

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