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Die Wahrheit · 1924-09-26 · Heft 39-40 (26.9.1924) · page 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 39-40 (26.9.1924)
Date
1924-09-26
Page
– (sequence 32)
Language
German
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State 30 DIE WAHRHfeif Wr« 36/40 TT Von Woehe zu Woche Das Wesen der Zdokoh. Der Duhner Maggid suchte eines Tages einen redeten Mann auf, der mehr Thoragelehrter als Wohltäter war. um ihn zu einer Gabe für -eine arme Braut zu veranlassen. Um auf seiü Thema zu komimien, leitete der Dü'bner mit einer Schrifterldärung über das Zdokohgeibot ■edfrir. Der Reiche wollte, dfen Zweck iiieht verstehen und antwortete seinerseits mit ThorawÖrten.. Der Mäggiid wurde d^fcher und trtitg die' Abhandlung des Mähhouideis über dSe asht Grade der Zdokoh vor. Der Hausherr zeigte sich aber sehr bewandert und fügte noch die Erklärungen der Kornimsentare hinzu: Da wurde es dem Rabbi doch m\ -bunt und: er (erzählte folgernde Geschichte: „Ein Reisender führ einmal über das Meer und gelangte auf, eine .Insel, wo im an die Datteln nicht kannte: Er zeigte den Bewohnern eine, solche, und sie. wären *p begeistert von.den Vorzüg&ii di%set köstlichen Frucht, .-daß sie .nhn mit Gold und Silber überhäuften, damit er ihnen Däiteln in Menge besorge. Der Mann lieferte, was er konnte, und war mit seinem Geschäfte zufrieden. Ein anderer Geschäftsfreund, der dieses hörte, dachte* mit Datteln seien nun die Leute genügend versorgt, ich werde ihnen jetzt Feigen anbieten und werde «och mehr Gold und Silber einstecken. Ais Cr Jrart seinen Feigenvörräten dahin kam. ergötzten sich die Leute an .dieser nie gesehenMi Frütcht gär sehr,, lobtaji sie über alle Maßen und! sagten, sie verdiene den höchsten Priels. Aber sie bezahlten, die Feigen — mit Datteln . . ." „Es hat keinen Wert," erklärte sich der Maggid' noch näher, „wenn wir Feigen um. Datteln . austauschen. Geld muß ich haben für die armer) Bräute, die der Ausstattung harren." Liquidation des „Hias". Die jüdisch-amerikanische Emigrationsgesellschaft „Hias" hat die Liquidierung ihrer Stellen in den einzelnen europäischen Ländern eingeleitet. Sämtliche Emigrationsbureaus. die der „Hias" in Rumänien, Lettland, Litauen, Estland, Polen und anderen Ländlern erhält, sollen bereits in den nächsten Wochen aufgelöst werden: Der „Hias" will nur eine einzilge Abteilung, die für Geidüberweist! n g e n aus Amerika an Emigranten, bestellen lassen. Die Agenden der bisherigen Emigrationsbureaus .sollen vom Vereinigten jüdischen E in i g r ä t i o h skoinitee, dessen Zentrale sich in Berlin befindet, übernommen werden. Die jüdischen Äerzte in Palästina. Laut einer in der in Palästina erscheinenden, medizinischen Fragen gewidmeten Fachzeitschrift, „H aref u ah", veröffentlichten Statistik gab es anfangs 1924 in Palästina 198 j ü d i s c h e A e r z t e auf ein e Gesamtzahl von 343. Apotheker zähle Palästina 117 und Hebammen 70. Eine jüdische Deputation beim abessinischen Regenten. Aus Paris wird berichtet: Kurz vor seiner Abreise empfing der abessinische Regent Ras T a f a r i eine Delegation der A11 i anc e Israelit e, die bei ihm in Angelegenheit der A11 i a n c e - S c h u 1 e n in A b e s s i n i e n intervenierte. SiOvain Levy schilderte ihm die Geschichte der Ailiance- Schulen und ihre Tätigkeit unter den Falaschas, und ersuchte ihn, idie Daseinsbedingungen der Falaschas zu erleichtern und seinen Schutz auf sie auszudehnen. Der Reigent erwiderte, daß er sofort nach Rückkehr in die Heiimat diese Frage seinem Kabinett zur Erledigung vorlegen •■ werde. Er sei überzeugt, daß seine Regierung ihr Möglichstes tun werde, um die Lebensbedingungen der Falaschas unter, dem Schutze der Regierung zu erleichtern. Er persönlich werde dafür Sorge tragen, ihnen vollste Freiheit zu gewähren. Graz. Die beiden Kongresse gegen den Mädchenhandel und zur Bekämpfung der Prostitution sind zu Endie, wirken aber noch formier geistig hier nach, denn sie brachten uns zahllose Gäste von bedeutendem Namen hieher. Aber auch wir Juden können bei der Inventur auf eine glänzende Bilanz hinweisen. Wurde doch ■zum Präsidenten (des ersten Kongresses, an welchem auch zahlreiche Juden vertreten waren, kein Geringerer als Claude G. M o n t e f i o r e' aus London gewählt, der sein Amt mit einer Vornehmheit und einem Takte leitete, der ihm die Hochachtung und Bewiunderiung aller Kreise zuzog. Seine Reden waren Meisterstücke der Rhetorik undder Vornehmheit Am Fredtag, den 19., veranstaltete die is^äelitiBche Kültusgememde einen, Festgottesdienst, der voh-/einer MJjiiis£^erf iieseilschäft besucht, war, und aus welohem Anlasse Herr Landesrabbiher. Dr.- Herz.pg di.e Festrede gehalten und der. neugewählte Öbefkahtof, Herr K.atz, in meisterhafter Weise die kantoralen Funktionen VÖrsfeheh. hat.. Am Sonntag färtd miitags eine: Begrüßung in der Burg statt, bei der Herr .Landesrabbiner Dr. Herzog vom Bundespräsident Df. Ii a i ij i $ c. K ebenfalls ins Gespräch gezogen wurde. Am Abend fand däfnl mi Stefanierlsäaie, dem größten und schönsten Saale von Graz, eine Festsitzung statt, bei der eine .geistige Elite beisammen jv«r, ivi'i" sie, wie der Vorsitzende sägte, dieser Saal wohl noch nicht gesehen häfcte^ 25, jkü^tu'rstääteh waren vertrete», und einie nach Tausenden zählende Merige äiüs alten Schlichten' der Bevölkerung füliltei nicht allem den.Saal,,sondern äiieh däs anstoßenden Räumlichkeiten. Zuerst sprach der Land.eS-- haüptman n, dann der Bürgermeister,, hierauf Kardinal Pröehäskä, Bösohof aus Stuhl w ei ßenblurg, jfiki die katholische Kirche; Hof rät. Moli« aus Wien für die evangelische. Gemeinde , und .dannt Dozent Dr. Herzog, Landesrabbiner für Steiermark,, für die Juden. Dr. Herzog hielt unter frenetischem Beifall der" gähzeri. Versammlung folgernde Ansprache an dien Kongreß: Hoher Kongreß, niteinö verehrten Damen und Herren! Ich habe zunächst die ehren'-' volle Aufgäbe, dem hohen Kongresse irn Auftrage zweier, hervorragender Persönlichkeiteil Glück und Segen für seine Arbeiten' züw entbieten.,, und zwäf .vöri Seiten dies Herrn Professors ör. Israel. L e v y, grahdi rabbini de France, et d'Algerie, und vom Chief rabfn des' britischen Reiches Herrn Dr. Hertz. Hieran anschließend gestatte ich mir,, den hohen Kongreß, im Namen der Judenheit, welche sich mit deii Bestrebungen deis Kongresses ftestlos .einverstanden erklärt, aufs herzlichste zu begrüßen. Ist doch in dei), •^bieiten. des Kongresses das tiefe Sehnen nach edlen, SitÜöMö Täien* deutlich zu fühlen, und empfinden wair Jnden ih. den gefaßten Beschilüsisen einen Anklang an jene Beschlüsse, welche unsere Ahnen in einer der schwersten Zeiten unseres Stamimieis im Söller zu Lydda gefaßt haben und die dla lauten, mall' htüsse sich töten lasseil, wenn eis 'Uht Mord,. Götzendlienst und.JUnsittlichkeit gehe. So verwerflich erschieii ihnen jedwiejdte Ünsittlichkeit! Allerdings, bin ich der Meinung', dläß alle, strabungea des hohen Kogresses solange Stückwerkbleib eil werden, als bis nicht Üii allen Menschen der Gedanike der Nächstenliebe und ein ttefehipkndenes Verantwortlich k e i t s g e f ü h 1 verankert sein wend'eti, ^eat wif nur dann hoffen können, daß die Starkem deii Schiwädheti helfen werden. Denn letzten Endes haben ja alle die Üebei, die auf dem Kongresse besprochen worden sindy ihre Ursachen zum großen Teil in der wirtschaftlichen Not. Darum wird) hier der Hebel zunächst angesetzt werden müssen. Neben der Milderung der wirtschaftlichen Not aber. Wiiird eine Vertiefung der Sittenlehren, wie «ie die ver.scbiederieü Reiigibilä* genossenschaften Lehren, unbedingt nötig seife Dehn danhi Wiird die Menschenachtunig und idi'e Menschenschätztung züj der. Höhe gesteigert wenden, wie sie irt der Idee der Gottesebenbidiiichkeit der Menschen vorausgeahnt äst. Wenm nuni die Beratungen des ihohen Kongresses hierzu beigetragen haben, dann werden seine Arbeiten ein MeilenzeLger auf dem Wege des Glückes und der Freiheit der Menschen sein. Wir: hoffen dies und darum rufe ich dem hohen Kongresisa m, was ich schon in meinem, dem Kongresse gewidmeten, gedruckten Gruße gesagt habe: wdir Juden werden stets in den ersten Reihen derer stehen, welche sich die Bekämpfung des Mädchenhandels und anderseits die sittliche Hebung der Gesamtmensohheit zur Aufgabe gestellt haben. Die Rede, mit hervorragender oratonischer Eloquenz vorgetragen, löste einen Sturm der Begeisterung aus, der den Vorsitzenden Herrn Professor U d e veranlaßte zu sagen, solche mit so ehrlicher Ueberzeuigung dargelegten Ausführungen, müssen auch jeden guten Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detail verkauf: Wien II.j Glockengüsse 24 ,; Wien IL, TabprstrajJe i4

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